London

London, Southwark Station (Bild: Adam Smith, CC BY SA 2.0)

Wird Southwark Station abgerissen?

London gehört zu den europäischen Metropolen, die sich rasant verändern. Wohnen ist teuer, Baustellen in der Tube werben damit, dass der Transit nach dem Umbau „noch schneller“ stattfinden kann. Als in den späten 1990er Jahren die Fortführung der Jubilee Line gebaut wurde, hatte Sir Richard MacCormac – der Architekt der Southwark Station – ein zukünftiges Wachstum mit eingeplant: Bis zu 11 Stockwerke könnten über der Tickethalle errichtet werden, ohne dass die Fundamente Probleme bereiten. „Transport for London“ (TfL), die Dachorganisation, die den Transport in London koordiniert, wollte allerdings viel höher bauen und damit das attraktive Grundstück maximal ausnutzen, wie die „Times“ mit schönen Architekturbildern berichtet.

Die direkt dem Londoner Bürgermeister unterstehende TfL hatte Kulturministerin Karen Bradley gebeten, die erhaltungswerten Bahnhofsbauten auf der Linie zu benennen. Southwark Station erhielt keinen Denkmalstatus, obwohl die Gestaltung nach der Fertigstellung mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet worden war. Die Twentieth Century Society, die die Prüfung der Denkmalwürdigkeit angeregt hatte, möchte die Pläne zum Abriss der Tickethalle nicht ohne weiteres hinnehmen und will nun juristische Schritte prüfen. Das geltende Denkmalrecht erschwert Gebäuden, die jünger als 30 Jahre sind, die Aufnahme in die Denkmalliste. Vielleicht kann eine engagierte Öffentlichkeit helfen? (df, 12.8.17)

London, Southwark Station (Bild: Adam Smith, CC BY SA 2.0)

Wroclaw, BrutalEast (Bild: Zupagrafika)

Papier-Brutalismus

Ein Brutalismus-Wohnblock, der zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist? Klingt komisch – ist aber so. Denn er ist aus Papier und kann in den heimischen vier Wänden sowohl gebaut als auch aufgestellt werden. Die polnischen Bastelbogen-Künstler von ZUPAGRAFIKA bieten eine breite Palette solcher Papier-Brutalismen an: Im Programm sind etwa moderne Schönheiten aus London und Paris. Ebenso kann man sich in den Grundformen und Primärfarben des Konstruktivismus seine eigene „Avantgarde-Siedlung“ zusammenbasteln.

Nun gibt es auch sieben grandiose Beton-Burgen des ehemaligen Ostblocks zu kaufen. Unter anderem der von 1967 bis 1975 entstandene „Manhattan“-Wohnkomlex in Wroclaw/Breslau (Jadwiga Grabowska) und das Haus der Sowjets in Kaliningrad. Wenn Sie also anhaltendes Regenwetter aus dem Freibad in den heimischen Bastelkeller zwingt, haben Sie hoffentlich vorgesorgt. An uns hat es dann jedenfalls nicht gelegen! (db, 30.7.17)

Breslau, Hochhaus-Bastelbogen (Foto: Copyright Zupagrafika)

Londons U-Bahn-Modernismus

Weber: Modernismus (BIld: Mann-Verlag)
Die U-Bahnhöfe von London repräsentieren eine spezifische englische Moderne (Bild: Gebrüder-Mann-Verlag)

Die Entwicklung der Metros und U-Bahnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war von  transnationalem Austausch der beteiligten Experten geprägt. Erfahrungen mit unterschiedlichen Tunnelkonstruktionen und Baupraktiken wurden länderübergreifend rezipiert. Eine der meistbeachteten U-Bahnen der Welt war und ist die London Underground. Gerade in ihrer sichtbaren Architektur entwickelte sie bis 1933 eine spezifische Ästhetik, wie eine jüngst erschienene Monographie von Ulrike Weber herausstellt.

Die Londoner U-Bahnhöfe zeigen demnach eine bewusste nationale Abgrenzung gegenüber dem Internationalen Stil: In Stahlbeton errichtet und mit Backstein verkleidet, verbanden sie englische Traditionen mit hochmodernen Baukonstruktionen. Bei der Genese dieser Formensprache spielte jedoch auch der Architekturtransfer mit dem Kontinent und besonders dem Deutschen Reich eine Rolle. Die Aktivitäten des Deutschen Werkbundes stießen im Vereinten Königreich auf großes Interesse, mit der DIA (Design and Industries Association) wurde 1915 ein britisches Gegenstück geschaffen. Die Dissertation analysiert diesen Austausch und den spezifisch englischen Modernismus der Londoner Metro erstmals umfassend nach architekturtheoretischen und -historischen Gesichtspunkten. (jr, 28.1.17)

Weber, Ulrike, Modernism in England. Londoner U-Bahnhöfe und der deutsch-englische Architekturtransfer vor 1933, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-7861-2745-1.

Neues, altes Design-Museum

London, Commonwealth-Institute (Bild: Tarquin Binary, CC BY-SA 2.5)
So sah das Commonwealth-Institute im Jahr 2005 aus – heute gibt’s mehr Glas und dickere Nachbarhäuser… (Bild: Tarquin Binary, CC BY SA 2.5)

Das Design Museum in London hat ein neues Domizil, das selbst längst eine Design-Ikone ist: Bis zum Jahr 2002 beherbergte der Bau mit dem charakteristisch geschwungenen Dach das Commonwealth Institute, das hier ab 1962 mit Informationen und Kunstgewerbeobjekten Besuchern nahebringen sollte, wie „der Rest des Commonwealth“ lebte. In ein angeschlossenes Kino mit 450 Sitzen wurden Nachrichten aus diesen anderen Teilen der Welt übertragen.

Nachdem lange Ungewissheit über die Zukunft der denkmalgeschützten Anlage von Sir Robert Matthew, Stirrat Johnson-Marshall and Partners bestand, wird ab dem 24. November 2016 wieder eine Ausstellung unter dem kupferverblendeten Dach zu sehen sein. Das von Rem Koolhas gegründete Rotterdamer Büro OMA renovierte den Altbau und ersetzte dessen Außenwände durch Glas. Dazu entstanden drei – umstrittene – Apartmenthäuser in den Randbereichen des Geländes, für sie wurden unter anderem der Kinosaal und weitere Nebengebäude abgerissen. Der erhaltene Zentralbau des Commonwealth Institute ist nun bereits die dritte Heimat für das 1981 von Terence Conran gegründete Londoner Design Museum, das zunächst im früheren Heizkeller im Souterrain des Victoria and Albert Museum untergebracht war und 1989 in ein schneeweißes Bauhausgebäude am Themseufer umzog. Die ständig wachsende Sammlung sorgte nun erneut für einen Standortwechsel. (db, 22.11.16)

Postmodernism Conference

Frankfurt/Main, Saalgasse 16 Detail Erker (Bild: Daniel Bartetzko)
Ein Bilderbuch der Postmoderne: die Frankfurter Saalgasse (Bild: Daniel Bartetzko)

In England zählt die Twentieth Century Society (C20) zu den großen Initiatoren und Partnern von Veranstaltungen rund um die Moderne. Die 1979 gegründete Gesellschaft hat es sich auf die Fahnen geschrieben, das architektonische Erbe seit 1914 zu schützen und zu vermitteln. Mit Aktionen wie etwa der „Brutalist London Map“ hilft sie Interessierten, sich den nachkriegsmodernen Schönheiten der Landeshauptstadt zu nähern. Am 21. Mai geht es auf der „Postmodernism Conference“ unter dem Thema „Pomo Architecture under threat?“ nun um die letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts.

Sir Terry Farrell, Piers Gough and Charles Holland werden für die C20 sprechen. Anhand konkreter Beispiele, darunter Stirling’s One Poultry, sollen die Veränderungsprozesse postmoderner Bauten in London thematisiert werden. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr in der Universty of Westminster School of Architecture (35 Marylebone Road, London, NW1 5LS), die Kosten belaufen sich auf Mitglieder der C20 auf £22.50, für Nicht-Mitglieder auf £30, für Studenten auf £15. (kb, 19.5.16)

Modern Forms

Nicolas Grospierre, "Modern Forms" (Bild: Nicolas Grospierre)
Wenn die Moderne zur Landung ansetzt: der Fotograf und „Blogger“ Nicolas Grospierre zeigt mit „Modern Forms“ eine Auswahl seiner Architekturaufnahmen (Bild: Nicolas Grospierre)

In London ist in diesen Wochen ein besonderer Blick auf die Architekturmoderne möglich: Die Ausstellung „MODERN FORMS – A Subjective Atlas of 20th-Century Architecture“ zeigt noch bis zum 28. Mai 2016 in der AA Gallery (Architecture Association) Fotografien von Nicolas Grospierre . Mit seiner Werkschau enthüllt Grospierre zugleich die Entwicklungslinien der Moderne zwischen 1920 und 1989 in Europa, in Nord- und Südamerika, im Mittleren Osten und in Asien.

Nicolas Grospierre, der seine Lichtbilder auch online in einem bekannten Blog zeigt, wurde 2008 bei der Architekturbiennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Mit „Modern Forms“ präsentiert er die fotografierten Bauten als Verkörperung einer politischen oder sozialen Ideologie vor Augen geführt – vor allem bei institutionellen Projekten wie Banken, Kirchen, Büchereien und Regierungsgebäude. Sortiert wurden die Motive nicht nach Jahreszahl und Herkunft, sondern nach ihrer architektonischen Form – erst ganz nebenbei werden ihre Standorte, Entstehungsdaten, Baumeister und Nutzungen bekanntgegeben. Mit diesem genauen und zugleich warmen Fotografenblick regt Grospierre die Ausstellungsbesucher dazu an, einen neuen Blick auf ihre eigene architektonische Umgebung zu werfen. Begleitend zur Ausstellung ist im Prestel-Verlag ein Katalog erschienen. (kb, 19.5.16)

Eames-Retrospektive in London

Eames: lounge_chair_(Bild: Sailko, CC_BY_SA 3.0)
Der lounge chair ist einer der prominentesten Eames-Entwürfe (Bild: Sailko, CC BY SA 3.0)

Mit dem legendären lounge chair entwarfen Charles und Ray Eames eine Möbelikone des 20. Jahrhunderts. Auch viele andere ihrer Entwürfe gelten Ästheten bis heute als Garant einer geschmackvollen Wohnungseinrichtung. Doch das Möbeldesign macht nur einen Bruchteil im Oeuvre des seit der Heirat 1941 kongenial wirkenden Ehepaars aus. Das Gespann betätigte sich auch architektonisch und auf dem Gebiet der Grafik, gestaltete Textilien, Spielzeug und Ausstellungen. Die Retrospektive The World of Charles and Ray Eames“ in der Barbican Art Gallery in London versammelt das heterogene Lebenswerk der Eames.

Die Schau hat nicht nur Arbeiten und Entwürfe im Blick, sondern berücksichtigt auch die Eames’schen Inspirationsquellen. So unternahm das Ehepaar diverse Reisen in exotische Länder, um sich mit den Artefakten fremder Kulturen einzudecken. Teile ihrer umfangreichen Sammlung werden in London gezeigt und werfen ein neues Licht auf scheinbar altbekannte Eames-Entwürfe. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Februar 2016 zu sehen. (jr, 2.2.16)

London brutal

London Brutal, Schneidebogen "Balfron Tower" (Bild: behance.net)
Pasend zum Thema gibts auch den „Brutal London“-Schneidebogen zum Balfron Tower (Bild: behance.net)

Nach den Kriegszerstörungen erhielt auch London ein neues bauliches Gesicht. Viele dieser Architekturen wurden in Beton ausgeführt und laufen heute unter dem Schlagwort „Brutalismus“. Nun hat sich Blue Crow Media mit der Twentieth Century Society zusammengetan, um mit einer Reihe von Stadtplänen die verschiedenen Stilepochen der Moderne zu erschließen. Die 1979 gegründete Society hat es sich auf die Fahnen geschrieben, das architektonische Erbe der Moderne seit 1914 zu schützen und zu vermitteln.

Den Anfang des Projekts machen die Londoner Schätze des Brutalismus. Mit der „Brutalist London Map“ können sich Architekturbegeisterte in der englischen Hauptstadt auf Betonsuche begeben. Eine Seite der Faltkarte zeigt die Orte von mehr als 50 Betonbauten in der Region London – darunter der Trellick und der Balfron Tower. Auf der Kartenrückseite gibt es einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Stils im Allgemeinen und die einzelnen Bauten im Besonderen zu entdecken. Und man weiß ja nie, wann die nächste brutalistische Schönheit unter den Bagger kommt … (kb, 18.12.15)

Fashion on the Ration

"Fashion on the Ration" (Bild: Imperial War Museum, London)
In London widmet sich eine Ausstellung dem „Street Style“ der 1940er Jahre, als Mode in knappen Zeiten zur „Patriotenpflicht wurde (Bild: Imperial War Museum, London)

Flicken sind patriotisch, zumindest forderte dies die Parole „Make Do and Mend“ in den frühen 1940er Jahren von den Briten. Genauer gesagt von den Britinnen, denn während die Männer durch Soldatenuniformen dem Modezwang in wirtschaftlich knappen Zeiten entkamen, standen viele Frauen vor Beschaffungsproblemen. Mit einem Coupon-System waren die wenigen verkäuflichen Kleidungsstücke streng rationiert. Da half nur Extra-Geld – oder eben Flicken.

Wie sich die Britinnen dieser Herausforderung während des Zweiten Weltkriegs kreativ stellten, ist noch bis zum 31. August 2015 in Londoner Imperial War Museum zu sehen. Die Ausstellung „Fashion on the Ration. 1940s Street Style“ gewährt anhand des scheinbar leichten Themas Mode einen tiefen Blick in die alltäglichen Seiten eines Krieges. Denn die verbliebene Modeindustrie wusste sich zu helfen und erklärte kurzerhand das gute Aussehen zur patriotischen Pflicht – um den Kampfgeist des Mannes zu stärken und den Siegeswillen der Nation zu vertreten. Wer die Reise über den Kanal scheut, kann sich in das Thema auch mit  der begleitenden Publikation von Julia Summers vertiefen. (kb, 28.5.15)

Louis Kahn

Jatiyo Sangshad Bhaban (Bild: Karl Ernst Roehl)
Jatiyo Sangshad Bhaban, das Nationalparlament in Bangladesh (Bild: Karl Ernst Roehl)

Lois Kahn (1901-74) soll sich die Idee für das Nationalparlament von Bangladesh (1973) auf einer Frankreichreise geholt haben. Schon als Kind reiste Kahn mit seinen Eltern aus Estland in die USA. Hier lebte, studierte und arbeitete er vorwiegend in Philadelphia und Pennsylvania. Hier engagierte er sich zunächst vor allem im Siedlungsbau und suchte sich immer wieder Inspiration in Europa.

Bekannt wurde Kahn jedoch erst in den letzten Jahren seines Schaffens mit öffentlichen Bauten wie der Bücherei und dem Speiseraum der Phillip Exeter Academy in Exeter (1972) oder jenem Nationalparlament in Bangladesh (1973). Auch als Lehrer prägte er eine ganze Generation, zu seinen prominentesten Schülern dürfte Mosche Safdie zählen. Bis zum 12. Oktober 2014 widmet das Londoner Design Museum dem Architekten Louis Kahn eine gleichnamige Ausstellung. Mit Architekturmodellen, originalen Zeichnungen, Reiseskizzen, Fotografien und Filmen soll das Werk des bekannten amerikanischen Baukünstlers greifbar werden. Die Höhepunkte der Schau bilden ein vier Meter hohes Modell des City Towers (1957), den Kahn für Philadelphia entwarf. (kb, 24.8.14)