Ludwigshafen

Ludwigshafen, Arbeitsamt 2006 (Bild: Immanuel Giel, CC0)

Der heiße Frieden in Ludwigshafen

Ab dem 8. September läuft in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg die Biennale für aktuelle Fotografie. Hier bietet sich hier auch ein spannender Blick auf die Nachkriegsmoderne Ludwigshafens: „Der heiße Frieden“ hat Architekturfotograf Arne Schmitt sein Projekt genannt, das im Rahmen der integrierten Ausstellung „Global Players“ zu sehen ist. „Der heiße Frieden“ hieß ein Imagefilm, den der Chemieriese BASF 1964/65 produzieren ließ, um seine Produkte international zu bewerben. Gut 50 Jahre später blickt Schmitt noch einmal darauf, wie der Konzern seine weltweite Expansion vermarktete. Im Auftrag der Biennale hat er im BASF-Archiv recherchiert und viele alte Fotos reproduziert, ergänzt durch aktuelle Aufnahmen, die er selbst von Ludwigshafener Bauten der 1960er und 1970er gemacht hat.

Zu sehen sind etwa die Hochstraßen, die Trabentenstadt Pfingstweide und das Arbeitsamt. Im Gespräch mit den Veranstaltern sagt Schmitt, er „versuche, (…) die Gebäude so herauszuarbeiten, dass die gestalterische Absicht, der Entstehungskontext und der Reiz von damals wieder spürbar wird. Zugleich soll aber auch ihr gegenwärtiger, oft maroder Zustand sichtbar werden“. Die Fotoserie „Der heiße Frieden“ ist bis 5. November in der Gruppenschau „Global Players“ zu sehen. Darin hinterfragt Kuratorin Kerstin Meincke, wie sich Fotografie, Ökonomie und Migration zusammen denken lassen (Kunstverein Ludwigshafen, Bismarckstraße 44-48, 67059 Ludwigshafen). (db, 8.9.17)

Arbeitsamt Ludwigshafen (Bild Immanuel Giel, CC0)

Die Tortenschachtel wird abgerissen

Tschüss Tortenschachtel: Der 1960 eröffnete frühere Kaufhof in Ludwigshafen wird abgerissen (Bild: Rudolf Stricker)
Tschüss Tortenschachtel: Der 1960 eröffnete frühere Kaufhof in Ludwigshafen wird abgerissen (Bild: Rudolf Stricker)

Die Stadt Ludwigshafen ist nicht sehr reich an bemerkenswerter Architektur – und man arbeitet nach Kräften daran, dass das so bleibt: Vor Jahresfrist fiel das BASF-Hochhaus den Baggern zum Opfer, nun wird die „Tortenschachtel“ abgerissen. Seinen Spitznamen hatte der im Oktober 1960 eröffnete, ungewöhnliche Rundbau schnell weg. Hier residierte der Kaufhof, zudem nahm das Gebäude die Bus- und Straßenbahnhaltestelle „Berliner Platz“ auf – einer der zentralen Knotenpunkte des öffentlichen Nahverkehrs der Industriemetropole.

Zuletzt stand die Tortenschachtel leer, 2014 kaufte die Timon Gruppe die Immobilie – und verwarf schnell die Überlegungen, das innerstädtische Wahrzeichen zu erhalten. Stattdessen folgt 2016 ein Hochaus-Neubau des Düsseldorfer Büros Rohde Kellermann Wawrowsky. Der 2010 aufgegebene Kaufhof wurde nach Plänen von Hermann Wunderlich (1899-1981) errichtet, der von 1947 bis 1966 Leiter der Technischen Abteilung des Konzerns war. Der Architekt und Hochschullehrer zählt in Deutschland zu den Vorreitern der gebauten „Corporate Identity“: Die unter seiner Ägide errichteten Kaufhof-Filialen hatten dereinst bundesweit die charakteristisch unterteilte grün-transparente Glasfassade. Die wenigsten haben bis heute überlebt, nun fällt einer ihrer markantesten Vertreter (db, 15.8.15).

Hambacher Architekturgespräche

Ludwigshafen, BASF-Hochhaus (Bild: Rudolf Stricker)
2014 abgerissen: das sog. BASF-Hochhaus in Ludwigshafen (Bild: Rudolf Stricker)

Der Abbruch des BASF-Hochhauses in Ludwigshafen ist nur eines von vielen Beispielen: Auch in Rheinland-Pfalz fallen prominente Bauzeugnisse der Nachkriegsmoderne. Am 9. Juni stehen die diesjährigen Hambacher Architekturgespräche (Hambacher Schloss, Festsaal, 67434 Neustadt an der Weinstraße) zwischen 18 und 20 Uhr unter dem Motto „Nachkriegsmoderne – ungeliebt und unterschätzt?“. Die Architektenkammer Rheinland-Pfalz will über die baulichen Qualitäten, aber auch über die anstehenden Veränderungen ins Gespräch kommen: Die Sanierung nach „Abnutzung“, die Alterung damals innovativer Baustoffe oder die energetischen „Ertüchtigung“ fordern Eigentümer, Architekten und Denkmalpfleger heraus.

Denkmäler, das wird in solchen Diskussionen klar, sind eben nicht nur die romanischen Dome in Speyer, Mainz und Worms oder die Burgen und Schlösser. Doch haben es gerade die jungen Denkmäler, von denen wir noch viel wissen, oft schwer. Es diskutieren der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, Rainer Nagel, Dr. Olaf Gisbertz, TU Braunschweig, und Architekt Helmut Riemann, Lübeck, sowie Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE und Kammerpräsident Gerold Reker unter Moderation von Dr. Karin Berkemann. Um Anmeldung wird gebeten: Frau Seitz-Wollowski, 06131/9960-23, seitz-wollowski@akrp.de. (db, 11.5.15)

Albert Speer wird 80

Prof. Albert Speer (Bild: Jens Braune)
Albert Speer (Bild: Jens Braune)

Sie müssen nicht nachrechen, wir meinen den Sohn. Es geht um den Frankfurter Architekten und Städteplaner Albert Speer (junior). Geboren wurde er in Berlin am 29. Juli 1934 als Sohn des Architekten und NS-Reichsministers für Bewaffnung und Munition Albert Speer (senior) (1905-81). Zunächst entschied er sich für eine Schreinerlehre, bevor er in München Architektur studierte. Mit dem Jahr 1964 wurde seine Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: Speer gewann den ersten Preis für den Ludwigshafener Stadtteil Pfingstweide und gründete sein eigenes Architekturbüro.

In der Folge spezialisierte sich Speer auf Projekte des Städtebaus: die Diplomatenstadt in Riad (1980), den Leitplan für die Frankfurter Innenstadt (1985), die Expo 2000, die Bewerbung um die Fußball WM 2022 in Katar (2010) – und gleich mehrere neue Städte in China. Zuletzt gründete Speer 2007 ein zweites Büro in Shanghai. Rund 25 Jahre lehrte er als Professor für Stadt- und Regionalplanung in Kaiserslautern. Speer wurde u. a. mit dem Großen Preis des DAI und der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. (kb, 29.7.14)