MARTa Herford

Stuttgart, Weißenhof, Haus Stam 1995 (Bild: Shaqspeare, CC BY-SA 3.0)

Mart Stam in Herford

Seine ersten Berufs-Jahrzehnte war er beinahe allgegenwärtig: Mit nur 23 Jahren beginnt Mart Stam (1899-1986) in unterschiedlichen Büros in Amsterdam, Berlin, Frankfurt, Moskau, Thun und Zürich an teils wegweisenden Projekten zu arbeiten. 1926 konzipiert er den berühmten Freischwingerstuhl, entwirft Wohnungen für die Weißenhofsiedlung in Stuttgart (1927) und die Hellerhofsiedlung in Frankfurt/Main (1929-32). Es folgen vier Jahre als Stadtplaner in der Sowjetunion, später unter anderem eine Zusammenarbeit mit Willem Sandberg am Stedelijk Museum Amsterdam. 1948 geht Stam in die DDR, 1950 bis 1952 ist er Direktor an der Kunstakademie in Dresden und an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Ab Mitte der 1950er reüssiert er wieder in den Niederlanden.

Mit seinem sukzessiven Rückzug aus dem Rampenlicht ab 1965 bis hin zu einem Leben in religiöser und spiritueller Abgeschiedenheit an wechselnden Schweizer Wohnorten hatte Mart Stam aktiv großen Anteil an der Legendenbildung und dem damit verbundenen Mysterium seiner Person. Die Ausstellung „Radikaler Modernist – Das Mysterium Mart Stam“ im Marta Museum Herford inszeniert das kreativ-rastlose, später geheimnisumwitterte Leben des „Mystery man“ der Moderne in sieben Kapiteln als Parforce-Ritt durch die Architektur-, Design- und Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts. Bis 7. Januar 2018 zeigt das Herforder Museum Originalpläne, Modelle, Möbel und Designobjekte von Mart Stam.(db, 16.11.17)

Stuttgart, Weißenhof, Haus Stam 1995 (Bild: Shaqspeare, CC BY SA 3.0)

Der entfesselte Blick

Blick in die Ausstellung. Im Vordergrund das Modell eines Hängehochhauses entworfen von Heinz Rasch (Bild: Hans Schröder, MARTa Herford)
Blick in die Ausstellung. Im Vordergrund das Modell eines Hängehochhauses entworfen von Heinz Rasch (Bild: Hans Schröder, MARTa Herford)

Die Brüder Heinz und Bodo Rasch gehören mit ihren avantgardistischen Entwürfen zu den weniger bekannten Pionieren der klassischen Moderne. In den 1920er Jahren machten sie mit visionären Hängearchitekturen von sich reden und trieben die Entwicklung des Freischwingers voran. Viele ihrer Ideen waren ihrer Zeit weit voraus und wurden von Architekten der Nachkriegsmoderne in den 1960er Jahren wieder aufgegriffen.

Das Museum MARTa in Herford widmet dem Geschwisterpaar nun unter dem Titel „Der entfesselte Blick. Die Brüder Rasch und ihre Impulse für die moderne Architektur“ eine Ausstellung. Das gemeinsame Stuttgarter Atelier der Geschwister war in den 1920er Jahren weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Raschs zählten Architekten wie Gropius, Mendelsohn, Mart Stam und Mies van der Rohe zu ihrem Bekanntenkreis – letzterer lebte sogar für einige Monate in ihrem Atelier. Die Ausstellung zeigt sowohl das Werk der Brüder in Modellen und Skizzen als auch dessen architektonische und künstlerische Rezeption bis in die Gegenwart. Sie ist noch bis zum 1. Februar 2015 im MARTA Herford zu sehen (Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr). Ende November soll außerdem ein begleitender Katalog erscheinen. (jr, 13.11.2014)