Max Taut

Taut baut (Bild: Wagenbach Verlag)

Taut baut

Sein Nachname ist wohl jedem Kenner der klassischen Moderne ein Begriff. Wenn er fällt, denken aber die wenigsten an den Architekten, von dem hier die Rede ist: Taut. Max, nicht Bruno. Obwohl seine innovativen Schul- und Gewerkschaftsbauten in den 1920er Jahren große Bekanntheit erlangten, konnte er doch nie aus dem Schatten seines ungleich berühmteren Bruders hervortreten. Dies änderte sich auch nicht nach dessen Tod im Jahr 1938, obwohl Max Taut bis zu seinem Tod 1967 noch mit verschiedenen Bauprojekten in der Bundesrepublik reüssieren konnte. Zu seinem 50. Todestag ist nun ein Bildband erschienen, die sein Werk würdigend in den Blick nimmt.

Das Buch versammelt die wichtigsten Bauten Tauts und präsentiert sie in Aufnahmen des Architekturfotografen Stefan Müller. Max Dudler, Gert Heidenreich, Vittorio Magnago Lampugnani, Martin Mosebach, Jenny Schily, Wim Wenders, Hanns Zischler und viele andere Autoren ergänzen sie mit persönlichen Texten zu den einzelnen Bauten. (jr, 21.6.17)

Taut baut. Geschichten zur Architektur von Max Taut, fotografiert von Stefan Müller und erzählt von Max Dudler, Gert Heidenreich, Vittorio Magnago Lampugnani, Martin Mosebach, Jenny Schily, Wim Wenders, Hanns Zischler u. a. Wagenbach Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-8031-3666-4.

Titelmotiv: Cuchcover „Taut baut“ (Bild: Wagenbach Verlag)

Der verputzte Taut

Dorotheenlyzeum_1930 (Bild: Koepenickerbruecken e.V.)
Vertafelt, nicht verputzt: das Dorotheenlyzeum um 1930 (Bild: Koepenickerbruecken e. V.)

1929 konnten sich die Architekturfreunde unter den Schülerinnen des Dorotheen-Oberlyzeums freuen: Der Unterricht fand von nun an in einem modernen Bau Max Tauts statt. Dessen elegante Rotunde, die großen Fensterflächen und die Dachterrasse wiesen die Schule architektonisch als moderne Institution aus. Die Fassade des Baus wurde von dominanten vertikalen Fensterbändern und kleinteiligen gelben Tontafeln gegliedert. Nach einer Umnutzung zum Lazarett während des Kriegs wurde Tauts Bauwerk in der DDR wieder als Schule genutzt.

Anfang der 1970er zeigte der Bau unter dem neuen Namen „Alexander-von-Humboldt-Oberschule“ Sanierungsbedürfnisse: die gelben Tontafeln begannen, sich zu lösen. Man reagierte brachial und schlug sie kurzerhand ab, um das Gebäude für den Übergang mit Rauputz zu versehen. Dieses Provisorium ist inzwischen 45 Jahre alt. Nun werden Stimmen laut, dem mittlerweile denkmalgeschützten Taut-Bau seine ursprüngliche Fassade zurückzugeben. Besonders engagiert zeigt sich der Verein Köpenicker Brücken e.V., der auf Crowdfunding setzt: Für 25 Euro kann man die Patenschaft für eine der 26 x 42 cm großen Tontafel übernehmen. (jr, 14.6.16)

Von Max Taut zu Frank Gehry

Max Tauts Gewerkschaftshaus ist eines der letzten Projekte des Neuen Frankfurt (Bild: Epizentrum)
Max Tauts Gewerkschaftshaus ist eines der letzten Projekte des Neuen Frankfurt (Bild: Epizentrum)

Die Tage der Industriekultur Rhein-Main beleuchten auch 2014 wieder zahlreiche Baudenkmäler in der Rhein-Main-Region. In Frankfurt steht unter anderem das 1931 eingeweihte Gewerkschaftshaus auf dem Programm. Das 9-geschossige Bürohochhaus wurde von Max Taut entworfen und war damals – heute kaum vorstellbar – das zweithöchste Gebäude der Mainmetropole. Interessierte können das Bauwerk am Samstag, 26. Juli, um 13.30 Uhr im Rahmen einer Führung erkunden. Anmelden kann man sich hier.

Der Deutsche Werkbund Hessen beleuchtet mit der Frankfurter Siedlung Zickzackhausen ein Bauprojekt, das in derselben Epoche entstand. Die Führung verspricht aber, den Bogen zur Gegenwart zu spannen: Mit Goldstein wird auch eine Siedlung vorgestellt, die noch unter Stadtbaurat Ernst May geplant, jedoch erst in den 1930er Jahren realisiert und in den 1990er Jahren vom Stararchitekten Frank Gehry ergänzt wurde. Die Führung startet am Sonntag, 27. Juli, um 14 Uhr, Treffpunkt ist der Frankfurter Haardtwaldpatz, Endhaltestelle Tram 15. (jr, 22.7.14)