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Arabella-Hochhaus (Bild PD)

Arabellas Galgenfrist

In München geht es dem Arabella-Hochhaus an den Kragen. Freunden der markanten Hochhausscheibe bleibt allerdings noch einige Zeit, sich zu verabschieden: Nach Informationen der Münchner Abendzeitung schlägt dem Bau erst im Jahr 2026 das letzte Stündlein. Eine Sanierung des 72 Meter hohen Kolosses, der bei einer Länge von 150 Metern rund 27000 Quadratmeter Nutzfläche bietet, hatte sich in Untersuchungen als sehr teuer bis undurchführbar erwiesen. Doch auch der Abriss verspricht, aufwendig zu werden: Da eine Sprengung nicht möglich ist, muss der 23-stöckige Bau Etage für Etage abgetragen werden.

Tragische Ironie: Das Arabella-Hochhaus wird damit pünktlich zum 60. Jahrestag der Grundsteinlegung abgerissen. Es wurde 1966 bis 1969 nach Plänen des Architekten Toby Schmidbauer errichtet. Als Bauherr fungierte der Unternehmer Josef Schörghuber. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 wurde ein Teil des Hauses zum Hotel umgebaut, noch heute vereint es Hotelzimmer, Mietwohnungen, Büros, Arztpraxen und eine Klinik. Die Nachfolge des Baus wird eine neue Hochhausscheibe antreten, die sich auch in der Konzeption an ihrem Vorgänger orientiert. (jr, 12.5.18)

Arabella-Hochhaus, München (Bild: PD)

Rom, Palazzo della Civiltà Italiana, 1943, Giovanni Guerrini, Ernesto Bruno Lapadula and Mario Romano (Ausstellung: „Ritual und Abstraktion“, TU München, Bild: Julián Bustamante)

Ritual und Abstraktion

Nüchtern, modern, marmorverkleidet – die Architektur des italienischen Faschismus hat über siebzig Jahre nach dem Ende der Diktatur nicht an Reiz eingebüßt. Die verführerische Faszination dieser Bauten hat seit der Nachkriegszeit viele Architekten, Historiker, Künstler und Intellektuelle auf- und angeregt. Heute stehen die Schönheit und Qualität der meisten Bauwerke der Mussolini-Zeit für die italienische Öffentlichkeit außer Frage, das war allerdings nicht immer so. Mal galten sie als hassenswerte Kulissen für die Selbstverherrlichung der Diktatur, mal als Meisterwerke der Moderne.

Warum werden ihre geometrisch geschnittenen Formen von heutigen Betrachtern immer stärker von den Umständen ihrer Entstehungszeit getrennt? Warum hat sich eine Ästhetisierung der faschistischen Architektur durchgesetzt? Die Ausstellung „Ritual und Abstraktion“ untersucht dieses Phänomen anhand dreier Fallbeispiele. Durch historisches Material, Texte und Fotografien wird der Besucher eingeladen, das Thema zu hinterfragen und Schlussfolgerungen zu einem zeitgemäßen und kritischen Umgang mit diesen komplexen Gebäuden zu ziehen. Die Präsentation ist noch bis zum 10. März zu sehen (je 9-13 und 14-18 Uhr) in der Fakultät für Architektur der TU München (Ecke Luisen-/Gabelsbergstr., Raum 2349 (2.Stock), 80333 München). (kb, 7.3.18)

Rom, Palazzo della Civiltà Italiana, 1943, Giovanni Guerrini, Ernesto Bruno Lapadula and Mario Romano (Ausstellung: „Ritual und Abstraktion“, TU München, Bild: Julián Bustamante)

Dortmund, Nicolai-Kirche (Bild: Rainer Halama, CC BY SA 3.0)

Bei deinem Namen genannt

Die Namen von Orten, Gebäuden und Personen sind Teil unseres „kulturellen Erbes“. Ausgehend von den Vornamen Maria und Nikolaus knüpft das Projekt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Europäischen Kulturerbejar (ECHY, oder neuerdings EYCH) „Bei Deinem Namen genannt“ an der persönlichen Identität an, die mit dem eigenen Namen verbunden ist. Die Wanderausstellung wird im Laufe des Jahres 2018 bundesweit an 16 Marien- und 16 Nikolaikirchen gezeigt.

In Kirchen, die Maria und Nikolaus in ihrem Namen tragen, werden die unterschiedlichen Formen dieser Namen in Europa entfaltet und in ihrer ikonografischen Bedeutung entfaltet. Was z. B. steckt hinter den drei Äpfel des Nikolaus oder hinter dem Schutzmantel der Maria? Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung den Zusammenhang von „Heimat und Person“, „Name und Erbe“ sowie von „Kultur und Identität“. Begleitend zur Ausstellung finden Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie andere Formate statt. Unter den ausgewählten Kirchen finden sich erwartungsgemäß vorwiegend historische Bauten, aber auch einige sehenswerte Räume des 20. Jahrhunderts: z. B. in München die Kirche Maria Königin des Friedens, in Bremen-Oslebshausen die Marienkirche, in Hamburg die moderne Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern oder in Dortmund die Nicolai-Kirche. (kb, 26.2.18)

Dortmund, Nicolai-Kirche (Bild: Rainer Halama, CC BY SA 3.0)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

Rettet die U-Bahn(-Bezüge)!

Es dürfte schwer zu leugnen sein: Das hier ist ein Ding für Bart- und Mützenträger. Aber irgendwie auch schön. Über die Bedrohung nachkriegsmoderner U-Bahnstationen müssen wir hier – leider – immer wieder berichten. Nicht immer kann man konkret was tun. Aber hier, hier kann man aktive Erhaltungsarbeit leisten. Die Münchener U-Bahn wurde für die Olympischen Spiele 1972 ins Leben gerufen. Doch viele der über 40-jährigen Wagen werden aktuell samt ihrer Bezüge ausrangiert. Damit wenigstens ein Teil dieser geschichtsdurchzogenen Materialien nicht verloren gehen, haben sich Jörg Schleburg und Wolfgang Bischoff 2013 zu ihrem Projekt „kurzzug“ zusammengetan, das 2016 mit einem erfolgreichen Crowdfunding in die Umsetzung ging.

Ihr Stoff sind die original gebrauchten Sitzbezüge der Münchner U-Bahnen, und dieser Stoff ist endlich. Noch dazu ist jeder Bezug einzigartig, je nach dem, wer ihn wie und wofür weichgesessen hat. Damit versteht kurzzug jedes seiner Produkte als Unikat, und limitiert seine Taschen und Beutel entsprechend. Im Angebot sind Wochenender, Stadttaschen, Geldbeutel und Schlüsselzüge. Die Preise entsprechen durchaus dem Selbstbewusstsein der Hersteller, Einzelstücke feil zu bieten. Wer hier passen muss, dem bleibt der Erwerb einer Münchener ÖPNV-Tageskarte und die Rundfahrt auf der Suche nach verbliebenen Originalbezügen – aber bitte nur in Form einer Fotosafari. (kb, 19.1.18)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

München, Arabella-Haus (Bild: Rufus46, CC BY SA 3.0)

Dem Arabella-Haus droht Unheil

Vor über 50 Jahren war Baubeginn, 1969 wurde es eröffnet: das Arabella-Hochhaus in München-Bogenhausen (Toby Schmidbauer). In dem 23 Etagen hohen Gebäude sind neben einem Hotel auch zwei Privatkliniken, etwa 500 Wohnungen, rund 100 Büros und mehrere Arztpraxen untergebracht. Im Dachgeschoss befindet sich der derzeit höchstgelegene Pool Münchens. Bauherr war die Schörgruber-Unternehmensgruppe, der das Gebäude nach wie vor gehört – und die nun möglicherweise den Abriss plant. „Es gab Gespräche mit der Gebäudeverwaltung“, bestätigte Ingo Trömer, Sprecher des städtischen Planungsreferats, der Münchner Abendzeitung. Inhalt seien Sanierung und weiterführende Maßnahmen gewesen, wie auch ein Neubau.

Das Arabellahaus habe ein Alter erreicht, in dem Sanierungs- und Reparaturarbeiten ständig mehr würden, sagt Kathrin Borrmann, Sprecherin der „Bayerischen Hausbau“, dem Bauunternehmen der Schörghuber-Gruppe. Derzeit prüfe man Alternativen, ein möglicher Abriss könne aufgrund laufender Vertrage nicht vor 2026 erfolgen. Der Bayerische Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil hat bereits signalisiert, das Arabella habe keine Aussichten auf Denkmalschutz. Man habe genau geprüft und sich lange Gedanken gemacht, doch letztlich sei es „ein stinknormales Scheibenhochhaus mit einer charakteristischen, netzartigen Fassade, bloß halt ein bisserl größer“. Und es sei auch in der damaligen Zeit „kein bisschen innovativ“ gewesen. Daher reiche es nicht zum Kulturdenkmal. Die Zeichen stehen nicht gut … (db, 29.11.17)

München, Arabella-Haus (Bild: Rufus46, CC BY SA 3.0)