New York

New York State Pavilion, 2015 (Bild: Erin Slonaker)

New York State Pavilion wird saniert

Es ist das futuristische Ergebnis einer Weltausstellung, das sich im Flushing Meadows-Corona Park im New Yorker Stadtteil Queens erhalten hat. Der „New York State Pavilion“ wurde von den Architekten Philip Johnson und Lev Zetlin pünktlich zum Großereignis im Jahr 1964 fertiggestellt. Stahl-Betonkonstruktionen formten drei klangvoll benannte Komponenten: das „Tent of Tomorrow“ mit seinem weit gespannten Zeltdach, die (gleich drei) „Observation Towers“ und das „Theaterama“. Nach dem Ende der Weltausstellung stand die Anlage leer, diente nur noch gelegentlich als Filmset für TV-Serien und Musikvideos.

Zum runden Geburtstag öffnete man den abgezäunten Bereich 2014 für einige Stunden für – bauhelmgeschützte – Besucher, was stark wahrgenommen wurde und die Frage der baulichen Zukunft wieder in die Diskussion brachte. Rasch mauserte sich der Pavillon zur Sehenswürdigkeit, aber auch zum Sorgenkind der Stadt New York. 2015 wurden zunächst einige Stahlkonstruktionen neu gestrichen und damit vor weiterem Verfall geschützt – die gewählte Farbe trägt den einleuchtenden Namen „American Cheese Yellow“. 2016 suchte man per Ideenwettbewerb nach einer zukunftsträchtigen Nutzung für die Anlage. In diesen Tagen gab das NYC Parks Department gegenüber dem „Queens Chronicle“ bekannt, dass man für weitere Sanierungsmaßnahmen rund 14 Millionen US-Dollar bereitstellt. Die Arbeiten sollen 2019 abgeschlossen werden. (kb, 16.7.17)

New York State Pavilion, 2015 (Bild: Erin Slonaker)

How Should We Live?

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Die Frankfurter Küche in New York (Bild: Julius Reinsberg)

Diese Frage stellten sich Designer, Planer und Architekten besonders im Europa der Zwischenkriegszeit vermehrt. Eine gleichnamige Ausstellung im New Yorker MoMA widmet sich den mannigfaltigen Wohnutopien aus den Jahren 1920 bis 1950. Zu sehen sind über 200 Exponate aus der Designsammlung des Museums, die damals als neuzeitliche Einrichtungsgegenstände das Leben ihrer Nutzer sowohl bereichern als auch konstitutiv prägen sollten. Einige sind heute als Designklassiker bekannt, andere nie über den Modellstatus hinausgekommen.

Neben einzelnen Gegenständen rekonstruiert die Ausstellung auch ganze Designensembles. So können die Besucher ein 1:1-Modell der Frankfurter Küche bestaunen, jener „Mutter aller Einbauküchen“, die Mitte der 1920er Jahre von der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entworfen wurde. Auch Alvar Aalto, Ray und Charles Eames und Lilly Reich sind mit prominenten Entwürfen präsent, Le Corbusier ist mit einem voll eingerichteten Musterzimmer des Maison du Brésil vertreten. Die Schau ist noch bis zum 23. April 2017 zu sehen. (jr, 17.10.16)

Miss Liberty und eine Schwulenkneipe

New York City, Stonewall Inn, 1969 (Bild: Diana Davies, Copyright: New York Public Library, GFDL oder CC BY SA 3.0)
In den späten 1960er Jahren der Ort teils gewalttätiger Razzien: das New Yorker Lokal „Stonewall Inn“ im Jahr 1969 (Bild: Diana Davies, Copyright: New York Public Library, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Ab sofort haben die Freiheitsstatue und die New Yorker Schwulenkneipe „Stonewall Inn“ eines gemeinsam: Sie sind Nationaldenkmal. So zumindest will es Präsident Barack Obama in einem seiner letzten politischen Akte für diesen besonderen Ort der amerikanischen Geschichte. Die beiden Ziegelbauten, die eigentlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen, schloss man in den 1930er Jahren zu einem Restaurant zusammen. Dieses „Stonewall Inn Restaurant“ wurde 1966 renoviert und 1967 im bunten Viertel Greenwich wiedereröffnet.

Das Lokal in der Christopher Street 51 bis 53 gab den heute so beliebten farbenprächtigen Umzügen ihren Namen. Denn hier wehrten sich Schwule erstmals öffentlichkeitswirksam gegen die behördliche Diskriminierung. Als in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 die New Yorker Polizei in einer der üblichen Razzien die Personalien der hier feiernden Schwulen aufnehmen wollte, wehrten sie sich. Mit Erfolg. Schon vier Wochen darauf organisierten Schwule und Lesben einen öffentlichen „Gay March“, der zur – positiv besetzten – Tradition werden sollte. Miss Liberty hingegen wollte gegenüber der Redaktion von mR keine Aussage über ihre sexuelle Orientierung treffen. (kb, 6.5.16)

Mies wird 130

Fünf Assistenten von Peter Behrens am Arbeitsplatz: (von li.) Mies van der Rohe, Meyer, Hertwig, Weyrather (dahinter), Krämer, Gropius (mit Plan) (Bildquelle: Croyle, C. Arthur: Hertwig: The Zelig of Design, 2011, S. 102)
Mies van der Rohe, hier links im Bild, 1908 als einer der fünf Assistenten (mit Meyer, Hertwig, Weyrather, Krämer und Gropius) von Peter Behrens (Bildquelle: Croyle, C. Arthur: Hertwig: The Zelig of Design, 2011, S. 102)

Maria Ludwig Michael Mies (1886-1969) wurde in Aachen geboren, als fünftes und jüngstes Kind des Maurer- und Steinmetzmeisters Michael Mies und dessen Frau Amalie Rohe, deren Nachnamen er nach 1921 mit dem Zusatz „van der“ seinem Geburtsnamen anhängte. Am 27. März 2016 wäre er 130 Jahre alt geworden. Grund genug für das Ludwig Forum Aachen, für ihn eine Ausstellung vorzubereiten.

Zu den bekanntesten Werken von Mies van der Rohe zählen der Deutsche Pavillon auf der Weltausstellung 1928/29 in Barcelona und der extra für diesen Bau entworfene „Barcelona-Chair“, ein heutiger Design-Klassiker. Bis 1965 schuf der Ausnahmearchitekt aber auch Collagen und Fotomontagen, welche Gestaltungsprinzipien seiner Baukunst verdeutlichen und darüber hinaus ein eigenständiges künstlerisches Werk darstellen. Vom 28. Oktober 2016 bis zum 12. Februar 2017 wird das Ludwig Forum Aachen nun erstmals in Deutschland aufbewahrte Mies-Collagen und Fotocollagen  mit Leihgaben aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) präsentieren. Die Eröffnung wird am 27. Oktober 2016 um 19 Uhr begangen. (kb, 28.3.16)

Mies neuer Nachbar

Bekommt bald Gesellschaft: Mies Seagram Building (Bild: PD)
Bekommt bald Gesellschaft: Mies Seagram Building (Bild: PD)

Das Seagram Building in New York bekommt Gesellschaft. In unmittelbarer Nachbarschaft des 1958 nach Plänen Mies van der Rohes erbauten Wolkenkratzers plant das Büro Foster + Partners ein Wohnhochhaus. Zumindest hinsichtlich zur Größe stellt es das von Mies entworfene Wahrzeichen der  Moderne in den Schatten: Stolze 220 Meter soll der neue Wolkenkratzer messen, während das Seagram Building „nur“ auf 160 Meter kommt. Ansonsten fügt sich das geplante Hochhaus jedoch zurückhaltend in seine Umgebung ein, so dass kaum die Gefahr besteht, dass es seinem berühmten Gegenüber die Schau stielt.

Der ehemalige Bauhaus-Direktor Mies hatte sich 1939 in den Vereinigten Staaten niedergelassen und gründete ein Architekturbüro in Chicago. Das Seagram-Building war das erste bedeutende Bauwerk Mies‘ in New York. Es wurde zum Vorbild für seine weitere Arbeit und wirkte für Generationen von New Yorker Wolkenkratzern stilbildend. Die künftigen Bewohner des neuen Wohnhochhauses können sich also darauf freuen, bald regelmäßig mit Ausblick auf ein bedeutenes Stück Nachkriegsmoderne zu frühstücken. (jr, 7.11.2015)

Latin America in Construction

Brasilia under construction, 1957 (Bild: Geofoto. Arquivo Publico do Distrito Federal)
Brasilia under construction, 1957 (Bild: Geofoto, Arquivo Publico do Distrito Federal)

Die Ausstellung „Latin America in Construction: Architecture 1955–1980“ wird vom 29. März bis zum 19. Juli 2015 im Museum of Modern Art (MOMA) New York gezeigt. Bereits 1955 hatte das MOMA mit der Ausstellung „Latin American Architecture since 1945“ einen epochemachenden Überblick zum Thema geboten. Nun, 60 Jahre später, widmet sich das MOMA der Entwicklung Latein-Amerikas zwischen 1955 und den frühen 1980er Jahren.

Es waren für Latein-Amerika die Jahre der Selbst-Befragung und -Erforschung, der politischen Verwirrungen und Herausforderungen. Während die Ausstellung von 1955 die Ergebnisse einer Fotoreise zeigte, werden nun aussagekräftige Exponate aus der Bauzeit zusammengebracht, die in dieser Form noch nie zu sehen waren: Architekturzeichnungen- und Modelle, bauzeitliche Fotografien und Filme. Beispielhaft für die gesamte Entwicklung werden Leitbauten – wie der Uni-Campus in Mexico City oder die neue brasilianische Hauptstadt Brasilia – herausgestellt. Begleitend zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und eine Anthologie zum Thema. (kb, 28.3.15)

Times Square, 1984

Times Square 1984 (Bild: Skyscraper Museum, New York)
Times Square, 1984 (Bild: Skyscraper Museum, New York)

Vor 30 Jahren sah es finster aus für den New Yorker Platz, der für Amerikaner wie Touristen heute für die gute Seite der Moderne steht: der Times Square. An der Kreuzung des Broadway, der Seventh Avenue und der 42nd Street sollten 1984 vier neue Mega-Wolkenkratzer entstehen. Doch dafür hätte der Times Tower aus dem Jahr 1904 fallen müssen. Rasch regte sich öffentlicher Protest. Die „Municipal Art Society“ und die „NEA“ organisierten einen alternativen Ideenwettbewerb. Aus 500 Einsendungen wurden unter großer öffentlicher Anteilnahme Sieger gekürt und ausgestellt. Nun zeigt die Ausstellung „Times Square 1984. The Postmodern Moment“ im New Yorker Skyscraper Museum bis zum 18. Januar 2015 eine Auswahl der damaligen Wettbewerbsergebnisse.

Dieser Ideenwettbewerb konnte – gemeinsam mit einem breiten öffentlichen Engagement – die alten überdimensionierten Pläne niederschlagen. Somit konnten bis heute das historische Theater, der ursprüngliche Charakter des Broadway und die Offenheit des Platzes bewahrt werden. Der heutige Times Square, geprägt von Neubauten der 1990er Jahre, wurzelt in diesen Initiativen des Jahres 1984. (kb, 10.10.14)

Die Stadt, der Highway und die Kamera

Die Stadt, der Highway und die Kamera (Bild: Deutscher Kunstverlag)
Die Stadt, der Highway und die Kamera (Bild: Deutscher Kunstverlag)

Warum sollte man – noch dazu als Künstler – eine Straße ablichten? Nach 1945 zeigten Fotografen wie Charles Pratt, Roy DeCarava oder Garry Winogrand die Metropole New York so, wie sie sie sahen: als eine Stadt im Umbruch. Die Street Photography feierte den Highway als Lebensraum. Zu einer Zeit, als die Straße auch von der Stadtplanung entdeckt und neu gestaltet wurde. Bildmagazine wie „Life“ und „Look“ hingegen blendeten diese Entwicklung völlig aus. Sie idealisierten stattdessen das Bild der amerikanischen Vorstadt – und förderten damit noch die Flucht in die Stadtrandbezirke.

Mit ihrer Dissertation „Die Stadt, der Highway und die Kamera“ beleuchtet die Kunsthistorikerin Jutta von Zitzewitz eben jenen Zusammenhang von Fotografie und Stadtplanung. In ihrer bildwissenschaftlichen Studie arbeitet sie erstmals heraus, wie die Street Photography und die Magazinfotografie nicht nur die Stadtentwicklung spiegeln. Sie stießen auch die öffentliche Debatte darüber und prägten ihren Verlauf. (kb, 5.10.14)

Zitzewitz, Jutta von, Die Stadt, der Highway und die Kamera. Fotografie und Urbanisierung in New York zwischen 1945 und 1965, Deutscher Kunstverlag München 2014, 272 Seiten, broschiert, 118 Schwarzweiß/9 Farbabbildungen, 17 x 24 cm, ISBN 978-3-422-07206-0.

 

In a World of their Own

Aaron Rose, Coney Island, 1961-63 (Bild: Aaron Rose)
Der New Yorker Fotograf Aaron Rose fing ab 1961 die privaten Momente von Coney Island ein (Bild: Aaron Rose)

Als Aaron Rose 1961 auf Coney Island zu fotografieren begann, bevorzugte er die privaten Momente an New Yorks berühmtestem Strand. Bis zum 3. August 2014 zeigt das Museum of the City of New York mit der Ausstellung „In a World of their Own“ erstmals zusammenhängend seine Coney Island-Fotografien. Man meint, selbst in ein Strandleben einzutauchen, das Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus neben- und miteinander teilten.

Der gebürtige New Yorker Aaron Rose nutzte die Farbfotografie zu einer Zeit, als noch die Schwarzweiß-Ästhetik vorherrschte. Durch ein spezielles chemisches Verfahren fing er die Sommerfarben von Coney Island ein. Rose hatte bereits über 25.000 Fotografien aufgenommen, bevor er von der Kunstszene entdeckt und ausgestellt wurde. Die 70 nun in New York gezeigten Motive bieten einen umfassenden Einblick in sein fotografisches Werk ebenso wie in das soziale Leben der New Yorker in den frühen 1960er Jahren. (kgb, 15.6.14)