Niedersachsen

Die Moderne in Niedersachsen

Was blieb vom Aufbruch der 1960er und 1970er? Gesellschaftliche und politische Veränderungen, Fortschrittsglauben und Ideale, aber auch Angst und Unsicherheit prägen die Zeit „zwischen Nierentisch und Postmoderne“, wie der Architekturkritiker Wolfgang Kil die 1960er und 70er Jahre einmal charakterisierte. Insbesondere in der Architektur zeigte sich die schier explosionsartige Entwicklung: Bauboom und technischer Fortschritt bewirkten innerhalb weniger Jahre eine wahre Zukunftseuphorie und stetig wachsende Experimentierfreudigkeit. Wie sich dieser gebaute Fortschritt in Niedersachsen manifestierte, zeigt ein neuer, von der Lavesstiftung herausgegebener Band aus dem Jovis-Verlag: Aufbruch. Architektur in Niedersachsen 1960 bis 1980.

Mit einem umfassenden Katalogteil und fundierten Beiträgen zu wichtigen Themen dieser gesellschaftlich und politisch veränderungsfreudigen Ära möchte die zur Architektenkammer Niedersachsen gehörige Lavesstiftung die Vorzüge der kreativen wie wagemutigen Architektur jener Tage in Erinnerung bringen. Zu den Autoren zählen unter anderem Karin Wilhelm, Nicole Froberg, Olaf Gisbertz, Rocco Curti und Ulrich Knufinke. Das Grundlagenwerk soll zur öffentlichen Diskussion anregen und damit zu Wertschätzung und Erhalt der 1960er- und-70er-Jahre-Architektur in Niedersachsen beitragen. (db, 29.6.17)

Aufbruch. Architektur in Niedersachsen 1960 bis 1980, hg. von der Lavesstiftung, Jovis Verlag, Berlin 2017, Hardcover, 21 x 28 cm, 200 Seite, ca. 300 Farb- und Schwarzweißabbildungen, ISBN 978-3-86859-471-3.

Titelmotiv: Buchcover (Jovis Verlag)

Szene aus „Heimat – Deine Lieder“ (P. May, 1959) mit der Schauspielerin S. Bethmann (Bild: Divina-Farbfilm, Gloria-Filmverleih)

Denkmalpflege mit gewissen Vorzügen

Es ist ein böses (böses!) Vorurteil, dass der typische Denkmalpfleger (und natürlich *in) nach Dienstschluss sein Cordsakko über den Empirestuhl wirft, um ein Natursauerteigbrot im selbstgeformten Lehmbackofen zu fertigen. Egal wie, besagter Fachkollege hat inzwischen mit Sicherheit Internet, ebenso wie seine Klientel – vom Fachwerkhäusler bis zum Lofthipster. Und aus eben diesen Gründen ist es überfällig, dass sich die Denkmalpflege auch der virtuellen Welt annimmt. Das Niedersächsische Landesamt geht hier gerade, auch mit Blick auf die anstehende Jahrestagung der Landesdenkmalpfleger in Oldenburg, einen großen Schritt in Richtung Zukunft.

Seit einigen Wochen ist der offizielle Blog „OLD News“ online. Stefan Winghart, Präsident des besagten Landesamts, bringt es in seinem begrüßenden Post auf den Punkt: „Vorwort zu einem Blog: Ich habe in inzwischen mehr als 38 Dienstjahren schon vieles geschrieben, aber das noch nicht.“ In seiner Folge werden Grundsatzfragen beantwortet („Hilfe, ich lebe im Denkmal!“), aber auch die urbane Seite Oldenburgs (Daniel Furhop) oder die cineastische Vergangenheit eines modernen Heidedörfchens beleuchtet. Reinschauen lohnt also – wir werden es jedenfalls regelmäßig tun! (kb, 19.4.17)

Szene des – in einem moderne Heide-Feriendörfchen gedrehten – Films „Heimat – Deine Lieder“ (P. May, 1959) mit der Schauspielerin S. Bethmann (Bild: Divina-Farbfilm, Gloria-Filmverleih): Online gibt es den Film HIER anzuschauen.