Oldenburg

Oldenburg, Marktplatz (Bild: Daniel Fuhrhop)

Vorerst kein Abriss am Marktplatz Oldenburg

Dass große Einkaufszentren einer lebendigen Innenstadt schaden, dürfen die Oldenburger dank den Schlosshöfen gerade erleben. Trotzdem plante die Bremer Landesbank gleich nebenan am Marktplatz den nächsten Großkomplex: Hier sollte nach Plänen von Max Dudler das Marktcarré entstehen – und dafür nahezu ein ganzer Häuserblock abgerissen werden. Das brachte nicht nur viele Bürger auf, sondern auch die Stadt Oldenburg. Diese aber eher aus ästhetischen Gründen: Stadtbaurätin Gabriele Nießen beschied gegenüber der Presse, dass „die Auseinandersetzung des Architekten mit der denkmalgeschützten Umgebung nicht gelungen“ sei und „eine hochwertige gestalterische Antwort für den wichtigsten Platz in unserer Innenstadt nicht gefunden wurde“.

Aufgrund der anhaltenden Ablehnung gegenüber Dudlers „Weißen Riesen“ hat sich die BLB nun dazu entschlossen, die Neubaupläne zu verwerfen. Jetzt gibt es also doch wieder Hoffnung auf Erhalt der bestehenden Gebäude aus den 1970er und 1980er Jahren, die den Platz säumen. Sie mögen vielleicht keine Meisterwerke sein, aber eben doch gelungene Kinder ihrer Zeit. Die BLB erklärte zumindest, die für das Gesamtprojekt veranschlagten 35 Millionen Euro nun in den Baubestand zu investieren. Das muss nichts Gutes heißen – kann es aber. Hoffen wir das Beste! (db, 20.11.17)

Oldenburg, Marktplatz (Bild: Daniel Fuhrhop)

Szene aus „Heimat – Deine Lieder“ (P. May, 1959) mit der Schauspielerin S. Bethmann (Bild: Divina-Farbfilm, Gloria-Filmverleih)

Denkmalpflege mit gewissen Vorzügen

Es ist ein böses (böses!) Vorurteil, dass der typische Denkmalpfleger (und natürlich *in) nach Dienstschluss sein Cordsakko über den Empirestuhl wirft, um ein Natursauerteigbrot im selbstgeformten Lehmbackofen zu fertigen. Egal wie, besagter Fachkollege hat inzwischen mit Sicherheit Internet, ebenso wie seine Klientel – vom Fachwerkhäusler bis zum Lofthipster. Und aus eben diesen Gründen ist es überfällig, dass sich die Denkmalpflege auch der virtuellen Welt annimmt. Das Niedersächsische Landesamt geht hier gerade, auch mit Blick auf die anstehende Jahrestagung der Landesdenkmalpfleger in Oldenburg, einen großen Schritt in Richtung Zukunft.

Seit einigen Wochen ist der offizielle Blog „OLD News“ online. Stefan Winghart, Präsident des besagten Landesamts, bringt es in seinem begrüßenden Post auf den Punkt: „Vorwort zu einem Blog: Ich habe in inzwischen mehr als 38 Dienstjahren schon vieles geschrieben, aber das noch nicht.“ In seiner Folge werden Grundsatzfragen beantwortet („Hilfe, ich lebe im Denkmal!“), aber auch die urbane Seite Oldenburgs (Daniel Furhop) oder die cineastische Vergangenheit eines modernen Heidedörfchens beleuchtet. Reinschauen lohnt also – wir werden es jedenfalls regelmäßig tun! (kb, 19.4.17)

Szene des – in einem moderne Heide-Feriendörfchen gedrehten – Films „Heimat – Deine Lieder“ (P. May, 1959) mit der Schauspielerin S. Bethmann (Bild: Divina-Farbfilm, Gloria-Filmverleih): Online gibt es den Film HIER anzuschauen.

Der „Virus der Moderne“

Collage mit Dokumenten zum Forschungsprojekt "Das Bauhaus in Oldenburg" (Bild: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg)
Collage mit Dokumenten zum Forschungsprojekt „Das Bauhaus in Oldenburg“ (Bild: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg)

Das Forschungsprojekt „Das Bauhaus in Oldenburg – Avantgarde in der Provinz“ untersucht die Zusammenarbeit des dortigen Landesmuseums mit dem Bauhaus. Ebenso wird stellvertretend das Wirken von vier Bauhäuslern aus dem Oldenburger Land und Ostfriesland betrachtet: Hermann Gautel, Hans Martin Fricke, Karl Schwoon und Hin Bredendieck. Das Landesmuseum Oldenburg war bereits seit seiner Gründung mit dem Staatlichen Bauhaus verbunden, erwarb von dort Möbel und Produkte. Künstler des Oldenburger Landes wurden angeregt, ihre Ausbildung am Bauhaus zu absolvieren – und verbreiteten so den Virus der Moderne.

Zu diesem Themenfeld wird im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte vom 2. bis 3. November 2017 die Tagung „Das Bauhaus in der Provinz“ stattfinden. Zentrale Fragenstellungen werden sein: der Einfluss und die Auswirkungen des Bauhauses in und auf die Region; die Ausstrahlung der Metallwerkstatt am Bauhaus; die gebrochenen Biografien der Bauhäusler in der Zeit des Nationalsozialismus; Bauhaus im Exil; das Nachwirken der Bauhaus-Ideen nach 1945. Interessenten sind eingeladen, ihren Vorschlag (ca. 300 Wörter) für einen Vortrag von ca. 30 Minuten und einen kurzen CV bis zum 30. April 2017 einzureichen unter: Gloria Köpnick, g.koepnick@landesmuseen-ol.de, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, Prinzenpalais, Damm 1, 26135 Oldenburg, 0441/2207370. (kb, 10.3.17)

"Denkmalpflege als kulturelle Praxis" (Plakat der VDL-Tagung 2017 in Oldenburg)

Was sieht John Lennon in Oldenburg?

Denkmalpflege ist Pop, so versprach es zumindest das charmante Plakatmotiv zur diesjährigen Jahrestagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL): ein bärtiger Berlin-Mitte-Hippster, der frappierend an den Beatles-Zerstörer erinnerte (bitte keine Leserzuschriften, dies ist nur eine von vielen möglichen Meinungen zu den Auflösungsgründen). Das John-Lennon-Lookalike schaute durch eine rosagetönte Nickelbrille auf die Welt und den – erstaunlich modernedurchzogenen – Veranstaltungsort Oldenburg. Sein neugieriger, aber zugleich fachlich gefärbter Blick stand für das Veranstaltungsmotto: „Denkmalpflege als kulturelle Praxis“.

 

„Zwischen Wirklichkeit und Anspruch“

Vom 18. bis 21. Juni 2017 hatte sich die VDL zusammengetan mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und der Stadt Oldenburg. Die Veranstalter einigten sich vorab auf die These: „Die Denkmalpflege, die unter den von Menschen geschaffenen materiellen Geschichtszeugnissen die Denkmale erkennt und bewahrt, ist unzweifelhaft Teil der Kultur.“ Die im Programm als maßstabslos bezeichnete Modernisierung der 1970er Jahre habe den Siegeszug des Denkmalschutzes befördert. Heute müssten sich Denkmalpfleger einem neuen Modernisierungsschub stellen: den Folgen von Wiedervereinigung, demographischem Wandel und digitaler Revolution. Folgerichtig suchten die Vorträge und Exkursionen, Sektionen und Podien nach Antworten für die regionale und länderübergreifende Denkmalpflege. Am Montag führten Prof. Aleida Assmann (Konstanz) und Prof. Winfried Nerdinger (NS-Dokumentationszentrum München) ins Thema ein, diskutierten die Fachleute anschließend unter der Moderation von Prof. Arnold Bartetzky (Leipzig).

Die fünf im Schwerpunkt von den NLD-Mitarbeitern vorbereiteten Sektionen behandelten am Dienstag zunächst Teilaspekte des Tagungsthemas: Inventarisieren (Was machen wir mit der „Stadtreparatur“ der 1970er und 1980er Jahre?), Forschen an Denkmalen (Was wissen wir, was brauchen wir und wie können wir es teilen?), Praktische Denkmalpflege (Wie erhalten wir die Achitekturmoderne?), Umgang mit Spannungen (Was ist außer Denkmalpflege sonst noch wichtig?) sowie Netzwerke (Wie publizieren wir gut über unsere guten Inhalte? Hier war auch moderneREGIONAL eingeladen, seine Arbeit vorzustellen!). Am Nachmittag setzte Prof. Jörg Haspel (Landesdenkmalamt Berlin) mit seinem Impulsreferat das Thema der folgenden, von Prof. Sigrid Brandt (Salzburg) moderierten Podiumsdiskussion: Muss sich Europa auf einen Denkmalbegriff einigen, um nicht von Wirtschaft und Politik an den Rand gedrängt zu werden?

 

Wie viel Denkmal braucht Europa?

Am Ende von so viel Austausch standen keine fertigen Antworten. Die hatte wohl auch keiner erwartet. Aber es war unübersehbar, dass gerade mit Macht eine neue Generation von Denkmalen und sie Pflegenden nach vorne drängt. Es wäre zu wünschen, dass dieser Wechsel ebenso stil- und respektvoll von statten geht, wie Prof. Stefan Winghart zum Abschluss der Veranstaltung die NLD-Präsidentschaft ruhestandsbedingt an Dr.-Ing. Christina Krafczyk übergab. Das Ende der diesjährigen VDL-Tagung war also ein versöhnliches, ist doch das Oldenburger Land berüchtigt für fetthaltige Gerichte als Grundlage für alkoholhaltige Getränke. Beides dürfte beim heutigen „gemütlichen Ausklang“, der gemeinsamen Grillkulturpflege nach den Tagesexkursionen, sicher nicht zu kurz gekommen sein. Gastfreundschaft können die in Oldenburg. (db/kb, 21.6.17)

Titelmotiv: Plakat der VDL-Jahrestagung 2017, Grafik-Design und Foto: Elke Behrens NLD