Rathaus

Schrobenhausen, Rathaus, 2011 (Bild: Aisano, GFDL oder CC BY SA 4.0)

Neues Denkmal für Schrobenhausen

Bei Vokabeln wie „Betonklotz“ reibt sich der ruhrpottgewöhnte Architekturbeschauer verdutzt die Augen. Doch für das oberbayerische Schrobenhausen ist der Rathausbau am Lenbachplatz etwas deutlich Modernes: Der – farbig angepasste, teils kupferverkleidete und mit einem versöhnlichen Satteldach versehene – Stahlbetonbau entstand 1968/69 nach Plänen des Architekten Peter Buddeberg. Dass dafür damals das historische Rathaus niedergelegt wurde, mag die Phantomschmerzen für manche Schrobenhausener noch verstärken. So wurde es nicht nur mit Freude begrüßt, als die Denkmalpflege das „neue“ Rathaus unter Schutz stellte.

Hintergrund der Kritik ist die anstehende Sanierung des nachkriegsmodernen Rathauses. Von einer Verlegung, von einem Abriss gar war zwischendurch die Rede. Im Frühjahr beschloss der Stadtrat jedoch, nicht gegen die Unterschutzstellung vorzugehen. Das Landesamt sieht den Bau als „einen herausragenden Bezugspunkt im Ensemble Altstadt“. Landeskonservator Mathias Pfeil stellte sich diesen Herbst der „Schrobenhausener Zeitung“. Die Unterschutzstellung des Rathauses stehe noch in einem größeren Zusammenhang, arbeite das Landesamt doch gerade Bauten der 1960er/70er Jahre mit ihren besonderen Qualitäten auf. „Gebäude, die relativ jung sind, brauchen Zeit, bis sie anerkannt sind.“ Buddeberg habe sich in Schrobenhaus städtebaulich sensibel am historischen Standort und an Vorbildern wie der „Schrannenhalle“ orientiert. (kb, 1.11.17)

Schrobenhausen, Rathaus, 2011 (Bild: Aisano, GFDL oder CC BY SA 4.0)

Siegburg, Rathaus (Bild: Die Linke)

Rathaus Siegburg – Quo Vadis?

Das Rathaus Siegburg feiert im kommenden Jahr seinen 50. Geburtstag. Wie es weitergeht mit dem wuchtigen, doch radikal schlichten Waschbetonbau von 1968, ist unklarer denn je. Der Sanierungsstau ist erheblich, mittlerweile schützen Netze vor herabfallenden Fassadenbröseln. Eigentlich sollte eine Entscheidung über Sanierung oder Abriss Ende 2016 fallen – nachdem bereits jahrelang diskutiert wurde. Zumindest bescheinigt ein Gutachten der Statik des Altbaus einen einwandfreien Zustand und beziffert die Sanierungskosten auf 18,5 Millionen. Alternativ stehen Abriss und Neubau an gleicher Stelle oder ein Neubau an anderer Stelle zur Debatte. Hierfür liegen die voraussichtlichen Kosten zwischen 20 und 22 Millionen Euro. Langsam drängt die Zeit: Die (noch) genehmigte Interimslösung für den Brandschutz im Gebäude läuft Ende 2017 ab.

Peter Busmann, von 1965 bis 1968 ausführender Architekt des Siegburger Rathauses, ist vom Umgang mit seinem Entwurf seit jeher unzufrieden. Der vorgesehene Platz vor dem Gebäude wurde nie umgesetzt. Das hierfür freigehaltene Gelände hatte die Stadt verkauft, heute stehen hier weitere Häuser. „Ich konnte die Siegburger Politik nicht dazu bewegen, das nicht zu machen, aber ich habe mir damals geschworen, für diese Stadt nie wieder etwas zu bauen“, sagte Busmann 2014 im Interview mit dem Bonner General-Anzeiger. Bei einem eventuellen Umbau erwarte er mit Hinweis auf sein Urheberrecht eine Kontaktaufnahme. (db, 24.6.17)

Rathaus Siegburg (Bild: Die Linke)

Köln-Rodenkirchen, Bezirksrathaus (Bild: Willy Horsch, CC BY 2.5)

Aus fürs Rathaus Rodenkirchen

Eigentlich war der Abbruch des Bezirksrathauses Köln-Rodenkirchen schon seit Langem geplant, doch mit jedem Jahr, das der nach wie vor genutzte Bau unberührt überstand, stieg vermeintlich die Hoffnung auf Erhalt: Die Architektur des Brutalismus erfreut sich längst wieder wachsender Beliebtheit, und das achtgeschossige Gebäude ist ein nahezu unberührter Vertreter jener Ära. Der damalige Stadtkonservator Krings hatte zwar bereits 2005 den Denkmalschutz abgelehnt, doch ist seither einiges Wasser den Rhein herabgeflossen. Was damals galt, könnte man ja heute noch einmal prüfen … Nun aber ist es wohl endgültig aus, denn das Rathaus Rodenkirchen ist nach Aussage der Städtischen Gebäudewirtschaft Köln mit PCB und Asbest belastet. Bis 2020 soll es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Das Rathaus im bis 1975 noch eigenständigen Rodenkirchen wurde 1966/67 nach Plänen des Architekten Walther Ruoff (1914-1991) errichtet und kurz nach Fertigstellung mit dem Architekturpreis der Stadt Köln ausgezeichnet worden. Insbesondere die Bürgervereinigung Rodenkirchen setzt sich seit Jahren für den Erhalt ein – nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus bauhistorischen Gründen. Der Antrag auf Denkmalschutz kam seinerzeit ebenfalls von der Bürgervereinigung. (db, 17.5.17)

Köln, Rathaus Rodenkirchen, 2007 (Bild: Willy Horsch, CC BY SA 2.5)

Olpe: Rathaus abgewählt

Olpe: Rathaus (Bild: Donald Townsend, CC-BY-SA 2.5)
Hat die Mehrheit gegen sich: das Olper Rathaus (Bild: Donald Townsend, CC BY SA 2.5)

Im sauerländischen Olpe entschieden die Bürger dieser Tage über ihr Rathaus; und das ist nicht metaphorisch gemeint. Das sanierungsbedürftige Hochhaus aus den 1970ern war Gegenstand eines Bürgerentscheids. Sanierung oder Neubau, diese Frage stand bereits seit 2011 im Raum. Eine klare Mehrheit sprach sich nun gegen die Sanierung aus, das Schicksal des Verwaltungsturms scheint damit besiegelt. Während an anderer Stelle ein Neubau entsteht, soll das alte Rathaus abgerissen werden.

„Wir dürfen damit rechnen, daß auch künftige Generationen mit uns der Ansicht sind, ein für unsere kommunale Selbstverwaltung in Größe, Gestaltung und Funktionsfähigkeit geziemendes Haus errichtet zu haben.“ war sich der damalige Bürgermeister Alfred Enders zur Eröffnung im Jahr 1978 noch sicher. Das Votum dieser Generationen fiel nun großteils anders aus, 63 Prozent stimmten gegen das monumentale Bauwerk mit der markanten, aufgestelzten Sockelzone. Es war nach Entwürfen des Büros Allerkamp in den Jahren 1975-77 errichtet worden und wirkte auch als städtebauliche Dominante. Die Leitlinien für die künftige Stadtentwicklung liegen noch nicht fest. (jr, 9.4.17)

Reutlingen sucht Architekt/in

Reutlingen, Rathaus (Bild: Greencherry, CC-BY-SA 4.0)
Gerade erst 50 geworden: das Reutlingener Rathaus (Bild: Greencherry, CC-BY-SA 4.0)

In der heimeligen Altstadt von Reutlingen wird das wuchtige Rathaus noch immer gerne als Fremdkörper bezeichnet. Vor wenigen Jahren schlug die dortige CDU-Fraktion vor, den Verwaltungstrakt zu verkaufen und abzureißen, damit ein Investor ein Shopping-Center bauen könne. Gestoppt wurden die Pläne zunächst durch die Landesdenkmalpflege, als das Rathaus 2013 unter Schutz kam. Im April 1966 wurde das Rathaus eingeweiht, Architekten waren der Bonatz-Schüler Wilhelm Tiedje und sein Partner Rudolf Volz. Es ersetzte das neogotische Ratsgebäude, das im März 1945 zerstört wurde.

Jüngst konnte das Reutlinger Rathaus sein 50-jähriges Jubiläum feiern – ohne dass ein Bagger daran geknabbert hat. Nun sucht die Stadt für die denkmalgerechte Sanierung seines Rathausgebäudes für die neu gegründete Abteilung Sonderprojekte zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/einen Architektin/Architekten. „‚Kernbereich‘ des Aufgabengebietes ist die Wahrnehmung von Bauherrenaufgaben.“ Erwartet werden: ein abgeschlossenes Architekturstudium (Dipl. Ing. oder Bachelor) oder eine vergleichbare Qualifikation, Erfahrung im Bereich Projektmanagement, sehr gute Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit sowie Teamfähigkeit sowie eine selbständige, sorgfältige und zuverlässige Arbeitsweise. Bewerbungen werden bis 13. August 2016 online entgegengenommen. Wünschen wir dem Geburtstagskind Rathaus möglichst viele gute Bewerber! (db/kb, 3.8.16)

50 Jahre Rathaus Kaiserslautern

Ostertags Rathaus ist heute eines der Wahrzeichen von Kaiserslautern (Bild: E.K.)
Ostertags Rathaus ist heute eines der Wahrzeichen von Kaiserslautern (Bild: E.K.)

„Profanbau mit städtebaulicher Dominanz“ und Symbol für den „gelungenen Wiederaufbau und die aufstrebende Entwicklung“ Kaiserslauterns sollte das neue Rathaus laut dem damaligen Oberbürgermeister Walter Sommer sein. Der Architekt Roland Ostertag (*1931) wurde diesem Anspruch gerecht, indem er der Stadt das höchste Rathaus der Bundesrepublik baute. 1964 wurde der Grundstein gelegt. Tatsächlich boomte Kaiserslautern damals, 1970 wurde die magische 100.000-Einwohner-Marke übersprungen und das Zentrum der Westpfalz offiziell zur Großstadt erklärt. Die Metropolen-Ambitionen, die der Bau verkörpern sollte, konnten in den Folgejahren jedoch nicht aufrecht erhalten werden: Wirtschaftliche Rezession sowie der Abzug der französischen Truppen trafen die Stadt hart und verhinderten ein weiteres Wachstum.

Das 84 Meter hohe Bauwerk wurde mit seiner streng gerasterten Fassade dennoch fester Bestandteil der städtischen Identität Kaiserslauterns. Ursprünglich sollte es in leicht abgewandelter Form im knapp 60 Kilometer entfernten Mannheim stehen. Ostertag gewann 1960 den dortigen Wettbewerb für ein neues Rathaus, wegen Finanzierungsschwierigkeiten wurde der Bau jedoch abgebrochen. (jr, 16.8.14)

Großstadt gestalten

Hamburg, Groot Bossel von Fritz Schumacher (Bild: flamenc)
Moderne Stadtbaumeister wie Fritz Schumacher gestalteten mit neuen Quartieren – hier Groot Bossel in Hamburg – die Entwicklung der Metropolen (Bild: flamenc)

In vielen deutschen Großstädten ist das frühe 20. Jahrhundert mit bekannten Stadtbaumeistern verbunden: Fritz Schumacher in Hamburg, Ludwig Hoffmann und Martin Wagner in Berlin, Theodor Fischer in München oder Ernst May und Martin Elsaesser in Frankfurt. Ihnen ist am 6. Juni 2014 die Veranstaltung „Großstadt gestalten. Das Vermächtnis der Stadtbaumeister“ gewidmet. Im Rahmen der Dortmunder Vorträge zur Stadtbaukunst – als Kooperation des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst an der TU Dortmund mit dem Forum Stadtbaukultur der Stadt Dortmund – wird im dortigen Rathaus gefragt: Wie gestalteten die Architekten im frühen 20. Jahrhundert das rasante Wachstum der Städte?

Die neuen Metropolen erhielten nicht nur neue Quartiere, sondern veränderten auch ihren Altstadtkern durch neue Dienstleistungs-, Geschäfts- und Verkehrsstrukturen. An die Seite der Ingenieure und Tiefbauinspektoren traten zunehmend Architekten. Städtebau wurde verstärkt als kulturelle Herausforderung diskutiert – nicht ohne Folgen für das Aufgabenfeld, die Organisation und den Zuschnitt der kommunalen Baubehörden. Diesen Wandel nachzuzeichnen und auf Anregungen für heutige kommunale Stadtplanung zu befragen, ist das Ziel der Dortmunder Vorträge.