Sanierung

Rosa Roehre (Bild: Gunnar Klack, CC By SA 4.0)

Rosa Röhre Reloaded

Es ist nicht leicht, in die Berliner Top Ten der extravaganten Architektur vorzustoßen. Ein Bau, der diese Hürde mit Leichtigkeit nimmt, erstrahlt gerade in neuem Glanz: der Umlauftank 2, besser bekannt als „Rosa Röhre“. Die expressive Farbigkeit des denkmalgeschützten Versuchsgebäudes der TU war in den letzten Jahren zunehmend verblasst. Kürzlich wurde die umfassende Sanierung im Auftrag der Wüstenrot-Stiftung abgeschlossen.

Der nach Plänen Ludwig Leos errichtete Bau wurde 1974 im Stadtteil Tiergarten fertiggestellt und dient der experimentellen Erprobung von Schiffsmodellen. In der überdimensionalen Rosa Röhre, die rechts und links aus dem Bauwerk herausragt, lassen sich künstliche Wasserströme erzeugen, die eine empirische Analyse der Seetauglichkeit erlauben. Die Anlage gilt weltweit als die größte ihrer Art. Ob das rosa Ungetüm in der sensationsgewohnten Hauptstadt künftig wieder als Bürgerschreck fungieren kann, wird sich zeigen. (jr, 1.12.17)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Bad Honnef, Haus Kuckuk (Bild: Hartmut Witte)

Wie pflegt man die Moderne?

Nach dem Krieg experimentierten die Architekten zunehmend mit ungewohnten Gestaltungen, Techniken und Materialien. Zugunsten von Funktion und Ästhetik fiel dabei die technischen Umsetzungen nicht immer optimal aus. So machen falsch verstandene Materialverträglichkeiten, spät erkannte Gesundheitsbelastungen, nicht den heutigen Vorschriften entsprechende Brandschutz- und Wärmedämmmaßnahmen heute vielfach Probleme. Hierfür will der Rheinische Verein für Denkmalpflege mit der Veranstaltung „Substanzpflege an Bauten der Nachkriegsmoderne“ in Bad Honnef (PBH-Physikzentrum Bad Honnef, Hauptstraße 5, 53604 Bad Honnef) Lösungswege aufzeigen.

Das Seminar präsentiert nachkriegsmoderne Beispiele rund um die Substanzpflege und Gestaltung, rund um Fragen von Baustoffen oder möglichem Austauschmaterial. Auf dem Programm steht u. a. eine Führung durch Haus Mayer-Kuckuk: Im Jahr 1967 nach Entwürfen des Düsseldorfer Architekten Wolfgang Döring als industrieller Fachwerkbau errichtet, wurde das originale Ständerwerk, dem ursprünglichen Baugedanken folgend, 2015/16 ausgetauscht. Für die Veranstaltung wird um Anmeldung gebeten per Mail mit dem Betreff „TS Mayer-Kuckuk“ an: sekretariat@rheinischer-verein.de. Weitere Informationen können erfragt werden bei: Dr. Rita Lennartz, Mail lennartz@uni-bonn.de. Diese Veranstaltung wird von mehreren Architekten- und Ingenieurkammern als gesetzliche Fort- und Weiterbildung anerkannt. Es wird eine Seminargebühr erhoben (inkl. Mittagsimbiss und Getränke). (kb, 20.8.17)

Bad Honnef, Haus Mayer Kuckuk (Bild: Hartmut Witte)

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Feinschliff am Kulturpalast

In Dresden wurde kürzlich der sanierte Kulturpalast der Öffentlichkeit übergeben. Doch nun wird bereits das nächste Gerüst vor dem Kulti aufgebaut. Es gilt den Fahnenmasten des Baus, die in den nächsten Monaten saniert werden sollen. Das mächtige Gerüst, das laut den Dresdner Neuesten Nachrichten 30 Meter in der Höhe und 13 in der Länge misst, soll mit einer Plane verhängt werden und den bei der Sanierung anfallenden Schmutz abfangen. Die Fahnenmasten werden erstmals seit dem Bau im Jahr 1969 saniert, an ihnen haftet also noch immer die Farbe des Erstanstrichs. Sie zu entfernen, droht viel Staub aufzuwirbeln.

Ursprünglich waren für die Sanierung der Masten keine Mittel eingeplant. Da sich die Arbeiten an den Außenanlagen des Kulturpalasts aber günstiger als geplant gestalteten, wurde dieser Nachschlag finanziell möglich. Im November soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein. Wer sich am Gerüst stört, kann in einer Sonderausstellung des Stadtmuseums Dresden noch bis zum 17. September Fotografien und Modelle des unverstellten Kultis genießen. (jr, 1.8.17)

Dresden, Kulturpalast (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0918-026, CC BY SA 3.0)

Köln, Oper (© Raimond Spekking/CC BY SA 3.0 (via Wikimedia Commons))

Sanierung der Oper Köln wird teurer

Ist die Kölner Oper der neue BER? Nachdem im Mai schon über die zu erwartende Kostensteigerung und Bauzeitverlängerung spekuliert worden war, ist es nun offiziell: Die Stadt bestätigt, dass die Sanierung der Bühnen Köln im schlechtesten Fall 565 Millionen Euro kosten und bis zum März 2023 dauern wird. Im Juli 2015 hatte man die geplante Wiedereröffnung kurzfristig absagen müssen. Dem zuständigen Ingenieurbüro wurde daraufhin gekündigt, ein Nachfolger fand sich erst im April diesen Jahres.

Was würde der Architekt Wilhelm Riphahn wohl dazu sagen? Zwischen 1957 bis 1962 wurde das inzwischen denkmalgeschütze Ensemble aus Opernhaus, Schauspielhaus und Opernterrassen am Offenbachplatz nach seinen Plänen errichtet. Seither prägt es das Stadtbild und bietet Raum für Kultur – innen wie außen. Die aktuellen Pläne zur denkmalgerechten Sanierung von HPP Architekten machen eigentlich auch einen vielversprechenden Eindruck. Eine Kinderoper soll entstehen, Sitze sollen mit neuen Bezügen in taubenblauem Samtvelours restauriert werden, sogar Proben von den originalen Wandanstrichen habe man entnommen – wie 2015 berichtet wurde. Nun werden wir leider noch einige weitere Jahre auf die dann hoffentlich spektakuläre Eröffnung waren müssen. Bis dahin können wir die zauberhafte Opernarchitektur zumindest in Bildern der Fotografin Anja Schlamann „erleben“. (df, 12.7.17)

Bühnen Köln (© Raimond Spekking/CC BY SA 3.0 (via Wikimedia Commons))

Das ‚heilige Parkhaus‘ wird saniert

St. Wilhelm Berlin-Spandau
Ein Bau mit vielen Namen: St. Wilhelm in Berlin-Spandau (Bild: Bodo Kubrak, gemeinfrei, Public Domain)

Die St. Wilhelmskirche in Berlin-Spandau wird von ihrem Pfarrer liebevoll ‚das heilige Parkhaus‘ genannt, wegen seiner modernen Ästhetik und weil man hier – ganz bildlich gesprochen – die Seele parken und stärken könne. Nun stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz der Kirche umfangreiche Mittel für die Restaurierung zur Verfügung.

Die katholische Kirche wurde 1965 eingeweiht. Entworfen wurde sie von Ulrich Craemer, der für den Bau moderne Werkstoffe wählte, die ansonsten vor allem aus ganz profanen Gebäuden wie eben Parkhäusern bekannt sind. Der reduzierte klare Stahlbeton-Skelettbau aus Ortbeton hat ein Flachdach und große Fensterflächen aus Aluminium-Rahmenfenstern. Dank der waagerechten Betonlamellen im Innenraum gelangt das Licht nur indirekt hinein und erzeugt dort einen hellen Raum. Davon ist Pfarrer Zimmermann besonders begeistert: „Das unterschiedliche Licht zaubert immer wieder eine andere Atmosphäre.“ Wegen der besonderen Materialien und der außergewöhnlichen Lichtführung steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert nun die Sanierung der Außenfassade. Mehr zum Kirchenbau der Nachkriegsmoderne gibt es auch im mR-Herbstheft. (ps, 22.1.16)

Wolfsburg: Scharoun-Bau saniert

Das Wolfsburger Theater ist dem Spätwerk Hans Scharouns zuzurechnen (Bild: Vanellus Foto)
Wird im Januar feierlich wiedereröffnet: das Theater in Wolfsburg (Bild: Vanellus Foto, CC BY SA 3.0)

In Wolfsburg werden diesertage die Sanierungsarbeiten am städtischen Theater fristgerecht abgeschlossen. Im Juni 2014 hatte das  Büro Brenne Architekten mit einer umfassenden Sanierung begonnen, nun wurde der Schlüssel feierlich an den Intendanten übergeben. Am 24. Januar 2016 soll das Theater dann mit einem Festakt offiziell wieder eröffnet werden. Es ist einer der letzten Bauten Hans Scharouns. Seine Eröffnung im Jahre 1973 erlebte der Architekt nicht mehr.

Nicht nur beim Zeitplan hielten sich die Sanierer an die Vorgaben. So kostete die Maßnahme die Stadt 32 Millionen Euro und liegt damit immer noch nah von den geschätzten Kosten von 30 Millionen. Im Zuge der Arbeiten wurde die Bühnentechnik modernisiert, ansonsten aber ein Zustand angestebt, der dem des Eröffnungsjahres 1973 entspricht. Als besonders aufwendig erwies sich die Sanierung der Wandverkleidung aus Eschenholzfurnier. Sie wurde behutsam von den insgeamt 1500 Quadratmetern Wandfläche abgenommen und nach der Sanierung wieder angebracht. (jr, 16.12.15)

Dessau: Sanierung der Y-Häuser

Dessau, Ypsilon-Haus (Bild: frollein2007, CC BY-SA 2.0)
Markante Punkte der Friedrichstraße in Dessau: die drei Ypsilon-Häuser (Bild: frollein2007, CC BY-SA 2.0)

Keine Nachrichten sind gute Nachrichten, zumindest wenn es um Betonoberflächen geht. So auch bei der laufenden Sanierung der Dessauer Y-Häuser. Am Stadtpark gelegen, erhielten die drei – jeweils 41 Meter und 14 Geschosse hohen – Wohntürme ihren Namen von ihrem Y-förmigen Grundriss. Die markanten Bauwerke wurden zwischen 1969 und 1971 nach Plänen der VEB Hochbauprojektierung Halle, hier federführend der Architekt Wulf Brandstädter (* 1937), errichtet. Wie in Dessau fügte man die Y-Häuser auch in Halle/Saale aus Elementen der Typenserie P 2.

Als die Stadtwerke Dessau ankündigten, die Wohntürme zu verkaufen, regte sich sozialer Unmut. Schließlich einigte man sich mit dem neuen Eigentümer, einem ortsansässigen Investor, 2013 auf eine „Sozialcharta“ mit besonderen Zusicherungen für die Mieter. Das erste Haus nahm der Investor selbst in Angriff, die beiden übrigen gab er 2014 weiter an die Leipziger Firma Neutecta. Alle drei, inzwischen denkmalgeschützten Häuser, werden nun stufenweise – im „laufenden Betrieb“ – saniert: Die Waschbetonoberflächen werden gereinigt, die Dämmung nach innen aufgebracht, die Zuschnitte der Wohnungen angepasst und die Haustechnik modernisiert. Wir hoffen, erst wieder zur geglückten Fertigstellung von den Dessauer Y-Häusern zu hören. (kb, 22.2.15)

Dreischeibenhochhaus verkauft

Das Dreischeibenhochhaus vom Gründgens-Platz aus gesehen (Bild: Johann H. Addicks)
Das Dreischeibenhochhaus vom Gründgens-Platz aus gesehen (Bild: Johann H. Addicks)

Das Düsseldorfer Dreischeibenhochhaus wechselt den Besitzer: Black Spots Investments übernimmt das Bauwerk von der Momeni Gruppe. Die Sanierung, die die beiden Unternehmen in den letzten Jahren vorangetrieben haben, kostete um die 220 Millionen Euro. Um den Vorgaben des Denkmalschutzes und gleichzeitig den Kriterien moderner Energieeffizienz zu genügen, versah man die Fenster mit Dreifachverglasung und zog im Gebäudeinneren eine zweite Fassade ein. Diese Investition verspricht sich aber zu lohnen; die umfassende Modernisierung des Baus wurde im Juli 2014 abgeschlossen, inzwischen ist er voll vermietet.

Das Dreischeibenhochhaus wurde in den Jahren 1957 bis 1960 nach Plänen der Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg gebaut. Es gilt als einer der bedeutendsten baulichen Vertreter des Internationalen Stils in Deutschland. Bauherr war die zur Zeit des „Wirtschaftswunders“ boomende Phoenix-Rheinrohr AG, später residierte hier der Thyssen-Konzern. Seinen Namen erhielt das Dreischeibenhaus aufgrund der charakteristischen Konstruktion: Der mit einer Vorhangfassade versehene Stahlskelettbau gliedert sich in drei gegeneinander versetzte Hochhausscheiben. Seit 1988 steht der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz. (jr, 3.11.2014)

Monumentales Schwimmerlebnis

Energetisch saniert: Die 1938 errichtete Schwimmhalle der Kaserne in der Berliner Finckensteinallee. Bild: Veauthier Meyer Architekten
Energetisch saniert: die 1938 errichtete Schwimmhalle in der Berliner Finckensteinallee (Bild: Tobias Reckert)

Die mächtige Backstein-Schwimmhalle in der Berliner Finckensteinallee diente einst der „SS-Leibstandarte Adolf Hitler“ zur Erquickung. Nach 1945 übernahm die US-Army das Gelände, und ab 1994 nutzte schließlich Schulen und Vereine das allmählich verfallende Baudenkmal. 2006 wurde es wegen Baumängeln geschlossen. Nun ist das Schwimmbad nach 76 Jahren erstmals für jeden zugänglich: Nach achtjähriger Sanierung durch das Büro Veauthier Meyer Architekten, Andreas Veauthier und Dr. Nils Meyer wurde es Ende August 2014 als öffentliches Bad wiedereröffnet.

Rund 13 Millionen Euro hat die Restaurierung samt energetischer Ertüchtigung gekostet. Unter anderem wurde zur Dämmung des Dachs die Decke abgehängt – die Neukonstruktion nimmt die Form des bauzeitlichen Glasdachs auf. Bittere Pille: Da die Beckentiefe auf Geheiß der Berliner Bäder Betriebe auf zwei Meter reduziert wurde, musste die originale Sprungturmanlage abgebrochen werden. Der Salto vom Zehnmeter-Brett ist fortan Geschichte. (db, 17.9.14)

Zukunft der Vergangenheit

Zukunft der Vergangenheit (Bild: Kraemer-Verlag)
„Zukunft der Vergangenheit“ (Bild: Kraemer-Verlag)

Zwischen 1945 und 1979 wurde Beeindruckendes geschaffen: Zwei Generationen legten den Grundstein für einen zukunftsorientierten Wohlfahrtsstaat mit leistungsfähigen Städten – und modernen Wohnungen. Viele damals errichtete Bauten sind für uns weiterhin funktional oder baukulturell unverzichtbar. Doch müssen sie heute vielfach grundlegend erneuert werden, um ihre Aufgabe auch morgen erfüllen zu können. Wie viel Veränderung verträgt dabei die Geschichte, wie viel Zukunft hat die (gebaute) Vergangenheit?

Diesem Thema widmete die Wüstenrot Stiftung ihren 10. Gestaltungspreis. Das im Kraemer-Verlag erschienene Buch zeigt, wie dieser wertvolle Baubestand ins 21. Jahrhundert überführt werden kann. Ausfühlich werden nicht nur Arbeiten vorgestellt, die beim Wettbewerb „Zukunft der Vergangenheit“ ausgezeichnet wurden. Darüber hinaus kommen weitere vorbildliche Projekte und namhafte Autoren zu Wort: von Ursula Baus über Adrian von Buttlar bis hin zu Olaf Gisbertz. (kgb, 23.7.14)

Zukunft der Vergangenheit. Die Erneuerung von Gebäuden der Baujahre 1945 bis 1979, hg. von der Wüstenrot-Stiftung, Kraemer-Verlag, 2014, 280 Seiten, gebunden, 22,5 x 28,5 cm, ISBN 978-3-7828-1541-3.