Schweiz

Zürich-Wollishofen, Neue Kirche (Walter Henauer/Ernst Witschi, 1936), seit 2015 genutzt als Kunst-Klang-Kirche (Bild: Michael D. Schmid, CC BY SA 4.0)

Der Zweite Schweizer Kirchenbautag

Auch in der Schweiz ist die kirchliche Welt nicht mehr ganz so heil – zumindest werden auch hier inzwischen viele Kirchen und Klöster nicht mehr ausschließlich liturgisch genutzt. Stattdessen müssen zusätzlich oder alternativ kulturelle, soziale, bildungsorientierte, gewerbliche und private Funktionen gesucht werden. „Abrisse sind die Ausnahme“, sagen die Veranstalter des Schweizer Kirchenbautags (Kompetenzzentrum Liturgik, Universität Bern). In der Regel würden die betroffenen Kirchen vermietet oder verkauft. Wer sich vor Ort selbst ein Bild machen will, hat dazu am 25. August 2017 in Bern Gelegenheit. Nach dem Ersten Schweizer Kirchenbautag im Jahr 2015 beschäftigt sich das diesjährige Treffen erneut mit dem Thema Kirchennutzung, diesmal mit einem Blick aufs Einzelne.

Anhand konkreter Beispiele sollen die Fachleute in Referaten und Podiumsgesprächen diskutieren: Welche Kirchen- und Gemeindeentwicklungskonzepte liegen zugrunde? Welche Rolle spielen Denkmalpflege und Kommune? Und was löst das Ganze bei den Kirchgemeinden aus? Im Rahmen der Vorbereitung des Schweizer Kirchenbautags 2017 entsteht zudem eine Datenbank zu Kirchenumnutzungen in der Schweiz, die mit der Veranstaltung am 25. August 2017 online gehen soll. Anmeldungen zum Kirchenbautag sind noch bis zum 18. Juli 2017 möglich. Es wird eine Tagungsgebühr erhoben, für Studierende ist die Teilnahme kostenfrei. (kb, 14.7.17)

Zürich-Wollishofen, Neue Kirche (Walter Henauer/Ernst Witschi, 1936), seit 2015 genutzt als Kunst-Klang-Kirche (Bild: Michael D. Schmid, CC BY SA 4.0)

Josph Beuys - mit Fahrrad auf den Stufen des Düsseldorfer Schlossturms (Archiv der Evangelische Kirche im Rheinland, Düsseldorf, 8SL 046 (Bildarchiv), 019_0073)

Mim Radl da

Im Frühjahr hatten sich zwei Hessen in Athen auf den Weg gemacht, um mit dem Fahrrad pünktlich bis zur Eröffnung der documenta 14 im heimischen Kassel zu sein. Hat geklappt. Und hat Spaß gemacht, sagen sie. Wer es etwas kürzer mag, kann die inzwischen eröffnete documenta auf eigene Faust mit dem Rad erkunden. Auf der Plattform „komoot.de“ findet sich ein Tourenvorschlag: Knapp drei Stunden in die Pedale treten und Sie können beim nächsten Sonntagsbrunch mitreden! Komfortabler geht es auf der Plattform „koelnarchitektur.de“ (hier bietet man regelmäßig auch Architektur-Fahrradtouren an) auf Anfrage: Neben „Archipedes“ führt man hier auch per „Architaxi“, „Archiboot“ oder „Archiheli“ zur modernen Baukunst der Rheinmetropole.

Wer sich als marodierender Einzelradler versuchen möchte, dem hilft das Netzwerk der Radwegekirchen. Die Initiative „Freizeit und Tourismus“ präsentiert sehenswerte Ziele, unter denen auch die Moderne nicht zu kurz kommt: von der Ewigkeitskirche (1965, Franz Lichtblau) im bayerischen Übersee bis zur Berliner Kapelle der Versöhnung (2000, Rudolf Reitermann/Peter Sassenroth ). Besonders charmant ist das verschwisterte Netzwerk in der Schweiz. Hier warten unter den „Velowegekirchen“ auch moderne Schönheiten wie die Kirche Sonnenfeld (1960, Max Schär/Rudolf Steiner) in Steffisburg. (kb, 30.6.17)

Josph Beuys mit Fahrrad auf den Stufen des Düsseldorfer Schlossturms (Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf, 8SL 046 (Bildarchiv), 019_0073)

Therme Vals (Bild: Peter Zumthor, CC BY SA 4.0, via wikimedia commons)

Preis für Peter Zumthor

Wer einen Bau entwirft, der 1996 eingeweiht und 1998 unter Schutz gestellt wird, der hat es als Architekt eigentlich schon geschafft. Eine Würdigung, die der 1943 in Basel geborene Architekt Peter Zumthor sicher zu schätzen weiß, arbeitete er doch selbst zehn Jahre als Denkmalpfleger im Kanton Graubünden. 1979 eröffnete er dann sein eigenes Architekturbüro in Haldenstein bei Chur und reüssierte rasch mit klaren, materialstarken, auf ihren jeweiligen Standort rückgebundenen Entwürfen.

Die Fachwelt hat Zumthor – im obigen Fall seiner Therme Vals – schon vor rund 20 Jahren das Siegel des Zeitlosen verliehen. Es folgten renommierte Auszeichnungen wie der Pritzker-Preis (2009). Jetzt kommt der Große BDA-Preis 2017 dazu, wie die Fachjury dieser Tage begründete: Vor allem die Therme Vals (sic!), das Kunsthaus Bregenz und das Kölner Diözesanmuseum Kolumba seien „beispielhaft für diese architektonische Haltung, die das Ursprüngliche wieder in den Mittelpunkt rückt“. Der Preis wird am 1. Juli im Rahmen des 13. BDA-Tags um 20 Uhr im LWL-Museum in Münster gewürdigt. Zu diesem Anlass erscheint auch eine Festschrift mit Porträts der drei herausgehobenen Bauten sowie einem Interview mit Peter Zumthor. (kb, 7.5.17)

Therme Vals (Bild: Peter Zumthor, CC BY SA 4.0, via wikimedia commons)

Italomodern

Casa del Sole in Cervinia von Carlo Mollino (Bild: Werner Feiersinger)
Casa del Sole in Cervinia von Carlo Mollino (Bild: Werner Feiersinger)

Seit 20 Jahren widmet sich das Forum Architektur Winterthur (FAW) mit Vorträgen und Ausstellungen den Themen Stadtentwicklung und Baukunst. Zum runden Geburtstag hat sich das FAW nun mit der Ausstellung „Italomodern“ bis zum 4. November 2016 das moderne Bauen in Norditalien zwischen 1946 und 1976 vorgenommen. Präsentiert wird die Arbeit der Brüder Martin und Werner Feiersinger, die sich als Architekt bzw. Fotograf der „Italomoderne“ angenommen haben.

Die Ausstellung basiert auf zwei ihrer im Zürcher Verlag Park-Books erschienen (und zu dieser Ausstellung neu aufgelegten) Bücher: „Italomodern 1 und 2“. 192 großformatige Fotografien, Pläne und ergänzende Exponate ermöglichen einen Blick über die Alpen nach Süden zu den vielfältigen architektonischen Zeugnissen aus einer Zeit des wirtschaftlichen und kulturellen Aufbruchs in Norditalien. Die Ausstellung zeigt nebst den Exponaten die bedeutende Sammlung zeitgenössischer Architekturzeitschriften sowie die Sammlungsmappen aus der Recherche von Martin Feiersinger, um in die Tiefe der einzelnen Architekturen und Stadträume einzutauchen. (kb, 9.10.16)

Addor Architecte

Georges Addor (Bild: MetisPresses)
Addor Architecte (Bild: MetisPresses)

Diese schöne Alliteration ist der Titel einer jüngst erschienenen Monographie, die sich dem Schweizer Architekten Georges Addor (1920-82) widmet. Mit seinen Bauten und Großsiedlungen prägte er insbesondere seine Heimatstadt Genf. Die Autoren Franz Graf, Mélanie Delaune Perrin und Giulia Marino nehmen nicht nur Leben und Werk des Architekten in den Blick, sondern setzen sich auch mit der aktuellen Situation der Bauten auseinander. Die Kompetenz ist zweifellos vorhanden: Herausgeber Franz Graf zeichnet für das Sanierungskonzept für Addors Cité du Lignon verantwortlich.

1946 gründete Addor mit seinen Kollegen Dominique Juillard und Jacques Bolliger ein Architekturbüro, das an die väterliche Immobilienfirma angeschlossen war. In den folgenden Jahren erhielt er vermehrt bedeutende Aufträge, besonders im sozialen Wohnungsbau. Ende der 1950er Jahre war er an der Planung zur Besiedlung des Umlandes von Genf beteiligt. In diesem Zusammenhang entwarf er auch die Großsiedlung Cité du Lignon, die in den Jahren 1961-72 gebaut wurde. Sie beherbergt das bis heute längste Wohnhaus der Schweiz: Das Bauwerk folgt dem Lauf der Rhone über einen Kilometer lang. (jr, 12.5.16)

Graf, Franz (Hg.), Georges Addor Architecte (1920–1982), Metis Presses, Genf 2015, 9782940406968.