Sowjetmoderne

"Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set" (Bild: Dom Publishers)

Plattenbau-Set

Der sowjetische Massenwohnungsbau war allgegenwärtig, er formte die Kultur und den Weltblick auf die sowjetischen Bürger. Denn tatsächlich gab es keine sowjetische Stadt, die den Standardentwürfen der Ostmoderne entgehen konnte. Diese waren in den 1960er Jahren Grundlage für über 90 Prozent aller Wohnungsbauten. Sollten Sie also zu den Themen Ostmoderne und Plattenbau einfach nicht genug bekommen (und jetzt schon einmal an das nahende Weihnachten denken), dann hat Dom Publishers für Sie das genau richtige Paket geschnürt: „Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set“.

Dieses vorweihnachtliche Päckchen enthält die 456 Seiten und 1.000 Abbildung starke Publikation „Towards a Typology of Soviet Mass Housing. Prefabrication in the USSR 1955 – 1991“ von Philipp Meuser und Dimitij Zadorin. Obendrauf gibt es das thematisch passende, reich bebilderte Quartett „Top Trumps. Soviet Mass Housing“ von Dimitrij Zadorin. Und nicht zuletzt „I-464“ von Katia Sheina, ein handliches Gipsmodell der meistproduzierten Plattenbau-Serie der UdSSR. (kb, 9.10.17)

„Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set“ (Bild: Dom Publishers)

Temporärer Schachpalast

Das Wort „Schachpalast“ mag für das westeuropäische Ohr seltsam klingen. In der Sowjetunion dagegen mit ihren Pionierpalästen und Arbeiterklubs waren derartige Gebäude nichts Besonderes. Der junge Staat hatte es in nur wenigen Jahren nach der Oktoberrevolution geschafft, ein „nutzloses Spiel der Bourgeoisie“ in einen sinnvollen Zeitvertreib der Arbeitermassen umzuwidmen. Als nach 1945 sowjetische Schachspieler international Erfolge feierten, intensivierte sich die staatliche Förderung. In den 1970er Jahren entstanden neben Schachklubs sogar eigens für dieses Spiel erbaute Paläste – vor allem in Georgien, Armenien und Belarus.

Die Ausstellung „Pop-Up Chess Palace. Über Architektur, Ideologie und Schach“, kuratiert von Nini Palavandishvili und Lena Prents, geht anhand der architektonischen auch der gesellschaftlichen Utopie nach. Im Mittelpunkt steht der besonders ambitionierte Schachpalast in Tbilis. Zeitgenössische Künstler thematisieren in ihren Arbeiten verschiedene Aspekte des Schachspiels. Die Präsentation ist vom 22. bis 25. Juni 2017 täglich ab 12.00 Uhr im ZK/U (Zentrum für Kunst und Urbanistik, Siemensstraße 27, 10551 Berlin) zu sehen. Im Begleitprogramm sind vorgesehen: 22. Juni, 19 Uhr, Vernissage; 23. Juni, 19 Uhr, „Speisekino“ mit georgischem Essen; 24. Juni, Schachtunier (Anmeldung 13.00 bis 13.30 Uhr, Ende ca. 19.30 Uhr, beschränkte Teilnehmerzahl, Voranmeldung möglich unter: popupchesspalace@gmail.com); 25. Juni, 13 bis 17 Uhr, Schachnachmittag für Kinder. (kb, 18.6.17)

Tbilis, Palast für Schach und Alpinismus, 1980er Jahre (Bild: © G. Chubinashvili, Nationales Forschungszentrum für georgische Kunstgeschichte und Denkmalschutz)

Sowjet-Pavillon wird Stadtarchiv

Sowj. Pavillon Leipzig (Bild Paul leipzig, CC-BY-SA 3.0)
Der leerstehende sowjetische Pavillon in Leipzig 2010 (Bild: Paul leipzig, CC BY SA 3.0)

In Leipzig warten neue Aufgaben auf den ehemaligen sowjetischen Pavillon. Der leerstehende Bau auf dem alten Messegelände soll zum Stadtarchiv werden. Die Stadt sucht bereits seit 2005 nach einer neuen Heimat für ihr umfangreiches historisches Gedächtnis, das die Kapazität des bisherigen Archivs zu sprengen droht. Nun entschied man sich für den seit 20 Jahren verwaisten Bau mit wechselhafter.

Der Pavillon wurde 1923/24 nach Plänen der Architekten Oskar Pusch und Carl Krämer als Ausstellungshalle für Werkzeugmaschinen errichtet. Wenige Jahre später folgte ein erster Umbau für einen multifunktionalen Einsatz: unter dem Namen „Achilleion“ fungierte die Halle bald als Sportpalast. Im Krieg wurde das Bauwerk beschädigt und 1950 nach Umbauten als sowjetischer Pavillon wieder eröffnet. Über dem Haupteingang prangten nun Hammer und Sichel, gekrönt wurde der Bau von einem nadelförmigen Turm mit Sowjetstern, der an die klassizistische Admiralität in St. Petersburg erinnerte. In den 1970er Jahren erhielt er eine neue Fassade, die 2002 wegen Baufälligkeit teilweise entfernt werden musste. Die mit dem Umbau beauftragten Büros ARGE Pfau Architekten und F29 Architekten stehen in engem Austausch mit dem Denkmalschutz und wollen die wechselhafte Geschichte des Baus sichtbar machen, statt einen Zustand zu rekonstruieren. (jr, 25.6.16)

Slawische Metropolen im Kino

Geschichte der Wände", CSSR 1980 (Bild: Filmmuseum München)
In „Geschichte der Wände“ steht Prag im Mittelpunkt (Bild: Filmmuseum München)

Im Münchner Filmmuseum stehen in den nächsten Wochen osteuropäische Metropolen im Fokus. Vom 12. April bis 21. Juni 2016 veranstaltet das Museum die Filmreihe „Slawische Metropolen“. Immer Dienstags zeigt das Kino des Hauses Spiel- und Dokumentarfilme, die sich um Städte im östlichen Europa und der ehemaligen Sowjetunion drehen. Der regionale Fokus liegt dabei auf Ländern mit überwiegend slawischsprachiger Bevölkerung, weswegen die Metropolen Budapest und Bukarest nicht vertreten sind.

Davon abgesehen finden diverse Ost-Metropolen Berücksichtigung. Am 19. April ist Warschau in „Niewinni czarodzieje“ (Die unschuldigen Zauberer) Schauplatz einer unkonventionellen Liebesgeschichte, am 26. April liegt der Fokus mit „Edin den v Sofija“ (Ein Tag in Sofia) und „Bjalata staja“ (Das weiße Zimmer) auf der bulgarischen Hauptstadt der Nachkriegszeit. In den folgenden Wochen stehen unter anderem die Städte Sarajevo, Lubljana und Minsk auf dem Programm. Den Abschluss bilden die Städte Moskau und Kiew. Letztgenannter Metropole ist der aktuellste Film gewidmet: „Maidan“ entstand 2014 und widmet sich den jüngsten revolutionären Ereignissen in der Stadt. Alle Filme werden in Originalfassung mit englischen oder deutschen Untertiteln gezeigt. (jr, 28.4.16)

Socialist Modernism

Moskau, Ausstellungshaus "Garage" (1968) (Bild: Vladimir Jarockij)
Was man aus Sowjetmoderne machen kann – hier das Ausstellungshaus „Garage“ (1968) in Moskau – hat Vladimir Jarockij in treffende Fotografien gepackt (Bild: Vladimir Jarockij)

Für Kurzentschlossene erreichte uns über ostmodern.org ein Tipp fürs Vor-Wochenende: Die Veranstaltung „Utopias and Realities: Socialist Modernism. Transmodern Forum“ widmet sich vom 28. bis 29. April 2016 im Collegium Hungaricum Berlin (Dorotheenstraße 12) mit Vorträgen und Filmvorführungen der modernen Architektur in Zentral- und Osteuropa.

Die Themenpalette umfasst Baukunst von vergessenen kommunistischen Monumenten in Bulgarien bis zur Entstehungsgeschichte des Alexanderplatzes. Angesprochen werden drohende Abrisse ebenso wie Werte und Chancen des kulturellen Erbes dieser Kulturregion. Die Veranstaltung wird organisiert von Collegium Hungaricum Berlin und Translations of Modernism. Beteiligt sind 17 Architekten, Kunsthistoriker und Fachleute aus neun Ländern. Die 25-Minuten-Vorträge bieten einen Einblick in die Themenschwerpunkte und werden gerahmt von zwei Filmabenden. Die Veranstaltung wird unterstützt durch den „Hungarian National Cultural Fund“. Das Programm kann online eingesehen werden, die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erwünscht. (kb, 26.4.16)