Sowjetmoderne

Philipp Meuser erhält Verdienstkreuz am Bande

Der Berliner Staatssekretär für Europa, Gerry Woop, hat heute dem Architekten, Verleger und Publizisten Dr. Philipp Meuser das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgehändigt. Diese Auszeichnung war Meuser am 8. Oktober 2017 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehen worden.

Nach seinem Architekturstudium in Berlin und Zürich mit dem Schwerpunkt Architekturgeschichte und -theorie hatte sich Meuser verschiedenen Bau- und Forschungsprojekten in den ehemaligen Sowjetrepubliken gewidmet. Hinzu kommt sein kuratorisches und verlegerisches Engagement rund um das Thema Ostmoderne. In seiner Laudatio würdigte Woop Meuser für seine Verdienste um Austausch und Dialog mit unseren europäischen Nachbarn: „Sie, Herr Dr. Meuser, (…) sind ein großartiger Vermittler des baukulturellen Erbes, das gerade 2018 im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres ECHY im Mittelpunkt steht.“ Wir gratulieren! (kb, 21.3.18)

Pionierlager Artek, Speisesaal Olive, 1964 (Bildquelle: Polianski, A. T., Artek, Moskau 1966)

Tourismus nach Plan

Die Konferenz „Tourismus nach Plan“ will vom 8. bis 10. November in Lüneburg den Tourismus in das östliche Europa nach 1945 untersuchen. Aufgrund der politischen Situation im Kalten Krieg kam eine besondere Art des kontrollierten Reisens zustande, die seit den 1950er Jahren eine stetig anwachsende Bedeutung für die Kontakte zwischen Ost- und Westeuropa hatte. Die Tagung will Erfahrungen, Adaptionen und Ordnungen als Themen von Tourismus analysieren und zueinander in Beziehung setzen: Wodurch wurde ihre Erfahrung geprägt? Was war für sie konstitutiv? Und wie wurden sie weitertransportiert, sei es in Form von Erzählungen, Fotoalben oder anderen Sammlungen?

Der „touristischen Blick“ (J. Urry) beeinflusst aber auch die Wahrnehmung des Landes durch seine Einwohner. Lokale Verwaltungen, Fremdenverkehrsämter oder Reiseunternehmen passten sich dem in der Regel an. Dabei wurden bestehende Orte, Landschaften oder Gebäude und in neue Bedeutungskontexte adaptiert. Willkommen sind Themenvorschläge (auf Deutsch oder Englisch) mit einem maximal halbseitigen Abstract und einem kurzen CV bis zum 19. März 2018 unter: PD Dr. David Feest, d.feest@ikgn.de. (kb, 4.2.18)

Pionierlager Artek, Speisesaal Olive, 1964 (Bildquelle: Polianski, A. T., Artek, Moskau 1966)

"Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set" (Bild: Dom Publishers)

Plattenbau-Set

Der sowjetische Massenwohnungsbau war allgegenwärtig, er formte die Kultur und den Weltblick auf die sowjetischen Bürger. Denn tatsächlich gab es keine sowjetische Stadt, die den Standardentwürfen der Ostmoderne entgehen konnte. Diese waren in den 1960er Jahren Grundlage für über 90 Prozent aller Wohnungsbauten. Sollten Sie also zu den Themen Ostmoderne und Plattenbau einfach nicht genug bekommen (und jetzt schon einmal an das nahende Weihnachten denken), dann hat Dom Publishers für Sie das genau richtige Paket geschnürt: „Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set“.

Dieses vorweihnachtliche Päckchen enthält die 456 Seiten und 1.000 Abbildung starke Publikation „Towards a Typology of Soviet Mass Housing. Prefabrication in the USSR 1955 – 1991“ von Philipp Meuser und Dimitij Zadorin. Obendrauf gibt es das thematisch passende, reich bebilderte Quartett „Top Trumps. Soviet Mass Housing“ von Dimitrij Zadorin. Und nicht zuletzt „I-464“ von Katia Sheina, ein handliches Gipsmodell der meistproduzierten Plattenbau-Serie der UdSSR. (kb, 9.10.17)

„Towards a Typology of Soviet Mass Housing – The Set“ (Bild: Dom Publishers)

Temporärer Schachpalast

Das Wort „Schachpalast“ mag für das westeuropäische Ohr seltsam klingen. In der Sowjetunion dagegen mit ihren Pionierpalästen und Arbeiterklubs waren derartige Gebäude nichts Besonderes. Der junge Staat hatte es in nur wenigen Jahren nach der Oktoberrevolution geschafft, ein „nutzloses Spiel der Bourgeoisie“ in einen sinnvollen Zeitvertreib der Arbeitermassen umzuwidmen. Als nach 1945 sowjetische Schachspieler international Erfolge feierten, intensivierte sich die staatliche Förderung. In den 1970er Jahren entstanden neben Schachklubs sogar eigens für dieses Spiel erbaute Paläste – vor allem in Georgien, Armenien und Belarus.

Die Ausstellung „Pop-Up Chess Palace. Über Architektur, Ideologie und Schach“, kuratiert von Nini Palavandishvili und Lena Prents, geht anhand der architektonischen auch der gesellschaftlichen Utopie nach. Im Mittelpunkt steht der besonders ambitionierte Schachpalast in Tbilis. Zeitgenössische Künstler thematisieren in ihren Arbeiten verschiedene Aspekte des Schachspiels. Die Präsentation ist vom 22. bis 25. Juni 2017 täglich ab 12.00 Uhr im ZK/U (Zentrum für Kunst und Urbanistik, Siemensstraße 27, 10551 Berlin) zu sehen. Im Begleitprogramm sind vorgesehen: 22. Juni, 19 Uhr, Vernissage; 23. Juni, 19 Uhr, „Speisekino“ mit georgischem Essen; 24. Juni, Schachtunier (Anmeldung 13.00 bis 13.30 Uhr, Ende ca. 19.30 Uhr, beschränkte Teilnehmerzahl, Voranmeldung möglich unter: popupchesspalace@gmail.com); 25. Juni, 13 bis 17 Uhr, Schachnachmittag für Kinder. (kb, 18.6.17)

Tbilis, Palast für Schach und Alpinismus, 1980er Jahre (Bild: © G. Chubinashvili, Nationales Forschungszentrum für georgische Kunstgeschichte und Denkmalschutz)

Sowjet-Pavillon wird Stadtarchiv

Sowj. Pavillon Leipzig (Bild Paul leipzig, CC-BY-SA 3.0)
Der leerstehende sowjetische Pavillon in Leipzig 2010 (Bild: Paul leipzig, CC BY SA 3.0)

In Leipzig warten neue Aufgaben auf den ehemaligen sowjetischen Pavillon. Der leerstehende Bau auf dem alten Messegelände soll zum Stadtarchiv werden. Die Stadt sucht bereits seit 2005 nach einer neuen Heimat für ihr umfangreiches historisches Gedächtnis, das die Kapazität des bisherigen Archivs zu sprengen droht. Nun entschied man sich für den seit 20 Jahren verwaisten Bau mit wechselhafter.

Der Pavillon wurde 1923/24 nach Plänen der Architekten Oskar Pusch und Carl Krämer als Ausstellungshalle für Werkzeugmaschinen errichtet. Wenige Jahre später folgte ein erster Umbau für einen multifunktionalen Einsatz: unter dem Namen „Achilleion“ fungierte die Halle bald als Sportpalast. Im Krieg wurde das Bauwerk beschädigt und 1950 nach Umbauten als sowjetischer Pavillon wieder eröffnet. Über dem Haupteingang prangten nun Hammer und Sichel, gekrönt wurde der Bau von einem nadelförmigen Turm mit Sowjetstern, der an die klassizistische Admiralität in St. Petersburg erinnerte. In den 1970er Jahren erhielt er eine neue Fassade, die 2002 wegen Baufälligkeit teilweise entfernt werden musste. Die mit dem Umbau beauftragten Büros ARGE Pfau Architekten und F29 Architekten stehen in engem Austausch mit dem Denkmalschutz und wollen die wechselhafte Geschichte des Baus sichtbar machen, statt einen Zustand zu rekonstruieren. (jr, 25.6.16)