Stadtgeschichte

Leipzig, Augustusplatz (Bild: Sven Scharr, CC BY SA 3.0)

Stadt-Kultur

Second Cities – das sind laut der neuen Monografie von Thomas Höpel die Städte, die zwar nicht den Status einer Kapitale für sich beanspruchen können, aber als bedeutende Metropolen einen besonderen nationalen Rang inne haben – direkt hinter der Hauptstadt. Im 20. Jahrhundert versuchten entsprechende Städte vermehrt, ihre Bedeutung durch eine spezifische städtische Kulturpolitik zu untermauern. Höpel untersucht fünf solcher Metropolen in vergleichender Perspektive.

Im Einzelnen handelt es sich um Frankfurt am Main, Leipzig, Birmingham, Lyon und Krakau. Die Städte verbindet eine Ausweitung und Differenzierung der kommunalen Kulturpolitik, die stets in enger Wechselwirkung zu (kultur)politischen Entwicklungen auf der nationalen Ebene stand. Das Buch identifiziert die historischen Prozesse, städtischen Protagonisten und staatlichen Akteure, die zur Herausbildung der jeweils spezifischen urbanen Kultur maßgeblich waren. Dabei zeichnen sich neben stadthistorischen Charakteristika auch Gemeinsamkeiten ab, welche die fünf Second Cities über längere Zeiträume und politische Systemgrenzen hinweg verbinden. (jr, 19.9.17)

Höpel, Thomas, Kulturpolitik in Europa im 20. Jahrhundert. Metropolen als Akteure und Orte der Innovation, Wallstein Verlag, Göttingen 2017, ISBN: 978-3-8353-3046-7.

Leipzig, Augustusplatz (Bild: Sven Scharr, CC BY SA 3.0)

Autostädte

Wolfsburg, VW-Hochhaus (Bild: Vanellus Foto)
Wolfsburg, geprägt von einem Automobilhersteller mit zwei großen Buchstaben … (Bild: Vanellus Foto)

Das sollte einmal einem Bahn- oder Fahrradproduzenten passieren … Das Auto jedenfalls war im 20. Jahrhundert stadtbildprägendend und teils stadtgründend unterwegs. Die Herausgeber – Martina Heßler und Günter Riederer – der neuen Publikation „Autostädte im 20. Jahrhundert“ sprechen gar von einem eigenen Stadttypus mit „globaler Perspektive“. Daher will das Buch mehr bieten als die übliche Darstellung einer Industriestadt im Aufstieg und Niedergang. Die Autoren interessiert, wie Autostädte mit Krisen und konjunkturell bedingten Unsicherheiten umgingen, wie sie eigene Traditionen ausbildeten und Veränderungen gestalteten.

Betrachtet werden derzeit wirtschaftlich erfolgreiche Städte wie Wolfsburg, Ingolstadt oder Changchun. Diesen werden massiv schrumpfende Standorte wie Flint und Detroit oder krisengeplagte Orte wie Rüsselsheim, Birmingham und das französische Billancourt-Boulogne gegenübergestellt. Und nicht zuletzt kommt Eisenach in den Blick, das seine lange Tradition mit dem Image der modernen Autostadt zu verbinden sucht. (kb, 15.11.14)

Heßler, Martina/Riederer, Günter u. a. (Hg.), Autostädte im 20. Jahrhundert. Wachstums- und Schrumpfungsprozesse in globaler Perspektive (Beiträge zur Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung 16), Franz-Steiner-Verlag, Stuttgart 2014, gebunden, 227 Seiten, rund 60 Abbildungen, ISBN 978-3-515-10692-4.