Stuttgart

Stuttgart-West, St. Stefan (Bild Silesia711, CC BY SA 4.0, 2011)

„Buchladen mit sakralem Charakter“

Die „Buchreligion“ Christentum geht in Stuttgart dieser Tage einen fast konsequent erscheinenden Schritt: Aus der 1976 eingeweihten Kirche St. Stefan soll ein Buchladen  werden. Am 30. Dezember 2017 erfolgte bereits die Profanierung, so dass jetzt der Weg frei ist für die neue, nicht-liturgische Nutzung. Altar, Ambo und Tabernakel verbleiben im brutalisischen Kirchenraum, schon im März diesen Jahres soll hier „Buch und Spiel“ eröffnet werden. Die neue Nutzerin strebt eine enge Zusammenarbeit mit dem angrenzenden katholischen Kinderhaus und Familienzentrum St. Stefan an – und versteht ihren künftigen Laden als eine Art Begegnungsviertel im Stadtteil.

Der Umbau von St. Stefan ist Teil einer größeren Umstrukturierung in Stuttgart. Das Spektrum der davon betroffenen modernen Gottesdiensträume reicht von der Notkirche der evangelischen Paulusgemeinde (1949, übergeben 1973 an die griechisch-orthodoxe Gemeinde) über die katholische Kirche St. Johannes Vianney (1962, Abriss geplant für Kirchenneubau mit Gemeindezentrum und Seniorenwohnungen) bis zur katholischen Kirche St. Peter in Bad Cannstatt (1972, abgerissen 2016 für neues Gemeindezentrum). Gegenüber der Stuttgarter Zeitung erklärte der katholische Dekan Christian Hermes: „Wir haben angesichts der demografischen Entwicklung vor sieben Jahren damit begonnen, in großer solidarischer Gemeinschaft alle kirchlichen Standorte zu begutachten und zu bewerten“. Mit der Initiative „Aufbrechen“ untersuche man 20 kirchliche Standorte. (kb, 11.11.18)

Stuttgart-West, St. Stefan (Bild: Silesia711, CC BY SA 4.0, 2011)

 

Esslingen, Moschee im Bau, 2009 (Bild: Sarang, gemeinfrei)

Moscheen im Ländle

Dem nachkriegsmodernen Kirchenbau und seinen Protagonisten widmeten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen und Ausstellungen und auch die Architektur der Synagoge ist kein Nischenthema mehr. Wie steht es aber mit den islamischen Gotteshäusern, die nach 1945 in Deutschland erbaut wurden? Die Ausstellung „Schwäbische Moscheen“ widmet sich diesem Themenkomplex und nimmt speziell Stuttgart und die umliegende Region in den Blick. Sie ist bis zum 18. Januar 2018 im Foyer der UB Stadtmitte (Holzgartenstraße 16, 70174 Stuttgart) zu sehen.

Baden-Württemberg und insbesondere Stuttgart wurden in den wirtschaftlichen Hochzeiten der Bundesrepublik zum Ziel zahlreicher türkischer „Gastarbeiter“, die sich einen wirtschaftlichen Aufstieg versprachen und oftmals dauerhaft in Deutschland blieben. Moschee-Bauten versprechen als öffentlich sichtbare religiöse und kulturelle Standorte Aufschlus über Integration und gesellschaftliches Selbstverständnis. In Schwaben reicht das Spektrum von den allbekannten „Hinterhofmoscheen“ über großzügig umgebaute Gewerbeimmobilien bis zu spektakulären Neubauplanungen. Die Ausstellung versammelt Foschungsergebnisse von Architekturstudenten der Universität Stuttgart, begleitend ist ein von Ulrich Knufinke herausgegebener Sammelband erschienen. (jr, 10.1.18)

Knufinke, Ulrich, Schwäbische Moscheen. Mit Beiträgen von Levent Günes, Klaus Jan Philipp und Katharina Philana Rindtorff, Imhof-Verlag, Petersberg 2017, ISBN 978-3-7319-0643-8 .

Titelmotiv: Esslingen, Moschee im Bau, 2009 (Bild: Sarang, gemeinfrei)

München, Olympisches Dorf (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0)

TofD im Süden: Wohnen und/oder Arbeiten?

Einst Flugplatz, dann Sportler-Quartier der Olympiade 1972, seit 1973 Wohnstätte für ca. 8.000 Menschen im Olympiapark: Das Olympische Dorf (Helene-Mayer-Ring 7A, 80809 München Milbertshofen/Am Hart) steht seit 1998 unter Denkmalschutz. Als visionäre Verbindung von Privat-, Gemeinschafts-, Arbeits- und Erholungsberiechen werden hier der Auto- und Fußgängerverkehr programmatisch getrennt. Zum „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) zeigt der der Kulturverein Forum2 einige Archivfilme zum Bau des Olympiastadions und des Olympischen Dorfs. Führungen erfolgen um 11 und 14 Uhr durch Architekten und Einwohner, die Kurzfilme (Dauer je ca. eine Stunde) werden um 13 und 16 Uhr im Kulturverein forum2 gezeigt (Kontakt: Manuela Feese-Zolotnitski, Tel.: 089 524589, feese@eig-olympiadorf.de; Tatjana Eckerlein, teckerle@gmx.de).

Auch Stuttgarter GEDOK-Haus (Hölderlinstraße 17, 70174 Stuttgart) verbindet zeichenhaft Arbeiten und Wohnen unter einem Dach: 1954 plante die Architektin Grit Bauer-Revellio den Bau für die Künstlervereinigung GEDOK als Wohn- und Atelierhaus mit Veranstaltungssaal. 1959 erfolgte ein Erweiterungsbau mit Ballettsaal, im gleichen Jahr zeichnete die Stadt das Haus der Künstlergemeinschaft mit dem Paul-Bonatz-Preis aus. Seit 1992 Kulturdenkmal von besonderem Rang, wurde der Bau bis 2015 aufwendig und denkmalgerecht saniert. Am 10. September 2017 ist das GEDOK-Haus von 13 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen erfolgen nach Bedarf durch Christiane von Seebach, parallel ist in der GEDOK-Galerie eine Kunstausstellung zu sehen (Kontakt: GEDOK Stuttgart e. V., 0711/297812, gedok@gedok-stuttgart.de). (kb, 27.8.17)

München, Olympisches Dorf (Bild: High Contrast, CC BY SA 3.0)

Matthias Matzak: das neue frankfurt (Bild: Wasmuth Verlag)

Stuttgart am Main

In der Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart treffen derzeit zwei Spielarten des Wohnungs- und Städtebaus aufeinander. Die Ausstellung „Soziale Stadt im Bild“ stellt aktuellen  Aufnahmen des baulichen Erbes des Neuen Frankfurt historische Bilder des Stuttgarter Nachkriegswohnungsbaus gegenüber. Während die in den 1920er Jahren erbauten Siedlungen der Mainmetropole den Idealen der Gartenstadt verpflichtet sind, zeigen ihre schwäbischen Verwandten das Planungsparadigma der Großwohnsiedlungen der Bundesrepublik auf. Die Schau wirft mit dieser Gegenüberstellung Fragen nach der sozialen Stadt und ihrer Vermittlung auf.

Kern der Ausstellung sind Bilder des Fotografen Matthias Matzak. Seit 2008 widmet er sich dem Neuen Frankfurt und porträtiert dessen Bauten und Planungen. Das umfangreiche Bildarchiv als thematisch sortierter Onlinekatalog im Internet verfügbar. 2014 erschien seine Arbeit erstmals gebündelt in Form eines Bildbandes, der eine Fotoausstellung Matzaks im Deutschen Architekturmuseum flankierte. Die Ausstellung in der Weißenhofgalerie ist noch bis zum 1. Oktober 2017 zu sehen. (jr, 25.7.17)

Der Neckarsteg ist jetzt weg

Stuttgart, Neckarsteg 2015 (Bild: ChrisStuggi, gemeinfrei)
Es war einmal: der 1976/77 errichtete Neckarsteg im Jahr 2015 (Bild: ChrisStuggi, gemeinfrei)

Wenn derzeit in Stuttgart ein Gebäude abgerissen wird, so kann man fast sicher davon ausgehen, dass es im Zusammenhang mit dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 geschieht. Nun werden auch die letzten Reste der Bad Cannstädter Fußgängerbrücke über den Neckar abgebaut. Der „Neckarsteg“ wurde 1976/77 zur Bundesgartenschau errichtet und war seinerzeit die neuntlängste überdachte Holzbrücke weltweit. Ursprünglich war hier eine Stahlkonstruktion geplant, aus Kostengründen entschied man sich schließlich für den Baustoff Holz. Geplant wurde der Steg von Dieter Sengler, ehemals Professor der Hochschule für Technik Stuttgart.

Bereits im Juni wurde das größere Teilstück der Brücke entfernt, nun ist auch der letzte Teil des einstmals knapp 160 Meter langen Bauwerks verschwunden. Und Fußgänger müssen einen ordentlichen Umweg in Kauf nehmen, um von Bad Cannstadt zum Rosensteinpark zu gelangen: Erst 2018/19 soll die weiter nördlich geplante neue Eisenbahnbrücke fertig sein, die im „Untergeschoss“ einen Fußgängerbereich bietet. Unter Denkmalschutz stand das außergewöhnliche Brückenbauwerk übrigens nie, doch dieses Kriterium mag man im Zusammenhang mit Stuttgart 21 ohnehin getrost als untergeordnet ansehen …(db, 3.12.16)