Tankstelle

TofD: Einfach mal wieder auftanken

Die 2014 als Fahrradwerkstatt wiedereröffnete Ex-Tankstelle an den Hamburger Grindelhochhäusern kann beim TofD ebenfalls besichtigt werden (Bild: Stadt Hamburg)
Die 2014 als Fahrradwerkstatt wiedereröffnete Ex-Tankstelle an den Hamburger Grindelhochhäusern kann beim TofD ebenfalls besichtigt werden (Bild: Stadt Hamburg)

Auch für Freunde des automobilen Kulturguts hat der Tag des offenen Denkmals vom 11. bis zum 13. September einiges zu bieten. Alleine in Hamburg gibt es fünf denkmalgeschützte Tankstellen. Das jüngste vorgestellte Projekt ist die Sanierung der Zapfstation an den Grindelhochhäusern, die 1953 durch die Architektengemeinschaft Grindelberg errichtet wurde. Der Benzinverkauf wurde schon in den 1980er Jahren eingestellt, lange residiert dort eine Autohändlerin. Nach kurzem Leerstand beherbergt der Bau seit 2014 eine Fahrradwerkstatt samt Kaffeebar zum Auftanken von Koffein. Der Verein Freunde der Denkmalpflege e. V. bietet hier am Sonntag (13. September) von 13 bis 16 Uhr Führungen.

Auch die bundesweit bekannte Tankstelle Brandshof, 1953 von Wilhelm Mastiaux und Ulrich Rummel entworfen, öffnet wieder ihre Pforten für Architektur-Interessierte. Hier gibt es zwar heute kein Benzin mehr, doch werden Besucher garantiert einige Oldtimer zu sehen bekommen: Die heutigen Betreiber führen dort eine kleine Gastronomie und ein Ingenieurbüro – und laden regelmäßig zu Oldtimertreffs ein. Samstag und Sonntag (12. und 13. September) gibt es von 11 bis 17 Uhr Kaffee und Kuchen; jeweils um 12 Uhr findet eine Führung durch die todschicke „Gasolin“-Station statt. (db, 25.8.15)

Abgetankt

Die Tankstellen der 50er Jahre präsentieren sich heute oft zweckentfremdet (Bild: Joachim Gies)
Die Tankstellen der 50er Jahre präsentieren sich heute oft zweckentfremdet (Bild: Joachim Gies)

Tankstellen sind heute in der Regel kleine Supermärkte. Wer am Sonntag nochmal schnell zur Tanke will, hat nicht unbedingt ein Auto. Vielleicht füllt er seinen Lottoschein aus, besorgt Brötchen für den Frühstückstisch oder kauft die beim Großeinkauf vergessene Butter. Die Zeiten, in der Tankstellen ausschließlich dem Erwerb von Kraftstoff dienten und dem Statussymbol Auto mit baulicher Eleganz beikamen, scheinen jedenfalls vorbei zu sein.

Die Ausstellung „Abgetankt“ zeigt vom 4. März bis zum 24. April 2015 im Düsseldorfer Haus der Architekten (Zollhof 1, 40221 Düsseldorf), was aus den Tankstellen der Zeit des „Wirtschaftswunders“ wurde. Die präsentierten Arbeiten sind das Ergebnis einer Spurensuche, auf die sich Joachim Gies im Rahmen der Abschlussarbeit seines Fotografiestudiums begab. Dazu klapperte er über 250 ehemalige Tankstellen in Nordrhein-Westfalen ab. Der Schwung der 50er ist bei vielen der Bauten noch spürbar, allerdings beherbergen sie heute Schnellimbisse, Wohnungen oder Autowerkstätten. Einige sind auch dem Verfall Preis gegeben. Wer es nicht zu Ausstellung nach Düsseldorf schafft, findet eine Auswahl der Fotografien in einem Bildband, der über den Autor zu bestellen ist. (jr, 2.3.15)

So tankt man retro

Bad Liebenwerda, Roßmarkt, 1939 (Bild: by BB (family archive), GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)
So tankte man sein Kraftfahrzeug – hier 1939 am Roßmarkt in Bad Liebenwerda – vor dem Zweiten Weltkrieg  (Bild: by BB (family archive), Copyright: GFDL/CC-BY-SA-3.0)

Vor 90 Jahren mussten die meisten Autofahrer ihren Kraftstoff noch in der Apotheke kaufen. Nicht so in Sterup, denn bei Flensburg – so berichtet der NDR – steht die älteste Tankstelle Schleswig-Holsteins. Sterup lag an einer beliebten Pendlerstrecke zwischen Flensburg und Kappeln. Also stellte eine Autowerkstatt am 30. Oktober 1924 zwei Zapfsäulen direkt an die Straße. Später kam ein Verkaufshäuschen in den geschwungenen Formen der 1950er Jahre hinzu. So diente die historische Tankstelle auch schon als Kulisse für einen Filmdreh.

Die heutigen Betreiber übernahmen die Tankstelle 1968. In den 1970er Jahren erweiterten sie die Anlage um eine Garage zur Wagenpflege. Heute gehört die Steruper Tankstelle zu einer internationalen Kette. Und auch die Benzinpreise werden computergesteuert an die Filiale durchgegeben. Doch in einem Punkt sind sie traditionell geblieben: Es gibt nur wenige Getränke und Süßigkeiten zu kaufen. Schließlich ist man kein Supermarkt, sondern eine Tankstelle – und das seit 90 Jahren. (kb, 29.11.14)

Offene Oldtimer-Tankstelle Hamburg

Hamburg, Billhorner Röhrendamm (Bild: Ajepbah)
Hamburgs Oldtimer-Tankstelle (Bild: Ajepbah)

„Großtankstelle Brandshof“ – hört sich wenig einladend an, ist aber mit viel Retro-Charme ausgestattet. Am Billhorner Röhrendamm 4 in Hamburg-Rothenburgsort entstand 1953 eine Tankstelle im Geist der Zeit: Die Architekten W. Mastiaux und U. Rummel verbanden ein wenig Nierentisch und viel amerikanisches Flair zu einer geschwungenen Schönheit. Als später die Straßenführung verändert wurde, musste man die Tankstelle 1983 schließen. Es folgte zuletzt eine Nutzung als Kfz-Werkstatt.

2010 konnte das frisch gebackene Denkmal, nach liebevoller Sanierung wiedereröffnet werden. Die inzwischen historische Tankstelle beherbergt nun stilecht eine auf Old- und Youngtimer spezialisierte GTÜ-Prüfstation. Im rundverglasten Erfrischungsraum gibt es – ganz im Sinne der Zeitreise – Filterkaffee und ab 4 Uhr Frühstück. Geplant ist darüber hinaus, künftig auch wieder Kraftstoff zu verkaufen. Zum Tag des offenen Denkmals wird – über die regulären Öffnungszeiten von 11 bis 17 Uhr hinaus – am 13. und 14. September 2014 jeweils um 12 Uhr eine Führung angeboten. (kb, 9.9.14)

Freiburg, Turmrestaurant (Bild: historische Abbildung, nach 1951)

Autohaus in Aspik

Besonders wertvolle Stücke kommen in die Vitrine, so viel weiß jeder noch von der Oma mit den Untersetzern und Zierdeckchen. Wenn das einem Stück Architekturmoderne passiert, kann es manchmal ganz andere Gründe haben. In Freiburg hat man ein denkmalgeschütztes Ensemble (nun ja, das spektakulärste Sechzehntel davon) hinter Glas gestellt. Das ehemalige Autohaus „Breisgau“ aus dem Jahr 1951 wurde bis 2012 auf seinen dekorativsten Teil reduziert: das zweigeschossige verglaste Turmrestaurant mit der eleganten Wendeltreppe und dem weit ausgreifenden Vordach.

 

Eleganter geht nicht

Eigentlich sollte es ja eine Borgward-Vertretung werden, doch 1951 wurde in Freiburg ein Opel-Autohaus eröffnet. Der lokale Architekten Wilhelm Schelkes hatte einen futuristischen Stahl-Glas-Bau geschaffen, dessen Eleganz er mit amerikanisch anmutendem Fortschrittsoptimismus würzte. Seit 1986 unter Denkmalschutz, blieb das Turmrestaurant als einziger Rest des Autohauses „Breisgau“ stehen. Das übrige Gelände wurde mit Wohnblocks bebaut, dazwischen eingezwängt schirmte man die einstige Raststätte noch mit einer gläsernen Schallschutzwand vom Straßenverkehr ab. Heute dient der gläserne Turm gastronomischen Zwecken, inzwischen schon in den Händen des zweiten Betreibers. Das Vordach erweist sich dabei als durchaus praktisch, als regensicherer Biergarten mit Fünfziger-Flair. Nur das Türmchen ist anspruchsvoller: im Sommer rasch zu warm, im Winter schwer beheizbar und nur über die Außentreppe zu erreichen.

 

Moderne in Bewegung

Eine besondere Form des Nachruhms ist dem Turmrestaurant aber in jedem Fall sicher: Auf einem Familienausflug sahen die Fallers, die im Schwarzwald Bausätze für die Modellbahn produzierten, das futuristische Autohaus – und nahmen es zum Vorbild für eines ihrer erfolgreichsten Produkte. Hier kann der (bei Faller runde) Restaurantaufsatz nicht nur mit verschiedenen Werbeemblemen verziert werden, er verfügt auch noch über Beleuchtung und einen kleinen Drehmotor. Doch mehr wollen wir jetzt gar nicht verraten – das Freiburger Turmrestaurant und sein Modellbauableger werden im kommenden Sommer Teil unserer Ausstellung „märklinMODERNE“ sein. Wer selbst Teil des Projekts sein will, ist herzlich eingeladen, sich an unserem Crowdfunding zu beteiligen: www.startnext.com/maerklinmoderne. (kb/db, 20.9.17)