U-Bahn

Berlin, U-Bahnhof Tierpark (Bild: Phaeton1, CC BY SA 3.0)

Berlin: neue U-Bahnhöfe unter Schutz

Auch wenn die Witterung nicht den Eindruck macht, in Berlin öffnet die Denkmalpflege gerade einen Adventskalender der besonderen Art: Stück für Stück, Türchen für Türchen werden U-Bahnstationen unter den besonderen Schutz des Staates gestellt. Heute Nachmittag vermeldet die „Berliner Zeitung“: „Neun DDR-Bahnhöfe kommen unter Denkmalschutz“. Gemeint sind die Stationen der U 5 zwischen Tierpark und Hönow. Diesem Teil der „einzigen zu DDR-Zeiten gebauten U-Bahnstrecke“ komme u. a. ein besonderer verkehrsgeschichtlicher Wert zu, zitiert die BZ den Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert.

Besagte U-Bahnhöfe wurden (ausgenommen der später erneuerte Halt „Kienberg/Neue Grottkauer Straße“) vom Entwurfs- und Vermessungsbetrieb der Deutschen Reichsbahn (EVDR) gestaltet. In Berlin wurden vor Kurzem bereits West-Berliner Bahnhöfe der Postmoderne unter Denkmalschutz gestellt. Im Verbund fügt sich damit langsam auch im Untergrund ein baugeschichtliches Bild der ehemals geteilten Stadt, wie es Initiativen wie „Kerberos“ in Berlin seit Monaten einfordern. Im September will eine Internationale ICOMOS-Tagung – thematisch passend – einen Blick auf das „stilistische Wettrüsten“ zu Zeiten der Internationalen Bauausstellung werfen, die in diesem Jahr ihr 60-jähriges Jubiliäum feiert. Wir freuen uns also schon auf künftige Meldungen mit Titeln wie: „Berlin stellt weitere U-Bahnstationen unter Schutz“. (kb, 6.8.17)

Berlin, U-Bahnhof „Tierpark“ (Bild: Phaeton1, CC BY SA 3.0)

Köln, Leyendecker Straße (Bild: VRS GmbH, Smilla Dankert)

Halteräume

Kennen Sie das? Sie stehen im, sagen wir einmal Kölner, Hauptbahnhof und der Zug hat 60 Minuten Verspätung. Statt sich zu ärgern oder sinnlos kalorienreiche Kaffeemixgetränke zu verzehren, hätten wir Ihnen eine Alternative anzubieten: Vom 24. August bis zum 3. September 2017 ist im Kölner Hauptbahnhof eine Ausstellung der besonderen Art zu bestaunen: „Halteräume. Architekturen der Mobilität“ verspricht eine „Fotoreise durch Stationen, Bahnhöfe und Haltestellen“.

Mit Arbeiten der Fotografin Smilla Dankert will der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) – anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums – die Augen öffnen für die im Alltag oft übersehenen Schönheiten. Tatsächlich sind solche „Halteräume“ immer schon bewusst gestaltet worden und offenbaren auf den zweiten Blick ihre eigene Ästhetik. Der Bogen der Ausstellung reicht vom Kölner Hauptbahhof (1894) über die Bonner Station „Museumsallee/-meile“ (1975) bis hin zur Kölner Haltestelle „Kartäuserhof“ (2015). All dies wird künstlerisch aufbereitet, verspätungsunabhängig und kostenfrei präsentiert. Und sollte die Deutsche Bahn wider Erwarten doch pünktlich abfahren, nehmen Sie einfach den Zug eine Stunde später. Es lohnt sich! (kb, 31.7.17)

Köln, U-Bahnhof „Leyendecker Straße“ (1992) (Bild: VRS GmbH, Smilla Dankert)

Berlin: neue U-Bahnhöfe unter Schutz

Berlin, U-Bahnhof Altstadt Spandau (Bild: Ingolf, CC BY SA 2.0)
Frisch unter Denkmalschutz: der Berliner U-Bahnhof Altstadt Spandau – gemeinsam mit Rathaus Spandau, Zitadelle, Haselhorst, Paulsternstraße, Rohrdamm und Siemensdamm (Bild: Ingolf, CC BY SA 2.0)

„Schloßstraße“ (U 9) und „Fehrbelliner Platz“ (U 7) sind es schon, jetzt sind auch die Bahnhöfe der U 7 von Siemensdamm bis Rathaus Spandau hinzugekommen: Sie stehen unter Denkmalschutz. Auf der betreffenden U 7-Teilstrecke gestaltete der Architekt Gerhard Rümmler (1929-2004), der zwischen 1964 und 1994 die Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen leitete, bis 1984 kunterbunte Stationen.

Für den Erhalt solch unterirdischer Schönheiten engagieren sich Initiativen wie „Kerberos“. Doch in den letzten Monaten machte Berlin eher durch die zerstörende „Sanierung“ seiner Metrostationen Schlagzeilen. Als vor zwei Monaten der Bierpinsel und zwei postmoderne U-Bahnhöfe (Schloßstraße, Fehrbelliner Platz) unter Schutz gestellt wurden, keimte Hoffnung auf. Mit der Auszeichnung einer „ganzen“ Teilstrecke nimmt die Denkmalpflege nun U-Bahnstationen nicht allein als solitäre Kunstwerke, sondern als Teil einer unterirdischen Kulturlandschaft in den Blick. Und die ist nicht nur äußerst sehenswert, sondern auch äußerst verkehrsgünstig gelegen. (kb, 25.3.17)

Exkursion in den Untergrund

Köln, Arbeiter mit U-Bahn-Schild (Bild: Adam Jones, CC BY SA 3.0)
Köln, Arbeiter mit U-Bahn-Schild (Bild: Adam Jones, CC BY SA 3.0)

In der „Metropolregion am Rhein“ wurden in Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg ab den 1960er Jahren U-Bahnen mit entsprechenden Bahnhöfen gebaut. Sie verkörpern ebenso verkehrstechnisch wie ästhetisch den Zeitgeist der Moderne dieser Jahre. Heute wird um ihren Denkmalwert gestritten. Besonders die Stationen in Bonn stehen aktuell im Kreuzfeuer. In einer ersten Exkursion an einer neuen Industrieroute entlang der Rheinschiene sollen Haltestellen in Bonn und Köln verglichen werden. Eine zweite Exkursion im 3. oder 4. Quartal 2017 soll sich mit den Stationen in Düsseldorf und Duisburg beschäftigen.

Am 9. April 2017 stehen zunächst Bonn und Köln auf dem Programm. Führende sind in Bonn Alexander Kleinschrodt (Werkstatt Baukultur Bonn), in Köln Prof. Dr. Barbara Schock-Werner: Treffpunkt: 8:45 Uhr Düsseldorf Hbf., Service-Point; 9:15 Uhr Köln Hbf., Service-Point; 10:05 Uhr Bhf. Bonn-Bad Godesberg, Service-Point. Veranstalter sind der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Regionalverbände Köln, Düsseldorf/Mettmann/Neuss und Bonn) sowie die Werkstatt Baukultur Bonn. Für Fahrkarten-Inhaber fallen keine Kosten an, ansonsten für Düsseldorfer 10 Euro, für Kölner und Bonner 7 Euro (Tickets werden besorgt, bitte bei der Anmeldung entsprechendes Ticket ordern). Der Verzehr bei der Mittagspause ist nicht im Preis inbegriffen. Die genauen Anmeldungsmodalitäten können hier online eingesehen werden. (kb, 16.2.17)

Londons U-Bahn-Modernismus

Weber: Modernismus (BIld: Mann-Verlag)
Die U-Bahnhöfe von London repräsentieren eine spezifische englische Moderne (Bild: Gebrüder-Mann-Verlag)

Die Entwicklung der Metros und U-Bahnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war von  transnationalem Austausch der beteiligten Experten geprägt. Erfahrungen mit unterschiedlichen Tunnelkonstruktionen und Baupraktiken wurden länderübergreifend rezipiert. Eine der meistbeachteten U-Bahnen der Welt war und ist die London Underground. Gerade in ihrer sichtbaren Architektur entwickelte sie bis 1933 eine spezifische Ästhetik, wie eine jüngst erschienene Monographie von Ulrike Weber herausstellt.

Die Londoner U-Bahnhöfe zeigen demnach eine bewusste nationale Abgrenzung gegenüber dem Internationalen Stil: In Stahlbeton errichtet und mit Backstein verkleidet, verbanden sie englische Traditionen mit hochmodernen Baukonstruktionen. Bei der Genese dieser Formensprache spielte jedoch auch der Architekturtransfer mit dem Kontinent und besonders dem Deutschen Reich eine Rolle. Die Aktivitäten des Deutschen Werkbundes stießen im Vereinten Königreich auf großes Interesse, mit der DIA (Design and Industries Association) wurde 1915 ein britisches Gegenstück geschaffen. Die Dissertation analysiert diesen Austausch und den spezifisch englischen Modernismus der Londoner Metro erstmals umfassend nach architekturtheoretischen und -historischen Gesichtspunkten. (jr, 28.1.17)

Weber, Ulrike, Modernism in England. Londoner U-Bahnhöfe und der deutsch-englische Architekturtransfer vor 1933, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-7861-2745-1.

Bierpinsel und 2 x U-Bahn unter Schutz

Und auch Deutschlands feinster Essayist schätzt die Spätmoderne: CD-Cover Max Goldt, Berlin, Bierpinsel (Copyright: EFA-Vertrieb)
Und auch Deutschlands feinster Essayist schätzt die Spätmoderne: CD-Cover Max Goldt, Berlin, Bierpinsel (Copyright: EFA-Vertrieb)

Zwei Schwalben machen ja bekanntlich noch keinen Sommer, aber drei Unterschutzstellung spätmoderner Schönheiten sehen doch zumindest nach leichtem Tauwetter aus: In Berlin haben es das liebevoll Bierpinsel genannte Turmrestaurant (1976, Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte), die U-Bahnhöfe Schloßstraße (späte 1960er Jahre, Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte) und Fehrbelliner Platz (1971, Rainer Gerhard Rümmler) auf die Denkmalliste geschafft, wie das Internet-Portal urbanophil meldet. Schon seit Monaten kämpfen Experten und Initiativen wie „Kerberos“ um die bunten Schönheiten, die sich schon längst ins kollektive Bewusstsein der Hauptstadt gegraben haben.

Hintergrund ist, wie zumeist bei Unterschutzstellungen, die zunehmende Bedrohung gerade dieser Monumente. Um den Bierpinsel wird seit Monaten geplant, diskutiert und wieder zugeschlossen, in einigen Berliner U-Bahnstationen wurden schon Fakten geschaffen und Erhaltenswertes wegsaniert. Doch gerade in den 1970er Jahren hatte die Insel Berlin im öffentlichen Raum bemerkenswerte popfarbene Blüten getrieben. Die Unterschutzstellung von drei anerkannten Marken dieser Bauphase ist ein guter Anfang. Denn es ist wie immer: Nach dem Spiel ist … (kb, 27.1.17)

Hidden Urbanism

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Hidden Urbanism (Bild: dom-publishers)

Die Moskauer Metro steht vor einer historischen Expansion. Bis 2017 soll das Streckennetz um 80 Kilometer erweitert werden – das ist rund ein Viertel des derzeitigen Gesamtnetzes. Grund genug, einen ausführlichen Blick auf die U-Bahn zu werfen, die 1930 mit dem Anspruch erbaut wurde, weltweit die schönste ihrer Art zu werden. Die Publikation Hidden Urbanism tut dies und porträtiert den Untergrund von Russlands Hauptstadt in beeindruckenden Fotografien und vertiefenden Aufsätzen.

Die prunkvollen stalinbarocken Stationen der 1930er sind inzwischen wohl hinlänglich bekannt. Der Band belässt es daher nicht bei einem Porträt dieser unterirdischen Paläste, sondern setzt die Fahrt in die publizistisch weit weniger ausgeleuchteten Tunnel der Metro fort. So entsteht eine umfangreiche Dokumentation, die bis in die Gegenwart reicht und den stetigen Ausbau der Metro auch als Instrument der Stadtentwicklung versteht. Das Buch beschränkt sich dabei nicht nur auf architektonische Aspekte, sondern bezieht auch Design und Corporate Identity ein. (jr, 30.9.16)

Kuznetso, Sergey/Zmeul, Alexander/Kagarov, Erken, Hidden Urbanism. Architecture and Design of the Moscow Metro 1935 – 2015, hg. von Philipp Meuser und Anna Martovitskaya, 352 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-86922-412-1 (Englisch), 978-3-86922-413-8 (Russisch) DOM publishers, Berlin 2016.

Berlin unter Grund

"Berlin unter Grund" (Bild: Lara Denter)
„Berlin unter Grund“ (Bild: Lara Denter)

Die Idee ist so gut, dass es sie eigentlich zu kaufen geben müsste. Doch bislang ist es „nur“ das Ergebnis einer Bachelorarbeit im Fach Design/Typografie. Lara Denter widmete sich an der Hochschule Trier 2016 dem Thema „Berlin unter Grund – Die Schriften der Berliner U-Bahn“. Herausgekommen ist ein (!) Buch, das – so Denter – den Leser mitnimmt“auf Typotour durchs U-Bahn-Netz einer Millionenstadt.“

Anhand der sich wandelnden Schriftgestaltungen in Berliner U-Bahn-Stationen der letzten Jahrzehnte will die Gestalterin ein Stück Stadt- und „Typografie-Geschichte“ entfalten. Material fand Denter in Berlins Untergrund reichlich: Sie untersuchte insgesamt 60 U-Bahn-Stationen, ihre Schriftsysteme im Verhältnis zu ihrem Baujahr. Ergänzend nahm Denter in ihre Bachelor-Arbeit ein Interview mit dem Designer Anton Koovit auf, „der eine Schrift aufgrund einer historischen Vorlage aus der U-Bahn Linie 8 konzipiert hat“. Darüber hinaus entwarf die damalige Studentin einen Acrylglas-Buchschuber und Postkarten. Mehr zum Thema erfahren Sie auf der Homepage der Gestalterin. (kb, 20.9.16)

Kunterbunt im Untergrund

Bonn, Statbahn-Station Robert-Schuman-Platz (Bild: Qualle, GFDL oder CC BY SA 3.0)
Farbe satt im Bonner Untergrund: die Stadtbahn-Station Robert-Schuman-Platz (Bild: Qualle, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Das mit dem Versmaß ist sicher diskutabel, das Ziel der Aktion in keinem Fall: Unter dem Motto „Kunterbunt im Untergrund“ feiert die Werkstatt Baukultur Bonn seit 2015 den (damals) 40. Geburtstag der Bonner U-Bahn. Im Frühjahr vor 41 Jahren wurde die Stammstrecke der Bonner Stadtbahn eröffnet. Das intuitive Farbleitsystem der HaltestellenUni/Markt bis Heussallee überzeugt bis heute.

Die Werkstatt Baukultur Bonn möchte das Jubiläum vom 12. bis zum 14. Mai mit einer Veranstaltungsreihe begehen und die Erinnerungen aller (ehemaligen und aktuellen) Bonnerinnen und Bonner einbauen: Diese werden gebeten, ihre Erinnerungen an die Bonner U-Bahn (Geschichten, Fotografien, alte Fahrkarten …) zu schicken: Über facebook, via Mail an info@baukultur-bonn.de oder postalisch: Werkstatt Baukultur Bonn, c/o Kunsthistorisches Institut der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Regina-Pacis-Weg 1, 53113 Bonn. Und in jedem Fall ist das reichhaltige Veranstaltungsprogramm vom 12. bis 14. Mai besuchenswert, das von Themenführungen bis zum bunten Abend reicht. (kb, 19.4.16)

Frankfurts erste U-Bahn in Rente

Frankfurt,U2-Wagen 2015, Bild: Urmelbauftragter
Frankfurter Untergrundkämpfer seit 1968: die DÜWAG-Siemens-Züge der Baureihe U2 (Bild: Urmelbauftragter, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Eigentlich geht es bei moderneREGIONAL ja um Architektur, doch hier ist ein Stück Technik so eng mit der (gebauten) Stadtgeschichte verbunden, dass wir uns diese Ausnahme gönnen: Am 3. April 2016 verabschiedete die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) die letzten Bahnen der Baureihe U2 in den Ruhestand. Damit endete eine Ära – nach fast 48 Jahren. Drei Züge hat man als Museumfsfahrzeuge in der ursprünglichen rot-weißen Farbgebung lackiert, die übrigen wurden schon ab 2008 schrittweise verschrottet: Es habe sich kein Käufer für sie gefunden, da sie nicht klimatisiert seien und einen erhöhten Bahnsteig erforderten, so die VGF.

Am 4. Oktober 1968 nahm die Frankfurter U-Bahn den Betrieb auf, damit war die Hessenmetropole nach Berlin und Hamburg die dritte Stadt Deutschlands mit eigenem Untergrund-Netz. Der damalige Verkehrsminister Georg Leber gab die „A1“-Strecke zwischen Hauptwache und der noch im Bau befindlichen Nordweststadt frei. Bis 1986 wurde das City-Tunnelnetz komplettiert. Dabei stets auf den Gleisen: die von DÜWAG-Siemens produzierten U2-Wagen, deren letzte Exemplare 1984 nach Frankfurt geliefert wurden. Und die sich insbesondere durch eines auszeichneten, wie VGF-Sprecher Bernd Conrads anmerkte: „Sie waren nicht kaputt zu kriegen.“ Mit einer Träne im Knopfloch nehmen wir Abschied und freuen uns (noch!) an den Frankfurter U-Bahnhöfen in buntem Spätsiebziger-Jahre-Kleid oder postmoderner Verspieltheit (db, 14.4.16)