Urlaub

Düsseldorf, Breidenbacher Hof, Durchgangshalle, 1928 (Bild: E. Fahrenkamp u. a.: Die Neugestaltung des Palast-Hotels Breidenbacher Hof zu Düsseldorf, Düsseldorf 1928, via wikimedia commons, PD)

„Existenzform der Heimatlosigkeit“

Wenn Ihr letzter Urlaub gefühlt schon wieder ewig her und der nächste noch ewig hin ist, dann haben wir die richtige Lektüre für Sie: ein Buch über das Phänomen „Grandhotel“ als „Sinnbild der Moderne“. Der Autor Habbo Knoch, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Köln, beschreibt das Grandhotel als Erlebnisort, Traumhaus und Medienereignis zugleich. Das Grandhotel stand vom Beginn der Hochmoderne bis über den Ersten Weltkrieg hinaus im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der europäischen und amerikanischen Eliten. Hier trafen sich Mächtige und Aufsteiger, Kaufleute und Reisende, Literaten und Hochstapler.

Schrittmacher dieser kosmopolitischen Hotelkultur waren New York, London und später auch Berlin. Modernste Technik, rationelle Organisation und globaler Austausch machten das moderne Hotel als „Welt in der Stadt“ erst möglich. Mit dem Luxusleben der Grandhotels zeichnet Habbo Knoch ein breites Panorama der weltstädtischen Geselligkeit um 1900 zwischen Fortschrittsglaube und Kulturkritik. (kb, 6.9.17)

Knoch, Habbo, Grandhotels. Luxusräume und Gesellschaftswandel in New York, London und Berlin um 1900, Wallstein Verlag, Göttingen 2016, 495 Seiten, 65 Abbildungen, gebunden, Schutzumschlag, 15,5 x 23,0 cm, ISBN: 978-3-8353-1911-0.

Düsseldorf, Breidenbacher Hof, Durchgangshalle, 1928 (Bild: E. Fahrenkamp u. a., Die Neugestaltung des Palast-Hotels Breidenbacher Hof zu Düsseldorf, Düsseldorf 1928, via wikimedia commons, PD)

Urlaub mit Beton

Sanatorium Kurpaty Bild: Diamant, CC-SA 3.0
Übertrumpft jede Sandburg: das Sanatorium Kurpaty (Bild: Diamant, CC SA 3.0)

​Wir planen schon mal unseren Sommerurlaub – in einem brutalistischen Hotel. Und da gibt es (noch oder gerade wieder) eine große Auswahl. Denn als in der Nachkriegsmoderne der Massentourismus aufblühte, schossen in den Urlaubsregionen der Welt die Hotelkomplexe aus dem Boden. Nicht alle waren erholsam – selbst Loriot machte sich über die verbauten Strände lustig.

Doch es entstand auch so manches außergewöhnliche Gebäude. Das gilt besonders für die Urlaubsregionen im ehemaligen Ostblock: Dort galten die gewagten, futuristischen Bauten aus Beton als Prestigeobjekte und als Symbole des geplanten Wohlstands. Einige von ihnen sind noch in Betrieb, wie das Sanatorium Kurpaty in Jalta. Oder das Terminal Neige Totem Hotel. In den 1960er Jahren entstand die Urlaubsregion Flaine in den französischen Alpen, das gesamte Ski-Dorf wurde von Marcel Breuer geplant. Doch nach und nach schlossen die Hotels wieder. Das Totem stand jedoch nur drei Monate leer, bevor es aufwändig saniert und wieder eröffnet wurde. Und in seinen Räumen steht natürlich Breuers „Wassily-Stuhl“. (ps, 21.2.16)