Warschau

Breslau, Wohnsiedlung "Manhattan" (Bild: Olgierd Rudak, CC BY SA 2.0)

Polish Postmodernism

Wer von postmoderner Architektur spricht, denk zumeist an eine Zeitspanne kapitalistischen Wirtschaftens, an Villen und Bürogebäude mit überbordenden Fassaden und augenzwinkernden Formenzitaten. Dabei war das postmodere Bauen nicht auf den Westen beschränkt, auch im Osten Europas rangen Architekten in den 1970er und 1980er Jahren um neue Ausdrucksformen. Vor diesem Hintergrund will die Tagung „Polish Posmodernism“, die vom 27. bis 28. September 2018 im Deutschen Historischen Institut Warschau (Al. Ujazdowskie 39; 00-540 Warszawa) stattfinden wird, den Blick vor allem auf die polnische Architekturszene dieser Jahre lenken.

Zwischen 1968/70 und dem Ende der sozialistischen Ära war Polen nicht allein geprägt duch ökonomisch-politische Umwälzungen, sondern auch durch architektonische Innovationen. In diesen Jahren setzten sich Architekten lokal über die Begrenzungen des vorfabrizierten Bauens hinweg, fanden zu Restaurierungsprojekten oder zu über die Blockgrenzen hinweg vielbeachteten Kirchenneubauten. Gesucht werden noch Themenvorschläge, die kreisen um einzelne Bauprojekte, um architektonische Diskurse, um politische, soziale oder ökonomische Hintergründe des Baubetriebs. Vorschläge (Abstract von 400 bis 600 Worten, kurze CV, Beiträge sind auf Polnisch und Englisch möglich) sind willkommen bis zum 28. Februar 2018 unter: wienert@dhi.waw.pl and f.urban@gsa.ac.uk. (kb, 12.1.17)

Breslau/Wrocław, Plac Grunwaldzki , „Manhattan“ (frühe 1970er Jahre, Jadwiga Grabowska-Hawrylak mit Zdzisław Kowalski und Włodzimierz) (Bild: Olgierd Rudak, CC BY SA 2.0)

Warsaw Classic

Warsaw Classic (Bild: Junique)
Von der Schönheit sozialistischer Großwohnsiedlungen: die stilisierte Stadtplanansicht von Warschau (Bild: Junique)

Wem Stadtpläne schon immer zu schade zum Falten waren, der kann sie jetzt am Köper tragen: Jasone Ayerbe García und Javier Ruiz Recco begannen 2014 unter dem Namen „Planos Urbanos“ damit, an ihrer Stadtkarten-Serie zu arbeiten. Beide trafen im Architekturstudium in Sevilla aufeinander und haben sich nach dem Abschluss zusammengetan. Gemeinsam führen sie Projekte im Bereich Gebäude- und Landschaftsarchitektur sowie Stadtplanung durch und erstellen auch offizielle Stadtpläne.

Zunächst widmeten sie sich andalusischen Städten, später kamen Metropolen wie Paris, London und New York dazu. Jede einzelne Karte zeichnen sie digital nach dem Vorbild von Atlanten und Luftfotografien. Unter den stilisierten Karten finden sich ebenso historische Stadtansichten wie sozialistische Großplanungen – darunter im thematisch passenden Rot die stadtplanerische Essenz von Warschau. Weitere Designs gibt es von Berlin bis Tokyo zu erwerben. Auf Wunsch werden die stilisierten Pläne auch auf Leggings und Handyhüllen gedruckt. (kb, 6.3.16)

8. Mai 1945: Ortloser Erinnerungsort?

Colibri-Bus-Haltestelle "8. Mai 1945"(Bild: Benoît Prieur (Agamitsudo))
Ortlos? Wir haben den 8. Mai 1945 gefunden!(Bild: Benoît Prieur (Agamitsudo))

Als am 8. und 9. Mai 1945 die Wehrmacht kapitulierte, fand der Zweite Weltkrieg sein Ende. 70 Jahre später setzt sich das Deutsche Historische Institut vom 8. bis zum 10. Mai 2015 beim Workshop „Der 8. Mai: Ein ortloser Erinnerungsort? Internationale und interdisziplinäre Perspektiven“ mit diesem epochemachenden Datum auseinander. Ausgangsthese ist, dass der 8. Mai als „lieu de mémoire“ (Pierre Nora) – zumindest im (west)europäische Umfeld – keinem konkreten Ort, Datum, Symbol, Identitätsangebot oder Ritual eindeutig zugeordnet ist.

Der Erinnerungsort umfasst nach Pierre Nora nicht nur räumlich bestimmbare Orte, sondern ebenso Daten, Dokumente, Kunstwerke, Symbole oder zeichenhafte Handlungen. In Deutschland etwa spielt der Ort der Kapitulationserklärung – Reims bzw. Berlin-Karlshorst wiederholt – in der öffentlichen Diskussion nahezu keine Rolle. Doch wo und wie „sollen“ wir die „Befreiung“ feiern? Am Rande des Workshops wird dies bei der Exkursion konkret, wenn eine Führung durch das vormalige Warschauer Getto angeboten wird. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Mit dem Workshop wird zugleich die Ausstellung „Niemands Orte“ mit Bildern des Berliner Fotografen Christian Herrnbeck eröffnet. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung (mit einem kurzen Motivationsschreiben, einem akademischen CV) bis zum 12. April 2015 gebeten unter: annika.wienert@tum.de. (kb, 4.4.15)

Fotografie im besetzten Warschau

Alltagsperspektiven im besetzten Warschau (Bild: Herder-Institut)
Deutsch-polnische Alltagsgeschichte (Bild: Herder-Institut)

Der deutsche Postbeamte Hermann Beyerlein war von 1939 bis 1944 bei der „Deutschen Post Osten“ im besetzten Warschau beschäftigt. Seit 1941 leitete er das für die Besatzungsmacht wichtige Fernmeldeamt. Seinen Alltag in der besetzten polnischen Hauptstadt hielt er in rund 300 erhalten gebliebenen privaten Fotografien fest. Der Schwerpunkt seiner fotografischen Aufmerksamkeit lag auf Dienst und Privatleben – und war dabei klar von der Innensicht der deutschen Apartheid-Gesellschaft in Warschau geprägt. Eine Auswahl aus diesem bemerkenswerten und erstmals ausgewerteten fotografischen Nachlass wird in einer zweisprachig kommentierten Fotodokumentation präsentiert.

Beyerleins Fotos zeigen weder die amtlich-propagandistische Perspektive der Besatzungsorgane noch den entgegen gesetzten Blickwinkel des polnischen Widerstands. Vielmehr eröffnen sie interessante Einblicke in den Alltag und die Wahrnehmungsmuster eines höheren deutschen Zivilbeamten im besetzten Warschau Die alltagsgeschichtlich-biografische Studie von Rudolf Jawoski und Florian Peters wirft somit ein neues Licht auf bislang wenig untersuchte Grauzonen des deutsch-polnischen Verhältnisses während des Zweiten Weltkriegs – und erweitert unser Bild von der deutschen Besatzungsherrschaft in Polen. (kb, 16.10.14)

Jaworski, Rudolf/Peters, Florian, Alltagsperspektiven im besetzten Warschau. Fotografien eines deutschen Postbeamten (1939-1944), Herder-Institut, Marburg 2013, 74 Seiten, deutsch-polnisch, ISBN 978-3879693801.