Schloss Nordkirchen, Mensa (Bild: Mbdortmund, GFDL 1.2/CC BY-SA 3.0)

Zum Tode von Erich Reusch

Kein Sockel, keine Blickfang, keine Offensichtlichkeit: Die Kunst von Erich Reusch muss sich der Betrachter zusammensuchen. Sei es durch langes Betrachten aus diversen Perspektiven, sei es durch Zuhören, sei es durch Abschreiten – denn die meisten öffentlichen Werke des in Wittenberg geborenen Bildhauers und Architekten sind Raumarrangements. Und in ihrem Minimalismus fordern sie das Nachdenken geradezu ein. Unter anderem gestaltete Reusch den Hof der NS-Gedenkstätte im Berliner Bendlerblock (1979), den Platz vorm Rathaus Bochum (1980) sowie eine Bodenplastik bei der documenta 6 (1977). Vor der Göttinger Universitätsbibliothek steht die „Grüne Säule“ (1992), vor der Mensa am Schloss Nordkirchen vier flache Edelstahlzylinder (1971) – namenlos, wie viele seiner Kunstwerke.

Sein Studium absolvierte Reusch an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Anschließend war er bis Mitte der 1960er als freier Architekt in Düsseldorf tätig, ehe er sich der Bildhauerei zuwandte. 1975 erfolgte die Berufung an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er den Lehrstuhl „Integration Bildende Kunst und Architektur“ innehielt. Erst 2019 gab es eine Reusch-Retrospektive im Museum Schloss Moyland, eine für 2020 geplante Ausstellung im „Museum unter Tage“ Bochum gerät nun zur posthumen Würdigung: Erich Reusch ist am 29.12.2019 im Alter von 94 Jahren gestorben. Vielleicht ein Anlass für die Ruhruniversität Bochum, das seit Jahren brachliegende „Wasserrelief“ (1972/73) auf dem Campus instandzusetzen. (db, 7.1.20)

Schloss Nordkirchen, Mensa (Bild: Mbdortmund, GFDL 1.2/CC BY SA 3.0)