Die überlebensgroße Leuchtgiraffe, die als Werbung für das Restaurant Giraffe (das nicht mehr so heißt) an der Fassade des Gebäudes Klopstockstraße 2 (Klaus Müller-Rehm und Gerhard Siegmann, 1955–1957) im Berliner Hansaviertel angebracht ist, war nicht Spitznamensgeberin für das Interbau-Objekt. Es hieß wohl schon seit der Fertigstellung so, wahrscheinlich, da sich die Leute damals aufgrund der Farbgebung der Balkone und Fensterrahmen und vor allem der bis dato ungewöhnlichen Größe des Hauses an die Savannentiere erinnert gefühlt haben. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass der Zoo direkt um die Ecke ist und man vielleicht von da oben die Giraffen sehen kann, für die sich der Bau allerdings gar nicht eignen würde. Denn dem Hochhaus zugrunde liegt die Idee, Stadtwohnungen auf kleinstem Raum zu realisieren und so entstand einer der ersten Bauten in Berlin nur für Singles. Alle Appartements haben einen Wohnraum, ein kleines Bad und eine Kochmöglichkeit sowie einen schmalen Balkon und große Fenstertüren. Einen Unterschied hat man damals allerdings gemacht: Die Appartements im Westen des Hauses wurden als „männlicher Typ“ bezeichnet, da sie nur einen Kochschrank haben. Im Osttrakt liegen Wohnungen mit kleiner Küche. Diese benannte man damals als „weiblichen Typ“. (pk, 11.12.25)
Berlin, Hansaviertel, Wohnhaus Klopstockstraße 2, Architekten: Klaus Müller-Rehm, Gerhard Siegmann, Interbau 57, 1955–1957 (Bild: fridolin freudenfett, CC BY SA 3.0, 2011)

Jeden Tag ein Tür(m)chen

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 9
#mRAdventskalender 9: Auch Kiel hat seine „Stadt von morgen“: Mettenhof, gebaut ab Mitte der 1960er Jahre. Die großen Hoffnungen auf Lösungen für die Wohnungsnot angesichts der wachsenden Bevölkerung drückten sich dort mitunter auch in großen Häusern aus, zum Beispiel im Wohnhochhaus des Hamburger Architekten Hans Konwiaz. Es wurde von 1968 bis 1971 errichtet und steht ...

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 8
#mRAdventskalender 8: So viel Elegance hätten wir dem Schwarzwaldstädtchen Lahr fast nicht zugetraut. Doch sowohl die parkenden Automobile als auch die Wohntürme (1962, Hans-Walter Henrich und Klaus Humpert) dahinter haben jede Aufmerksamkeit verdient. Letztere laufen in der Fachliteratur hartnäckig als Rundtürme, dabei sind sie, streng genommen, fünfeckig. Aber mit den spitz vorkragenden Balkonen nähern sich ...

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 7
#mRAdventskalender 7: Die Sache mit der Keksrolle – so der Spitzname des heute vorzustellenden Büroturms – leuchtet all jenen sofort ein, die ihre Urlaubsreisen, Wandertage und Familienausflüge mit knisternd eingewickeltem Kleingebäck verbracht haben. In Jena wurde der knapp 150 Meter hohe Rundturm in den 1960er Jahren als sozialistische Stadtdominante angepeilt. Der Entwurf stammt von keinem ...

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 6
#mRAdventskalender 6: Es ist eine Binse: Kleine Männer brauchen Großes, um sich gesehen zu fühlen. Beim damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier hat es funktioniert, denn mit dem ehemaligen Bonner Abgeordnetenhaus, für dessen Bau er sich engagiert hatte, setzte er sich 1969 (wohl nicht ganz freiwillig) ein ironisches Denkmal. Das von Egon Eiermann entworfene Hochhaus lief, auch ...

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 5
#mRAdventskalender 5: Doppel-M-Haus, unter diesem Namen kann jede:r Leipziger:in dieses Bauwerk zuordnen. Denn mit der sich drehenden Leuchtreklame für die örtliche (Muster-)Messe ist das Wintergartenhochhaus (1972, Horst Siegel), so die offizielle Bezeichnung, in Bahnhofsnähe nicht zu übersehen. Noch zur DDR-Zeit gab es hier einen modernen Selbstbedienungsladen. Das Sockelgeschoss des Wohnturms barg zusätzlich ein breites gastronomisches ...

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 4
#mRAdventskalender 4: In Frankfurt wirbt das Messehochhaus, 1991 nach den Entwürfen von Helmut Jahn (Murphy/Jahn) errichtet, nicht nur mit Lichteffekten um Aufmerksamkeit. Ein Kniff, den es eigentlich gar nicht nötig hätte, denn die Formfindung auf guter halber Strecke zwischen Art déco und Postmoderne gehörte in Rekordtempo unverbrüchlich zur städtischen Silhouette. Der sogenannte Bleistift muss sich ...

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 3
#mRAdventskalender 3: Die Postmoderne war die Zeit der gebauten Bilder. Solche architecture parlante, erzählende Architektur, diente nicht nur dem Spieltrieb der Entwerfer:innen, sondern auch der Markenbildung für die Auftraggeber:innen. In Frankfurt trägt das der 208 Meter und 56 oberirdische Geschosse hohe Sitz der DZ-Bank (ehemals DG-Bank) (1993, William Pedersen u. a.) gleich mehrere solcher Bilder ...

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 2
#mRAdventskalender 2: Sie fühlen sich an Ihre Kindheit erinnert? Das ging den Münchener:innen auch so, als sie den Siemens-Bauten in Neuperlach ihren Spitznamen verliehen: Legostadt, nach den bunten Plastikbausteinen, die in den 1970er Jahren so beliebt waren. Das Forschungs- und Verwaltungszentrum entstand von 1975 bis 1985 nach den Entwürfen der er Rotterdamer Architektengemeinschaft van den ...

mR-Adventskalender 2025: Tür(m)chen 1
#mR-Adventskalender 1: Wollte man ganz korrekt sein (aber wer will das schon), dann sehen Sie hier das Hochhaus Lister Platz (1975, Dieter Bahlo). Doch in Hannover benannte man den Betonturm mit dem markanten Profil rasch nach dem niederländischen Bauunternehmer Bredero. Der hatte in der damaligen Partnerstadt Utrecht seine architektonischen Spuren hinterlassen – und plante auch ...
Wir danken für die Mitarbeit von: Daniel Bartetzko, Karin Berkemann und Verena Pfeiffer-Kloss. Der mR-Adventskalender 2025 wird unterstützt vom Dezernat Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main.
