Das Hamburger Grindelviertel gilt als Vorzeigesiedlung der 1950er Jahre. Fertiggestellt wurden es auch 1956, mithin vor 70 Jahren. Doch tatsächlich hat das Gesamtprojekt just gar schon seinen 80. Geburtstag gefeiert: Am 12. Juli 1946 war der erste Spatenstich für das aus zwölf Hochhausscheiben bestehende Ensemble, das ursprünglich als Hauptquartier der Britischen Besatzungstruppen vorgesehen war. Kurz nach Baubeginn wurde es zum reinen Wohnprojekt umgeplant, die Baustelle ruhte bis Anfang 1948.
Seit 2000 steht die Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Sie entstand anstelle des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Grindelviertels. Die „Gruppe der Grindelberg-Architekten“ bestand aus Bernhard Hermkes, Bernhard Hopp, Carl Karpinski, Rudolf Lodders, Rudolf Jäger, Albrecht Sander, Ferdinand Streb, Fritz Trautwein und Hermann Zess. Sie kehrten ab von der klassischen Blockrandbebauung und wählten eine aufgelockerte Nord-Süd-Ausrichtung mit großzügigen Grünflächen – orientiert etwa an Ideen von Le Corbusier oder Ernst May. Es entstanden insgesamt 2122 Wohnungen für mehr als 5000 Bewohner:innen. Und auch, wenn heute längst die Blockrandbebauung wieder das Maß der Dinge im Städtebau ist: Die Grindelhäuser, oft als erste Wohnhochhäuser Deutschlands tituliert, zeigen in Vollendung die aufgelockerte Bebauung der Moderne – die sogar in weiten Teilen Autofrei konzipiert worden ist. Wir gratulieren! (db, 13.7.26)
Hamburg, Grindelhochhäuser (Bild: Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0)

