Im Sommer 2024 hat die Stadt Hameln die seit rund 10 Jahren leerstehenden Neuen Wesermühlen gekauft. Dies besiegelte gleichzeitig das Ende des Gebäudeensembles: Schon bei Vertragsunterzeichnung war klar, dass die Hallen und Silos abgerissen werden sollen. Das ist in greifbare Nähe gerückt, wie eine Pressemitteilung der Stadt nahelegt. Im Frühjahr des vergangenen Jahres sind beide Gebäude – das 12 Stockwerke hohe Betriebsgebäude in der Ruthenstraße und die 61 Meter hohen Getreidesilos am anderen Ufer des Hafenbeckens – umfangreich auf Schadstoffe geprüft worden. Die Ergebnisse liegen jetzt vor und seien „überraschend positiv“ ausgefallen. Die in höherer Menge befürchteten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) etwa wurden nur in sehr geringen Mengen nachgewiesen. Auch Asbest stellt kein großes Problem dar.
Die Geschichte dee Hamelner Mühlenanlagen geht bis ins 17. Jahrhundert, 1898 wurde durch den Unternehmer Friedrich Wilhelm Meyer die Wesermühlen Aktiengesellschaft gegründet, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch für den Bau der neuen Wesermühlen verantwortlich zeichnete. Die Neue Wesermühle war die erste deutsche Großmühle mit pneumatischer Passagenförderung, hatte eine Vermahlungskapazität von 300.000 Tonnen pro Jahr. 40.000 Tonnen Getreide und 10.000 Tonnen Mehl konnten zudem hier gelagert werden. Etwa 75 Prozent des Energiebedarfs wurden durch ein Wasserkraftwerk abgedeckt. Ab den 1970er Jahren waren die neuen Wesermühlen Standort der VK Mühlen AG. Am 1. April 2013 wurden die Anlagen stillgelegt, kurz darauf ging VK in der GoodMills Deutschland GmbH auf. Bis dahin wurden in Hameln jährlich 180.000 Tonnen Weizen, Roggen und Mais verarbeitet. Sie erinnern sich: „Aurora mit dem Sonnenstern“. Übrigens liegt vom Büro Klein + Assoziierte aus Hannover ein Entwurf zur Neunutzung der Bestandsgebäude vor. Auch der Hamelner Architekt Karsten Jürgens sprach sich 2025 für den Erhalt zumindest der Silotürme aus. (db, 24.1.25)
Hameln, Neue Wesermühlen (Bild: Axel Hindemith, CC0)


Hameln, Neue Wesermühlen/Silo (Bild: Axel Hindemith, CC0)
