Nördlingen, St. Josef mit Pfarrheim (Bild: J.Richter, CC BY 3.0, 2004)

Abriss in Nördlingen?

Tourist:innen schätzen an Nördlingen den noch sichtbar erhaltenen Stadtmauerring. Außerhalb dieser historischen Grenzziehung entstand in den 1950er Jahren ein Neubaugebiet mit neuer Kirche. Für St. Josef konnte der Architekt Hansjakob Lill (1913-1967) gewonnen werden, der sich im süddeutschen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg einen Namen im katholischen Kirchenbau machte. Nach seinen Entwürfen wurde die Nördlinger Kirche 1962 fertiggestellt wurde. Jetzt soll das neben der Kirche gelegene Pfarrheim, ebenso von Lill entworfen und ebenso denkmalgeschützt wie die Kirche selbst, einem Neubau weichen. Das gesamte Areal um St. Josef herum soll neu erschlossen werden – für eine Kindertagesstätte (nach dem Abriss des bisherigen 1950er-Jahre-Baus), eine Versammlungsstätte, ein Hospiz und ein Sozialzentrum. Für die Katholische Kirchenstiftung St. Josef Nördlingen ist auch das bestehende Pfarrzentrum im Weg, da eine Sanierung unzumutbar sei.

Nun hat der Stadtrat über den Fall beraten. Wie die Presse berichtet, spreche aus der Sicht des Stadtbauamts Vieles für den Abriss: die fehlende Barrierefreiheit, die niedrige Deckenhöhe der Kellerräume, eine mögliche Schadstoffbelastung. „Außerdem sei der Denkmalschutz auf die Verbindung von sakralem Bau und Pfarrheim mit Versammlungsstätte und Pfarrwohnung für die Seelsorge zurückzuführen, das sei auch beim Nachfolgebau gegeben.“ Die Gegenargumente des Stadtheimatpflegers – ein Abriss beeinträchtige das Einzeldenkmal Kirche und die Architektursprache der 1950er/60er Jahre werde zunehmend von den Fachleuten geschätzt – konnten den Stadtrat am Ende nicht überzeugen. Das Vorhaben soll insgesamt vier Millionen Euro kosten und bis 2023 fertiggestellt werden. (kb, 4.10.21)

Nördlingen, St. Josef mit Pfarrheim (Bild: J.Richter, CC BY 3.0, 2004)