Showdown in Zürich?

Bis 2001 hatte die „Gebr. Maag Maschinenfabrik AG“ einen großen Produktionsstandort in Zürich West. Seitdem wird das Areal der ehemaligen Zahnradfabrik nahe des Bahnhofs Hardbrücke für diverse Nutzungen umgestaltet. Unter anderem entstand hier 2008-11 der „Prime Tower“ nach Plänen des Büros Gigon und Guyer, eines der höchsten Hochhäuser der Schweiz. Seit 2004 geschieht dies unter Federführung des Immobilienunternehmens Swiss Prime Site, welches damals die Maag Holding AG übrnommen hat. Mittlerweile ist fast das gesamte Areal bis auf einige denkmalgeschützte Gebäude der Architekten Debrunner und Blankart umgebaut, nun soll es eigentlich an den letzten Abschnitt des Projekts gehen. Und zwar an die „Maag-Hallen“, zwei seit rund 20 Jahren für Kunst und Kultur genutzte Gebäude. Zwei Planungen lagen vor: einmal die der Pritzker-Preisträger Lacaton & Vassal, die den Erhalt und eine Überbauung der Hallen vorsieht. Und die des Berliner Büros Sauerbruch Hutton, das den Abbruch des sehr erfolgreichen Kulturstandorts vorsieht. Im Februar wurde bekannt, dass SPS sich – entgegen der Empfehlung der Fachjury – für die Tabula-Rasa-Variante entschieden hat und schon 2023 die Bagger anrücken sollen.

Gegen das Vorhaben hat sich Widerstand formiert: Unternehmer, Kulturschaffende und Lokalpolitiker haben die Initiative „Retten wir die Maag-Hallen“ gegründet, die auch für die Planung von Lacaton & Vassal wirbt. Mittlerweile haben mehr als 7000 Unterstützer eine entsprechende Petition unterzeichnet. Nun hat eine Ortsgruppe des Bunds Schweizer Architekten (BSA) einen offenen Brief vorgelegt, mit dem sie Swiss Prime Site davon zu überzeugen hofft, den Entwurf von Lacaton & Vassal zu übernehmen und die Hallen nicht abzureißen. Es heißt unter anderem: „Das Projekt von Lacaton & Vassal findet eine exemplarische Antwort auf die Ansprüche unserer Zeit. (…) Es demonstriert, wie sich vorhandene Gebäude weiterentwickeln und verdichten lassen. Damit zeigt es eine Alternative zur gängigen, oft unbefriedigenden und wenig nachhaltigen Praxis der Ersatzneubauten auf. Indem es den gesamten Baubestand inklusive der beiden Untergeschosse in das Projekt integriert, verspricht es massive Einsparungen an grauer Energie, eine gute CO2-Bilanz und einen vernünftigen Umgang mit den Altlasten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. (db, 27.7.21)

Zürich, Maag-Hallen 2015 (Bild: Maag Music & Arts AG, CC BY-SA 4.0)