Albert Speer (Bild: Siedler Verlag)

Albert Speer und die Bundesrepublik

Er war einer der wenigen führenden Nationalsozialisten, die sich bei den Nürnberger Prozessen von den verbrecherischen Taten des NS-Regimes distanzierten: Albert Speer. Für sich selbst nahm der ehemalige Rüstungsminister und Lieblingsarchitekt Hitlers jedoch in Anspruch, nichts davon gewusst zu haben: Er sei lediglich ein naiver Künstler und Mitläufer gewesen. Diese Argumentation brachte dem ehemaligen Nazifunktionär große Sympathien in der bundesdeutschen Bevölkerung ein – und war nachweislich falsch. Eine neue Biographie dekonstruiert den Mythos vom „guten Nazi“ Speer.

Die Erzählung des unpolitischen Künstlers und Technokraten, der sich  von den beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten im „Dritten Reich“ blenden ließ, stieß in der deutschen Nachkriegsgesellschaft auf breite Zustimmung. Sie lieferte vielen Deutschen eine paradigmatische Apologie für die eigene Vita. Die Monographie gilt nicht nur der Dekonstruktion des Mythos Speer, sondern beleuchtet auch die frühe Erinnerungskultur der Bundesrepublik. Am Dienstag, 20. Juni 2017 findet um 18.30 Uhr eine Buchvorstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg statt. Die aktuelle Sonderausstellung des Hauses widmet sich ebenfalls Speers Karriere in der Bundesrepublik. (jr, 8.6.17)

Brechtken, Magnus, Albert Speer. Eine deutsche Karriere, Siedlerverlag, München 2017, ISBN: 978-3-641-15967-2.