Von der „Gesichtswurst“ bis zum „Deutschen Herbst“, der Künstler Peter Liptau dreht so lange an den Alltagserinnerungen, bis man sie sich gerne und stolz über das heimische Sofa hängt. Das ist auch sein Job, nicht nur als Künstler, sondern auch als stellvertretender Leiter des Stadtarchivs Neu-Ulm. Natürlich haben die Profis unter den moderneREGIONAL-Leser:innen den studierten Architekturhistoriker längst als ehemaligen mR-Redakteur und -autor erkannt. Man werfe nur einen Blick auf seine Themenhefte wie „Upcycling“ oder so wunderbare Beiträge wie „Eisenbahnwaggons als Wohnstätte“ oder „Das Cabaret ‚Eden’“. Nicht zu vergessen die Idee und der Kontakt zum (leider vergriffenen) Dauerbrenner der Hortenkachel-Ohrhänger.

Mit moderneREGIONAL verbindet Peter Liptau nicht nur die Begeisterung für die Nachkriegsmoderne, sondern eben auch die Freude am grenzwertig Ironischen. Unter dem Titel „Deutscher Herbst“ rahmt er die Spaltplatten, die sonst ganz unbeobachtet die Häusersockel verkleiden, und bringt sie so zum Leuchten. Er packt Backpulvertütchen, die als Lesezeichen für diverse Kochbücher dienten, hinter das Glas eines alten Schaukastens. Oder er vergrößert die Wurstscheiben, die mit Clown- und Bärchengesichtern kindgerecht vermarktet werden, bis zur Museumswürdigkeit. Wer sich wie wir dafür begeistert, der kann (ja, das ist Werbung) auch den ein oder anderen echten Liptau erwerben und mit nach Hause tragen. Wer neugierig geworden ist: Am 22. April 2026 startet um 19 Uhr seine Ausstellung „Alltagsarchäologie“ im Kabinett des Landkreismuseums für Bildende Kunst in Oberfahlheim. (kb, 16.4.26)

Aufbau der Ausstellung "Alltagsarchäologie" von Peter Liptau (Bild: Peter Liptau)

Aufbau der Ausstellung „Alltagsarchäologie“ von Peter Liptau (Bild: Peter Liptau)

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