Karl-Marx-Allee und Interbau (Bild: Baesslerverlag)

Die Ambivalenz der Berliner Moderne

Die Ambivalenz der Berliner Moderne

Karl-Marx-Allee und Interbau (Bild: Baesslerverlag)
Karl-Marx-Allee und Interbau 1957 (Bild: Baesslerverlag)

In der Nachkriegszeit wurde Berlin nicht nur politisch zum Symbol des Kalten Krieges und des Wettlaufs der Systeme. Auch Bau- und Planungskultur besaßen in der geteilten Stadt hohen Symbolwert, ihre Großprojekte fungierten immer auch als ideologische Repräsentanten. Während die Interbau ihre Besucher von der Modernität des Westens überzeugen wollte, protzte die Karl-Marx-Allee im Osten mit der ganzen Pracht des sozialistischen Klassizismus. Eine neue Publikation stellt die beiden paradigmatischen Projekte nebeneinander.

Der reich bebilderte Band vereint Beiträge einer Fachtagung, die sich bereits 2013 mit dem Themenkomplex befasste. Er könnte ein Schritt auf dem Weg zum gemeinsamen UNESCO-Welterbe sein, das Berlin für die beiden Bauensembles anstrebt. Tatsächlich ist die durch die Berliner Historie bedingte geografische Nähe der ideologisch vereinnahmten Viertel weltweit einzigartig. Auch der Denkmaltag 2017 setzte hier einen inhaltlichen Schwerpunkt. Ein Hindernis für den UNESCO-Titel ist die Tatsache, dass Berlin mit den Siedlungen der Moderne bereits einen Vertreter der architektonischen Moderne mit Welterbestatus besitzt. (jr, 5.4.17)

Karl-Marx-Allee und Interbau 1957. Konfrontation, Konkurrenz und Koevolution der Moderne in Berlin, hg. von Jörg Haspel und Thomas Flierl, Landesdenkmalamt Berlin, Hermann-Henselmann-Stiftung, Baesslerverlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-945880-24-1.