Architektur im Film

Architektur im Film (Bild: transcript Verlag)
Architektur im Film (Bild: transcript Verlag)

„Ein Raum will nicht allein gesehen werden, er will auch körperlich empfunden sein, man muss ihn durchschreiten können.“ schrieb der Filmemacher und Kunsthistoriker Hans Cürlis 1924. Die Möglichkeit dazu sah er mit dem Medium Film gegeben, das hier im Vergleich zur Fotografie einen Quantensprung versprach. Die Begeisterung für das Medium teilten viele Vertreter der kunsthistorischen Zunft. Ein jüngst erschienener Sammelband untersucht Geschichte und Perspektiven dieser Euphorie und nimmt das breite Spektrum „Architektur im Film“ in den Blick.

Nicht nur die Kunstgeschichte, auch die Architektur zeigte sich in der Zwischenkriegszeit vom Avantgardemedium Film fasziniert. Besonders die Vertreter des Neuen Bauens popularisierten damit ihre Bauprogramme und Raumkonzeptionen. Im Nationalsozialismus erlebte der Architekturfilm einen regelrechten Boom, nach 1945 verschwand er in der Nische. Erst 30 Jahre nach Kriegsende begann die Kunstgeschichte, sich erneut für den filmischen Blick auf Architektur zu interessieren. Dieses Interesse hält bis heute an und wurde durch den Aufstieg der neuen Medien um viele Facetten erweitert. Der von Christiane Keim und Barbara Schrödl herausgegebene Sammelband untersucht die historischen und theoretischen Verflechtungen von Film, Architektur und Kunstgeschichte und zeigt Perspektiven für die zukünftige Entwicklung auf. (jr, 5.10.15)

Keim, Christiane/Schrödl, Barbara, Architektur im Film. Korrespondenzen zwischen Film, Architekturgeschichte und Architekturtheorie, transcript Verlag, Bielefeld 2015, 244 Seiten,
ISBN 978-3-8376-2598-1.