Prishtina, National and University Library of Kosovo, 1971-82 (Bild: Valentin Jeck, commissioned by The Museum of Modern Art, 2016)

Architektur Jugoslawiens im MoMA

Im einstigen Jugoslawien hatte die Moderne Hochkonjunktur: neue Häuser für eine neue Gesellschaft. Das Museum of Modern Art in New York dokumentiert erstmals umfassend Geplantes und Gebautes aus der Tito-Zeit. 1948 brach Josip Tito mit Stalin, 1980 starb der jugoslawische Regierungschef. In den dazwischenliegenden 32 Jahren konnten Architekten und Designer auf Staatskosten experimentieren mit Ideen, die für mehrere Universen gereicht hätten: Museen, Hotels, Kindergärten, Sportstadien, Wohnsiedlungen, Mahnmale und Fernsehtürme – jedes Projekt bot die Möglichkeit, Raum, Materialien und Menschen auf nie dagewesene Weise zusammenzubringen.

Die Ausstellung „Toward a Concrete Utopia: Architecture in Yugoslavia, 1948–1980“ („Auf dem Weg zur Betonutopie: Architektur in Jugoslawien, 1948-1980“; bis zum 13. Januar 2019) fasst die größte Gemeinsamkeit der Beispiele zusammen – denn wenn sie etwas eint, dann der üppig verwendete Baustoff Beton. Sei es beim der Platz der Republik in Ljubljana, sei es bei der Nationalbibliothek des Kosovo in Prishtina. Die ideologischen Hintergründe jener Zeit werden in New York nicht näher betrachtet, doch die Fülle der Beispiele, ihre schiere Masse im wahren Wortsinn und das historische Wissen bieten dem Betrachter genug Deutungsmöglichkeiten jener Zeit, in der das Bauen so facettentreich war wie nie mehr danach. (db, 24.7.18)

Prishtina, National and University Library of Kosovo, 1971-82 (Bild: Valentin Jeck, commissioned by The Museum of Modern Art, 2016)