Vision der Nachkriegsmoderne

Ruhr-Universitaet_Bochum_Bild_Reimer-Verlag1965 nahm die Ruhr-Universität Bochum den Lehrbetrieb auf – mitten in einer Umbruchszeit. Als erste Universitätsgründung der Bundesrepublik wurde auch die Architektur in Bochum programmatisch auf die damals modernen Bildungsreformen und -konzepte bezogen. Die Megastruktur der Ruhr-Universität war Teil einer umfassenden Raumordnung des Landes Nordrhein-Westfalen: die Umstrukturierung der industriell geprägten Ruhr-Region. Die Herausgeber, die Kunsthistoriker Cornelia Jöchner, Richard Hoppe-Sailer und Frank Schmitz, verstehen das Baukunstwerk in ihrer neuen, im Reimer-Verlag erschienenen Publikation „Ruhr-Universität Bochum“ somit konsequenterweise als „Architekturvision der Nachkriegsmoderne“.

Die Hochschulkonzepte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und mit ihnen zusammenhängende politische Steuerungsvorstellungen flossen in die Architekturkonzeption der Ruhr-Universität ein. So verweisen neuartige Organisationsstrukturen und experimentelle Fertigungstechniken der Betonbauten gleichermaßen auf den Geltungsanspruch der visionären Architektur. Heute stellt sich die Frage, wie Bauten der Nachkriegsmoderne allgemein zu bewerten und Hochschulbauten im Besonderen weiterzuentwickeln sind. Neben Analysen der Gesamtanlage aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven geht der Band auf die Garten- und Freiraumgestaltung sowie die bedeutenden Beispiele von Kunst am Bau ein. Hinzu treten Gebäudeporträts der Alten und Neuen Mensa, der Institutsgebäude, des Hörsaalzentrums, des Musischen Zentrums sowie von Bibliothek, Audimax und Verwaltung. Beim „Tag des Kunstgeschichtlichen Institus“ wird die Publikation in Bochum am 9. Dezember 2015 um 17 Uhr öffentlich vorgestellt. (kb, 7.12.15)

Hoppe-Sailer, Richard/Jöchner, Cornelia/Schmitz, Frank (Hg.), Ruhr-Universität Bochum. Architekturvision der Nachkriegsmoderne, 352 Seiten mit 29 Farb- und 230 Schwarzweiß-Abbildungen, 23 x 28 cm, Hardcover, ISBN 978-3-7861-2744-4.