Frankfurt am Main, Neckermann-Gebäude (Egon Eiermann, 1958-61)

Asyl im Neckermann-Gebäude

Das deutsche Wirtschaftswunder endete vielleicht endgültig erst 2012, als der Versandhausriese Neckermann seine Pforten schloss. Die Konzernzentrale im Frankfurter Osten liegt seither im Dämmerschlaf; ein türkischer Investor kaufte das 1958-61 errichtete Ensemble aus Büros, Lager- und Frachthallen. Eine Spedition hat seither mehrere Lager angemietet, in den Hauptgebäuden ist aber wenig geschehen. Sie stehen bis jetzt leer. Nun ändert sich das: Die Stadt Frankfurt hat in Einvernehmen mit dem Eigentümer beschlossen, in der Neckermann-Verwaltung eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge einzurichten. Bis zu 2000 Menschen sollen voraussichtlich noch im Dezember dort untergebracht werden.

Dies bedeutet gleichzeitig eine Zukunft für ein bedrohtes Baudenkmal: Architekt der Neckermann-Bauten ist niemand geringeres als Egon Eiermann. Am 15. September 1960 bezogen die ersten Mitarbeiter die neue Zentrale, deren variable Hallenbauweise bis heute Vorbild für etliche Industriebauten ist. Damals galt sie, kubisch, schlicht und lichtdurchflutet, als Ausdruck demokratischen Bauens – ähnlich den Frankfurter Universitätsgebäuden von Ferdinand Kramer. Seit den 1990ern steht das Eiermann-Ensemble unter Denkmalschutz. Und dient nun einer guten Sache. „Neckermann macht’s möglich!“ (db, 25.11.15)

Frankfurt am Main, Neckermann-Gebäude (Egon Eiermann, 1958-61) (Foto: Popie)