Gesunde Fünfziger in Dortmund

Typischer können die Fünfziger nicht aussehen: Das Gesundheitshaus Dortmund. (Foto: Gerd Kittel)
Typischer können die Fünfziger nicht aussehen: das Gesundheitshaus Dortmund (Foto: Gerd Kittel)

1957-1961 wurde für die Stadt Dortmund eine Idee umgesetzt, die wie kaum eine andere den Gestaltungswillen einer neuen Zeit dokumentiert: das Gesundheitshaus. Der Architekt Will Schwarz (1907-1992) plante es als Ort der Gesundheitsfürsorge, der eine Mütterberatungsstelle, einen Hörsaal, Labore und andere medizinische Einrichtungen unter einem Dach vereinte. Fensterreihen und Glasbaustein-Wände aus erhellen die Räume, die durch Wandreliefs, Mobiliar und architektonische Elemente zum Gesamtkunstwerk verschmelzen.

Eine Ausstellung im Dortmunder Museum Ostwall würdigt nun bis zum 4. Januar 2015 dieses Meisterwerk der Wirtschaftswunderzeit. Der Frankfurter Fotograf Gerd Kittel hat den Bau im Bild festgehalten und würdigt die Formensprache im Ganzen wie auch in den liebevollen Details. Das Stadtarchiv Dortmund ergänzt diese Fotografien durch Pläne aus dem Nachlass von Will Schwarz. Anlässlich der Ausstellung bietet die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine der Fotografien zum Kauf an. Diese Edition ist auf 100 Exemplare begrenzt. Von jedem verkauften Bild erhält das Stadtarchiv Dortmund 150 Euro, womit sie die wissenschaftliche Aufarbeitung des Will-Schwarz-Nachlasses unterstützt. (db, 7.10.14)

Aus dem Gastland der Buchmesse

Das Gastland der Frankfurter Buchmesse ist traditionell auch Ausstellungs-Thema im Deutschen Architekturmuseum (Bild: DAM)
Das Gastland der Frankfurter Buchmesse ist traditionell auch Ausstellungs-Thema im Deutschen Architekturmuseum (Bild: DAM)

Der Blick nach Finnland, ins diesjährige Gastland der Buchmesse, hat die deutsche Baukunst der 1960er und 1970er Jahre entscheidend geprägt. Dieses Land ist nun auch Ausstellungsthema im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt (DAM). Im Rahmen des Messe-Begleitprogramms präsentieren die Hessen mit dem Museum of Finnish Architecture und dem Architecture Information Centre Finland „Suomi Seven“ – die zweite Generation moderner finnischer Architekten, die in den 1970er und 1980er Jahren geboren sind. Die Werke von sieben Büros sind bis Januar 2015 nun im Ungers-Bau am Frankfurter Schaumainkai zu sehen.

Dank der finnischen Tradition der offenen Architekturwettbewerbe hatten viele Baukünstler bereits früh in ihrer beruflichen Laufbahn die Möglichkeit, an großen Projekten zu arbeiten. Die Zukunft der Architektur aus dem Land der 1.000 Seen liegt nun in den Händen einer aufstrebenden Generation global vernetzter Gipfelstürmer. Das Bild zeigt das Kilden Theater- und Konzerthaus in Kristiansand, Norwegen, das das Büro ALA Architects Ltd. entwarf. Und wer keine Zeit hat, die Ausstellung zu besuchen, kann für 16 Euro den Katalog beim DAM erwerben. (db, 6.10.14)

Hoyerswerda

Hoyerswerda (Bild: Jovis-Verlag)
„Schrumpfende Stadt“ (Bild: Jovis-Verlag)

Zu Wendezeiten ging der Name Hoyerswerda für seine rassistischen Übergriffe durch die Presse. Dabei war die sächsische Kreisstadt einst eine Vorzeigesiedlung der DDR. Seit 1957 entstand in Großblock- und Plattenbauweise die sog. Zweite Sozialistische Stadt: zwischen 1955 und 1959 rund 2.000 Wohnungen an den Altstadträndern, zwischen 1957 und 1965 die ersten rund 1.200 Wohnungen der Neustadt Elster, zwischen 1966 und 1975 zwei dichter bebaute Komplexe mit rund 6.000 Wohnungen, in den ausgehenden 1980er Jahren nochmals rund 2.000 Wohnungen am Rand der Neustadt.

Heute wirkt das von Plattenbauten geprägte Hoyerswerda wie eine sterbende Stadt. Im einst kinderreichsten Ort der DDR werden die Folgen der gesellschaftlich-städtebaulichen Umbrüche im wiedervereinten Deutschland besonders greifbar. Stefan Boness fängt in seinen Fotografien aus Hoyerswerda-Neustadt die gespenstische Atmosphäre der verlassenen Wohnhochhäuser ein. Ihr Verfall verweist auf die Veränderungen, die – im Zeitalter der Megacities oft unbemerkt – längst weite Teile Europas und der USA betreffen. (kb, 6.10.14)

Hoyerswerda. Die schrumpfende Stadt. Fotografien von Stefan Boness, Jovis-Verlag, Berlin 2013, gebunden, 96 Seiten, 57 Farbabbildungen, 28,5 x 21 cm, 978-3-86859-196-5.