Das Fördergerüst – Zeche Niederberg 4

von Walter Buschmann (Heft 14/3)

Kempen, Niederberg 4, Panorama (Bild: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Archiv TD)
Kempen, Niederberg 4 (Bild: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Archiv TD)

Das Fördergerüst der Zeche Niederberg 4 wurde als Baudenkmal eingestuft – und dafür gibt es viele gute Gründe: Es gehört zum linksrheinischen Ruhrgebietsbergbau. Es bezeugt die durch Zentral- und Außenschachtanlagen gekennzeichnete Entwicklungsperiode des Bergbaus. Und vor allem, es stellt entwicklungsgeschichtlich einen wichtigen Beitrag zur Gattung der Fördergerüste dar. Aber, der Reihe nach …

 

Niederberg 4 – eine neue Zeche am Niederrhein

Kempen, Niederberg 4 (Bild: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Archiv TD, Foto: Steinhoff)
Kempen, Niederberg 4 (Bild: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Archiv TD, Foto: Steinhoff)

Für die Zeche Niederberg 4 wurde 1962 ein zweigeschossiges Strebengerüst in Kastenbauweise errichtet. Die Seilscheiben sind zwischen die – auf Höhe der unteren Scheibe leicht nach hinten abknickenden – Streben gelagert und verfügen auf Höhe ihrer Achsen über Bedienungsbühnen. Im Gegensatz zu früheren Fördergerüstkon­struktionen sind die Streben nicht durch Horizontal- oder Diagonalstreben ausgesteift. Der an den Nähten geschweißte Kastenquerschnitt der Stre­ben besitzt ausreichende Steifigkeit, um die Kräfte aufzunehmen. Ganz oben knicken die Streben rechtwinklig nach hinten ab und gehen in die Krahnbahn über, um die Seilscheiben auswechseln zu können.

Wie die Streben ist auch das Führungsgerüst als vollständig ummantelte Kastenkonstruktion ausgeführt. Die Streben lehnen sich über die Bedienungsbühne der unte­ren Seilscheibe gegen das Führungsgerüst, die Seilscheiben sind für Zweiseilförderung ausgelegt. Zum Denkmal dieser Außenschachtanlage gehören auch die unter dem Gerüst stehende Schachthalle und das Fördermaschinenhaus mit der – zeitgleich zum Bau des Fördergerüsts montierten – Elektrofördermaschine.

 

Förderhaspel: vom Pferd zur Dampfmaschine

Wieliczka, rekonstruierte Pferdegöpel (Bild: Rj1979)
Weliczka, rekonstruierter Pferdegöpel (Bild: Rj1979)

Im Bergbau war man schon früh darauf angewiesen, gute Fördertechniken zu entwickeln. Zunächst griff man auf die Förderhaspel zurück. In ihrer urtümlichen Form war die Förderhaspel eine hölzerne Welle auf Böcken, die von Haspelknechten mittels Kurbel oder Drehrad bewegt wurde. Darüber errichtete man später zum Schutz wohnhausähnliche Schachthäuser. In der Folge wurde die Förderhaspel mit Pferdekraft und mit Wasserkraft betrieben. Erhalten ist etwa der Pferdegöpel in Johanngeorgenstadt/Erzgebirge oder die mit Wasserkraft betriebene Anlage der Grube Samson in St. Andreasberg/Harz.

Als die Dampfmaschine zum bevorzugten Antrieb der Fördereinrichtung wurde, wuchsen auch die Anlagen über dem Schacht. Turmförmig überragten sie die übrigen Bergwerksbauten und wurden nach Zeitgeschmack seit etwa 1850 im Burgenstil ausgebildet. Die sogenannten Malakowtürme – benannt nach einem lange und heiß umkämpften Fort der Festung Sewastopol im Krimkrieg 1856 – prägten Jahre das Landschaftsbild vieler europäischen Montanreviere in dieser Entwicklungsperiode.

 

Stahlfördergerüste: tragfähig und materialsparend

Födergerüst, Promnitz (Bild: Eichenauer, A., Die Seilscheibengerüste der Bergwerks-Förderanlagen, Leipzig 1877)
Sog. Deutsches Strebengerüst (Bauart: Promnitz) (Bild: Eichenauer, A., Die Seilscheibengerüste der Bergwerks-Förderanlagen, Leipzig 1877)

Seit Stahlfördergerüste 1869 in den Steinkohlenbergbau eingeführt worden waren, gab es sehr unterschiedliche Gerüstformen. Von der Stahlbautechnik her lassen sich unterscheiden: Fachwerkkonstruktionen, Vollwandgerüst und Gerüste mit Kastenprofilen. In ihren vielfältigen Formen spiegelt sich das Anliegen von Unternehmen und Ingenieuren, für steigende Belastungen und immer tiefer werdende Schächte möglichst effektive Entwürfe hervorzubringen. Wie in allen Bereichen des Stahlbaus, brauchte es statisch bestimmte,  exakt berechenbare Konstruktionen. Denn nur so ließ sich ein Stahlprofil genau abmessen und damit sein Materialverbrach senken.

Am weitesten verbreitet war in Deutschland das – 1874 von dem Ingenieur Promnitz geschaffene – Deutsche Strebengerüst. Es wurde in Varianten gebaut: ein- und zweigeschossig, in Einfachform und als Doppelstrebengerüst. Für mehr Tragfähigkeit und weniger Materialeinsatz folgten die Bauarten Saar, Zschetsche, Klönne, Dörnen und Turmgerüste.

 

Kastenbauweise: das älteste Fördergerüst in NRW

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Fördergerüst in Kastenbauweise (Bauart: Hoischen, Patent 1959) (Bild: Archiv W. Buschmann)

In den 1950er Jahren entstand die Idee, wesentliche Bestandteile des Fördergerüstes in Kastenprofilen auszuführen. Die Verbindungen zwischen Flanschen und Stegen wurden dabei geschweißt. Als Weiterentwicklung entstand eine neue Fördergerüstform ohne Seilscheibenträger. Die Seilscheiben wurden stattdessen direkt in die nach oben verlängerten Streben aufgehängt. Auf diese Konstruktionsart erhielt die Gutehoff­nungshütte (GHH, Erfinder: Günter Sander, Anselm Hoischen, Friedrich Nagel) 1959 das Patent.

Das erste Fördergerüst in Kastenbauweise wurde 1959 für die Zeche Schlägel und Eisen in Herten hergestellt. Da diese Anlage nicht erhalten ist, bildet das Gerüst von Niederberg 4 das älteste überlieferte Beispiel dieses Typs in ganz Nordrhein-Westfalen. Es entspricht weitgehend dem Patent der GHH von 1959 und stellt ein wichti­ges Dokument für die Ent­wicklung der Fördergerüstkonstruktionen dar.

 

Ästhetik – klar und landschaftsbezogen

An der Ent­stehungsgeschichte des Fördergerüsts der Zeche Niederberg 4 wird deutlich, dass auch ästhetische Motive eine Rolle spielten. Gleich zu Beginn machte die Genehmigungsbehörde erhebliche Auflagen, um die Schachtanlage ins Landschaftsbild einzubinden. Das Gerüst müsse, wie alle übrigen Gebäude, möglichst niedrig gehalten werden. Für das technische Bauwerk solle man einfache klare Formen wählen. Die Streben hätten sich in die Hauptblickrichtung zu orientieren. Zudem solle die Anlage auf offenem Feld mithilfe eines Land­schaftsarchitekten begrünt werden.

Im Zusammenspiel zwischen Technik und Ästhetik blieb bis heute ein vielfach gewürdigtes, landschaftsprägendes, harmonisch gestaltetes und technikgeschichtlich bedeutendes Monument erhalten. Es steht auf einer leichten Anhöhe – weithin sichtbar über der flachen Landschaft des Niederrheins – und begleitet die Autofahrer der nahegelegenen A 2 auf ihrem Weg nach Venlo oder Duisburg.

 

Zukunft – über Abriss wird nachgedacht

Kempen, Niederberg 4, Panorama (Bild: W. Buschmann)
Kempen, Niederberg 4 (Bild: W. Buschmann)

Das Fördergerüst der – seit längerem stillgelegten – Zeche Niederberg 4 soll nach den Vorstellungen der RAG noch in diesem Jahr abgebrochen werden. Die Stadt Kempen mit der dort angesiedelten zuständigen Unteren Denkmalbehörde ist auch nicht am Erhalt interessiert.

Kempen fürchtet um seinen Ruf, der weithin auch durch mittelalterliche Bauwerke und die idyllische Niederrheinlandschaft bekannt ist. Aus entwicklungspolitischen Gründen will man nicht dem Ruhrgebiet zugeordnet werden, wenn es auch der äußerste westliche Außenposten des Reviers war. Der Vorgang liegt inzwischen zur Entscheidung bei der Obersten Denkmalbehörde, dem von Minister Michael Groschek geleiteten Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW.

 

Rundgang

Vom Pferdegöpel zum Fördergerüst – begleiten Sie Walter Buschmann in die Geschichte der Fördertechnik.

 

Literatur

Buschmann, W., Zechen und Kokereien im rheinischen Steinkohlenbergbau. Aachener Revier und westliches Ruhrgebiet, Berlin 1998

Becher, B. und H., Fördertürme Chevelements Mineheads, München 1985

Schönberg, H., Die technische Entwicklung der Fördergerüste und -türme des Bergbaus, in: Becher, B. und H., Die Architektur der Förder- und Wassertürme, München 1971

Möhrle, T., Das Fördergerüst, Breslau 1909

Echenauer, A., Die Seilscheibengerüste der Bergwerks-Förderanlagen, Leipzig 1877

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Herbst 14: Rauf und runter

LEITARTIKEL: Promis im Paternoster

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"Außer Betrieb"? Der Paternoster

„Außer Betrieb“? Der Paternoster

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Beförderung im Büro: LVA Stuttgart

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Skulpturale Treppen aus Beton

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„Außer Betrieb“? Der Paternoster

von Edith Ruthner (Heft 14/3)

"Außer Betrieb" ist immer häufiger an Pater-Noster-Aufzügen zu lesen (Bild: A. Hallada)
„Außer Betrieb“ ist immer häufiger an Pater-Noster-Aufzügen zu lesen (Bild: A. Hallada)

An den Absperrkordeln hängt deutlich sichtbar das Schild „Außer Betrieb“ – diese Szene begegnet dem Aufstiegswilligen in den letzten Jahren immer häufiger. Die heutige Sicherheitsgesellschaft glaubt wohl, auf Paternoster-Aufzüge fast gänzlich verzichten zu können. Viele stehen nicht nur nachts und am Wochenende still, sondern haben ihren steten Umlauf für immer eingestellt. Dabei galt diese besondere Aufzugsform vor nicht allzu langer Zeit als DIE Errungenschaft vertikaler Fortbewegung.

 

Die ersten 100 Jahre

Der Ursprung dieser innovativen Aufzugstechnik liegt in England. Revolutionäre Ingenieure erschlossen den Paternoster, der bis dahin nur für Güter genutzt wurde, 1884 für den Personenverkehr. Seine Hochblüte erlebte der Paternoster in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – vor allem in öffentlichen Gebäuden, wo große Menschenmengen rasch und energiesparend auf- und abwärts befördert werden mussten.

Die simple Technik des Paternosters war bis zum Ende seiner Ära – die in ganz Europa in den 1970er Jahren gekommen war – kaum verbesserungsfähig. Jeder Aufzugshersteller versuchte seine Handschrift durch kleine Nuancen zu verewigen. Dies änderte aber nichts an der grundsätzlichen Bauweise eines Paternosters.

 

Eine bewährte Technik

Typische Polygonräder im Triebwerksraum eines Paternosters (Bild: A. Halada)
Typische Polygonräder im Triebwerksraum eines Paternosters (Bild: A. Halada)

Um die Schwerkraft auszunutzen, liegt der Triebwerksraum üblicherweise an der oberen Umkehr: Polygonräder, elektrisch über Antriebswellen in Schwung gehalten, bewegen zwei Eisenketten. Daran hängen mit jeweils zwei Bolzen die Kabinen. Dazwischen finden sich eine Bremse, eine Handkurbel und vier unterschiedlich große Zahnräder, die für die stetig ruhige Fahrt sorgen.

Beeindruckend ist das Gewicht, das ein Paternoster bewegen kann. Seine eigene tonnenschwere Konstruktion teilt sich bei einem durchschnittlich hohen Gebäude – 14 Kabinen auf sieben Stockwerke – wie folgt auf: Die zwei Tragketten haben ein Gesamtgewicht von sieben Tonnen. Jede Kette ist unterteilt in jeweils 250 Kilogramm schwere Teile mit einer Länge von je zweieinhalb Metern. Dies entspricht dem Abstand von einer Kabine zur nächsten.

Dazu kommen noch die Kabinen und die Ausstattung des Triebwerkraums mit – ebenfalls nicht gerade leichten – Zahn- und Kettenrädern inklusive Triebwerk. Das Gebäude muss also ein Gewicht von annähernd acht Tonnen „ertragen“. Durch diese vertikale Belastung wird die Statik eines Hauses allerdings nie beeinträchtigt. Denn die Leistung des Antriebsmotors wird unter der ungünstigsten Annahme errechnet: Alle aufwärtsfahrenden Kabinen sind mit je zwei Personen belastet und die abwärtsfahrenden leer.

 

Bereit zum Einsteigen

Bis zur nächsten Kabine dauert es nur 17 Sekunden (Bild: E. Ruthner)
Das elegante Ein- und Aussteigen ist reine Übungssache (Bild: E. Ruthner)

Ein Paternoster ist immer da, die nächste Kabine nur ein paar Sekunden entfernt. Ist sie besetzt, kommt die nächste verlässlich in 17 Sekunden. Kein Spiegel lenkt, wie im Fahrstuhl, den Blick vom Wesentlichen ab: vom Ausstieg im richtigen Geschoss. Ähnlich dem System der Rolltreppen, ist der Ein- und Ausstieg aus einem Paternoster für routinierte Nutzer kein Angstmoment, sondern eine Übung im eleganten Übersetzen aus der Bewegung in die Stabilität.

In Österreich überlebten noch einige Paternoster aus dem frühen 20. Jahrhundert. Je nach Stil des Gebäudes zeigen sie sich in schlichtem bis verschnörkeltem dunklem Holz. Währenddessen herrschen in Deutschland noch Paternoster aus den 1950er bis 1960er Jahren vor. In Berlin stammen die ältesten noch fahrenden Aufzüge aus den 1930er Jahren: vom Haus des Rundfunks bis zu den sechs gleichen Paternostern im Auswärtigen Amt. Letztere fahren allesamt gegen den Uhrzeigersinn, wie oft in Deutschland. In Österreich hingegen drehen sich alle Paternoster brav im Uhrzeigersinn – um unerwartet im tschechischen Brünn (Postgebäude) abermals die Richtung zu wechseln.

 

Paternoster-Hochhäuser

Der Arts Tower der Universität in Sheffield wird ganz über einen Paternoster erschlossen (Bild: E. Ruthner)
Hoch hinaus per Paternoster – hier in Sheffield (Bild: E. Ruthner)

Es ist eine besondere technische Leistung, einen Paternoster in ein Hochhaus einzubauen. Berlin beherbergt eine solche Sensation im Verlagshaus Axel-Springer. Dort dauert die Fahrt bis ins 19. Stockwerk ungefähr sieben Minuten. Eine vermeintlich langweilige Angelegenheit, scheint doch in jedem Stockwerk die gleiche Aussicht auf ein weiß getünchtes Treppenhaus vorbeizugleiten. Tatsächlich sind Paternosterfahrten, egal wo, für einen aufgeschlossenen Passagier niemals langweilig.

In Turin etwa betrieb der Autohersteller Lancia, bis zu dessen Abriss 1957, einen Paternoster über eine Transporthöhe von 16 Stockwerken. In Wien wählte die Wr. Städtische Versicherung beim Bau des Ringturms 1953 eine Sonderform: Der Paternoster erschließt nur die publikumsintensiven ersten acht Stockwerke. Für Fahrten darüber hinaus bis ins 19. Stockwerk gibt es normale Personenlifte.

 

Ausgerechnet England

Ausgerechnet im Paternoster-Mutterland sind heute nur noch sehr wenige Anlagen in Betrieb. Den Engländern verblieben zwei Highlights in den Universitäten Leicester und Sheffield – beide in 18 bzw. 19 Stockwerke hohen Türmen. Im Sheffielder Arts Tower wurde im Frühjahr 2013 ein Experiment der besonderen Art durchgeführt: Die „One Show“ – ein beliebtes englisches Vorabend-Fernsehmagazin – teilte 100 Studenten in zwei Gruppen ein. Jeweils 50 Personen fuhren hinauf ins letzte Stockwerk.

Eine Gruppe nahm den normalen Fahrstuhl, die andere den Paternoster. Nach zehn Minuten waren mit dem Paternoster alle 50 Studenten am Ziel. Aus der Aufzug-Gruppe jedoch hatten es erst zehn Personen bis zum 19. Stock geschafft. Im Vergleich erwies sich der vermeintlich langsame Paternoster damit als unschlagbar. Das Experiment zeigt darüber hinaus, wie erfolgreich eine solche Technik in stark besuchten öffentlichen Gebäuden ist.

 

Reif fürs Museum?

Paternostertheater (Bild: A. Halada)
Im Wiener NIG wurde der Paternoster sogar zur Theaterbühne (Bild: A. Halada)

Der bekannteste aller Wiener Paternoster, jener im NIG (Neues Institutsgebäude der Universität Wien), wurde abgebaut: Seine Sanierung sei nicht rentabel. Seit den 1950er Jahren fuhren damit Generationen von Studenten zur Mensa ins oberste Stockwerk. Noch heute ist dieser verschwundene, graffitiübersäte und mit Küchengerüchen behaftete Paternoster in Wien eine Legende. Einst wurden darin Theaterstücke aufgeführt und Werbespots gedreht. Übrig blieben nur wenige Teile, die im Technischen Museum aufbewahrt werden.

Endet der Paternoster damit als Ausstellungsstück? Nicht ganz, denn eine Renaissance zeichnet sich ab. Nachdem sich das europäische Sicherheitsdenken vom Paternoster abwendet, wird er in Japan wieder aufgenommen und völlig neu gedeutet. Derzeit entstehen Prototypen speziell für erdbebengefährdete Gebäude: mit gläsernen Kabinen, spaciger Elektronik und computerunterstützter Technik.

 

Rundgang

Werfen Sie – mit Bildern von A. Halada – einen Blick auf die Technik, die hinter, genauer gesagt über einem Paternoster steckt.

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Herbst 14: Rauf und runter

LEITARTIKEL: Promis im Paternoster

LEITARTIKEL: Promis im Paternoster

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Die Kunststofftreppe - im fg 2000

Die Kunststofftreppe – im fg 2000

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Das Fördergerüst - Zeche Niederberg 4

Das Fördergerüst – Zeche Niederberg 4

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Beförderung im Büro: LVA Stuttgart

Beförderung im Büro: LVA Stuttgart

Martin Pozsgai entfaltet, wie die Verwaltung erschlossen wurde. Anhand des 1976 eingeweihten Stuttgarter LVA-Gebäudes werden Transportwege im Büro sichtbar.

Aufzugparken: Großgarage Halle

Aufzugparken: Großgarage Halle

Sarah Huke rangiert Autos per Schiebebühne und Aufzug: Möglich war dies in Halle bis 1992. Jetzt wurde die moderne Großgarage Süd frisch saniert.

Skulpturale Treppen aus Beton

Skulpturale Treppen aus Beton

Alexandra Apfelbaum sieht moderne Treppen als Skulptur, die im Inneren und Äußeren, durch Licht und Schatten, Form und Oberfläche inszeniert wird.

Beförderung im Büro: LVA Stuttgart

 von Martin Pozsgai (Heft 14/3)

Der kompakte polygonale Verwaltungsneubau der LVA Württemberg lag am Rand der Großsiedlung auf dem Stuttgarter Freiberg (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, 1981)
Der Verwaltungsbau der LVA Württemberg am Rand der Großsiedlung auf dem Freiberg (Bild: DRV Baden-Württemberg, 1981)

Seit Beginn der 1960er Jahre musste die – in der Stuttgarter Rotebühlstraße ansässige – Landesversicherungsanstalt Württemberg (LVA) viele Abteilungen auslagern. Schon 1966 erwog der Vorstand daher einen Neubau. Nach einem Vorentwurf der Architekten Otto Jäger und Werner Müller beauftragten die LVA-Selbstverwaltungsorgane diese 1969 mit dem Verwaltungsgebäude. Zuvor hatte man bereits die Beratungsfirma Interorg Deutschland GmbH für ein Raum-, Betriebs- und Funktionsprogramm hinzugezogen. 1972 war Grundsteinlegung, im September 1975 wurde der Bau in der Großsiedlung Freiberg eröffnet.

 

„Für Stuttgart groß“ (OB Rommel)

Grundriss des 1. Obergeschosses von 1970 (Ebene 10) (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg)
Grundriss, 1. Obergeschoss (Ebene 10), 1970 (Bild: DRV Baden-Württemberg)

Der neue Verwaltungsbau am Stuttgarter Stadtrand entstand auf einem annähernd sechseckigen Grundriss, ebenerdig an einer Seite ausgeweitet. Für (geplante) 1.938 Mitarbeiter gab es drei Untergeschosse, ein Erdgeschoss (Ebene 00) mit Eingangshalle, Rechenzentrum und Poststelle, sechs klimatisierte Großraumbüro-Geschosse (Ebenen 10-60) sowie ein volles und ein verjüngtes Technikgeschoss. Der Zentralkern mit den „mechanischen Verkehrsmitteln“ Rolltreppe und Aufzug sowie die drei Außenkerne mit den Nebentreppen erschlossen die Anlage. An der Südostseite fügte sich der „Sozialbereich“ an, u. a. mit Kantine und Betriebsarzt.

Die LVA Württemberg war Trägerin der Arbeiterrentenversicherung in den Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen, betreute 1974 rund 1,25 Millionen aktiv Versicherte und mehr als 600.000 Rentner. Als „Großverwaltung“ berechnete und zahlte sie die Renten, sammelte und dokumentierte die Versicherungszeiten – letzteres bedurfte einer enormen Datenspeicherung. Für diese Arbeitsabläufe wurde die elektronische Datenverarbeitung immer wichtiger: Das LVA-Rechenzentrum zählte zu den größten Baden-Württembergs.

1975 bezogen ca. 1.800 Mitarbeiter in acht Fachabteilungen das Haus. Jedes Bürogeschoss verfügte über 4.200 qm für je durchschnittlich 300 Personen. Die Großraumbesiedlung wurde durch ein modulares hölzernes Anbau-System der Firma Domus begrenzt. Bedarfsgerecht bot es Regaleinheiten, Garderoben-/Wertfachschränke sowie Sitzgelegenheiten. Die Arbeitsbereiche umgaben lindgrüne Stellwände und Pflanzentröge mit Hydrokultur.

 

Fördersysteme

Zweibahnige gegenläufige Rolltreppen im Haupttreppenhaus ermöglichten eine zügige Erschließung der Ebenen 10 bis 60 (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, W. Trepl, um 1980)
Zweibahnige gegenläufige Rolltreppen im Haupttreppenhaus erschlossen die Bürogeschosse (Ebene 10-60) (Bild: DRV Baden-Württemberg, W. Trepl, um 1980)

Die Verwaltungswege waren kurz und übersichtlich: vertikale Fördersysteme für die Mitarbeiter, welche die Rolltreppen und Aufzüge direkt vom Haupteingang aus erreichten, und für den Aktentransport. Dem Zentralkern kam dabei als Verkehrsknotenpunkt die tragende Rolle des gesamten Baus und des Verwaltungsorganismus zu.

Das Erdgeschoss und alle Büro-Ebenen wurden durch zweibahnige gegenläufige Rolltreppen erschlossen – wie in einem Kaufhaus. Ihre Kapazität verhinderten in der „Hauptverkehrszeit“ drohende Wartezeiten. Die gesamte Belegschaft von knapp 2.000 Mitarbeitern hätte so theoretisch in nur zehn Minuten aufgenommen und an ihre Schreibtische befördert werden können.

 

Der „Aktenpaternoster“

Der Stockwerksdienst – hier der Ebene 30 – bediente die Aktentransportanlage und verteilte Akten und Post in die Regalfächer der Verteilstation (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, W. Trepl, um 1980)
Der Stockwerksdienst – hier der Ebene 30 – bediente die Aktentransportanlage und sortierte Akten und Post in die Regalfächer der Verteilstation (Bild: DRV Baden-Württemberg, W. Trepl, um 1980)

Ein „Aktenpaternoster“, wie die Lauf- und Verteilanlage der Firma Ralfs auch genannt wurde, verband die Bürogeschosse mit der Zentralregistratur (Ebene 30), in der die gesamte „aktive“ Registratur gelagert werden sollte, und mit dem Altarchiv im Untergeschoss, bestehend aus sog. toten Akten. Mit ihr gelangte neben den Akten die ein- und ausgehende Post auf die jeweilige Abteilung. Die Zentralregistratur lag genau „zwischen“ den Etagen, welche die Leistungsabteilungen beherbergten, und gestaltete damit die Wege zur „aktiven“ Registratur für alle möglichst gleich weit und effizient.

Die Aktentransportanlage unterstand dem Stockwerksdienst am Zentralkern. Er war gleichsam „für den Kreislauf des Schriftgutes“ (Fichtner/Trepl) zuständig: Er sammelte, sortierte, verteilte und transportierte Unterlagen. Bei ihm befanden sich Verteilstation, Formulartheke oder Kopiergeräte. Der Paternoster half auch der Beratungsstelle in der Eingangshalle, rasch Auskunft geben zu können. Wenn sich ein Versicherter am Empfangstresen beim Pförtner meldete, bestellte dieser Akten und Sachbearbeiter. Aus unterschiedlichen Etagen des Hauses kamen der Mitarbeiter – auf der Rolltreppe – und die Unterlagen – über die Transportanlage – zur Dienstleistung im Erdgeschoss zusammen.

 

Sternförmige Großraumerschließung

Schreibdienst im Großraumbüro mit Stellwänden (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, W. Trepl, um 1980)
Vergleichsweise niedrige Stellwände – hier rund um den Schreibdienst – begünstigten in den Großraumbüros die Orientierung (Bild: DRV Baden-Württemberg, W. Trepl, um 1980)

In den Großraumbüros blieb das Gesamtgefüge vom Zentralkern aus überschaubar: Die umlaufende Begrenzungswand öffnete sich zu strahlenförmigen Erschließungsgängen auf der Bürofläche. Die niedrigen Stellwände unterstützten ebenso wie der vieleckige Grundriss die optisch und psychologisch günstige Besiedlungsstruktur.

Durch die konzentrische Anlage des Hauptverkehrswegs – rund um den Zentralkern – waren alle Teile des Großraums (und zurück) nahezu gleich weit entfernt. Im Außenbereich stand zudem die vertikale Verbindung der Nebentreppen bereit. So sollte sich eine bessere Kommunikation zwischen den Fachabteilungen ergeben.

 

Orientierung durch Farbe

Das Farbleitsystem der Bürogeschosse bot Orientierung: neben den Schildern und den Begrenzungswänden von Domus war die Wandfarbe darauf abgestimmt (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, W. Trepl, um 1980)
Das Farbleitsystem der Bürogeschosse: Neben Schildern und den Begrenzungswänden von Domus war die Wandfarbe darauf abgestimmt (Bild: DRV Baden-Württemberg, W. Trepl, um 1980)

Zusätzliche Orientierung bot das Farbleitsystem, das der Maler Lothar Schall in Absprache mit den Architekten entwickelt hatte. „Der gesamte Farbkosmos wird von der Eingangshalle her über den Zentralkern durch die sechs Obergeschosse geführt“, so Otto Jäger bei der feierlichen Eröffnung. Jede Ebene wurde durch eine Farbe gekennzeichnet, die in der Wandmalerei des Haupttreppenhauses, in der Systemmöblierung der Firma Domus und in der Farbfassung der Türen zu Nebentreppen und Toiletten wiederkehrte.

Darüber hinaus führten Schilder rasch ans Ziel. So waren im Zentralkern über den eleganten gläsernen Schwingtüren zum Großraum deutlich sichtbare Orientierungstafeln aus Plexiglas – in den Leitfarben des Stockwerks, mit Angaben zu Geschoss, Himmelsrichtung und Fachabteilung – angebracht. Auf der Bürofläche fanden sich zusätzlich an die Decke gehängte Ortsschilder, die den Arbeitsbereich anzeigten. Doch man konnte sich selbstverständlich auch an den Stockwerksdienst wenden, auf dessen Kontroll-Leuchtpult der Grundriss und die Aufteilung der Arbeitsbereiche grafisch dargestellt waren.

 

Modellhaftes Konzept

Pausenzone im Großraumbüro (Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, W. Trepl, 1976)
Das Stuttgarter Konzept – hier die Pausenzone im Großraumbüro des LVA-Gebäudes – fand sich bundesweit auch in Schwesteranstalten (Bild: DRV Baden-Württemberg, W. Trepl, 1976)

Seit 1990 wurde das Gebäudeinnere stufenweise verändert – nicht zuletzt bedingt durch Strukturreformen in der gesetzlichen Rentenversicherung wie die Fusion mit der LVA Baden oder auch aufgrund der Regionalisierung. Vor allem die Großraumbüros gestaltete man um: Höhere Stellwände verstärkten die (Schall-)Isolierung, der Aktenpaternoster wurde ausgebaut, die Rolltreppen ebenso. Noch vor der Neumöblierung der Erdgeschossräume verlor das Haus seine Leitfarben. Einzig die erhaltenen Domus-Elemente und Reste der Stockwerksschilder zeugen noch vom ehemaligen Gesamtkonzept.

Sobald ein kleineres Bürogebäude bezogen ist, das aktuell auf dem Grundstück errichtet wird, werden die Obergeschosse des Altbaus ab 2016 abgetragen. Während die Stuttgarter LVA in Baden-Württemberg das mit Abstand gewaltigste Großraumgebäude der öffentlichen Verwaltung war, setzten zahlreiche bundesdeutsche Schwesteranstalten in den 1970er Jahren ebenfalls auf dieses Konzept. Deren Großraumbüros werden in Zukunft als Vergleichsobjekte heranzuziehen sein – denn die Geschichte der nachkriegsmodernen Verwaltungsbauten der gesetzlichen Rentenversicherung ist noch zu schreiben.

 

Rundgang

Begleiten Sie Martin Pozsgai – mit Bildern von Helmut Beck und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg – auf eine Zeitreise in die (Großraum-)Bürowelt der späten 1970er Jahre.

 

Literatur

Historische Dokumente der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, Bau- und Pressereferat

Fichtner, Lothar/Trepl, Willi, Freiberg-Ausblick. Brevier für eine Bürolandschaft, Kornwestheim o. J. [1975]

Das neue Verwaltungsgebäude der Landesversicherungsanstalt Württemberg in Stuttgart-Freiberg, in: Mitteilungen der Landesversicherungsanstalt Württemberg 67, 1975, S. 133-152

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Das Fördergerüst – Zeche Niederberg 4

Walter Buschmann wirbt für ein seltenes Industriedenkmal – in Kempen steht das älteste erhaltene Fördergerüst dieser Kastenbauweise in NRW. Noch.

"Außer Betrieb"? Der Paternoster

„Außer Betrieb“? Der Paternoster

Edith Ruthner glaubt an den aussterbenden Paternoster – sie erläutert seine Geschichte und Technik, schildert Vorteile und Reiz des Auf- und Abspringens.

Beförderung im Büro: LVA Stuttgart

Beförderung im Büro: LVA Stuttgart

Martin Pozsgai entfaltet, wie die Verwaltung erschlossen wurde. Anhand des 1976 eingeweihten Stuttgarter LVA-Gebäudes werden Transportwege im Büro sichtbar.

Aufzugparken: Großgarage Halle

Aufzugparken: Großgarage Halle

Sarah Huke rangiert Autos per Schiebebühne und Aufzug: Möglich war dies in Halle bis 1992. Jetzt wurde die moderne Großgarage Süd frisch saniert.

Skulpturale Treppen aus Beton

Skulpturale Treppen aus Beton

Alexandra Apfelbaum sieht moderne Treppen als Skulptur, die im Inneren und Äußeren, durch Licht und Schatten, Form und Oberfläche inszeniert wird.