Alle Beiträge von Daniel Bartetzko

Dortmund, Union-Brauerei (Bild: Dominik Wesche, CC BY SA 3.0, 2011)

Eckhard Gerber zum 80.

Das Baukunstarchiv NRW würdigt Eckhard Gerber anlässlich seines 80. Geburtstags mit einer Ausstellung. Sein erstes Büro eröffnete Gerber 1966 in Meschede, 1979 öffnete das Großbüro Gerber Architekten auf dem umgebauten historischen Tönnishof in Dortmund-Kley. Heute arbeiten hier 180 Angestellte; es gibt weitere Standorte in Berlin, Hamburg, Shanghai und Riad. Zwischen 1973 und 2012 lehrte Eckhard Gerber, sein eigenes Studium an der TU Braunschweig absolvierte, an der Universität Dortmund und an der Bergischen Universität Wuppertal. Die Geburtstags-Werkschau findet nun in Dortmund statt – wo das Anfang November 2018 eröffnete Baukunstarchiv im ehemaligen Museum am Ostwall residiert.

Im kleinen Lichtsaal sind beispielhaft zehn Gerber-Großprojekte in Szene gesetzt – unter anderem das City-Center Harenberg, der Umbau zum Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität, die King Fahad Nationalbibliothek in Riad, die Biologischen Institute der Technischen Universität Dresden und auch der Um- und Anbau von Eckhard Gerbers eigenem Wohnhaus in Dortmund. Ergänzt wird die Geburtstags-Ausstellung (bis 3. Februar 2019) durch öffentliche Podiums-Dialoge zwischen Eckhard Gerber und einem Gast. (db, 13.12.18)

Dortmund, Union-Brauerei (Bild: Dominik Wesche, CC BY SA 3.0, 2011)

Hamburg, NDR-Hochhaus (Bild: Ralf Bröhan)

Hamburg: NDR-Hochhaus zur Disposition

An etlichen Stellen des Hochhauses sei ohne bautechnische Notwendigkeit in den 70er-Jahren Asbest verwendet worden, teilte der NDR mit. Außerdem zeigten weitere Raumluft-Messungen eine teilweise Belastung im ersten Obergeschoss, allerdings in geringerem Ausmaß als bei den Erstfunden, so der Sender. „Nunmehr ist klar: Für eine vollständige Sanierung werden wir deutlich länger brauchen als zunächst angenommen“, bilanzierte der Intendant. Es riecht verdächtig nach Abriss … (db, 11.12.18)

Hamburg, NDR-Hochhaus (Bild: Ralf Bröhan)

Siegburg, Rathaus (Bild: Die Linke)

Rathaus Siegburg bleibt

Die Siegburger haben die Abrisskugel erfolgreich von ihrem Rathaus abgewehrt. Das Abstimmungsergebnis spricht eine klare Sprache: Ein Rathausneubau fand mit 29,8 Prozent der Stimmen bemerkenswert wenig Befürworter. Einfach gemacht wurde die Entscheidung den Bürgern nicht: Im Abstimmungsheft fanden sich eher verwirrende und umstrittene Zahlen aus Machbarkeitsstudien zu den Kosten. Ausgerechnet die größte Fraktion im Rat, die CDU, fand nicht zu einer klaren Empfehlung in der Sache, während sich etwa die FDP klar für den Neubau aussprach. Ohne Erfolg: 70,2 Prozent stimmten für den Erhalt des alten Rathauses, dessen Instandhaltung in den vergangenen Jahren auffällig vernachlässigt wurde.

Von 33.152 Wahlberechtigten haben allerdings nur 9792 Personen abgestimmt, das ist eine Wahlbeteiligung von 29,5 Prozent. Schon einmal, nämlich 2010, wurde über den Rathaus-Abriss abgestimmt und auch damals sprach sich eine Mehrheit dagegen aus. Nun sind weitere Anläufe wohl endgültig vom Tisch. Das 1968 eingeweihte Gebäude soll saniert und um ein Geschoss aufgestockt werden. Architekt des Siegburger Rathauses ist Peter Busmann, der später im gemeinsamen Büro mit Godfrid Haberer unter anderem in Köln das Museum Ludwig und die Simultanhalle entwarf. Beim Rathausumbau wartet Busmann nun auf die Kontaktaufnahme seitens der Stadt – denn es gilt das Urheberrecht. (db, 6.12.18)

Siegburg, Rathaus (Bild: Die Linke)

Ludwigshafen, RathausCenter (Bild: Rudolf Stricker, gemeinfrei, 2007)

Ludwigshafen: RathausCenter gefährdet

Nach dem BASF-Hochhaus und der „Tortenschachtel“ steht ein weiterer stadtbildprägender Bau in Ludwigshafen vor dem Abriss – und scheint den nächsten mit hinabzuziehen: Die Hochstraße Nord soll in Bälde fallen. Nun beabsichtigt die Stadt zudem, das RathausCenter, das eng mit der Stadtautobahn verbunden ist, zu kaufen und zu schließen. Vorrangig, da die Sicherheit im Einkaufszentrum während der Abrissarbeiten nicht mehr wirklich gegeben ist. Ingesamt aber droht dem Komplex aus Rathausturm und Shoppingcenter umso schneller ein etwaiger Abriss, wenn die Immobilie ganz in städtischer Hand ist. Das Center sei baulich, technisch und energetisch ähnlich sanierungsbedürftig wie der Verwaltungsturm. Die Stadtverwaltung lasse „derzeit prüfen, inwieweit und mit welchem Aufwand eine Sanierung überhaupt möglich ist“, berichtet  ludwigshafen24.de.

Das RathausCenter, in dessen Mitte das 72 Meter hohe Rathaus steht, das durch ein Einkaufszentrum umringt wird, wurde 1979 nach Plänen des Bonner Architekten Ernst van Dorp fertiggestellt. Sein Diplom machte van Dorp, der unter anderem auch für die Deutsche Botschaft in Brasilien verantwortlich zeichnet, 1950 in Karlsruhe bei Egon Eiermann. Der kolportierte Kaufpreis des Einkaufszentrums – das Rathaus selbst ist in Besitz der Stadt – soll bei 43 Millionen Euro liegen. Im Zuge des Hochstraßen-Abbruchs werden der Nordteil des Centers samt Parkdeck ohnehin fallen. (db, 29.11.18)

Ludwigshafen, RathausCenter (Bild: Rudolf Stricker, gemeinfrei, 2007)

Berlin, Huthmacher-Haus (Bild: Cay Dobberke)

Berlin: Abrisspläne fürs Huthmacher-Haus

Die moderne Mitte West-Berlins lag rund um den Bahnhof Zoo: Zum „Zentrum am Zoo“ zählen das frühere Berlinale-Kino Zoo-Palast, das Bikini-Haus, das „Kleine Hochhaus“ nahe dem Elefantentor – und schließlich das Huthmacher-Haus. Errichtet wurde der rund 60 Meter hohe Bau bis 1957 nach Plänen der Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger, finanziert aus dem US-Marshallplan und vom Schweizer Investor Jacques Rosenstein. Seinen Namen erhielt das Huthmacher-Haus erst später, als das gleichnamige Café im Erdgeschoss einzog – wo 1983 Mc Donald’s seine erste Berliner Filliale eröffnete.  Nun aber scheinen die Tage des eigentlich als Teil des Zentrum-Ensembles geschützten Baus gezählt.

Schon lange wurden über Abriss und neue Luftschlösser spekuliert, doch der Investor „Newport Holding“ hat nun einen Plan vorgelegt: ein 95-Meter-Turm, mit dem die Züricher E2A-Architekten die Fünfziger-Jahre-Bebauung der Umgebung gekonnt zitieren. Das Landesdenkmalamt reagiert zurückhaltend: Bisher sei „nicht bekannt, dass die Bausubstanz einen Abriss erforderlich machen könnte“, sagte Sprecherin Christine Wolf dem Tagesspiegel. Nach den Abrissen zweier anderer Baudenkmäler in der Gegend (Schimmelpfenghaus und Gloria-Palast) sowie der Umnutzung des Café Kranzler „kommt den verbleibenden Elementen besondere Bedeutung zu“. Die Zeit läuft: Beim Altbau fehlt ein zweiter Rettungsweg, und die Standfestigkeit ist mutmaßlich angegriffen. Alle Mieter müssen Ende 2020 ausziehen. (db, 27.11.18)

Berlin, Huthmacher-Haus (Bild: Thomas Bürger)

Bremen, Brinkmann-Fabrik (Simulation: Justus Grosse GmbH)

Brinkmann Fabrik vor geschützter Zukunft

Die Brinkmann-Fabrik im Bremener Stadtteil Woltmershausen war einst die größte Tabak-Produktionsstätte Europas. Über 6000 Mitarbeiter sorgten in der 1936/37 errichteten Anlage für nachhaltigen Blauen Dunst. Im Lauf der Jahrzehnte war eine regelrechte Tabak-Stadt entanden: 1940-43 wurde für die „kriegswichtige Produktion“ erstmals erweitert. 1949 und 1961-67 enstanderen weitere Produktionsgebäude. 1999 übernahm der Konzern British American Tobacco die Anlage und produzierte dort bis 2014 Zigarillos. Seit einigen Monaten steht die Fabrikanlage nun unter Denkmalschutz. Für den derzeitigen Eigner, den Bremer Projektentwickler Justus Grosse, „ein Ritterschlag“.

Grosse hat im Mai 2018 das 15 Hektar große Gelände übernommen, und nun soll dem größten Teil der Brinkmann-Bauten neues Leben eingehaucht werden: 20 Millionen Euro will man in das Gründerzentrum „Die Fabrik“ investieren. Das Brinkmann-Areal ist dabei Teil eines 55 Hektar großen Entwicklungsgebietes, welches im Rahmen der Masterplanung Woltmershausen mittelfristig zu einem breit aufgestellten und durchmischten Zukunftsquartier entwickelt werden soll. Die Grosse-GmbH möchte dabei die alten Verwaltungs- und Fabrikationsgebäude als „elementaren Identifikationsstifter für das Gesamtquartier“ erhalten. Aus diesem Grund bleibe ein Teil des Entwicklungsgebietes langfristig im Bestand des Immobilienunternehmens. Auch Landesdenkalpfleger Georg Skalecki ist positiv gestimmt: „Da stehen wir in großem Einvernehmen mit Justus Grosse, dass ein behutsamer Umbau der richtige Weg für den Komplex ist“, sagte er dem Weser-Kurier. (db, 25.11.18)

Bremen, Brinkmann-Fabrik (Simulation: Justus Grosse GmbH)

Tatort Reifezeugnis (Bild: ARD)

Die „Tatort“-Villa fällt

Hoch im Norden, in Bosau am Plöner See, wurde bundesrepublikanische Fernsehgeschichte geschrieben: In einem Luxushaus am Seeufer spielen etliche Szenen des Tatort-Krimis „Reifezeugnis“, der im März 1977 erstmals ausgestrahlt wurde. Die brisante Geschichte über das Liebesverhältnis zwischen Lehrer und Schülerin schlug damals hohe Wellen – und machte die 16-jährige Hauptdarstellerin Nastassja Kinski zum Star. Auch Regisseur Wolfgang Petersen sollte bald Weltkarriere machen, Lehrer-Darsteller Christian Quadflieg in die erste Schauspielerriege aufsteigen. Und Klaus Schwarzkopf als stiller „Kommissar Finke“ war damals ohnehin Garant hoher Einschaltquoten. Die Nummer 73 von 1071 (Stand 15. November 2018) Tatort-Krimis zählt zu den Klassikern.

Doch jetzt wird der Drehort dem Erdboden gleichgemacht: Der 1965 vom Hamburger Architekten Herbert Hagge gestaltete Bungalow muss sechs Eigentumswohnungen weichen. Die letzten Besitzer haben ihn aus Altergründen verkauft, und wie üblich hat ein abrisswilliger Investor das meiste Geld für den unverfälschten Luxusbau locker gemacht: 242 Quadratmeter Wohnfläche, ausgelegt mit edlem Travertin, ein schwarz gefliestes Badezimmer, drei Kamine (einer drinnen, zwei draußen), im Wohnzimmer eine Deckenheizung (!) – das kann alles in den Container, wenn die spätere Rendite stimmt. Den grandiosen Bungalow können Sie fortan hin und wieder noch in der ARD-Mediathek anschauen; ein Bild der Neubauplanungen ersparen wir Ihnen … (db, 17.11.18)

Titelmotiv: Tatort: Reifezeugnis (Bild: ARD)

München-Obersendling, Wohnanlage Mollau (Bild: TU Kaiserslautern)

Johannes Ludwig: Bauen „ohne Pfiff“?

Der Münchner Architekt und Hochschullehrer Johannes Ludwig (1904–1996) ist vor allem für seine Kirchenbauten wie die Paul-Gerhardt-Kirche in München-Laim, seine Schulbauten oder die Innenraumgestaltung der Staatlichen Antikensammlung in München bekannt. Er plante und realisierte jedoch auch insgesamt mehr als 2170 Wohnungen in München, darunter die Siedlung Mollau in Sendling, Zeilenbauten und Hochhäuser in der Parkstadt Bogenhausen, Geschosswohnungen in der Maxvorstadt und Unterkünfte in Milbertshofen. Es entstanden Wohnhäuser in der Reihe, im Block, in stadterweiternden Siedlungen oder als Solitäre, die in der Summe auch heute noch das Bild der Stadt prägen. Alle „ohne falsche Ambition“ und „ohne Pfiff“, wie es Johannes Ludwig selbst ausdrückte.

Auf den ersten Blick eher harmlos und unprätentiös wirkend, zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass gerade dies eine besondere Qualität ist und wie klar, fein und sparsam sie gestaltet, wie präzise die architektonischen Entscheidungen getroffen wurden. Als Beitrag zur aktuellen Debatte um den Wohnungsbau zeigt die Bayerische Architektenkammer in Kooperation mit der TU Kaiserslautern bis zum 23. November diese unaufgeregten und unspektakulären Bauten des Alltags in einer umfangreichen Ausstellung: Aktuelle Fotos und Zeichnungen, die mit Studierenden der TU Kaiserslautern entstanden sind, dokumentieren Ludwigs Werk und werden historischen Fotos, Plänen und Referenzen gegenübergestellt. (db, 9.11.18)

München-Obersendling, Wohnanlage Mollau (Bild: TU Kaiserslautern)

Würzburg, Army-Tankstelle (Bild: lgs Würzburg)

Würzburg: Rettung für die Army-Tankstelle?

Zugegeben, es mag in Deutschland noch schnittigere 1950er-Jahre-Tankstellen geben. Diese hier allerdings bedeutet offenbar einer nicht zu kleinen Gruppe von Menschen etwas, und so wurde nun eine Petition zu ihrem Erhalt gestartet. Die Rede ist von der 1952 errichteten Zapfstation der ehemaligen Leighton-Barracks der US-Army in Würzburg. 2008 gaben die Amerikaner den Standort auf, und seither wird hier der neue Stadtteil Hubland errichtet. Bis Anfang Oktober fand zudem die Landesgartenschau auf dem 25 Hektar großen Areal statt. Mitten im grünen Treiben stand die Tankstelle als letztes übriggebliebenes Gebäude der einstigen Kasernen – farblich aufgefrischt und hübsch dekoriert als „American Diner“. Doch nach dem Ende der Gartenschau soll nun auch sie abgerissen werden.

Unter anderem die Siedlervereinigung Würzburger Sieboldshöhe und die Kunsthistorikerin Dr. Antje Hansen, Vorsitzende des Vereins der Würzburger Gästeführer, möchten nun den Verlust des Zeitzeugens verhindern. Auch eine Dokumentation zur Geschichte des Leighton-Barracks-Geländes würde der Bereinigung zugunsten einer Grünanlage zum Opfer fallen. Als Abriss-Argumente führt die Stadt Würzburg die schlechte Bausubstanz und vermeintlich kontaminierten Boden an – einer Nutzung während der Landesgartenschau stand dies freilich nicht im Weg. Mittlerweile fordert auch die Würzburger SPD-Stadtratsfraktion in einem Eilantrag den Erhalt der Tankstelle und die Suche nach einer geeigneten Nutzung. (db, 9.10.18)

Würzburg, Army-Tankstelle (Bild: lgs Würzburg)

München, Olympia-Parkhaus (Copyright Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Sigrid Neubert ist tot

Gerade erst wurde ihr die Ausstellung „Architektur und Natur“ gewidmet (aktuell im Lechner Museum Ingolstadt zu sehen), nun ist die Fotografin Sigrid Neubert am 13. Oktober im Alter von 91 Jahren gestorben. Die gebürtige Tübingerin beendete 1954 ihre Ausbildung und arbeitete zunächst in der Werbung, ehe sie sich auf die Architekturfotografie spezialisierte – im Adenauer-Deutschland noch eine männliche Domäne. Ihre kontrastreichen Bilder erreichten schnell eine ikonische Qualität, vor allem jene der Münchner Olympia-Bauten und des BMW-Hochhauses werden bis heute regelmäßig publiziert. Bis Ende der 1980er hielt Sigrid Neubert vorrangig das neue Bauen in der Bonner Republik fest, ehe sie sich der Naturfotografie zuwendete.

Die laufende Retrospektive in Ingolstadt widmet sich dem Gesamtwerk der Fotografin, zeigt auch ihre bekanntesten Arbeiten, wie die Bilder aus dem Nymphenburger Schlosspark und den megalithischen Tempeln von Malta. Doch natürlich sind auch die Architekturaufnahmen zu sehen. Sigrid Neubert selbst ermöglichte erst die Schau in dieser Form:  durch die Schenkung wesentlicher Werkkonvolute an die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen Berlin. Das zur Ausstellung erschienene Buch von Frank Seehausen über die Architekturfotografie Sigrid Neuberts sei hier noch einmal ausdrücklich empfohlen. (db, 17.10.18)

München, Olympia-Parkhaus (Copyright Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Sankt Augustin, Finanzamt (Bild: Stadt St. Augustin)

FA St. Augustin bleibt – irgendwie

Seit Jahren wurde über die Zukunft des 1973 errichteten Finanzamts St. Augustin diskutiert. Zuletzt standen die Zeichen für den sanierungsbedürftigen Bau auf Abriss. Dieser ist nun doch vom Tisch, stattdessen ist endgültig die umfassende Sanierung ins Auge gefasst. Aus diesem Grund mietet der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes für zwei Jahre ein Ersatzgebäude in Siegburg an, wie die Oberfinanzdirektion NRW mitteilte. Zu Kosten und Umfang der anstehenden Arbeiten gibt es bislang eher vage Informationen: „Die erforderlichen Planungen sind noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund können zu diesem Zeitpunkt noch keine belastbaren Kosten genannt werden“, lautete die schriftliche Antwort auf eine Anfrage der Kölnischen Rundschau.

Einzelne Abteilungen sollen während des Umbaus ausgelagert werden, andere verbleiben in Sankt Augustin. Die Arbeiten beginnen voraussichtlich im zweiten Quartal 2019, Fertigstellung soll im ersten Quartal 2021 sein. Das Ergebnis der anstehenden Sanierung freilich möchte man sich jetzt schon nicht so gerne ansehen geschweige denn vorstellen: Vorgabe der Stadt war es, die markante Beton-Balkonfassade zu entfernen. Den Wettbewerbszuschlag erhielt bereits 2014 die SSP AG (Bochum). Den – zugegebenermaßen weitgehend von der Stadt vorgegebenen – Entwurf darf man „aalglatt“ nennen … (db, 11.10.18)

Sankt Augustin, Finanzamt (Bild: Stadt St. Augustin)

"Frankfurt 70 79" (Bild: Junius Verlag)

Frankfurter Baukunst der 1970er

Größer, bunter, ikonischer: In Frankfurt am Main entstanden in den 1970ern zahlreiche bemerkenswerte Bauten. Hatten sie in den vergangenen Jahren Glück, stehen sie auch heute noch. Der Grafikdesigner und Frankfurt-Kenner Wilhelm Opatz stellt in seinem neuen Architekturführer „Frankfurt 70 79“ nun zehn Bauten jener Ära vor. Von Bekanntem wie den 1972 eröffneten Olivetti-Türmen (Egon Eiermann) bis zu unentdeckten Perlen wie dem Wohnhaus des Architekten und Kreuzschwinger-Erfinders Till Behrens reicht die Auswahl. Die Bilder des Fotografen Georg Christian Dörr offenbaren dabei meist nur einen kleinen Ausschnitt des jeweiligen Gebäudes und zeigen so oftmals grandiose Details. So etwa die fein gearbeiteten Handläufe im Treppenhaus der Deutschen Bundesbank (1972, ABB Architekten).

Begleitende Essays von Architekturkennern, Denkmalpflegern und Geisteswissenschaftlern beschreiben nicht nur die Gebäude, sondern eben auch Zeitgeist, Kultur und die politischen Umstände der farbenfrohen 1970er. Ergänzt wird das Ganze durch Archivbilder unter anderem von wie Barbara Klemm. Das in Leinen gebundene Buch ist der dritte Band von Opatz‘ Frankfurter Nachkriegs-Architekturführern: „50 59“ ist bereits vergriffen, „60 69“ noch erhältlich, „70 79“ gerade im Junius-Verlag erschienen. Und der Band „80 89“ soll in den kommenden Jahren folgen … (db, 3.10.18)

Opatz, Wilhelm (Hg.), Frankfurt 70 79, hg. im Auftrag der Freunde Frankfurts, Junius Verlag, Hamburg 2018, broschiert, 76 Farbabbildungen, ISBN 978-3-88506-814-3.

Titelmotiv: Buchvorschau, „Frankfurt 70 79“ (Bild: Junius Verlag)