Chemnitz: Wohnungen im Denkmal

Seit Frühjahr 2017 gibt es kein Bier mehr in Chemnitz-Kappel. Zumindest keines mehr der Marke Braustolz: Damals schloss die Kulmbacher-Gruppe, die Braustolz 1991 übernommen hatte, den Standort. Mittlerweile wird das traditionsreiche Bier in Plauen produziert. Dass die Brauereigebäude nicht vollends verschwinden werden, stand schon bei der Schließung fest, denn das Ensemble aus Jahrhundertwende- und 1930er-Jahre-Bauten steht zu großen Teilen unter Denkmalschutz. Nun tut sich was bei Braustolz: Die Leipziger GRK-Gruppe hat das Areal der ehemaligen Brauerei erworben. Was etwas überraschend kommt – eigentlich stand der Chemnitzer Investor Jörg Mierbach bereits in den Startlöchern, um dort ein Wohnbauprojekt zu realisieren. Noch im März 2021 begannen Abriss- und Demontagearbeiten. Jetzt hat er stattdessen an GRK verkauft, wo man die bestehenden Pläne „im Groben“ übernehmen will. Für das Unternehmen, dessen Schwerpunkt im Bereich der denkmalgerechten Sanierung liegt, ist es neben dem Kulturpalast das zweite Großprojekt in Chemnitz. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart …

Künftig gibt es in Kappel statt Bier eine Gemischtnutzung: Vorgesehen sind auf dem 23.000 Quadratmeter großen, zentrumsnah gelegenen Gründstück 120 Eigentums- und Mietwohnungen der gehobenen Klasse, dazu einzelne Gewerbeflächen. Das Sudhaus samt der erhaltenen Braukessel soll als Veranstaltungsort umgestaltet werden, auch Mälzerei und Abfüllanlage bekommen eine neue Nutzung. GRK-Immobilien-Geschäftsführer Peter Wolf sagte in einer Pressemitteilung, mit dem Ankauf sei man in Chemnitz noch besser aufgestellt und wolle das Engagement in der Kulturhauptstadt Europas 2025 weiter ausbauen. Bis 2025 soll auch das Gesamtprojekt fertiggestellt sein. Na denn Prost! (db, 24.7.21)

Chemnitz, Braustolz (Bild: Miebner, CC BY-SA 3.0)

Rotterdam zu Fuß

Als erster Eindruck, den man bei einem Besuch in Rotterdam gewinnt, bleiben die vielen Hochhäuser, die der Stadt den Ruf als „Manhattan an der Maas“ eingebracht haben (Frankfurter*innen dürfte Ähnliches bekannt vorkommen). Die Rotterdamer selbst bezeichnen sie als Hauptstadt der Architektur. Doch gibt es in der zweitgrößten Stadt Hollands mehr zu entdecken als glänzende Prestige-Projekte, wie der englischsprachige Architectural Guide Rotterdam beweist, der nun in der Städtereihe von DOM Publishers erschienen ist. Anneke Bokern präsentiert in diesem Band mehr als 150 ausgewählte Bauten, von den wenigen Resten des Goldenen Zeitalters im 17. Jahrhundert über die Klassische Moderne bis hin zu zeitgenössischen Bauten. Sie stellt Berühmtheiten vor, aber auch weniger bekannte Projekte, wie zum Beispiel Kleinstbauten in Baulücken oder Bottom-up-Initiativen. Sechs Touren führen durch verschiedene Stadtregionen – ideal, um die Stadtzu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden.

Zusätzlich zu einer Einführung in die Geschichte der Stadtentwicklung enthält der Architekturführer ein Kapitel über das folgenschwerste Ereignis in der Stadtgeschichte: die Bombardierung Rotterdams im Zweiten Weltkrieg und die vollständige Zerstörung des Stadtzentrums. Dieses wurde wieder aufgebaut und musste sich neu erfinden. Heute bietet die Stadt mit dem größten Hafen Europas auch die höchste Dichte an architektonischen Experimenten in den Niederlanden. Kein Wunder, dass Rotterdam nach wie vor eine florierende Architekturszene hat, zu der auch namhafte Büros wie OMA und MVRDV gehören. Ein Interview mit dem renommierten Rotterdamer Architekten Kees Christiaanse vermittelt zudem die Sicht eines Insiders auf die aktuellen Entwicklungen. Solange Reisen möglich ist: Fahrn´se hin! (db, 22.7.21)

Rotterdam, Kubushäuser (Bild: Wolfgang Weber, CC BY 3.0)

Welterbe Olympiapark?

Das Vorhaben der Stadt München, den 1972 fertiggestellten Olympiapark in die UNESCO-Welterbeliste eintragen zu lassen, wird konkreter. Im laufenden Verfahren ist ein Zwischenerfolg erzielt worden: Der Antrag, das von Behnisch und Partner entwickelte Areal mit den sagenhaften Dachlandschaften von Frei Otto in die bayerische Vorschlagsliste aufzunehmen, wurde vom Expertenrat des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst positiv beurteilt. Man kam zum Ergebnis, dass die Olympia-Bauten unter allen eingegangenen Einsendungen des bayernweiten Interessenbekundungsverfahrens „mit Abstand die größten Chancen“ zur Eintragung in die Welterbeliste hätten. Der Rat empfiehlt den Olympiapark „nachdrücklich“. Bereits 2018 hatte der Stadtrat der Aufnahme des formalen Antragsverfahrens zugestimmt und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung unter der Leitung von Wiepke van Aaken mit der Vorbereitung beauftragt. Münchens OB Dieter Reiter (SPD) begrüßt das jetzige Ergebnis: „Die Anerkennung der internationalen Strahlkraft des Olympiaparks ist für die Stadt von besonderer Bedeutung und eine Bestätigung gerade auch des jüngeren kulturellen Erbes des Freistaats. Durch die enge Verbindung von Park und Architektur ist ein Ort der Offenheit, der Teilhabe und des menschlichen Maßstabs entstanden. (…) Das 50-jährige Jubiläum der Olympischen Spiele von 1972 im nächsten Jahr ist ein schöner Anlass, die Bedeutung des Olympiaparks mit einer breiten Beteiligung an Akteuren umfassend zu würdigen.“

Um die Welterbebegründung fachlich abzusichern, hat schon 2019 die internationale Tagung „Das moderne Erbe der Olympischen Spiele. Historische Sportstätten zwischen Konservierung und Konversion“ in Kooperation mit dem Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Verein „Aktion Welterbe Olympiapark“ stattgefunden. Die Dokumentation dieser Tagung ist nun fertig und kann unter https://www.icomos.de/icomos/pdf/icomos_olympia_2021.pdf abgerufen werden. Weitere Informationen über den Fortlauf der Bewerbung finden sich unter https://t1p.de/Welterbe-Olympiapark. (db, 22.7.21)

München, Olympiagelände (Bild: Mprinke, CC BY-SA 3.0)