60 Jahre “Wunder von Bern”

Ignorieren wir – nur für ein paar Zeilen – den aktuellen Anlass. Denn, was ist schon Brasilien gegen Bern. Gegen das “Wunder von Bern”, das in diesem Jahr genau 60 Jahre zurückliegt. Der fußballerische Sieg hat es bis zum Film und Musical gebracht: ein hart erkämpftes 3:2 gegen Ungarn, das den Optimismus der deutschen Nachkriegszeit entzündete. Der architektonische Ort des Spiels hingegen ist heute – fast – verloren.

Die Stadt Bern schnürt eigene Tourismus-Pauschalen zum großen Anlass – mit der echt authentischen Begegnung mit Zeitzeugen. Im Hotel Belvédère von Spiez wurde eine kleine Ausstellung zum Jubiläum eröffnet. Nur das “historische” Wankdorf-Stadion mit seinem markanten Uhrenturm wurde 2001 niedergelegt. Die neue Sportstätte, das Stade de Suisse, bewirbt den neuen alten Ort nun als glamourösen Veranstaltungsraum – als den authentischen Ort des “Wunders von Bern”. (kb, 30.6.14)

Nur die Spieluhr des Wankdorf-Stadions überlebte (Bild: Sandstein)

Denkmalschutz für das ICC Berlin?

Die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger fordert Denkmalschutz für das Berliner ICC. Auf der Jahrestagung Anfang Juni verabschiedeten die Fachleute eine Resolution zum High-Tech-Bau von 1979. “Sowohl die hohe baukünstlerische Qualität als auch der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand, welcher Architektur und Ausstattung gleichermaßen einschließt, als auch der hohe Zeugniswert dieses Architekturerbes aus den Zeiten des Kalten Krieges sind überzeugende Argumente welche für die Erhaltung des Bauwerks sprechen”, lautet eine zentrale Aussage.

Auch in der Politik erkennt man den Stellenwert des ICC: Mittlerweile beabsichtigt auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf mit den Stimmen von SPD, CDU, Grünen und den Piraten beim Landesdenkmalamt die Unterschutzstellung zu beantragen. Die Zukunft des seit April diesen Jahres geschlossenen Kongresszentrums ist noch unklar. Das Interieur droht gerade in alle Winde zerstreut zu werden: Die Messegesellschaft lässt das ICC derzeit ausräumen und Teile der Einrichtung im neuen “City Cube” unterbringen. Die Architektin Ursula Schüler-Witte, die gemeinsam mit ihrem 2011 verstorbenen Mann Ralf Schüler das ICC plante, spricht gegenüber der Presse von “Plünderung”. (db, 22.6.14)

Bald in alle Winde zerstreut? Das Interieur des Kongresszentrums ICC Berlin (Bild: Indeedous)

Scharoun-Schau in den USA

Eine Ausstellung im amerikanischen Massachusetts Institute of Technology Cambridge gibt noch bis zum 15. August 2014 Einblick in das baukünstlerische und zeichnerische Schaffen von Hans Scharoun. Sein Nachlass wird im Baukunstarchiv der Akademie der Künste (AdK) in Berlin bewahrt, deren Präsident der Architekt und Städtebauer von 1955 bis 1968 war. Die AdK und das Goethe-Institut Boston ermöglichten auch die Schau in Übersee.

Neben einem – 1927 in der Weißenhofsiedlung errichteten – Stuttgarter Einfamilienhaus werden auch Plänen, Skizzen und Fotos seiner späteren Großprojekte in Berlin, Stuttgart, Breslau, Marl, Kassel sowie der Berliner Philharmonie und Staatsbibliothek präsentiert. Die Ausstellung ergänzen Faksimiles einiger expressionistischer Aquarelle von Scharoun. Heute gilt der 1972 verstorbene Architekt – insbesondere durch sein populäres Spätwerk seit Ende der 1950er Jahre – als einer der Wegbereiter des “organischen Bauens”. (db, 20.6.14)

Hans Scharoun: Wohnhaus am Hohenzollerndamm in Berlin-Wilmersdorf, 1929-30 (Bild: D. Antony)