Ein typisches Architekten-Auto …

Ein typisches Architekten-Auto …

Werbefoto NSU Ro 80 ca. 1969 (Bild: Audi NSU Auto Union AG)
Mein Haus, mein Auto, meine Frau … (Bild: Audi NSU Auto Union AG vor der Rückseite der Berliner Akademie der Künste)

Es gibt ja Automobile, die vor allem die gutverdienende, technikverliebte Kreativ-Klientel ansprechen. Solche wie der 1967 präsentierte NSU Ro80. Wie einst die Citroën DS schien der Gleiter aus Neckarsulm vom Himmel gefallen – etwas Ähnliches gab es in Deutschland noch nie. Der Ro hatte nicht nur eine aerodynamisch geschwungene Karosserie, die das Meisterwerk ihres Designers Claus Luthe bleiben sollte. Die Revolution fand unter der Motorhaube statt: Hier arbeitete ein 115 PS starker Wankelmotor. Dieses Kreiskolben-Triebwerk hatte der Tüftler Felix Wankel ersonnen und gemeinsam mit NSU zur Serienreife entwickelt. Die Begeisterung war groß, der Ro 80 wurde „Auto des Jahres 1968“.

Ein Erfolg wurde der bis 1977 gebaute Viertürer aber nie – er brauchte viel Sprit und Öl und neigte anfangs zu Motorschäden. Das Klischee besagt, dass er ein reiner FDP-Wähler-, Ingenieurs- oder Architektenwagen gewesen sei. moderneREGIONAL lehnt solche Klischees natürlich strikt ab – verweist aber gerne auf einen Anfang September 2016 in einer Kleinanzeige angebotenen Ro80 Baujahr 1970. Für 4.000 Euro gab es dort ein etwas rostiges Gefährt, seit Jahren abgemeldet aber zumindest noch fahrbereit. Der Wagen war schnell verkauft. Vielleicht hat der in den Papieren stehende Erstbesitzer den Reiz erhöht: Es war Egon Eiermann … (db, 11.9.16)

Soest: Wettbewerb für Merkur-Gelände

Soest: Wettbewerb für Merkur-Gelände

Soest, Merkur-Fabrik (Bild: Youtube)
Seit rund 20 Jahren liegt die denkmalgeschützte Glühlampenfabrik brach. (Bild: Youtube)

Einst war die Glühlampenfabrik Merkur das hellste Licht der Stadt Soest. In den 1950ern gehörte das Unternehmen zu den größten Leuchtmittelproduzenten der Bundesrepublik. Heute ist vom Glanz wenig übrig: Nach wechselvollen Jahren wurde Merkur 1983 verkauft, der Stammsitz in Soest bis 2003 geräumt. Zwischenzeitlich in Berlin ansässig, ist die neu gegründete Merkur-GmbH heute als reine Vertriebsgesellschaft in Hamm ansässig.

Die denkmalgeschützten Fabrikanlagen in Soest, zwischen 1903 und 1955 erbaut, liegen derweil teilweise seit über 20 Jahren brach. Pläne zur Neunutzung, teils auch den Abriss der Gebäude vorsehend, haben sich immer wieder zerschlagen. Doch jetzt könnte Bewegung in die Sache kommen. Das Ortskuratorium Soest der Deutschen Stiftung Denkmalschutz lobt einen Studentenwettbewerb aus, in dem nach Ideen zur Wiederbelebung des Areals gesucht wird. Dieser schließt auch die Neubebauung angrenzender Bereiche ein. Das Merkur-Hauptgebäude, bestehend aus einer 1908 errichteten Fertigungshalle und einem Erweiterungsbau von 1935, soll „unter sensibler Beachtung des Denkmalschutzes“ (O-Ton Auslobung) einer zumindest halböffentlichen Nutzung zugeführt werden. Der Anmeldeschluss für den Wettbewerb ist am 30. September 2016, die Arbeiten müssen bis zum 31. Januar 2017 eingereicht werden. (db, 8.9.16)

Fotos von Karl Hugo Schmölz

Fotos von Karl Hugo Schmölz

Bielefeld, Siemeshaus (Bild: Archiv Karl Hugo Schmölz)
Bielefeld, Siemeshaus (Bild: Archiv Karl Hugo Schmölz)

Die Bilder des Architekturfotografen Karl Hugo Schmölz (1917-86) zählen immer noch zu den meistreproduzierten zeitgenössischen Abbildungen von Nachkriegsarchitektur. Nach dem zweiten Weltkrieg hielt er zunächst das zerstörte Köln mit seiner Plattenkamera fest. In den Folgejahren begann sich Deutschland – auch architektonisch – eine neue Identität zuzulegen und Schmölz lieferte dazu die passende Bildästhetik: mit Treppenhäusern, die sich in Lichtsäulen verwandeln, mit dem Blick durch die Glasfassaden der neuen Geschäftshäuser und Schaufenster, mit Schlichtheit, Klarheit und formschönen Details. Zu seinem festen Kundenstamm gehörten mit Gottfried Böhm, Rudolf Schwarz und Wilhelm Riphahn die stilbildenden Architekten der Epoche.

Kurioserweise sind seine Fotos noch heute berühmt, während die Person Karl Hugo Schmölz beinahe in Vergessenheit geriet. Erst in den letzten Jahren kehrt er allmählich zurück in die Wahrnehmung. Im Kölner Verlag „Artbookers“ ist nun unter dem Titel „Karl Hugo Schmölz – Architekturfotografie der Nachkriegszeit“ ein digitaler Bildband mit rund 100 Fotografien erschienen, der, um einen Essay des Herausgebers Thomas Linden ergänzt, die Aufnahmen von Schmölz nun auch auf den Bildschirm bringt. Zusätzlich bieten Artbookers ausgewählte Motive als Fine Art Prints an – vom reinen Druck bis hin zur Kaschierung auf Alu Dibond oder hinter einer hochwertigen Acrylkaschierung. „Karl Hugo Schmölz – Architekturfotografie der Nachkriegszeit“, Artbookers, herausgeben von Thomas Linden. (db, 25.8.16)