Alle Beiträge von Johannes Medebach

Hamburg, Gänsemarktpassage (Bild: hh oldman, CC BY SA 3.0, 2013)

Vom Ende der Gänsemarktpassage

Auch im neuen Jahr erreichen uns keine frohen Botschaften aus der Elbstadt. Die 1979 (Büro Graaf, Schweger und Partner) eröffnete und 2001 sanierte Gänsemarktpassage in der zentralen Innenstadt wurde vom Österreicher René Benko erworben. Dieser plant an deren Stelle ein Geschäftshaus mit Wohnungen und Büros. Eine Renovierung wird ausgeschlossen. Grund dafür seien kommende Investitionen in die charakteristische tannengrüne Fassade sowie die veraltete Haustechnik. Ein Neubau in dieser Traumlage scheint da attraktiver als eine erneute Renovierung.

Der Bau entstand in einer Zeit als glasüberdachte Passagen die Rettung für deutsche Innenstädte verhießen. Allein in Hamburg entstanden in den 1970er Jahren, neben der Gänsemarktpassage, fünf weitere Einkaufs- und Flaniertempel. Rund 40 Jahre später, vereint viele vor allem eines: gähnender Leerstand. Zuletzt wurde auch die einst sehr beliebte Passage ihrem Namen ironischerweise gerecht: Für eine Abkürzung gut zu haben, gekauft wird allerdings woanders. Da kein Denkmalschutz vorhanden ist, dürfte der Bau sehr bald dasselbe Schicksal erleiden, wie dieses Jahr sein Nachbar, das Deutschlandhaus. Aber dies ist eine andere traurige Geschichte. (jm, 22.1.19)

Hamburg, Gänsemarktpassage (Bild: hh oldman, CC BY SA 3.0, 2013)

München, Neuperlach, Bernt Lauter (1965-80) (Foto: Kurt Otto, © Hamburgisches Architekturarchiv)

Die große Utopie der „Neuen Heimat“

Mit der „Neuen Heimat“ verbindet man zwei nicht allzu schmeichelhafte Superlative: Die spektakuläre Pleite des gewerkschaftlichen Unternehmens in den 1980er Jahren und großspurig angelegte Trabantenstädten. Doch die „Neue Heimat“ war mehr als ein gescheiterter Branchendinosaurier. In der Wirtschaftswunder- und Wiederaufbaueuphorie verbanden sich mit dem Unternehmen vor allem Hoffnungen auf einen besseren Lebensstandard. „Wohnen für alle“ galt als das Schlagwort der Stunde. So entstanden bis unter dem Dach der „Neuen Heimat“ über 400.000 Wohnungen, aber auch spektakuläre Großprojekte wie das Berliner ICC.

Was von dem sozialdemokratischen Anspruch dieses Projekts blieb, zeigt das A. M. Architekturmuseum der TU München in der Schau: „Die ‚Neue Heimat‘ (1950-1986)“. In Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen Architekturarchiv und dem Museum für Hamburgische Geschichte entstand zum ersten mal eine Ausstellung, die über 30 Jahre nach dem Verschwinden der „Neuen Heimat“ ein Fazit zieht. Gerade in Anbetracht der aktuellen Wohnungskrise kommen längst überholt geglaubte Konzepte wieder in den Diskurs. Anhand von ausgewählten Beispielen, vertreten durch Planmaterial, Originalaufnahmen und Modelle, findet eine kritische Neubewertung statt. Zu sehen ist die von Hilde Strobl kuratierte Ausstellung vom 27. Februar (Eröffnung 19 Uhr) bis zum 19.Mai 2019 in München. (jm, 13.1.19)

München, Neuperlach, Bernt Lauter (1965-80) (Foto: Kurt Otto, © Hamburgisches Architekturarchiv)