Licht aus! Sprengung des Kraftwerk Knepper

Das Ende der Steinkohle-Ära im Ruhrgebiet hätte nicht symbolträchtiger bekräftigt werden können: Mit drei großen Knallen wurde dem Altkraftwerk Gustav Knepper in Dortmund-Mengede am vergangenen Sonntag ein Ende gemacht. Durch kontrollierte Sprengungen fielen zunächst das Kesselhaus, dann der mächtige Kühlturm (einst der weltgrößte) und schließlich der über 200 Meter hohe Schornstein in sich zusammen. Zwar hatte man sich schon an fallende Schlote an der Ruhr gewöhnt, doch der Abriss einer Gesamtanlage diesen Ausmaßes ist ein Novum.

Bei den Anwohnern, die das Event auf einer eigenen Tribüne verfolgen konnten, mischte sich Wehmut unter die Erleichterung über den geglückten Abriss. Immerhin waren die hohen Industriebauten mehr als nur eine optische Landmarke. Sie versprachen für Jahrzehnte Arbeit und gesicherte Verhältnisse. Stück für Stück werden solche Zeugen der Industrie, die einst eine ganze Region zusammenschweißte, von der Landkarte getilgt – darunter nun auch das Kraftwerk Gustav Knepper, einst nach einem Bergwerksdirektor benannt und von 1951 bis 1971 nach Plänen des Architekten Fritz Schupp (Zeche Zollverein) errichtet. (jm, 24.2.19)

Dortmund, Sprengung des Kraftwerks Gustav Knepper, 2019 (Bild: Linuxuser1, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2019)

Vom Ende der Gänsemarktpassage

Auch im neuen Jahr erreichen uns keine frohen Botschaften aus der Elbstadt. Die 1979 (Büro Graaf, Schweger und Partner) eröffnete und 2001 sanierte Gänsemarktpassage in der zentralen Innenstadt wurde vom Österreicher René Benko erworben. Dieser plant an deren Stelle ein Geschäftshaus mit Wohnungen und Büros. Eine Renovierung wird ausgeschlossen. Grund dafür seien kommende Investitionen in die charakteristische tannengrüne Fassade sowie die veraltete Haustechnik. Ein Neubau in dieser Traumlage scheint da attraktiver als eine erneute Renovierung.

Der Bau entstand in einer Zeit als glasüberdachte Passagen die Rettung für deutsche Innenstädte verhießen. Allein in Hamburg entstanden in den 1970er Jahren, neben der Gänsemarktpassage, fünf weitere Einkaufs- und Flaniertempel. Rund 40 Jahre später, vereint viele vor allem eines: gähnender Leerstand. Zuletzt wurde auch die einst sehr beliebte Passage ihrem Namen ironischerweise gerecht: Für eine Abkürzung gut zu haben, gekauft wird allerdings woanders. Da kein Denkmalschutz vorhanden ist, dürfte der Bau sehr bald dasselbe Schicksal erleiden, wie dieses Jahr sein Nachbar, das Deutschlandhaus. Aber dies ist eine andere traurige Geschichte. (jm, 22.1.19)

Hamburg, Gänsemarktpassage (Bild: hh oldman, CC BY SA 3.0, 2013)

Die große Utopie der „Neuen Heimat“

Mit der „Neuen Heimat“ verbindet man zwei nicht allzu schmeichelhafte Superlative: Die spektakuläre Pleite des gewerkschaftlichen Unternehmens in den 1980er Jahren und großspurig angelegte Trabantenstädten. Doch die „Neue Heimat“ war mehr als ein gescheiterter Branchendinosaurier. In der Wirtschaftswunder- und Wiederaufbaueuphorie verbanden sich mit dem Unternehmen vor allem Hoffnungen auf einen besseren Lebensstandard. „Wohnen für alle“ galt als das Schlagwort der Stunde. So entstanden bis unter dem Dach der „Neuen Heimat“ über 400.000 Wohnungen, aber auch spektakuläre Großprojekte wie das Berliner ICC.

Was von dem sozialdemokratischen Anspruch dieses Projekts blieb, zeigt das A. M. Architekturmuseum der TU München in der Schau: „Die ‚Neue Heimat‘ (1950-1986)“. In Zusammenarbeit mit dem Hamburgischen Architekturarchiv und dem Museum für Hamburgische Geschichte entstand zum ersten mal eine Ausstellung, die über 30 Jahre nach dem Verschwinden der „Neuen Heimat“ ein Fazit zieht. Gerade in Anbetracht der aktuellen Wohnungskrise kommen längst überholt geglaubte Konzepte wieder in den Diskurs. Anhand von ausgewählten Beispielen, vertreten durch Planmaterial, Originalaufnahmen und Modelle, findet eine kritische Neubewertung statt. Zu sehen ist die von Hilde Strobl kuratierte Ausstellung vom 27. Februar (Eröffnung 19 Uhr) bis zum 19.Mai 2019 in München. (jm, 13.1.19)

München, Neuperlach, Bernt Lauter (1965-80) (Foto: Kurt Otto, © Hamburgisches Architekturarchiv)