Alle Beiträge von Karin Berkemann

Celle, MTV-Halle (Bild: historische Abbildung)

Celle: 100-jährige Halle soll abgerissen werden

1913 wurde sie eingeweiht, 2013 noch stolz das 100-jährige Jubiläum gefeiert – doch 2019 steht es schlecht um die MTV-Halle in Celle. Vor Kurzem hat die Stadtverwaltung den Vorschlag lanciert, den Bau Anfang 2020 abzureißen. Dem stellen sich Dietrich Klatt, Dr. Elke Haas und Dr. Lothar Haas in einem Offenen Brief an die Ratsmitglieder entgegen. Aus ihrer Sicht ist „die Halle als Baudenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz gegen einen Abriss geschützt, obwohl es bislang nicht in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen ist“ – so fasst es die „Celler Presse“ zusammen.

Als Argument wird im Offenen Brief auch die historische Bedeutung angeführt, immerhin war der MTV als „einer der ältesten Turnvereine Deutschlands (…) von jeher ein wichtiger Teil der liberal und national gesinnten Turnbewegung“. Daneben wird die für ihre Zeit außergewöhnlich innovative Bauweise hervorgehoben: die Hetzer-Bögen, eine elegante Leimbinder-Konstruktion. Otto Hetzer hatte sein Patent 1910 auf der Weltausstellung in Brüssel vorgestellt – mit einer Halle, die er mit keinem Gerigeren als dem Architekten Peter Behrens entworfen hatte. Die MTV-Halle von Celle bilde eine Anlehnung an diesen Brüsseler Prototyp. Damit sei der Bau allein schon aus wissenschaftlichen Gründen schützenswert und kein Fall für den Abrissbagger. Der zuständige Bauausschuss tagt am Donnerstag – wir drücken beide Daumen! (kb, 13.2.19)

Celle, MTV-Halle (Bild: historische Abbildung)

Thomas Schütte, Pavillon (Bild: Luise Heuter)

Krefeld: Ein Pavillon fürs Bauhaus

Anfang Februar besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner den „Krefelder Pavillon“, eine Gebäudeskulptur zu Ehren der besonderen Beziehung der Stadt zum Bauhaus: An kaum einem anderen deutschen Ort waren zwischen den 1920er und 1960er Jahren so viele Bauhaus-Meister und -Absolventen gleichzeitig tätig. Die hier ansässige Seidenindustrie und ihre führenden Fabrikanten förderten ein besonderes Interesse an Kunst, Design und Lehre des Bauhaus. Unter den überregional bekanntesten Bauten sind vor allem zu nennen: die von Mies van der Rohe für Krefelder Auftraggeber entworfenen Villen Haus Lange und Haus Esters sowie sein einziger Industriebau, den er für die Verseidag schuf.

Das Projekt MIK (Mies van der Rohe in Krefeld) e. V. widmet sich in diesem Forschungs- und Ausstellungsvorhaben den vielfältigen Verbindungen der Krefelder Seidenindustrie zum Bauhaus und seinen Künstlern. Das MIK-Projekt „map2019 – Bauhaus-Netzwerk Krefeld“ wurde von Nordrhein-Westfalen als „Leuchtturmprojekt“ des Landes in den Bauhaus-Verbund zum Jubiläumsjahr eingebracht. Für diese Projekt schuf der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte mit seinem „Krefeld Pavillon“ einen besonderen Ausstellungsort. Und das große Plus: Schüttes „Krefeld Pavillon“ finden Sie ganz in der Nähe der Museen Haus Lange und Haus Esters, nur einen fünfminütigen Fußweg davon entfernt. (kb, 12.2.19)

Thomas Schütte, Modell für den „Krefelder Pavillon“ (Bild: Luise Heuten)

Berlin, Reichsadler am Hauptportal des Finanzamts Charlottenburg (Bild: Christian Mentel, CC BY SA 3.0, 2012)

Ab sofort wird (zu)rückgebaut

Unter Denkmalpflegern kursiert eine Anekdote, die zu glaubwürdig ist, um vollständig wahr zu sein: Nach dem Krieg trat ein Koservator seinen Posten in einem Landkreis an, über den er zuvor promoviert hatte. Alle Bauernhäuser, so seine These, hätten hier schiefververkleidete Wände und grüne Fensterläden. Als besagter Denkmapfleger nach 30 Jahren in den Ruhestand ging, hatten tatsächlich alle Bauhernhäuser in seinem Bezirk schieferverkleidete Wände und grüne Fensterläden. Kurz: Wir bauen uns die Welt (um), wie sie uns gefällt. So weit, so menschlich. Schwieriger wird die Sache, wenn die Politik ins Spiel kommt, wenn es um das kulturelle Erbe der 1920er und 1930er Jahre geht. Da stilisieren wir (unter äußerst großzügiger Anwendung des Labels) Bauhaus-Bauten zu Denkmalen der Demokratie und sanieren sie in ihren unbelasteten Urzustand zurück. Zur gleichen Zeit werden Zeugnisse der NS-Zeit wiederendeckt und weggesäubert.

In Zeiten der Sternchen-Sprache und Unisex-Toiletten macht die neu erwachte Aufmerksamkeit auch vor der gebauten Umwelt nicht halt. Da soll ein Mainzer Dachdecker seinen Familiennamen „Neger“ und das – zugegebenermaßen recht plakative – jahrzehntealte Firmenlogo aufgeben. Da werden vermeintliche Machismo-Gedichte von Hauswänden und Aktdarstellungen aus Museen entfernt. In diesem Geist soll auch die hakenkreuzhaltige Kapellendecke im Essener Huyssenstift weiß beigestrichen werden. Zuletzt forderte die Jüdische Landesgemeinde in Thüringen, sechs „Naziglocken“ zu bereinigen – was andernorts „besorgte Bürger“ schon bei Nacht und Nebel bersorgten. Da bleibt nicht viel Zeit für vielschichtige historische Details: Dass NS-Symbole in Kirchen zumeist bereits von den Nazis selbst beseitigt wurden (über das Hakenkreuz sollte alleine der Staat verfügen). Dass gerade von den Amerikanern weitergenutzte Räume oft ihre NS-Symbole aus ganz pragmatischen Überlegungen heraus behielten (und anschließend von der Denkmalpflege als historische Zeitspuren geschützt wurden). Was die versicherungsrechtlichen Gründe der 1990er und der Brandschutz der 2000er Jahre übrig ließen, erledigt nun die Political Correctness: Wir gehen lieber auf Nummer sicher.

Mit aktuellen Nazi-Schmierereien setzt sich seit 2015 die Initiative #paintback auseinander: Hakenkreuz-Graffitis verschwinden unter Hasen-, Wurst- und Kohlrabi-Bildchen. Gut deutsch werden vorher die betroffenen Hauseigentümer und bei Bedarf auch der Denkmalschutz um Erlaubnis angefragt. In Berlin müht man sich seit Jahren um eine angemessene, gedenkend-museale Nutzung der von NS-Sympbolen geprägten Martin-Luther-Gedächtniskirche. In der bayerischen Landeshauptstadt zeigt und erläutert die Stadtführung „Hitlers München“ Orte der NS-Geschichte, darunter etwa Hakenkreuze in den Baudetails des Staatsministeriums. Dies sind nur einige von vielen überlebensnotwendigen Initiativen, um historische Zeugnisse der NS-Zeit weder totzuschweigen, noch wegzusäubern, sondern einzuordnen und zu kontern. Denn solange eine einzelne Punkband einen Bauhaus-Raum zu entweihen droht, solange das Geld für Rekonstruktionen lockerer sitzt als für den Unterhalt kultureller Räume, solange wird ein Eimer „Alpina Weiß“ gegen die neue braune Welle nicht ankommen. (11.2.19)

Karin Berkemann

Berlin, Reichsadler am Hauptportal des Finanzamts Charlottenburg (Bild: Christian Mentel, CC BY SA 3.0, 2012)

Frankfurt, U-Bahnhof "Westend" (Bild: Gregor Zoyzoyla)

Sendeschluss im Untergrund

Wer in den 1990ern einmal schlaflos vor dem Fernseher lag, der kennt sie: die Führerstandsmitfahrten aus aller Welt, die einen unterhielten und langsam zur Ruhe brachten. Begleitend zur Internationalen Koferenz „Underground Revisited“ mit gleichnamiger Ausstellung in der Berlinischen Galerie lässt moderneREGIONAL diese Tradition virtuell wieder aufleben. In den Tagungsnächten, vom 20. bis 23. Februar 2019 jeweils zwischen Mitternacht und Frühstück, können Sie auf moderneREGIONAL eine U-Bahn begleiten durch ihre Reise durch den postmodernen Teil des Frankfurter Untergrunds. Jeden Abend wird ein anderer Film gezeigt, die Aktion ist kostenfrei abrufbar unter: www.moderne-regional.de.

Veranstalter der Tagung „Underground Architecture Revisited“ sind das Landesdenkmalamt Berlin, Icomos Deutschland, die Berlinische Galerie und die Initiative Kerberos. Die Konferenz wird organisiert in Medienpartnerschaft mit moderneREGIONAL.de und in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Baukultur, den Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), dem Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin, der Architektenkammer Berlin, der Baukammer Berlin sowie „urbanophil – Netzwerk für urbane Kultur e. V.“. (kb, 11.2.19)

Frankfurt am Main, U-Bahnhof „Westend“ (Bild: Gregor Zoyzoyla)

Wulfertshausen, St. Radegundis (Bild: Hubi1802, via mapio.com)

Ein junges Denkmal für Wulfertshausen

Im bayerischen Friedberg wurde gerade ein kaum 39-jähriges Bauwerk zum Kulturdenkmal erhoben: die Kirche St. Radegundis. Das katholische Kirchenzentrum wurde 1980 nach den Entwürfen des Architekten Josef Wiedemann (1910-2001) fertiggestellt. Wiedemann hatte in München u. a. bei Hans Dölgast studiert und sich dem Stil der Stuttgarter Schule angenähert. In der Zeit des Nationalsozialismus wirkte er u. a. an den Bauprojekten am Obersazlberg mit. Nach 1945 orientierte er sich neu: Neben prominenten profanen Projekten wie der Münchener Allianz-Generaldirektion (1954) profilierte er sich vor allem im kathlischen Kirchenbau – mit Bauten wie der Kirche Zu den Heiligen Engeln in Landsberg (1967) oder der Todesangst-Christi-Kapelle auf der KZ-Gedenkstätte Dachau (1961).

In Wulfertshausen verband Wiedemann die Klarheit skandinavischer Vorbilder mit dem nachkonziliaren Gemeinschaftsgedanken zu einem neuen, modernen Ortsmittelpunkt. Die Denkmalausweisug des Landes für St. Radegundins wurde von der Kommune in einem Punkt ergänzt: Die ehemalige Messnerwohnung sei bereits vor der Unterschutzstellung zur Kinderkrippe umgebaut worden – man gehe davon aus, dass ähnliche Maßnahmen weiter möglich seien. Bei jüngeren Denkmale, so der Baureferent Carlo Haupt gegenüber der Presse, gehe es ja „mehr um die Optik, weniger um das Material“. Es klingt, als hätte man noch Pläne für das frischgebackene Kulturdenkmal … (kb, 9.2.19)

Friedberg-Wulfertshausen, St. Radegundis (Bild: Hubi1802, via mapio.com)

Zürich, Gartenstadt Friesenberg (Bild: Michael L. Rieser, gemeinfrei, 2014)

Zürich: Gartenstadt gerettet

Es ist selten genug und daher umso mehr ein Grund zur Freude: In Zürich stellte das Gericht klar, dass – im Fall der Gartenstadt Friesenberg – Denkmalschutz vor Einzelinteresse geht. Ganz konkret kämpfte der Schweizer Heimatschutz seit 2017 (auch juristisch) gegen die Preisgabe der 1920er-Jahre-Siedlung. Ende 2016 hatte der Stadtrat von Zürich beschlossen, die Gartenstadt inkl. des ehemaligen Genossenschaftshauses nicht unter Denkmalschutz zu stellen und aus dem Inventar zu entlassen.

Die Begründung des Heimatschutzes für den Protest: „Es handelt sich um das schweizweit beeindruckendste Zeugnis der ‚Gartenstadt‘-Bewegung.“ Die meisten der Häuser entstanden in den 1920er Jahren. Hervorzuheben sind vor allem die Bauten der ersten beiden Etappen, die nach Plänen des Architekten Fritz Reiber erstellt wurden. Doch gerade ihre Besonderheit, die sozial, gesundheitlich und ästhetisch begründeten Grünflächen der Gartenstadt, sollten der Siedlung (fast) zum Verhängnis werden. Die einstige Bauherrin und heutige Eigentümerin, die Familienheim-Genossenschaft, wollte abreißen und verdichtet neu bauen. Dem schob das Verwaltungsgericht nun einen Riegel vor: Der Stadtrat muss die Häuser der ersten beiden Bauetappen unter Denkmalschutz stellen, ein Abriss ist damit vorerst abgewendet. Noch ist unklar, ob Zürich gegen das Urteil, das zum Präzenenzfall werden könnte, Einspruch erheben will. (kb, 7.2.19)

Zürich, Gartenstadt Friesenberg (Bild: Michael L. Rieser, gemeinfrei, 2014)

Bon, U-Bahnstation Heussallee (Bild: Initiative Kerberos, 2017)

Rettung für die Bahn des Bundes?

Während die Modernisten noch die Tage bis zur großen U-Bahn-Tagung-Ausstellung in Berlin zählen, denkt die Initiative Kerberos schon weiter: an die U-Bahn in Bonn. In einem Offenen Brief (voller Wortlaut hier) wenden sich die U-Bahnretter an den Oberbürgermeister und weitere Verantwortungsträger von Stadt, Land und ÖPNV mit dem Appell „Rettung für die Bahn des Bundes“. Sie wünschen sich „mehr Wertschätzung im Umgang mit den ältesten U-Bahnstationen Bonns“ – ganz konkret „eine zügige Eintragung der Bahnhöfe“ (im „Bonner Tunnel“ von Hauptbahnhof bis Heussallee/Museumsmeile) „in die Denkmalliste und einen schärferen Blick auf Vollständigkeit und Kohärenz des bisher weitgehend erhaltenen Gestaltungskonzepts“.

Zum Hintergrund erläutert Kerberos: „Zwischen Bonn Hauptbahnhof und Heussallee/Museumsmeile wurde 1975/79 die erste U-Bahnverbindung der Bundeshauptstadt Bonn eröffnet, mit der das Regierungs- und Parlamentsviertel an das Stadtzentrum und den Fernverkehr der Bahn angeschlossen wurde.“ Als prominente Köpfe des Architektenteams lassen sich Alexander Freiherr von Branca, das Kölner Büro Peter Busman/Godfried Haberer und die Wiener „Architektengruppe U-Bahn“ nennen. Doch damit aus dieser freudvollen Baukunst kein Frust wird, möchte Kerberos an die – von der Werkstatt Baukultur Bonn 2015 angestoßene – Diskussion anknüpfen und weitere schleichende Veränderungen etwa im Bereich Wegweiser und Beschriftungen verhindern. (kb, 5.2.19)

zum Offenen Brief

mehr über die Bonner U-Bahn

Bonn, U-Bahnstation Heussallee/Museumsmeile, 1975 (Bild: Initiative Kerberos, 2017)

Berlin, Modell zur Neugestaltung nach den Plänen von Speer ("Welthauptstadt Germania") (Foto: Nachlass Albert Speer, Bild: Bundesarchiv Bild 146III-373, CC BY SA 3.0, 1939)

Bauen und Planen im Nationalsozialismus

Wie wurde geplant, wie wurde gebaut zu Zeiten des Nationalsozialismus? Die Bauten selbst – von der Sportstätte über die Verkehrsarchitektur bis zu Bunker und Konzentrationslager – prägten und prägen teils bis heute unser Umfeld. Doch noch immer fehlen uns detaillierte Kenntnisse über die großen Entwicklungslinien damals und die Nachnutzung der baulichen NS-Hinterlassenschaften in der Nachkriegsmoderne (1945-70).
Vor diesem Hintergrund hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung zwei Aufträge ausgeschrieben zum Thema „Bauen und Planen im Nationalsozialismus – NS-Hinterlassenschaften und deren Nachnutzungen“.

Die zu fördernden Projekte sollen sich insbesondere der Bauten der NS-Zeit annehmen, die heute nicht unter Denkmalschutz stehen – z. B. Lager, Bunker, Platzanlagen, Schul-, Verwaltungs- und Wohnbauten. Wo liegen die Brüche und Kontinuitäten zwischen der Zeit vor und nach 1945? Wie wurden Wohn- und Städtebau nach 1945 in Ost- und West-Deutschland neu organisiert – oder eben nicht? Bewerbungen können bis zum 11. März 2019 eingereicht werden, der Zeitraum der Förderung wird sich vom 1. Juli bis zum 30. September 2021 erstrecken. (kb, 5.2.19)

Berlin, Modell zur Neugestaltung nach den Plänen von Speer („Welthauptstadt Germania“) (Foto: Nachlass Albert Speer, Bild: Bundesarchiv Bild 146III-373, CC BY SA 3.0, 1939)

Wien, Gartenbaukino (BIld: Manfred Wernder, CC BY SA 3.0, 2013)

Wien: Gartenbaukino unter Schutz

In Wien, auch in Wien, haben die „Einzelkinos“ einen schweren Stand. Wer nicht zu einer größeren Kette gehört, kann zumeist schwer mit der Vielfalt an Raum-, Film- und Naschangeboten mithalten. Das Gartenbaukino in der österreichischen Metropole verfügt nur über eine Vorführsaal, dafür aber über eine beeindruckende Geschichte. Bereits 1919 errichtete die Gartenbau-Gesellschaft an dieser Stelle ein Lichtspielhaus. Nach dem Krieg wurde das Kino gemeinsam mit dem Gartenbauhochhaus nach Entwürfen des Architekten Robert Kotas neu gestaltet. Zur Eröffnung 1960 lief „Spartacus“, Kirk Douglas war persönlich anwesend.

Dieses Denkmal der Kinogeschichte steht nun unter Denkmalschutz. „Als einzigem erhaltenen Großraum- und Einsaal-Premierenkino in Wien aus der Zeit um 1960 und Veranstaltungsort der Viennale sowie als eine der wenigen gut erhaltenen Freizeit- Architekturen der Nachkriegsmoderne in Wien und in Österreich kommt dem Objekt als Dokument der Freizeitkultur dieser Zeit besondere Bedeutung zu“, so wird das Bundesdenkmalamt vom vienna.at zitiert. Inzwischen wird diese Institution für Cineasten von der Viennale betrieben, mit Unterstützung der Stadt Wien. Jetzt steht die Sanierung des Gartenbaukinos an, diese soll „nach wissenschaftlich-denkmalpflegerischen Kriterien erfolgen“. Kirk Douglas, inzwischen im biblischen Alter von 102 Jahren, wird aus der Ferne ein wachsames Auge darauf haben … (kb, 3.2.19)

Wien, Gartenbaukino (Bild: Manfred Wernder, CC BY SA 3.0, 2013/14)

Karl Blossfeldt: Haarfarn. Junge, noch eingerollte Wedel, o. J. (Bild: © Courtesy, Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln in Kooperation mit der Sammlung Karl Blossfeldt in der Universität der Künste, Berlin, Universitätsarchiv, 2019)

Rein pflanzlich

Fotografie ist Hilfsmittel. Fotografie ist Kunst. Stimmt alles, irgendwie. Karl Blosfeldt (1865-1932) etwa erstellte seine spätere berühmt werdenden Pflanzenaufnahmen zunächst als Vorlage für Zeichenschüler. Dabei hat er seine floralen Motive so gekonnt ins Graphische übersteigert, dass schon seine Zeitgenossen darin Kunst sahen. Den einen gilt er damit als Vertreter eines nüchternen Jugendstil, andere sehen bei ihm schon Anklänge an die Neue Sachlichkeit.

Die Ausstellung „Poesie der Pflanzen“, eine Präsentation der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur Köln, ist vom 22. Februar bis zum 21. Juli 2019 zu sehen. Dabei werden Aufnahmen von Blossfeldt den Werken des zeitgenössischen Fotokünstlers Jim Dine gegenübergestellt, der drei Jahre nach Blossfeldts Tod geboren wurde. Beide nähern sich der Welt der Pflanzen weniger mit botanischem Interesse, als vielmehr mit einem Auge für die darin verborgenen Formen. So wird Florales zur Graphik, zur Skulptur – und verbindet damit gleich mehrere Kunstgattungen Generationen von Fotografen. (kb, 2.2.19)

Karl Blossfeldt: Haarfarn. Junge, noch eingerollte Wedel, o. J. (Bild: © Courtesy, Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln in Kooperation mit der Sammlung Karl Blossfeldt in der Universität der Künste, Berlin, Universitätsarchiv, 2019)

Bergisch Gladbach-Frankenhorst, St. Maria Königin (Bild: Emanuel Gebauer)

Ein Kompromiss für St. Maria Königin

Vor fast drei Jahren war die Kirche St. Maria Königin in Bergisch-Gladbach-Frankenforst, ein zwischen 1954 und 1959 nach Entwürfen von Bernhard Rotterdam errichtetes und 1988 nochmals erweitertes Ensemble, zum ersten Mal Gegenstand einer mR-Meldung. Damals hatte man die Kirche bereits geschlossen und die Profanierung beantragt – als Grund wurde ein gesundheitsgefährdender Schimmelbefall angeführt. Schon 2008 hatte man beschlossen, den pastoralen Schwerpunkt nicht hier, sondern bei St. Johann Baptist zu legen. Zudem verfügt die inzwischen fusionierte Gemeinde mit St. Elisabeth noch über einen weiteren Kirchenbau.

Doch St. Maria Königin stand unter Denkmalschutz: Rotterdam (1893-1974), der für den langgestreckten Kirchenbau mit Satteldach zur Formensprache der gemäßigten Moderne griff, war ein Schüler des Architekten Emil Fahrenkamp, der seinerseits tief  im Neuen Bauen wurzelte. Die Interessengemeinschaft „Rettet die Kirche St. Maria Königin“ setzte sich für die Sanierung und Wiedereröffnung des Bauwerks ein. Nun wurde der – auch juristisch ausgetragene – Konflikt zwischen Stadt und Kirchengemeinde mit einem Kompromiss beigelegt: Das Kirchengebäude bleibt Denkmal, aber die Begründung wird etwas verschlankt. Dies ermöglicht das Bauvorhaben der Gemeinde, die Wohnbauten auf dem Kirchengrundstück errichten will. Auch der Abriss von Nebengebäuden wird nun offensichtlich neu nachgedacht. Es bleibt also noch abzuwarten, wohin dieser Kompromiss tragen wird. (kb, 31.1.19)

Bergisch Gladbach-Frankenforst, St. Maria Königin (Bild: Emanuel Gebauer)

Juist, Bahnhof (Bild: openpetition.de)

Rettet den Inselbahnhof

Für Generationen von Urlaubern hatte die Sehnsucht ein Ziel: den Bahnhof der ostfriesischen Insel Juist. Die Züge sind schon seit über 30 Jahren verschwunden, doch die Erinnerung und der Bahnhof sind geblieben. So ist es kaum verwunderlich, dass sich der 1938 eingeweihte Bau mit dem markanten Uhrenturm als äußerst identitätsstiftend erwiesen hat, und das deutschlandweit! Zu spüren war dies  im vergangenen Herbst, als ein Gästeparlament über die Zukunft des Backsteingebäudes diskutierte. Um dieses herrscht im Moment berechtigte Sorge: Die Reederei Frisia AG, ihrerseits Eigentümerin, plant an der Stelle einen zweistöckige Neubau, in dem neben Wohnungen und Restaurants auch das aktuell im historischen Bahnhof untergebrachte Nationalparkhaus unterkommen soll.

Hinter dem Bauprojekt stehen durchaus handfeste Interessen, auch der Inselbewohner selbst. Das Nationalparkhaus etwa beklagt schon seit längerem Platzmangel. Ein Neubau auf dem Grundstück wäre lukrativ für die Teilhaber der Frisia AG. Dem gegenüber steht eine ganze Reihe engagierter Bauschützer, wie etwa Frank Jermann, der eine Petition ins Leben rief. Selbst im fernen Berlin nimmt  man sich des Kleinods an und lancierte online bauhistorischen Informationen. Wenn Sie sich dafür einsetzen wollen, dass dieses Stück Tourismusgeschichte erhalten wird, können Sie die Aktivisten online mit einer Unterschrift zu unterstützen. (jm, 31.1.19)1

Juist, Bahnhof (Bild: Historische Postkarte, Sammlung Ulrich Gietzen)