Alle Beiträge von Karin Berkemann

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Neunkirchen baut ab

Für eine der vielen verlorenen Neunkirchener Gottesdienststätten gibt es eine neue Nutzung mit ökumenischer Perspektive: Die 2015 geschlossene Pauluskirche, ein Bau aus dem Jahr 1955 nach Entwürfen des Architekten Rudolf Krüger, wurde an die koptische Gemeinde verkauft. Neunkirchen liegt bei Saarbrücken, im südwestlichen Winkel der Republik. Dort markierte 2015 einen gravierenden Einschnitt in der modernen Kirchenlandschaft: Von sechs protestantischen Gottesdiensträumen wurde drei geschlossen. Neben der Pauluskirche waren dies die 1965 fertiggestellte evangelische Kirche im Kohlhof. Inzwischen ist die denkmalgeschützte „Zeltkirche“ – errichtet als Holzmontagesystem nach einem Entwurf von Helmut Dunker – verkauft und privat genutzt. Ebenfalls 2015 wurde die evangelische Friedenskirche, eingeweiht 1959, geschlossen. Der Bau soll, so 2018 die Aussage der Gemeinde, wohl abgerissen werden.

Ähnlich sieht auf katholischer Seite aus: 2015 verlor für die 1960 geweihte Piuskirche die liturgische Nutzung. Ebenso erging es 2015 der 1954 fertiggestellten Kirche Herz Jesu. Der katholischen Gemeinde blieben am Ende nur zwei Gottesdienststätten: St. Marien und St. Vincenz. Denn 2015 endete eine bereits lange Jahre bewährte ökumenische Nutzung: Die 1958 geweihte, seit 1972 simultan von Katholiken und Protestanten bespielte Kirche St. Barbara wurde 2015 geschlossen und im selben Jahr abgerissen. (kb, 9.7.1.18)

Neunkirchen, Pauluskirche (Bild: Gripweed, CC BY SA 4.0, 2016)

Hagen von Ortloff (Bild: Liesel, CC BY SA 4.0, 2010)

Hagen von Ortloff kommt nach Stuttgart

Ja, die märklinMODERNE-Vernissage in Stuttgart am 11. Juli liegt kurz vor einem WM-Halbfinalspiel. Aber, Sie können beides haben: Um 19 Uhr geht es los mit der Ausstellungseröffnung in der architekturgalerie am weißenhof (der Auftakt findet statt in der Alten Aula im Altbau der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart: Am Weißenhof 1, Stuttgart). Es spricht Hagen von Ortloff, lange Jahre Moderator der SWR-Kultsendung „Eisenbahn-Romantik“. Zudem arbeitete er als Sportjournalist. Für alle Fans des „rollenden Materials“ bieten wir ab 20 Uhr im Hinterzimmer einen kleinen Fußball-Bildschirm. In den Vorderzimmern können Sie ungestört durch die Ausstellung stöbern. (db/kb, 9.7.18)

 

Begleitprogramm

11. Juli 2018, ab 19 Uhr: Vernissage, Auftakt in der Alten Aula im Altbau der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (Am Weißenhof 1, Stuttgart).

22. Juli 2018, 14.30 bis 17.30 Uhr: „Basteln mit Bartetzko“ in der architekturgalerie am weißenhof in Stuttgart zum Sommerfest am Killesberg.

11. August 2018, 16 bis 17 Uhr: Filmpremiere von „märklinMODERNE“, von Otto Schweitzer und C. Julius Reinsberg im Deutschen Filmmuseum (Schaumainkai 41, Frankfurt).

7. September 2018: Tagesfahrt zur Wiege des Modellbaus, Gütenbach im Schwarzwald, Voranmeldung (bis 10. August): k.berkemann@moderne-regional.de, Unkostenbeitrag 60 € (ab Frankfurt)/50 € (ab Stuttgart).

22. September 2018, 20 bis 21 Uhr: Lesung „Der Superbastler“ – Lebenshilfe aus Modellbau-Magazinen der Wirtschaftswunderzeit in „Buch & Spiel“ in St. Stefan (Rotenwaldstraße 98, Stuttgart), einer profanierten brutalischen Kirche von 1976.

Hagen von Ortloff (Bild: Liesel, CC BY SA 4.0)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Kulti und „Rosa Röhre“ auf der Shortlist

Unter den vielen Neubauten, die auch in diesem Jahr von einer Fachjury für das Deutsche Architekturmuseum(DAM) auf ihre Preiswürdigkeit hin gesichtet werden, finden sich auch nachkriegsmoderne Schätze. In die Shortlist, der engeren Vorauswahl von 22 Auszeichnungsanwärtern, wurden zwei Sanierungen aufgenommen. Da ist zunächst der Berliner Umlauftank2, besser bekannt als „Rosa Röhre“, der jüngst durch das Berliner Büro hg merz im Auftrag der Wüstenrot Stiftung wieder hergerichtet wurde. Das Versuchsgebäude der TU entstand 1974 nach Plänen Ludwig Leos im Stadtteil Tiergarten. In der überdimensionalen Röhre, die rechts und links aus dem Bauwerk herausragt, lassen sich künstliche Wasserströme erzeugen und die Seetauglichkeit von Schiffsmodellen erproben.

Und da wäre eine zweite Sanierung auf der Shortlist: die Renovierung des Dresdener Kulturpalastes durch das Hamburger Büro gmp Architekten (Gerkan, Marg und Partner) für KID (Kommunales Immobilienmanagement Dresden GmbH & Co. KG). 1969 wurde der vom Architekten Wolfgang Hänsch entworfene Kulturpalast in Dresden eröffnet. Vor den Ruinen von Schloss und Frauenkirche markierte der klare Glas-Beton-Bau ein deutliches Bekenntnis zur Moderne. Hänsch verband mit der Multifunktionshalle Raum für kulturelle und politische Veranstaltungen unter einem Dach. Seit 2008 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Wir drücken beiden Moderne-Kandidaten die Daumen im finalen Rennen um den DAM-Preis 2019. (kb, 7.7.18)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Utscheid, Villa Glashütte (Bild: Peter Liptau, 2018)

Ungers und die Eifel

Oswald Mathias Ungers (1926-2007) ist nicht nur ein Kind der Eifel, sondern kehrte auch später immer wieder dorthin zurück. Hier baute er sich bis 1988 nicht allein ein Ferienhaus, sondern vielmehr eine ganze Anlage, ein postmodernes Gesamtkunstwerk. Nicht einmal ein asphaltierter Weg ist es, der zum Gebäude durch den Wald führt. Das Gebäude selbst, 17 x 17 Meter im Grundriss, liegt in einen Park, der ebenfalls dem 17-Meter-Raster unterworfen ist. Darin wurden zwei vorhandene Seen leicht verändert eingebunden. Weiter noch ein Atelierhaus, in dem sich die Gipssammlung befindet, und eine alte Kapelle.

Jedes Jahr lädt das Ungersarchiv Freunde und Förderer hier zu einem Sommerfest. Bei der diesjährigen Veranstaltung zusätzlich verknüpft mit einer Besichtigung der „Stiftung zur Förderung zeitgenössischer Kunst in Weidingen“. 150 Einwohner zählt der Ort, in dem Galerist Max Hetzler sich in den vergangenen Jahren ebenfalls ein Feriendomizil samt preisgekröntem Ausstellungshaus, Gästehaus und der Bibliothek Günter Förg errichtet hat. Die Verbindung zu Ungers: Dieser hatte den befreundeten Hetzler auf das Haus in Weidingen aufmerksam gemacht, das den Kern des jetzigen Stiftungsanwesens bildet. Noch mehr Ungers in der Eifel findet man in Utscheid. Für den nächstgrößeren Ort zu seinem Anwesen in Glashütte plante das Büro Ungers ein Gemeindehaus. (pl, 6.7.18)

Utscheid, Villa Glashütte (Bild: Peter Liptau, 2018)

Chur, Konvikt (Bild: Kecko, CC BY SA 2.0, 2015)

Konvikt Chur in Gefahr?

Die Experten – allen voran der Bund Schweizer Architekten (BSA) der SIA (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) und der Bündner Heimatschutz – fordern, wie das „Baublatt“ berichtet, eine „unverzüglichen Marschhalt“: Grund ist die im August startende Sanierung des „Konvikt Chur“. Der Internatsbau der Bündner Kantonschule, bis 1969 aus betonsichtigen Würfeln skulptural zusammengesetzt, fügt sich harmonisch an den Hang und die umgebende Natur. Das bis dato gut erhaltene Ensemble gilt als Hauptwerk von Otto Glaus (1914-96), hier mit Ruedi Lienhard und Sep Marti. Von der Außenwand bis zum Mobiliar schuf der Schweizer Architekt in Chur ein Gesamtkunstwerk, das heute als Baudenkmal besonderen Schutz genießt. So zumindest der Anspruch.

2016 hatte das Architektenteam Implenia den Wettbewerb für die anstehende Sanierung gewonnen. Das zuständige Hochbauamt versteht die geplanten Maßnahmen als „sensibel“. Zudem müsse man auf die Kosten und den sich wandelnden Geschmack der hier wohnenden Schüler Rücksicht nehmen. Dieser Argumentation widersprechen die oben genannten Fachleute nun öffentlich. Zwar seien die Bemühungen um den Erhalt der Treppenhäuser und vieler Oberflächen lobenswert. Doch durch andere geplante Eingriffe – z. B. den vollständigen Austausch der Fenster, der Haustechnik und der Zimmermöblierung – sei das hochkarätige Baudenkmal gefährdet, vielleicht sogar von Zerstörung bedroht. (kb, 4.7.18)

Chur, Konvikt (Bild: Kecko, CC BY SA 2.0, 2015)