„Der teuerste Bleistift Deutschlands“

„Der teuerste Bleistift Deutschlands“

"Willy Fleckhaus. Design, Revolte, Regenbogen" (Bild: Museum für angewandte Kunst Köln)
„Willy Fleckhaus. Design, Revolte, Regenbogen“ (Bild: Museum für angewandte Kunst Köln)

Nicht ohne Grund nannte man Willy Fleckhaus (1925-1983) den „teuersten Bleistift Deutschlands“. Wie kein Zweiter hat er die visuelle Kultur der 1960er bis 1980er Jahre geprägt. Willy Fleckhaus verschmolz die Ratio der Schweizer Grafik mit der Phantasie des amerikanischen Editorial Design und wurde damit international zum Vorbild für wenigstens eine Generation von Zeitschriften- und Buchgestaltern, Werbeleuten und Fotografen. Konkret verbinden sich seinem Namen Zeitschriften wie das legendäre, in Köln gegründete Jugendmagazin „twen“ (1959-71), die Illustrierte „Quick“ (in ihren guten Jahren) oder das Supplement der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Buchreihen wie die in den Farben des Regenbogens gehaltene „edition suhrkamp“, Ausstellungen zur Kölner photokina oder das Erscheinungsbild des WDR.

Mit der Ausstellung „Willy Fleckhaus. Design, Revolte, Regenbogen“ präsentiert das Kölner Museum für angewandte Kunst (MAAK) die erste große museale Würdigung von Fleckhaus. Gezeigt werden die Fotografien, Illustrationen, Bücher, Buchreihen und Plakate noch bis zum 11. Dezember 2016. (kb, 3.9.16)

Stillgelegt

Stillgelegt

Stillgelegt_Bild_DuMont-VerlagDer DuMont-Bildband „Stillgelegt – 100 verlassene Orte in Deutschland und Europa“ zeigt die ganze Bandbreite der „Lost Places“: ungenutzte Werkhallen und Förderschächte, verfallene Heilanstalten, Kultur-  und Sportstätten, vor sich hin rottende Kriegsdenkmäler, Bunker und Kasernen, die zumeist in den letzten 100 Jahren entstanden. Die Fotografien von Thomas Kemnitz, Robert Conrad und Michael Täger dokumentieren das Schicksal dieser Orte und Gebäude, die aus unterschiedlichen Gründen verlassen und dem Verfall preisgegeben wurden – weil sich politische Konstellationen verändert haben, bestimmte Industriezweige aufgegeben wurden, Orte ihre Bedeutung verloren haben.

Die 100 Orte werden nicht chronologisch, sondern nach ihrer ursprünglichen Nutzung, auf fünf Kapitel verteilt, vorgestellt. Am Ende der Kapitel werden in kurzenTexten die wichtigsten Fragen zu den Objekten beantwortet: Wann und von wem wurden sie gebaut? Für welche Nutzung? Wieso wurden sie verlassen? Wie ist der Zustand heute? Aus Deutschland sind u. a. mit dabei das Kernkraftwerk Rheinsberg, die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Lübeck und das Chemiewerk Kapen in Wörlitz. (kb, 2.9.16)

Kemnitz, Thomas/Conrad, Robert/Täger, Michael, Stillgelegt – 100 verlassene Orte in Deutschland und Europa, DuMont-Verlag, 2015, 224 Seiten, 22,8 cm x 27,5 cm, ISBN 9783770188888.

Bernard Larsson. Leaving is Entering

Bernard Larsson. Leaving is Entering

West-Berlin, Ecke Wolliner/Bernauer Straße, 1962 (Copyright: bpk, Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin, Bernard Larsson)
West-Berlin, Ecke Wolliner/Bernauer Straße, 1962 (Copyright: bpk, Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin, Bernard Larsson)

Der Fotograf Bernard Larsson, geboren 1939 in Hamburg, arbeitete von 1959 bis 1961 in einem von den Niederlagen in Indochina und Algerien gezeichneten Frankreich. Von dort aus bereiste er das faschistische Spanien und Marokko. Bewegt vom Bau der Mauer in Berlin im August 1961 verließ er Paris, um sich vor Ort ein eigenes Bild von der Situation zu machen. Hier wurde Larsson einer der wichtigsten Fotografen des alltäglichen Lebens diesseits und jenseits der Mauer, dazu erschien 1964 sein Buch „Die ganze Stadt Berlin. Politische Fotos“.

Nachdem die studentische Protestbewegung 1966 Westberlin erreichte, hielt Larsson die Demonstrationen in der Art eines fotografischen Tagebuchs während eines ganzen Jahres fest. Seine fotografischen Aufzeichnungen endeten mit der Aufnahme der gezielten Erschießung von Benno Ohnesorg durch einen Beamten der Westberliner Polizei am 2. Juni 1967. Noch im gleichen Monat wurden seine Fotografien vom studentischen Untersuchungsausschuss der AStA großformatig ausgestellt. Mit „Leaving is Entering“, die im Museum für Fotografie der Staatlichen Museen zu Berlin noch bis zum 8. Januar 2017 zu sehen ist, stellt Larsson seine Berlin-Fotografien mit einer Auswahl zeitgleicher Aufnahmen in den internationalen Kontexte: von Warschau, Prag und Budapest bis hin zu Fotografien von Pop-Ikonen. (kb, 1.9.16)