Rettung für die Sahneschnitte

Rettung für die Sahneschnitte

Das Cafe Kustermann in München-Solln (Bild: Sophie Anfang)
Süßes Teilchen: das Café Kustermann in München-Solln (Bild: Sophie Anfang)

Eine echte „Sahneschnitte“ der Architektur ist das Café Kustermann aus den 1950er Jahren, darum wird es auch von seinen Stammgästen gerne so genannt. Die mussten vor acht Monaten noch um das außergewöhnliche Café in München-Solln bangen, denn der Pachtvertrag war abgelaufen und die Immobilie stand zum Verkauf. Doch die Rettung ist geglückt: Das Gebäude bleibt erhalten und soll unter Denkmalschutz gestellt werden.

Der schlanke runde Pavillon wurde 1951 nach Plänen von Ludwig Reiber errichtet. Er steht zentral an der Hauptstraße, so wurde er schnell zu einem Wahrzeichen des Viertels. Und schon der Kosename „Sahneschnitte“ deutete an, was es dort alles Leckeres zu holen gab. Um so härter traf die Sollner die Nachricht, dass der Pachtvertrag im April 2016 nicht verlängert und das Gelände neu bebaut werden sollte. Dass nun das Café mit dem runden Eingang erhalten bleibt, ist vor allem einer lokalen Interessensgemeinschaft zu verdanken, die sich mit dem Bezirksausschuss und dem Denkmalschutz zusammentat. Der Pavillon soll jetzt trotz eines Neubaus direkt hinter diesem bestehen bleiben, unter Denkmalschutz gestellt werden und weiterhin als Café genutzt werden. Ob auch der ehemalige Pächter dort wieder einzieht, ist noch offen. (ps, 22.12.16)

„Spiritueller Brutalismus“

„Spiritueller Brutalismus“

Frankfurt am Main, Cantate Domino (Bild: Gaki64, CC BY SA 3.0)
Gibt in Frankfurt Anlass zum Feiern einer ganzen Stilepoche: Cantate Domino (Bild: Gaki64, CC BY SA 3.0)

In diesem Jahr feiert die Frankfurter Cantate-Domino-Kirche (1966, T. Sittmann/W. Schwagenscheidt) ihr 50-jähriges Jubiläum. Dies nimmt „Evangelisches Frankfurt“, das Hausmagazin des Evangelischen Regionalverbands der Stadt, zum Anlass für eine Themenschwerpunkt „Brutalismus“. Der Stilbegriff wird weit gefasst: irgendwie Nachkriegsmoderne. So zeigt sich die Cantate Domino Kirche nach außen als hochgeschlossener weißer Kubus, nach innen als lichtdurchfluteter Gottesdienstraum mit gläserner Decke.

Doch neben Banken-Hochhäusern hat die Mainmetropole eine viel umfangreichere bemerkenswerte Kirchenlandschaft der Moderne zu bieten. Diese Werte hebt Friederike Rahn-Steinacker, Leiterin der Bauabteilung des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt, in einem Interview hervor: „Die Kirchen der 1960 [1960er] stehen meist wuchtig, eigenständig und solitär da und entfalten so eine moderne Symbolwirkung.“ Diese Schönheit erschließe sich heute teils erst auf den zweiten Blick. Bautechnisch komme man mit dieser Epoche bereits jetzt gut klar. „Aber große Probleme macht uns die Betonbauweise nicht.“ Die damit anklingende institutionelle Wertschätzung der Kirchbaumoderne lässt hoffen. Stand Frankfurt in den vergangenen Jahren doch vielfach eher durch Abrisse und stark verändernde Umbauten moderner Kirchen in den Schlagzeilen. (kb, 21.12.16)

Winterlandschaft mit Zeche

Winterlandschaft mit Zeche

Albert Renger-Patzsch, Winterlandschaft mit Zeche Pluto in Wanne-Eickel, 1929 (© Albert Renger-Patzsch/Archiv Ann und Jürgen Wilde/VG Bild-Kunst, Bonn 2016)
Albert Renger-Patzsch, Winterlandschaft mit Zeche Pluto in Wanne-Eickel, 1929 (© Albert Renger-Patzsch/Archiv Ann und Jürgen Wilde/VG Bild-Kunst, Bonn 2016)

2016 jährte sich zum 50sten Mal der Todestag des Industrie- und Sachfotografen Albert Renger-Patzsch (* 1897 Würzburg, + 1966 Wamel). Er zählt mit Karl Blossfeldt und August Sander zu den bedeutendsten Vertretern der Fotografie der Neuen Sachlichkeit. Renger-Patzschs sachlich klare Darstellungen von industriellen Objekten, Alltagsgegenständen und Architektur waren richtungsweisend für die Bildästhetik der Fotografie der Moderne und wirken bis heute nach.

Den Jahrestag zum Anlass nehmend, wird in der Pinakothek der Moderne in München die Ausstellung „Albert Renger-Patzsch. Ruhrgebietslandschaften“ aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde gezeigt. Von 1927 bis 1935 nahm Albert Renger-Patzsch eine umfassende fotografische Serie von Stadtrand- und Haldenlandschaften, Vorstadtsiedlungen, Schrebergärten und Zechenanlagen im Ruhrgebiet auf. Diese Werkgruppe stellt eine der wenigen nicht auftragsgebundenen Arbeiten Renger-Patzschs dar. Mit ihrer zurückhaltenden Emotionalität und kompositionellen Klarheit stehen sie der zeitgleichen Malerei nahe. Rund 80 Jahre später sind Albert Renger-Patzschs Ruhrgebietsfotografien aktueller denn je. Sie geben einen visuellen Kommentar zur heutigen Diskussion um Urbanität, Zersiedlung und Umnutzung von Folgelandschaften. Die Ausstellung wird noch bis zum 23. April 2017 zu sehen sein. (kb, 21.12.16)