FACHBEITRAG: Dresden, Prager Straße

von Tanja Scheffler (Heft 15/2)

Dresden, Prager Straße als „städtebaulicher Erlebnisweg“ ins historische Stadtzentrum nach ihrer Fertigstellung, 1979 (Bild: SLUB/Deutsche Fotothek, Foto: Uwe Görler)
Dresden, Prager Straße nach ihrer Fertigstellung, 1979 (Bild: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, Foto: Uwe Görler)

Die „Prager Straße“ gehörte zu den großen städtebaulichen Ensembles der späten Ulbricht-Ära. Ab 1965 wurde sie auf einer „Tabula Rasa“ als weiträumige Fußgängerzone im Stil der Nachkriegsmoderne völlig neu errichtet, nach der Wende jedoch massiv nachverdichtet und verändert. Dabei wurden hochrangige Solitärbauten abgerissen und die stadträumlichen Qualitäten des ostmodernen Ensembles durch ein neues Freiraumkonzept sowie die starke Überformung zahlreicher Gebäude zerstört. Diese Entwicklung ist nur im Zusammenspiel von drei Faktoren zu verstehen: der Verklärung der historischen Stadtstruktur, dem Wandel der städtebaulichen Leitbilder sowie der einmaligen Umbruchsituation nach der Wiedervereinigung Deutschlands.

 

Vor dem Krieg eine Korridorstraße

Dresden, die historische Prager Straße als Korridorstraße, Blick nach Süden zum Hauptbahnhof, 1938 (Bild: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt, Bildstelle)
Dresden, die historische Prager Straße als Korridorstraße, Blick nach Süden zum Hauptbahnhof, 1938 (Bild: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt, Bildstelle)

Die Prager Straße wurde erst ab 1851, nach der Errichtung des Vorläufers des heutigen Hauptbahnhofs, südlich der Dresdner Altstadt völlig neu angelegt. Damals beschloss die Stadtverwaltung klare gestalterische Regeln für die Neubauten. Die Grundstücksbesitzer setzten eine Breite von nur 25 Ellen (gut 14 Metern) durch. Lediglich an der Einmündung zum Ring weitete sich die Straße auf 17 Meter – Dimensionen, die sich schon Ende des 19. Jahrhunderts als zu gering erwiesen. Denn die Korridorstraße entwickelte sich in der Gründerzeit zu Dresdens wichtigster Hauptverkehrsachse und gleichzeitig auch zum Zentrum des lokalen Amüsier- und Geschäftslebens. Doch bereits im frühen 20. Jahrhundert setzten rasante Überformungen ein: Markante Eisenbetonskelettbauten wie das Kaufhaus Esders und das Residenzkaufhaus markierten das Achsenkreuz zum Ring.

Große Teile der Dresdner Innenstadt wurden im Februar 1945 jedoch durch anglo-amerikanische Luftangriffe stark zerstört. Bereits der erste „Aufbauplan“ stellte die Weichen für eine autogerechtere Stadt. Denn er sah statt der historischen Nord-Süd-Achse über die Augustusbrücke, Schloß- und Prager Straße eine – die Altstadt östlich umfahrende, völlig neue – Magistrale über die Carolabrücke zum Hauptbahnhof vor. Diese machte den Weg frei für eine grundlegend neue verkehrsberuhigte Konzeption der Prager Straße. Daher wurde das gesamte Areal ab 1946 großflächig enttrümmert. Der anvisierte „Aufbau“ kam jedoch nicht richtig voran. Daher blieb dieses mittlerweile zur Grassteppe mutierte, äußerst prominente Gebiet lange Zeit eine „Tabula rasa“.

 

Der neue „städtebauliche Erlebnisweg“

Der 1962 ausgelobte Ideenwettbewerb suchte dann nach einer völlig neuen Baustruktur, ganz ohne Fluchtlinienzwang und Parzellenstruktur. Diese sollte der Auftakt eines neuen „städtebaulichen Erlebnisweges“ sein: vom Hauptbahnhof durch spannende Blickachsen und mehrere sozialistische Ensembles (Prager Straße, Altmarkt) in die touristisch interessanten Bereiche der Altstadt und dann über die Elbe hinweg bis in die Neustadt (Straße der Befreiung). Umgesetzt wurde ab 1965 schließlich eine – konzeptionell an der Rotterdamer Lijnbaan angelehnte – 700 Meter lange und gut 60 Meter breite Fußgängermagistrale nach einem städtebaulichen Masterplan von Peter Sniegon, Kurt Röthig und Hans Konrad.

Dresden, Prager Straße mit Hotel-Hochhäusern, Pavillons und Pergolen, 1970 (Bild: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt, Bildstelle)
Dresden, Prager Straße mit Hotel-Hochhäusern, Pavillons und Pergolen, 1970 (Bild: Landeshauptstadt Dresden, Stadtplanungsamt, Bildstelle)

Ein Kranz aus Hochhäusern fasste den Bahnhofsvorplatz ein. Eine 240 Meter lange Wohnscheibe trennte die Fußgängerzone von der neuen Magistrale und gab dem Ensemble ein Rückgrat. Auf der gegenüberliegenden Seite markierte das großformatige Wandbild „Dresden grüßt seine Gäste“ am Restaurant Bastei den Beginn der Touristenroute. Durchgängige Pergolen vor den Ladenpavillons und Hotels gaben der Anlage eine klare Struktur.

Das Interhotel Newa, vor allem aber auch die – erst in den 1970er Jahren am nördlichen Ende der Prager Straße errichteten – Sonderbauten wie das „Rundkino“ genannte Filmtheater, das Restaurant „International“ und das Centrum-Warenhaus setzten entscheidende architektonische Akzente. Die präzise durchkomponierten Freiflächen mit mehreren – von Leonie Wirth entworfenen und vom Kunstschmied Karl Bergmann angefertigten – Brunnenanlagen in Champagnerkelch-, Fliegenpilz- und Pusteblumenform gaben der Prager Straße eine hohe Aufenthaltsqualität. Daher wurde sie auch von Anfang an sehr gut angenommen.

 

Das Prestigeprojekt gerät ins Stocken

Dresden, die Prager Straße als beliebter Treffpunkt, Blick nach Süden in Richtung Hauptbahnhof, 1982 (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1982-0413-007, Foto: Ulrich Häßler)
Dresden, Prager Straße als Treffpunkt, Blick nach Süden in Richtung Hauptbahnhof, 1982 (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1982-0413-007, Foto: U. Häßler)

Mit dem Beginn der Honecker-Ära gerieten jedoch Ulbrichts Prestigeprojekte ins Stocken. Der Wohnungsbau hatte Vorrang. Daher blieb die Prager Straße ein Torso. Das Centrum-Warenhaus wurde erst 1978 fertiggestellt. Ein weiterer, als nördlicher Abschluss des Ensembles vorgesehener Hochhauskomplex wurde nicht mehr umgesetzt. Stattdessen versuchte man diese Fläche ab 1987 mit Wohnbauten zu füllen. Trotz der vielen industriell hergestellten Bauteile gab es bei der Prager Straße – im Gegensatz zur Spätphase der DDR – noch sehr viele künstlerische Spiel- und Freiräume.

Die aus dem Typ P 27 entwickelte Wohnzeile atmete den Geist von Le Corbusiers Wohnmaschinen: Kleine verglaste Ladenpavillons schoben sich zwischen lange Betonstützen und vernetzten das Wohngebäude mit der – als eine große durchlaufende Stadtlandschaft konzipierten – Fußgängerzone. Die Dachterrasse diente als offener Gemeinschaftsbereich. Der Betonzylinder des Rundkinos stammte aus dem Industriebau. Seine präzise durchkomponierte Fassadengestaltung aus weiß emaillierten Stahlblechtafeln mit davor hängendem, filigranen Stahlstabwerk machten aus ihm ein architektonisches Kunstwerk. Der Gaststättenkomplex „International“ beeindruckte mit einem Faltdach und mehreren Themenrestaurants. Das „Silberwürfel“ genannte Centrum-Warenhaus besaß dank seiner kristallinen Alufassade den Charme der Space-Age-Ära.

 

Nachverdichtung nach der Wiedervereinigung

Die fehlende Urbanität des neuen Stadtzentrums wird in Dresden jedoch seit den 1970er Jahren lebhaft diskutiert. Als man die Neustädter Hauptstraße in Großtafelbauweise (1974-79, damals „Straße der Befreiung“) neu einrichtete, orientierte man sich daher bereits wieder an den überlieferten stadträumlichen Strukturen. Angesichts der vielen Brachen etablierten sich nach der deutschen Wiedervereinigung sofort verschiedene Konzepte, Teile der früheren Stadtstruktur zu rekonstruieren. Die Prager Straße sollte zu einer klaren Abfolge von Straßen und Plätzen umgestaltet werden: Dabei wollte man lediglich den mittleren Bereich als „Prager Platz“ erhalten und die angrenzenden Arealen zu neuen „Torsituationen“ rückbauen.

Dresden, Schrägluftbild der Prager Straße mit Umgebung, Fotoaufnahme 1991 (Bild: SLUB/Deutsche Fotothek, Foto: Siegfried Bregulla)
Dresden, Schrägluftbild der Prager Straße kurz nach der Wiedervereinigung, 1991 (Bild: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, Foto: Siegfried Bregulla)

Innerhalb weniger Jahre entstanden auf der Ostseite der Prager Straße in der historischen Straßenflucht das Karstadt-Warenhaus (1993-95, auf dem Areal des Residenzkaufhauses), das Florentinum (1996) und die Whörl-Plaza (1995-96). Diese legte sich an zwei Seiten um das Rundkino und riegelte es von der Fußgängerzone ab. Der UFA-Kristallpalast (1998) baute das Rundkino von der anderen Seite ein. Das neue Kaufhaus Esders (1996-98) schob sich – die historische Westseite der Prager Straße markierend – in die Blickachse zum Schloss.

Mehrere städtebauliche Wettbewerbe stellten die Weichen, weitere Großstrukturen vor dem Hauptbahnhof zu platzieren und die zwischen den Hotels gelegenen Touristengärten zuzubauen. Spätestens seitdem Whörl und Florentinum eröffnet worden sind, war jedoch klar: Die im neuen Planungsleitbild vorgesehenen schmalen Gassen werden sich nicht mit Leben füllen. Denn die Investoren bevorzugen introvertierte Verkaufsgebäude und ordnen an diesen Gassen nur lange Schaufensterfronten oder geschlossene Wandscheiben an, aber keine Eingänge oder kleinteilige Läden.

 

Nach dem „Jahrhunderthochwasser“

Erst ab dem Spätsommer 2002 wurde die Ostmoderne vor Ort schrittweise neu bewertet. Denn das „Jahrhunderthochwasser“ setzte auch die Prager Straße unter Wasser: Besonders stark betroffen war dabei der direkt an den Bahnhof angrenzende, niedriger gelegene Bereich mit den Hotels und Ladenpavillons. Künstler und andere Kreative nutzten danach die leerstehenden oder aber als Abrisskandidaten gehandelten Gebäude. Die Klasse Baukunst der Sächsischen Akademie der Künste initiierte 2003 eine hochrangig besetzte Tagung zur Zukunft der Nachkriegsmoderne in Dresden. Anschließend wurde das Rundkino unter Denkmalschutz gestellt, außerdem bildeten sich mehrere Initiativen zum Erhalt von Rundkino, Kulturpalast und Centrum-Warenhaus.

Dresden, Prager Straße, Brunnenanlage mit Pusteblumen und Pilzen von Leonie Wirth, 2004 (Foto: Andreas Muhs)
Dresden, Prager Straße, nach der „Jahrhundertflut“ nicht wieder instandgesetzte Brunnenanlage mit Pusteblumen und Pilzen von Leonie Wirth, 2004 (Foto: Andreas Muhs)

Trotzdem setzte man die funktionsunfähig gewordenen Brunnenanlagen nicht wieder instand. Stattdessen wurden die Freiflächen 2004 – anhand einer bereits seit Jahren vorliegenden Stadtbild-Gestaltungskonzeption von Siegbert Langner von Hatzfeld – mit Mitteln der Hochwasserschadensbeseitigung zu einer baumgefassten Flaniermeile umgestaltet. Die zum Verweilen einladenden Hochbeete und Wasserbecken mussten einer von Platanenreihen und Stablampen flankierten Wasserschneise weichen.

Auch die verbindenden Pergolen wurden abgerissen und durch neue „Arkaden und Kolonaden“ ersetzt. Mit der weiteren Flutschadenbeseitigung gestaltete man auch die meisten Ladenpavillons und das Restaurant Bastei völlig um oder ersetzte sie durch größere Neubauten. Schrittweise wurde der südliche Bereich der Prager Straße auf die historische Breite zurückgebaut und nachverdichtet. Dabei verschwand das Wandbild „Dresden grüßt seine Gäste“ in einer Hinterhofsituation. Centrum-Warenhaus und Restaurant „International“ wurden schließlich 2007 trotz massiver Proteste zugunsten der Centrum-Galerie (2009) abgerissen.

 

Eine Rückbesinnung

Wenige Wochen nach dem Hochwasser – als die Verkaufspavillons der Prager Straße gerade in den Wassermassen untergegangen waren – eröffnete mit der Altmarkt-Galerie (ECE – 2002) bereits die erste große Shopping-Mall im Dresdner Stadtzentrum. Sie konnte sich sofort als Kaufkraftmagnet etablieren und lenkt seitdem die Kundenströme gezielt in Richtung Altstadt um.

Dresden, Prager Straße nach der Freiflächenumgestaltung, 2013 (Bild: SLUB/Deutsche Fotothek, Foto: André Rous)
Dresden, Prager Straße nach der Freiflächenumgestaltung, 2013 (Bild: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, Foto: André Rous)

Daher ist es eine Ironie der Geschichte, dass die riesige Centrum-Galerie – für die das markante, deutlich kleinere Centrum-Warenhaus („Silberwürfel“) weichen musste – mit schwachen Besucherzahlen und gigantischen Leerständen kämpft. Sofort empfahl die Lokalpresse, mehr Kunden durch gemütliche Sitzecken und Wasserbecken anzulocken: Aufenthaltsqualitäten, die die Prager Straße bis zu ihrer grundlegenden Umgestaltung jahrzehntelang im Freien angeboten hat und die die entscheidenden Akteure – bei ihrer intensiven Suche nach dem „alte Dresden“ – in den ersten bilderstürmerischen Jahren nach der Wende schlichtweg übersehen haben.

Mittlerweile ist jedoch klar, dass die Brunnenanlagen, das Centrum-Warenhaus und das Rundkino nicht nur charakteristisch für die Ostmoderne waren: Sie sind auch bis heute im kollektiven Gedächtnis – als Symbol für das damalige Alltagsleben – positiv besetzt. Die Pusteblumen waren nicht nur ein beliebtes Foto- und Briefmarkenmotiv. Sie stehen bis heute stellvertretend für das, was die Prager Straße zum Gesamtkunstwerk machte. Trotzdem wurden diese sprudelnden Wasserspiele radikal umgestaltet und abgeräumt: lediglich drei einzelne – völlig aus ihrem künstlerischen Zusammenhang gerissene – Pusteblumen wurden in den neuen Becken aufgestellt. Auch die Alu-Waben der Centrum-Galerie sind neue, der Fassade des Vorgänger-Baus lediglich nachempfundene Applikationen.

 

Zeugnis des Zeitgeistes

Dresden, Blick vom Hauptbahnhof über den Wiener Platz in die Prager Straße, 2009 (Foto: Norbert Kaiser)
Dresden, Blick vom Hauptbahnhof in die Prager Straße, 2009 (Foto: Norbert Kaiser)

Die Prager Straße wurde seit der Gründerzeit immer wieder kompromisslos überformt. Man passte sie dabei geradezu mustergültig an den jeweiligen architektonischen Zeitgeist sowie die verschiedenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an. Nach der Wende sollte eigentlich zumindest der „Prager Platz“ weitestgehend authentisch erhalten bleiben. Trotzdem entwickelte er sich vo einem spannungsreich gestalteten Aufenthaltsraum zur scheinbar willkürlich strukturierten Verkehrsfläche: fußläufig erschlossen, ausgerichtet auf die Verkaufseinrichtungen, teilweise jeglichem menschlichen Maßstab entrückt. Ein Zeugnis des Zeitgeistes der Jahrtausendwende. Nur leider hat das Ensemble dadurch seinen früheren Charme völlig eingebüßt.

 

Rundgang

Begleiten Sie Tanja Scheffler durch die alte und die neue Prager Straße.

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PORTRÄT: Kassel, Treppenstraße

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von Folckert Lueken-Isberner (Heft 15/2)

Kassel, Treppenstraße: Blick vom Bahnhofsvorplatz auf die Kurfürstenstraße (noch ohne Tunneleinschnitt), das Hochhaus am Ständeplatz und die Einmündung der Treppenstraße (Bild: Günther Becker, 1950er Jahre)
Kassel: Blick vom Vorplatz des damals noch zentralen Hauptbahnhofs auf die Kurfürstenstraße (noch ohne Tunneleinschnitt), das Hochhaus am Ständeplatz und die Einmündung der Treppenstraße (Bild: Günther Becker, 1950er Jahre)

Ankunft Kassel-Hauptbahnhof. Rote, blaue, silbrige Fahrzeuge auf den Bahnsteigen. Hier enden oder starten die Regionalzüge aus allen Himmelsrichtungen, hier unterfährt die „Regiotram“ das alte Empfangsgebäude, um sich auf die Schienen der Deutschen Bahn und der örtlichen Straßenbahn gleichermaßen zu verteilen. Ein durchaus überschaubarer Strom von Menschen füllt die Halle und die Bahnsteige – es kommt kein rechtes Hauptbahnhofsfeeling auf. Das kann nur daher kommen, dass die weißen Züge mit dem roten Strich fehlen. Denn der tatsächliche Haupt-, also Fernbahnhof von Kassel liegt heute woanders: am westlichen Rand der Stadt. Seit 1990 ist es der Bahnhof Wilhelmshöhe. Für Ortsunkundige sorgt diese unübliche Bezeichnungsunschärfe seitdem für Verwirrung. Längst könnte der seiner Hauptbahnhofsfunktion entledigte Ort umbenannt sein, etwa in „Stadtbahnhof“, was der DB aber wohl zu umständlich ist.

 

Vom alten Hauptbahnhof in die Stadt

Der ehemalige Hauptbahnhof Kassels liegt auf einer Anhöhe über der Innenstadt. Über seine Anbindung an diese reden die Planer seit Langem. Denn als man Kassel um die hugenottische Oberneustadt erweiterte, wurde mit dem großen Friedrichsplatz bereits ein Bebauungsriegel vorgegeben. Diesen zu beseitigen, war schon Ziel des Stadterweiterungsplans von 1854.

Der Riegel wäre zu durchbrechen gewesen, hätte man die Bauflucht des auf dem Friedrichsplatz befindlichen Fridericianums (weit bekannter Kernstandort der „documenta“) verlängert. Dann wäre eine bergaufführende Straße („Museumsstraße“) über den seinerzeitigen Wilhelmsplatz direkt auf das Bahnhofsempfangsgebäude zugelaufen. Ein Idealplan aus der Städtebauschule, der allerdings die Topografie ignorierte. Tatsächlich wurde zwischen der Oberneustadt mit dem Friedrichsplatz und dem Bahnhof an diagonal neu angelegten Straßen gebaut – nach den ungezügelten Gesetzen der Gründerzeit.

 

Nach den Kriegszerstörungen

Kassel, Treppenstraße: Blick vom Florentiner Platz über den Ständeplatz zum Hauptbahnhof (Bild: Günther Becker, 1950er Jahre)
Kassel: Blick auf die Treppenstraße vom Florentiner Platz über den Ständeplatz zum Hauptbahnhof (Bild: Günther Becker, 1950er Jahre)

Erst die starken Kriegszerstörungen der inneren Stadt gaben die Gelegenheit, eine verkehrliche Direktverbindung zu schaffen. Da Kassel noch Hauptstadt des Gaues Kurhessen war, wurde für sie 1944 neu geplant. Einer der von Albert Speer beauftragten Architekten stammte aus Kassel. So verfügte er über eine besonders gute Ortskenntnis und wusste auch um die nicht verwirklichten Planungsansätze. Er schlug eine durchgehende Achse vor: vom Hauptbahnhof bis zum Friedrichsplatz.

Zwar in dieser ersten Version noch mittig auf den Platz bezogen, aber in seinem Wettbewerbsbeitrag zum Wiederaufbau der Innenstadt von 1947 nahm er genau diejenige Flucht auf, die schon die alten Pläne vorsahen. Des Gefälles wegen musste eine besondere Ausbildung erfolgen. So entstand die Idee einer „Treppenstraße“: „Die Straßengestalt wird durch die dem Geländeverlauf entsprechende regelmäßige Folge von Treppenabschnitten geprägt“, sagt die Denkmaltopografie. Längst hat sie die Straße als Sachgesamtheit unter Schutz gestellt.

 

Eine nachholende Neuschöpfung

Der spätere Kassseler Planungsamtsleiter Helmut Hasper zeichnete als Planverfasser verantwortlich für die Treppenstraße. Rückblickend sah er sich immer gerne als deren Erfinder. „Werner Haspers Lieblingsidee ist eine den Fußgängern vorbehaltene Terrassenstraße vom Bahnhof zum Friedrichsplatz […] mit dem schönen Blick über das Fuldatal“, heißt es im zeitgenössischen Merian-Heft zu Kassel. Tatsächlich aber hätte Dietz Brandi, der zweite Preisträger des damaligen Wettbewerbs, mindestens die Hälfte dieser Lorbeeren verdient: Hatte er doch exakt die gleiche Idee für eine Terrassenachse.

Unstrittig dürfte sein, dass das neuaufgebauten Kassel mit der Treppenstraße eine nachholende Neuschöpfung von besonderer Qualität erhielt. Es war eine überfällige verkehrliche Verbindung neu entstanden. Damit wurde eine neue Blickbeziehung möglich, die eine Idee des barocken Architekten Louis du Ry weiterentwickelte: den Friedrichsplatzes mit seinem Fenster in die Landschaft.

 

Fußgänger, Skater und Cafés

Kassel, Treppenstraße: Blick vom Hochhaus über den gesamten Straßenzug bis zum Friedrichsplatz und darüber hinaus (Bild: Günther Becker, 1950er Jahre)
Kassel: Blick vom Hochhaus über die Treppenstraße bis zum Friedrichsplatz und darüber hinaus (Bild: Günther Becker, 1950er Jahre)

Aber wie steht es denn eigentlich heute um diese vermeintlich „erste Fußgängerstraße Deutschlands“, deren getreppte Anlage bis 1953, deren zweigeschossige Randbebauung bis 1957 fertig gestellt worden war? Wie ist die Akzeptanz, wie ist der bauliche Bestand zu beurteilen? Das Ziel, Bahnhof und Innenstadt räumlich besser zu verbinden, war erreicht. So zeigen es die Bilder aus den 1950er Jahren: ein Bahnhofsvorplatz voller Leben, Straßenbahnen auf gleichem Niveau mit den Fußgängern, eine gut besuchte, platzähnliche, breite Kurfürstenstraße als Verbindung zur Treppenanlage.

Die Breite der Kurfürstenstraße wurde dieser aber später zum Verhängnis: Für den Einführungstunnel der tiefgelegten Straßenbahn nutzte man die Straßenmitte. Fußgänger können die Straße seitdem über weite Abschnitte nicht mehr überqueren. Auch sind die guten Geschäfte rar geworden und wechseln häufig. Dies genau ist auch für die Treppenstraße festzustellen.

Trotzdem funktioniert – wenigstens in der warmen Jahreszeit auf den mittigen Terrassen – die Gastronomie. Für mutige Skater ist die Anlage eine begrüßte Herausforderung. Doch weichen die auf Barrierefreiheit angewiesenen Besucher der Innenstadt gerne auf die parallele Wilhelmsstraße aus. Hier wird das Geländeniveau ohne Stufen im Schrägverlauf ausgeglichen, und hier ist ein deutlich qualitätvollerer Einzelhandel vorhanden.

 

Sie kannte bessere Zeiten

Kassel, Treppenstraße: Florentiner Platz in der Mitte der Treppenstraße mit den beiden, damals noch symmetrisch gestalteten Eckbauten (Bild: Günther Becker, 1950er Jahre)
Kassel: der Florentiner Platz in der Mitte der Treppenstraße mit seinen symmetrischen Eckbauten (Bild: Günther Becker, 1950er Jahre)

Am Florentiner Platz, auf dem sich die Treppenstraße mit der Neuen Fahrt kreuzt, stehen auf jeder Seite zwei Endbauten. Mit ihren vier Geschossen beziehen sie sich vermittelnd auf die gegenüberliegenden, ebenfalls viergeschossigen Anfangsbauten in Richtung Friedrichsplatz. Seit wenigen Jahren ist diese wohltuende Harmonie der vier Eckbauten deutlich gestört: Ein Gebäude wurde um ein Vollgeschoss erhöht und dieses in die historische Fassade integriert. Die Denkmalpflege hatte die Veränderung geduldet, obwohl die gleiche Nutzfläche auch im gleichzeitig erfolgten Anbau mit unterzubringen gewesen wäre.

Wir sagen: Die schöne städtebauliche Besonderheit im neuaufgebauten Kassel, die Treppenstraße, kannte bessere Zeiten. Schauen Sie aber selbst. Die nächste documenta ist 2017 – oft genug hat sie auch die Treppenstraße in ihr Konzept mit einbezogen.

 

Rundgang

Folgen Sie Folckert Lueken-Isberner auf eine Runde Treppensteigen.

 

Literatur

Lüken-Isberner, Folckert, Kassel. Neue Stadt auf altem Grund, in: Beyme, Klaus von (u. a.) (Hg.), Neue Städte aus Ruinen. Deutscher Städtebau der Nachkriegszeit, München 1992, S. 251-266.

Baudenkmale in Hessen, Stadt Kassel I, hg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Braunschweig/Wiesbaden 1984.

Wingler, Hans Maria, Helle Fenster, in: Kassel (Merian 10), 1952.

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INTERVIEW: Haverkampf über die Zeil

INTERVIEW: Haverkampf über die Zeil

Der Stadtbaurat über „Deutschlands erste postmoderne Fußgängerzone“ – wie die Frankfurter Zeil begann und welchen Sinn sie heute noch macht.

INTERVIEW: Haverkampf über die Zeil

„Das Verkehrschaos blieb aus“

Hans-Erhard Haverkampf über die Zeil

 

Frankfurt am Main, Zeil bei Nacht (Bild: Mylius, GFDL 1.2 oder FAL)
Die Frankfurter Zeil heute bei Nacht (Bild: Mylius, GFDL 1.2/FAL)

Am 9. September 1973 wurde der westliche Teil der Frankfurter Zeil für den Kraftverkehr gesperrt – gegen den Widerstand vieler Gewerbetreibender. Auch die Debatte, wie man die nun autofreie Straße zwischen Haupt- und Konstablerwache gestalten solle, zog sich in die Länge. Dass ab 1976 die U-Bahn gebaut wurde, gab den Planern Zeit: Erst 1985 weihte man die Fußgänger-Zeil feierlich ein. Lange war sie die umsatzstärkste deutsche Einkaufsmeile. Und noch immer liegt die von Kaufhäusern gesäumte Straße in der nördlichen Innenstadt unter den kommerziellen „Top 5“ der Republik. Dr. Hans-Erhard Haverkampf (SPD) war in den Jahren, in der die Zeil ihr heutiges Gesicht erhielt, Baudezernent in Frankfurt am Main. Daniel Bartetzko sprach für moderneREGIONAL mit ihm über „die erste postmoderne Fußgängerzone Deutschlands“, über die Beweggründe und die Hoffnungen der Stadtplaner in den 1970er Jahren.

Daniel Bartetzko: Waren Fußgängerzonen die Rettung der Cities und im Speziellen der Frankfurter Innenstadt?

Dr. Hans-Erhard Haverkampf: Sie waren Anfang der 1970er vor allem die Antwort auf den drohenden Verkehrskollaps. Und sie sorgten dafür, dass die Aufenthaltsqualität in den Städten erhalten blieb. Von den Planern wurde damals gerne Walter Benjamins „Passagen-Werk“ bemüht, in dem er ja unter anderem übers Flanieren durch die Passagen von Paris reflektiert. Und auch, wenn das selbstvergessene Spazieren durch die Konsumwelt schon zu Benjamins Lebzeiten so nicht mehr möglich war, war das doch ein tolles Leitbild: Die ehedem autoverstopfte hektische Innenstadt bevölkert von entspannten Flaneuren, die an den Schaufenstern vorbeiziehen. Ein Ideal der Entschleunigung, das den Bürgern leicht zu vermitteln war.

Frankfurt am Main, Zeil bei Nacht, 1970 (Bild: Dontworry, CC BY-SA 2.0. de)
Die Frankfurter Zeil bei Nacht im Jahr 1970, als Fußgänger noch eine Randerscheinung waren (Bild: Dontworry, CC BY-SA 2.0. de)

DB: Widerstände hat es aber trotzdem gegeben.

HH: Sicher. Die Planung der Frankfurter Fußgängerzonen stammt ja noch aus Zeiten der Oberbürgermeister Willi Brundert und Walter Möller, also den späten 1960ern, frühen 1970ern. Damals war die autogerechte Stadt noch ein Ideal bei vielen. Leider auch bei den Kaufleuten auf der Zeil, die folgerichtig Sturm liefen. Als ich die Arbeit beim Magistrat aufnahm, war die Sperrung aber schon durchgesetzt. Und das Verkehrschaos blieb ebenso aus, wie der Umsatzeinbruch bei den Kaufhäusern.

DB: Dafür kam ein großes Loch. Und bis in die 1980er Jahre der oberirdische Umbau.

HH: Ja, mit dem U-Bahn-Bau startete die grundlegende Umgestaltung der Zeil. Hier haben wir noch in großen Teilen die Möller-Planungen umgesetzt. Es war klar, dass durch die dichte Bebauung später kein grünes Paradies entstehen würde. Auch der Gedanke an eine transparente Überdachung war bald vom Tisch – dafür war die Straße schließlich doch zu breit. Das „grüne Dach“ durch angepflanzte Platanen, eine Idee des Architekten Udo Nieper, hat sich für uns als beste Lösung angeboten: Sie wurzeln nicht zu tief, so dass sie im flachen Erdreich zwischen U-Bahn-Tunnel und Straßenpflaster ordentlich gedeihen.

Tinguely-Brief an H.-E. Haverkampf (Bild: H.-E. Haverkampf)
Ende der 1980er Jahre tauschte sich der Schweizer Bildhauer Jean Tinguely per Postkarte mit dem Frankfurter Stadtbaurat Hans-Erhard-Haverkampf über einen möglichen Brunnen auf der Zeil aus: „Also wenn, wann, wo, wie, was geschehen sollte: dann sollten wir uns mal sehen! Treffen wir uns?“ (Bild: H.-E. Haverkampf)

DB: Kritisiert wird die Gestaltung der Konstablerwache: Die Platzanlage wurde durch ein vermeintlich sinnfreies Podest um einige Stufen erhöht.

HH: Sinnfrei ist es leider nicht: Beim damaligen Stand der Technik war es notwendig, um die neue B-Ebene des U-Bahnhofs Konstablerwache zu überfassen, ohne das gesamte Straßenniveau anzuheben. Es stimmt natürlich – einladend ist der Platz nicht. Auf dem Podest sollte eigentlich ein Brunnen des Schweizers Jean Tinguely entstehen. Kulturdezernent Hilmar Hoffmann und ich hatten ihn lange bekniet. Doch als er endlich bereit war, erkrankte er und das Projekt wurde nie realisiert. Leider, denn Tinguely hatte eine famose Idee: Er wollte eine skelettierte Rinderherde aus Stahl in ein Wasserbassin stellen. ‚Totentanz‘ sollte das Ganze heißen …

DB: Über die Möblierung der Zeil wurde auch leidenschaftlich debattiert.

HH: Ja, denn natürlich wollten wir uns von den bereits realisierten Fußgängerzonen abheben. Die Ödnis mancher Frühsiebziger-Konzepte wollten wir nicht wiederholen, und so orientierten wir uns an der aktuellen Architektur. Vielleicht ist die Zeil Deutschlands erste postmoderne Fußgängerzone. Eindeutig in diese Ära passt jedenfalls der Marmorbrunnen von Lutz Brockhaus, der ja vor Ort aus dem Vollen gehauen wurde. Nur leider krankheitsbedingt nicht ausschließlich von Brockhaus, sondern auch von zwei seiner Mitarbeiter. Ich war über das Ergebnis nicht glücklich, doch heute wird der Brunnen offenbar angenommen – er steht jetzt seit 30 Jahren. Die als Ruhepunkte errichteten vier Pavillons wurden dagegen schon abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Frankfurt am Main, Zeil, 2009 (Bild: Alecconnell, GFDL oder CC BY 3.0)
Bis heute laden die grünen Platanen der 1980er Jahre auf der Zeil zum Flanieren ein (Bild: Alecconnell, GFDL oder CC BY 3.0)

DB: 30 Jahre, Sie haben es erwähnt. Trotz jüngster Umbauten ist die Frankfurter Zeil nach wie vor ein Kind der 1980er. Würden Sie sagen, sie funktioniert noch immer?

HH: Ja, sie wird nach wie vor stark frequentiert. Und dass die Geschäftszentren immer stärker von Filial-Ketten dominiert werden, ist ja eine allgemeine Entwicklung. Auch wenn manche Vorgehensweise von damals heute hemdsärmlig erscheinen mag – die Beteiligten haben wirklich Herzblut investiert. Und ich auch eigenes Geld: Die relativ teuren Natursteine der Konstablerwache wurden gegen Spenden symbolisch an die Bürger verkauft. Man wurde dann mit Namen und, wenn gewünscht, einem Sinnspruch im Boden verewigt. Neulich habe ich meinen eigenen Stein beim Spazierengehen wiedergefunden.

DB: Steht etwas darauf?

HH: ‚Lieber eine freundliche U-Bahn als ein freundliches U-Boot.‘

Das Gespräch führte D. Bartetzko (Heft 15/2).

Zur Person Dr. Hans-Erhard Haverkampf

H-E_Haverkampf_Bild_privatHans-Erhard Haverkampf (*1940), promovierter Finanzwissenschaftler, war von 1975 bis 1977 Planungs-, bis 1989 Baudezernent in Frankfurt am Main, danach freiberuflich tätig. Ab 1997 leitete er den Neubau des Bundeskanzleramtes in Berlin sowie zweier Bundestagsbauten. 2003 bis 2005 wirkte Haverkampf als Geschäftsführer der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Anschließend war er in verschiedenen kulturellen Bereichen tätig, u. a. als Schriftsteller („Meercazzing“).

Ein Rundgang durch die Zeil

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Frühjahr 15: Fußläufig

LEITARTIKEL: Grenzenloses Vergnügen?

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FACHBEITRAG: Chemnitz,  Brühl

FACHBEITRAG: Chemnitz, Brühl

Sylvia Necker folgt Spuren der Karl-Marx-Stadt, die in ihrem Zentrum einen eigenen Boulevard erhielt.

FACHBEITRAG: Frankfurt/O., Scharrnstraße

FACHBEITRAG: Frankfurt/O., Scharrnstraße

Paul Zalewski eignet sich mit Studenten die Große Scharrnstraße in Frankfurt/Oder neu an.

FACHBEITRAG: Hannover, Innenstadt

FACHBEITRAG: Hannover, Innenstadt

Ralf Dorn über eine der größten Fußgängerzonen Deutschlands – wie Hannover nach den Kriegszerstörungen verkehrsgerecht wiederaufgebaut werden sollte.

FACHBEITRAG: Dresden, Prager Straße

FACHBEITRAG: Dresden, Prager Straße

Tanja Scheffler bummelt durch die alte/neue Einkaufsmeile Dresdens.

PORTRÄT: Kassel, Treppenstraße

PORTRÄT: Kassel, Treppenstraße

Folckert Lueken-Isberner zur Ikone aller Fußgängerstraßen – der Kasseler Treppenstraße, ihrer langen Entstehungsgeschicht und ihren heutigen Problemen.

INTERVIEW: Haverkampf über die Zeil

INTERVIEW: Haverkampf über die Zeil

Der Stadtbaurat über „Deutschlands erste postmoderne Fußgängerzone“ – wie die Frankfurter Zeil begann und welchen Sinn sie heute noch macht.