PORTRÄT: Haus Schminke in Löbau

von Felix Wellnitz (20/1)

Für den Nudelfabrikanten Fritz Schminke und dessen Familie gestaltete der Architekt Hans Scharoun von 1930 bis 1933 im ostsächsischen Löbau ein mondänes Wohnhaus. Dieser Schlüsselbau der Moderne wird in einem Atemzug genannt mit Inkunabeln wie Mies van der Rohes Haus Tugendhat, Le Corbusiers Villa Savoye und Frank Lloyd Wrights Fallingwater. Seit 1978 steht Haus Schminke unter Denkmalschutz. Es ist heute nicht nur Museum und Veranstaltungsort, sondern kann auch für Übernachtungen gebucht und damit in seiner ursprünglichen Nutzung erlebt werden. Im Bauhaus-Jubiläumsjahr spielte es eine tragende Rolle – obwohl (oder gerade weil) Scharoun kein Bauhäusler war.

Löbau, Haus Schminke, Wohnzimmer (Bild: Schmid/Wellnitz)

Löbau, Haus Schminke, Wohnzimmer (Bild: Schmid/Wellnitz)

Hans Scharoun und das Klima

In Berlin als Architekt tätig, lehrte Scharoun sieben Jahre an der Staatlichen Kunstakademie in Breslau, nach Kriegsende dann an der TU Berlin. Zudem gehörte er den prominenten Vereinigungen „Gläserne Kette“ und „Der Ring“ an. Mit Haus Schminke lieferte er nicht nur einen innovativen Entwurf, sondern zeigte gleichermaßen Kompetenz für bauklimatische Zusammenhänge: Im Erdgeschoss öffnen sich durch Schiebe-Elemente frei schaltbare Räume nach Süden und zum nordseitig gelegenen Garten. Das südorientierte Bandfenster im Wohnzimmer ruht auf einer durchlaufenden, schwarzen Natursteinfensterbank, die als Wärmespeicher für die einfallende Solarstrahlung wirkt.

Im direkt anschließenden, dreiseitig verglasten Wintergarten findet sich ein „Pflanzenbecken“ – direkt unter der nach Süden geneigten, aufgeglasten Wand. Die Nordfenster wurden im Obergeschoss mit Tauwasserrinnen ausgestattet. Somit wusste Scharoun um diese kältesten und vorrangig tauwassergefährdeten Oberflächen. Ebenfalls noch erhaltene, sichtbare Gussheizkörper und die Fußbodenheizung im Wintergarten sind Teil der Raumgestaltung.

Löbau, Haus Schminke, Behaglichkeitsfeld im Wohnzimmer (Bild: Schmid/Wellnitz)

Löbau, Haus Schminke, Behaglichkeitsfeld im Wohnzimmer (Bild: Schmid/Wellnitz)

Behaglichkeiten

Bei Baudenkmalen steht der Schutz vor Schäden stets im Vordergrund. Dennoch braucht jede Nutzung auch eine gute thermische Behaglichkeit und einen begrenzten Energiebedarf. Neben diesen zentralen, eng zusammenhängenden bauklimatischen Aspekten muss auch im Bestand die Frage erlaubt sein: Wie lassen sich die CO2-Emmissionen senken? Im Neubau, aber auch bei Sanierungsmaßnahmen gelten dabei die Regeln der Energieeinsparverordnung (EnEV) und der zugeordneten Normen. Besonders im Denkmal aber finden sich historische Konstruktionen, die nach aktueller Normung kaum bewertet werden können.

In enger Zusammenarbeit der Stiftung Haus Schminke mit der OTH Regensburg wurden (vor der Ertüchtigung zum Bauhausjahr) ein zweijähriges bauphysikalisches Monitoring und eine thermische Gebäudesimulation durchgeführt: um die Bausubstanz bzw. deren bauklimatische Wirkung zu erforschen und um die Auswirkungen möglicher Sanierungsmaßnahmen auf Raumklima, Energiebedarf und Bausubstanz darzustellen. Im Haus Schminke zeigen die meisten Räume auch unter heutigen Maßstäben durchaus gute Behaglichkeiten. Nur der Wintergarten liefert bei Minusgraden oder Sommerhitze unbehagliche Tiefst- und Höchsttemperaturen – aber das ist in einer Übergangszone zwischen innen und außen kein Mangel.

Löbau, Haus Schminke, links: Fensterdetails (Bild: Schulze/Wellnitz); rechts: Simulationsmodell (Bild: Schmid/Wellnitz)

Neue Schäden

Seit der umfassenden Sanierung von 2000 sind neue Schäden fast ausschließlich an den Dachoberlichtern und am Außenputz wieder oder neu entstanden. Die damals ebenfalls sanierten Fensterkonstruktionen – Stahlprofile mit Einfachverglasung und Glashalteleisten aus Eiche – zeigen keine Kondensatschäden. Nur Wasserflecken an einigen ansonsten völlig intakten Holzleisten weisen darauf hin, dass zeitweise Tauwasser anfällt. Das hat auch damit zu tun, dass Fugen nicht mit Kitt verschlossen sind und immer wieder austrocknen können. Als Schwachpunkt bleibt ein vergleichsweiser hoher Energiebedarf, der vor allem dem hohen Glasanteil geschuldet ist. Es wurden zwar enorme solare Wärmegewinne gemessen, die aber durch die Einfachgläser schnell wieder abfließen und der Energiebilanz kaum gutgeschrieben werden können.

Löbau, Haus Schminke, Wintergarten (Bild: Schmid/Wellnitz)

Löbau, Haus Schminke, Wintergarten (Bild: Schmid/Wellnitz)

Wie dicht ist zu dicht?

Die Forschungen haben ergeben: Eine denkmalpflegerisch unkritische Dichtung der aktuell sehr luftdurchlässigen Fensterfalze hat ein größeres Energieeinsparpotential. Zwar wäre eine sehr schlanke Isolierverglasung noch effektiver, ist aber denkmalpflegerisch keine Option. Die Wärmedämmung des Dachs und der opaken Außenwände hätte nur einen geringen Nutzen, da die Wärmeverluste über die Glasflächen vorherrschen. Allerdings steigt mit der höheren Luftdichtheit auch das Schimmel- und Tauwasserrisiko. Daher sollten die Raumluftfeuchten nach dieser Maßnahme unbedingt messtechnisch überwacht werden. Bei Bedarf müsste man dann entsprechend lüften, um dieses einmalige Baukunstwerk zu schützen.

Löbau, Haus Schminke (Bild: Frank Vincentz, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2012)

Löbau, Haus Schminke (Bild: Frank Vincentz, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2012)

Literatur

Graupner, Lobers, in: Burkhardt, Berthold (Hg.), Haus Schminke. Geschichte einer Instandsetzung, Stuttgart 2002, S. 123.

Titelmotiv: Löbau, Haus Schminke (Bild: Sauer/Wellnitz)

Winter 2020: Moderne lernen

LEITARTIKEL: Über das Neue Bauen hinaus

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PORTRÄT: Haus Schminke in Löbau

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Felix Wellnitz über ein Behaglichkeitsfeld.

INTERVIEW: Gefühltes Denkmal "Haus am Dom"

INTERVIEW: Gefühltes Denkmal „Haus am Dom“

Zur Sanierung des Hauses am Dom, Frankfurt.

FOTOSTRECKE: Der Einsteinturm in Potsdam

FOTOSTRECKE: Der Einsteinturm in Potsdam

Helge Pitz blättert sich durch die Baugeschichte.

INTERVIEW: Gefühltes Denkmal „Haus am Dom“

der Architekt Jochem Jourdan im Gespräch (20/1)

Das ehemalige Frankfurter Hauptzollamt ist kein ausgewiesenes Denkmal. Dennoch wurde es bei seinem Umbau von 2003 bis 2006 wie eines behandelt. Der 1926/27 vom nicht mal 30-jährigen Werner Hebebrand (1899-1966) gestaltete Bau in prominenter Lage am Kaiserdom war sowohl Teil des Neuen Frankfurt (Hebebrand zählte von 1925 bis 1929 zum Mitarbeiterstab von Ernst May) als auch eines der letzten Relikte der 1944 zerstörten Altstadt. Je länger das Zollamt mehr oder weniger unberührt die Zeiten überdauerte, desto stärker wurde es trotz seiner modernen Formen als Teil jenes verlorenen Sehnsuchtsorts erkannt, entwickelte sich zum emotionalen Denkmal.

Frankfurt, Haus am Dom (Bild: Jourdan & Müller Steinhauser Architekten)

Frankfurt, Haus am Dom (Bild: Jourdan & Müller Steinhauser Architekten)

Die Stadt hatte die Immobilie Anfang der 2000er Jahre ans Bistum Limburg verkauft, das hier das „Haus am Dom“ plante; eine katholische Bildungs-, Konferenz- und Veranstaltungsstätte. Nach Wettbewerb übernahm die Planungen hierfür das Frankfurter Büro Jourdan & Müller Steinhauser Architekten, das mit Bauen im Bestand seit Langem vertraut ist. Und sich doch mit teils harschen Reaktionen auf die ersten Entwürfe konfrontiert sah. Vor allem das zunächst vorgesehene Flachdach und die Fassadengestaltung fanden keinen Anklang. Die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth wurde zitiert, „es ziehe ihr die Schuhe aus“.

Jochem Jourdan plante um und entschied sich für ein Satteldach. Nicht nur beim Altbau, sondern auch beim neu zu errichtenden Kopfbau am Südende, der an den kaiserlichen Krönungsweg grenzt und für den ein nach 1945 wiedererrichteter Bauteil abgerissen wurde. So heftig die Kritik am ersten Entwurf war, so einhellig war das Lob für den realisierten zweiten: Das „Haus am Dom“ wurde am 14. Januar 2007 durch Bischof Franz Kamphaus eröffnet. 2008 zeichnete es der BDA Hessen mit der Martin-Elsaesser-Plakette aus, im gleichen Jahr wurde es vom Land Hessen als „Vorbildlicher Bau“ prämiert. Alt-Bürgermeisterin Petra Roth ist heute oft zu Gast.

Daniel Bartetzko traf sich mit Jochem Jourdan im Haus am Dom – zu einem Gespräch über ein nicht denkmalgeschütztes Denkmal der 1920er Jahre – und wie man es samt seiner Umgebung wieder für die Stadtgesellschaft öffnet.

Frankfurt, Haus am Dom (Bild: Jourdan & Müller Steinhauser Architekten)

Frankfurt, Haus am Dom (Bild: Jourdan & Müller Steinhauser Architekten)

DB: War das Haus am Dom, dessen Bau ja stets unter öffentlicher Beobachtung stand, ein schwieriges Projekt?

JJ: Das Flachdach fand keinen Anklang – also haben wir Änderungen vorgenommen. Doch als schweren Konflikt hatten wir das nicht empfunden. Werner Hebebrand ging es übrigens genau so: Auch er wollte in den 1920ern erst ein Flachdach bauen. Die Proteste der Frankfurter Altstadtfreunde um Fried Lübbecke führten dann zum schließlich ausgeführten Satteldach. Bischof Kamphaus als unser Bauherr war immer offen und interessiert, und die Vorgabe, dass der ehemalige Zollabfertigungssaal im Erdgeschoss fürs Museum für Moderne Kunst als Ausstellungsraum verbleiben sollte, war auch von Anfang an klar. Wir konnten also das Projekt weitgehend planungsgemäß umsetzen und standen immer in Dialog. So gesehen war das Haus am Dom also kein ungewöhnlich schwieriges Projekt.

Frankfurt, Haus am Dom (Bild: Jourdan & Müller Steinhauser Architekten)

Frankfurt, Haus am Dom, ehemaliger Zollsaal mit verschlossener Bodenöffnung (Bild: Jourdan & Müller Steinhauser Architekten)

DB: Die Bausubstanz der 1920er Jahre, bei der viele Materialien, für die damals noch keine Langzeiterfahrungen vorlagen, verwendet wurden, bereitet heute oft Probleme. Gab es auch hier böse Überraschungen?

JJ: Da das Gebäude sowohl 1926/27 als auch beim vereinfachten Wiederaufbau Ende der 1940er Jahre sehr sorgsam ausgeführt wurde, fanden wir kaum Schäden vor. Es handelt sich um einen Stahlskelettbau, dessen Stützen mit Backsteinen verkleidet sind. Hilfreich für die Substanz war natürlich, dass Werner Hebebrand selbst auch den Wiederaufbau leitete. Er kannte die Konstruktion und beschwor keine unbeabsichtgten Folgeschäden herauf, wie sie durch unpassende Materialien, Isolierung oder nicht durchdachte Statik entstehen können.

Frankfurt, Haus am Dom, wiederhergestellte Farbfassung im Flur
(Bild: Daniel Bartetzko)

Die Nachkriegsgestaltung ist ja heute auf den ersten Blick nicht mehr zu erkennen, doch unter dem neuen Satteldach blieb zum Beispiel das nahezu unveränderte Flachdach bestehen. Im Büroflur des vierten Stocks ist es anhand der geknickten Betonträger noch immer ablesbar. Und wie viel 1920er auch um das Jahr 2000 noch im Gebäude steckten, offenbarten die Wände: In jeder Etage kamen die ursprünglichen Farbfassungen zum Vorschein, ebenso fanden sich Teile des zugehörigen Linoleumbodens. Somit ist in den Büroetagen jetzt wieder die originale Gestaltung zu finden. Selbst feine Details wie die abgerundeten Türlaibungen haben bis heute jede Renovierung seit 1945 überdauert. Genauso das verglaste Eck-Treppenhaus an der Nordseite, das man als Zitat der Fagus-Werke von Walter Gropius und Adolf Meyer lesen kann. In den geschmiedeten Eisenfenstern blieben die bauzeitlichen Bleiverglasungen von Hans Leistikow erhalten. Dieses auch von uns kaum veränderte Treppenhaus wird heute nicht beheizt, um Kondenswasserbildung zu vermeiden.

DB: Durch Abriss und den Neubau des sogenannten Domforums am Südende haben Sie den alten Baukörper aufgebrochen. Zwischen altem und neuem Teil befindet sich nun über dem ebenfalls neuen Haupteingang eine Art vertikales gläsernes Foyer. Ist das gewollte Unruhe?

JJ: Es ist ein Schritt hin zur früheren Kleinteiligkeit der Bebauung gewesen, die ja heute mit der neuen Altstadt vollends wiederhergestellt ist. Man erkennt das Haus am Dom von nahem als Einheit, aus der Entfernung ist es dagegen, obwohl immer noch groß, Teil der Parzellierung. Der gekrümmte Hebebrand-Bau weist in der Domstraße auch kunstvoll den Blick aufs Domportal. Und durch das Verlegen der Tiefgaragen-Einfahrt, die direkt neben dem Portal lag, ist nun der Platz vorm Dom ebenfalls wieder zum öffentlichen Raum geworden. Er wird unter anderem durch den neuen Kopfbau gerahmt. In dessen Giebelsaal haben wir zwei weitere Leistikow-Fenster integriert, die aus einem Depot des Bistums stammen. Sie entstanden in den frühen 1950ern und waren ursprünglich in der Wahlkapelle des Doms verbaut.

Frankfurt, Haus am Dom, Einfahrt zur Tiefgarage (Bild: Daniel Bartetzko)

DB: War die Tiefgarageneinfahrt der neuen Altstadt also im Weg?

JJ: Sie durchschnitt den Zugang über die Domstraße Richtung Altstadt und weiter Richtung Main, auch wenn sie als solches gar nicht so beherrschend war. Jetzt ist die Einfahrt einige Meter nach Norden versetzt und im Untergeschoss des ehemaligen Zollsaals im Hebebrand-Bau integriert. Hierfür wurde ein Fensterelement durch ein Tor ersetzt und die Rampe hinunter so geneigt, dass die rückseitige Fassade unberührt bleiben konnte. Dieses Durchstechen des Hauses wäre bei einem eingetragenen Baudenkmal schwierig durchzusetzen gewesen. Zumal die Sockelgeschosse mit ihrer Muschelkalk-Verblendung und den Eisenfenstern zu den herausragenden Details des Gebäudes zählen.

Frankfurt, Haus am Dom, links: Giebelsaal, rechts: großer Saal (Bilder: links: Jourdan & Müller Steinhauser Architekten, rechts: Daniel Bartetzko)

Der Saal selbst war früher mit dem Untergeschoss durch eine große Öffnung im Boden verbunden, die die Stadt Anfang der 1980er verschlossen hatte. Es ist dabei geblieben, der Boden ist nun mit Asphalt beschichtet. Der ursprüngliche Zugang zum Saal über die bauzeitliche Treppe von der Domstraße aus blieb bestehen, sodass die Besucher des MMK nicht erst durchs Haus am Dom kommen müssen. Die einfach verglasten Fenster im Saal haben wir mit dahinter gesetzten, belüfteten Kastenfenstern gedoppelt, sodass das Raumklima angenehm bleibt. Das Haus am Dom hat im Neubau ja eigene Säle und das Foyer ist ebenfalls groß genug für Veranstaltungen. Trotzdem gibt es natürlich auch einen Durchgang zwischen Zollsaal und Foyer.

DB: Nach über zehn Jahren Nutzung: Hat sich das Gebäudekonzept bewährt, funktioniert das Haus am Dom?

JJ: Die einzige spätere Ergänzung war ein Publikums-Zugang zur Dachterrasse, die nun auch für Veranstaltungen nutzbar ist. Hierfür ist im Obergeschoss eine Wendeltreppe installiert worden. Und nachdem jetzt die neue Altstadt fertig ist, wurde die Fassade neu gestrichen, denn sie hatte unter der jahrelangen Baustaub-Berieselung gelitten. Insgesamt wird das Haus am Dom als Teil der neuen Altstadt wahr- und angenommen. Und als die überkonfessionelle Begegnungs- und Kulturstätte, die es von Anfang an sein sollte.

Frankfurt, Haus am Dom, Jochem Jourdan fotografiert durchs Fenster im Giebelsaal die rekonstruierte „Goldene Waage“ (Bild: Daniel Bartetzko)

Jochem Jourdan (*1937) studierte an der Technischen Hochschule Darmstadt u. a. bei Theo Pabst und Karl Gruber Architektur und legte 1965 bei Ernst Neufert die Diplom-Hauptprüfung ab. Er war Assistent am Lehrstuhl von Rolf Romero. 1969 gründete er in Darmstadt mit seinem Partner Bernhard Müller die Projektgruppe Architektur und Städtebau PAS (heute Jourdan & Müller Steinhauser Architekten). Seit 1980 ist der Bürositz in Frankfurt am Main. Jourdan realisierte unter anderem die Überbauung der Lindenstraße am Berlin Museum in Berlin-Kreuzberg (Teil der IBA 1987), die Kasseler documenta-Halle am Friedrichsplatz, die Hessische Landeszentralbank (mit Bernhard Müller, Wolfgang Rang, Michael Landes und Norbert Berghoff) – und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haus am Dom die Rekonstruktion des Frankfurter Altstadthauses „Goldene Waage“. Von Jochem Jourdan stammt auch der 1997 entwickelte und 2008 fortgeschriebene Frankfurter Hochhausentwicklungsplan.

Titelmotiv: Jochem Jourdan im Nordtreppenhaus des alten Hauptzollamts vor den bauzeitlichen Leistikow-Fenstern (Bild: Daniel Bartetzko)

Winter 2020: Moderne lernen

LEITARTIKEL: Über das Neue Bauen hinaus

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INTERVIEW: Gefühltes Denkmal "Haus am Dom"

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Zur Sanierung des Hauses am Dom, Frankfurt.

FOTOSTRECKE: Der Einsteinturm in Potsdam

FOTOSTRECKE: Der Einsteinturm in Potsdam

Helge Pitz blättert sich durch die Baugeschichte.

FOTOSTRECKE: Der Einsteinturm in Potsdam

mit historische Bildern und einem Text nach einem Vortrag von Helge Pitz (20/1)

Inzwischen bin ich 83 Jahre alt und habe auch noch ein paar Kinder. Der Einsteinturm ist eines davon. Er ist etwas Besonderes, denn er folgt seit 1924 seiner ursprünglichen Bestimmung: die Relativitätstheorie praktisch nachzuweisen. Doch die Verbindung von Stahlbeton, Mauerwerk und Spritzputz macht diese gebaute Plastik seit fast hundert Jahren zum Patienten. Schon kurz nach der Einweihung traten erste Schäden auf – eigentlich ist der ganze Turm ein gebauter Schaden. Und ein Kunstwerk. Doch bevor wir mit unserem Büro einen Plan für die Sanierung aufstellten, haben wir auf einer gründlichen bauhistorischen Untersuchung bestanden. Deshalb lohnt ein Bilder-Rundgang durch die Geschichte des Einsteinturms.

Die populär-wissenschaftliche Zeitschrift „Koralle“ zeigte den Einsteinturm 1926 als Titelmotiv (Bild: historische Abbildung)

Gestaltet vom Architekten Erich Mendelssohn, begleitet vom Astrophysiker Erwin Finlay Freundlich, benannt nach einem Nobelpreisträger, wurde der Einsteinturm 1924 eröffnet (Bild: historische Blaupause)

Erste Überlegungen wurden ab 1910 ausgetauscht, 1927/28 erfolgte die erste Sanierung (Bilder: links: Briefwechsel Mendelsohn-Freundlich; rechts: Bundesarchiv Bild 146-1978-069-15A, CC BY SA 3.0)

Jugendstil, Expressionismus oder doch eine Inkunabel der Klassischen Moderne? (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0, 2013)

Der Einsteinturm, der im Inneren ein Teleskop birgt, dient als Sonnenobservatorium (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0, 2013)

Alle fünf bis zehn Jahre stieß die Baukonstruktion technisch an ihre Grenzen: Spannungsrisse, Wasserschäden und Putzabplatzungen (Bild: Schadensbilder, 1990er Jahre, Büro Pitz & Hoh)

Mitte der 1990er Jahre wurde der Turm von Gerüsten umgeben: für Untersuchungen und zum Austrocknen durchnässter Stellen (Bild: 1990er Jahre, Büro Pitz & Hoh)

Potsdam, Einsteinturm (Bild: Coenen, CC BY SA 3.0)

Bis 1999 wurde der Einsteinturm – unter Wahrung von so viel Originalsubstanz wie möglich – renoviert. Künftig soll ein Pflegeplan Abhilfe schaffen (Bild: Coenen, CC BY SA 3.0)

Titelmotiv: Potsdam, Einsteinturm (Bild: Die Koralle, Titelblatt, Februar 1926)

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LEITARTIKEL: Über das Neue Bauen hinaus

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