FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

von Eva Dietrich (20/4)

Wer moderne Bankgebäude mit einem Blick fürs Detail betrachtet, wird in den meisten Fällen auf ein Kunstwerk stoßen. Skulpturen und Plastiken, aber auch Reliefs, Mosaike und Wandbilder unterbrechen kurz die Geschäftigkeit des Alltags. In Sölde, einem Vorort im Osten Dortmunds, gibt es ein fast postmodern anmutendes Relief zu entdecken. Hier wird das schnöde Finanzwesen zum stilvollen Perpetuum mobile, zur Geldmaschine.

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Nordansicht, Planzeichnung mit skizziertem Relief, Februar 1968 (Bild: Bauakte Sölder Straße 93, Bauaktenarchiv des Stadtplanungs- und Bauordnungsamts der Stadt Dortmund)

Planwechsel

Im Zentrum von Sölde – direkt neben dem Kriegerdenkmal, gegenüber der evangelischen Nachkriegskirche – wurde 1968 eine provisorische Sparkassenfiliale durch einen Neubau ersetzt: ein zeittypischer Flachdachbau mit unterschiedlichen Geschosshöhen für eine Geschäftsstelle und zwei Wohnungen. Für die Planung konnte der Dortmunder Architekt Günter Gehrmann gewonnen werden. Bereits im Bauantrag zeigt die Nordansicht ein Kunstwerk: An der Seitenfassade des Haupteingangs ist eine Skizze eingefügt, welche die Grundzüge des späteren Reliefs wiedergibt.

Für das Kunstwerk wurde der architektonisch bevorzugte Standort im Norden später gegen die stärker frequentierte Ostfassade ausgetauscht. Als der Neubau fertiggestellt war, platzierte man links des Haupteingangs ein ca. 2 x 3 Meter großes, aus mehreren Travertinplatten zusammengesetztes Relief. Der Titel der Arbeit – „Das Geld treibt die Wirtschaft“ – ist nur der Literatur zu entnehmen. Auf ein Schild wurde verzichtet, denn der Sinn der Darstellung lässt sich auch direkt erschließen, zumindest für Dortmunder.

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Relief (Bild: Eva Dietrich)

„Das Geld treibt die Wirtschaft“

Linear abstrahierte Formen stehen in drei Bereichen für das Zusammenspiel von Finanzwesen, Industrie und Wirtschaft: In der rechten Bildhälfte findet sich ein typisches Industriemotiv mit einem Fördergerüst und zwei großen rauchenden Schornsteinen. Sie verweisen auf Dortmund als Standort von Zechen und Kokereien. Der nach unten offene Rundbogen am rechten oberen Bildrand erinnert Einheimische an das identitätsstiftende Dortmunder U, das Gär- und Lagerhochhaus der Union-Brauerei. Links hinter den Schloten schaut ein Turm mit einem runden Aufsatz hervor, der einen Wasserhochbehälter darstellen könnte (wenngleich das nahegelegene sog. Lanstroper Ei eine ovale Form hat).

In der linken unteren Bildecke ist eine große Hängebrücke nicht ohne Weiteres nach Dortmund zu verorten. Dafür vermittelt sie einen großstädtischen Eindruck und verbindet die beiden Bildhälften. Links oben verweisen große Kolben und Zylinder auf eine chemische Fabrik, wenngleich dies ein in Dortmund nicht präsenter Industriezweig ist. Verbunden werden die drei Bereiche durch Transmissionsriemen: Der Titel „Das Geld treibt die Wirtschaft“ wird hier zum wechselseitigen Produktionsprozess erweitert. Die Sparkasse wird zur „Geldmaschine“.

Dormund-Sölde, Sparkasse (Bild: Eva Dietrich)

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Nordostansicht mit Relief (Bild: Eva Dietrich)

Modern und betriebsam

Ein wichtiges Motiv des Reliefs steht hier noch aus: das Hochhaus, bekrönt vom typischen, allerdings überproportional großen Sparkassenlogo, in der linken unteren Bildhälfte. Diese Darstellung bezieht sich auf die frisch fertiggestellte Hauptverwaltung der Sparkasse Dortmund (1968/69, Hanns Dustmann) in der – wie man damals wohl gesagt hätte – „City“. Damit unterstreicht das Relief auch das moderne, betriebsame Image der Sparkasse Dortmund. Die zeittypisch moderne Filiale im Vorort Sölde positioniert sich selbstbewusst als „kleiner Bruder“ der Hauptstelle.

Der Entwurf für dieses Relief stammt vom Künstler Herbert Volwahsen. 1906 in Oberschlesien geboren, absolvierte er zunächst eine Ausbildung an der Holzschnitzschule Bad Warmbrunn im Riesengebirge, um 1925 bis 1931 an der Kunstakademie in Dresden Bildhauerei zu studieren. Von 1935 bis 1953 hatte er ein Atelier im Künstlerhaus Dresden-Loschwitz, wo er neben freien Arbeiten auch zahlreiche Auftragswerke für Kirchen schuf. 1953 flüchtete der Bildhauer aus der DDR und wurde 1956 Fachbereichsleiter für Plastik an der Werkkunstschule Bielefeld. 1964 berief man ihn als Professor an die Fachhochschule Dortmund, wodurch sicherlich der Kontakt zu ortsansässigen Künstlern, Architekten und Institutionen entstand. Im Ruhestand zog er nach Murnau, wo er 1988 verstarb. Bekannt wurde Volwahsen hauptsächlich durch Skulpturen, während Reliefs in seinem Oeuvre eine Ausnahme blieben.

Dormund-Sölde, Sparkasse (Bild: Eva Dietrich)

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Ostansicht (Bild: Eva Dietrich)

Zwei junge Bildhauer

Ausgeführt wurde das Kunstwerk von den jungen Bildhauern Jan Bormann und Theo Uhlmann. Beide waren an der Fachhochschule Dortmund tätig und wurden sicherlich über Volwahsen vermittelt. 1939 in Dortmund geboren, schuf Bormann zahlreiche Skulpturen im öffentlichen Raum und wurde später besonders durch seine Landmarken-Kunstwerke im Ruhrgebiet bekannt.

Theo Uhlmann (* 1932 in Südkirchen, + 2001 in Dortmund) war auch später für die Dortmunder Sparkasse tätig: Für eine Filiale in Dortmund-Kley schuf er um 1975 die Stahlskulptur „Geldbaum“, 1978 für eine Filiale in Dortmund-Lütgendortmund ein reliefartiges Kunstwerk aus Stahl und Edelstahl. 1988 wurde an der Hauptverwaltung seine Skulptur „Drei Musen“ aufgestellt.

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Planzeichnung, Nordansicht, Februar 1968 (Bild: Bauakte Sölder Straße 93, Bauaktenarchiv des Stadtplanungs- und Bauordnungsamts der Stadt Dortmund)

Die Zeit der Kokereien ist vorüber

Die Zeiten, in denen Dortmund von Zechen und Kokereien geprägt wurde, sind lange vorbei. So dient das Relief in Sölde wohl heutzutage als „Historienbild“. Ironischerweise kann man bei der Sparkassen-Zweigstelle Sölde inzwischen wirklich von einer „Geldmaschine“ sprechen: Die Filiale wurde 2016 zu einem Selbstbedienungsstandort mit Geldautomat umgebaut.

Dortmund-Sölde, Sparkasse, Planzeichnung, Ostansicht, Februar 1968 (Bild: Bauakte Sölder Straße 93, Bauaktenarchiv des Stadtplanungs- und Bauordnungsamts der Stadt Dortmund)

Literatur

Zänker, Jürgen u. a., Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme, Dortmund 1984, 2. Auflage 1990, S. 197.

Kunst im öffentlichen Raum: auf: dortmund.de (www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/museen/kior/alle_kunstwerke/index.html, abgerufen am 11. September 2020).

Titelmotiv: Dortmund-Sölde, Sparkasse, Nordostansicht mit Relief (Bild: Eva Dietrich)

Herbst 2020: Schöner sparen

LEITARTIKEL: Mit leichtem Schaudern

LEITARTIKEL: Mit leichtem Schaudern

Kirsten Angermann über spätmoderne „Sparkassenarchitektur“ – mit Fotografien der mR-Leser.

FACHBEITRAG: Rotierende Röhren

FACHBEITRAG: Rotierende Röhren

Klaus Jan Philipp über den dramatischen Auftritt der Kreissparkasse Ludwigsburg.

FOTOESSAY: Monetäre Interieurs

FOTOESSAY: Monetäre Interieurs

Raffael Dörig über die Bank-Innenaufnahmen des Fotografen Beat Jost.

FACHBEITRAG: Strifflers Banken

FACHBEITRAG: Strifflers Banken

Eva Seemann über bislang übersehene Bauten des Architekten Helmut Striffler.

FOTOESSAY: Bodenständige Extravaganz

FOTOESSAY: Bodenständige Extravaganz

Jiří Hönes porträtiert Sparkassen im Raum Stuttgart.

FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

Eva Dietrich über ein besonderes Relief in Dortmund-Sölde.

FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

Johann Gallis und Albert Kirchengast über die brutalistische Sparkasse von Mattersburg.

FACHBEITRAG: Subtiler Wechsel

FACHBEITRAG: Subtiler Wechsel

Christoph Klanten über seine Kindheitserinnerungen an die Sparkasse Bottrop.

SPOILER: Best of 1990s

SPOILER: Best of 1990s

moderneREGIONAL startet 2021 ein Online-Projekt zur Architektur der 1990er Jahre.

FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

von Johann Gallis und Albert Kirchengast (20/4)

Im Schatten von Wien keimten nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder regionale Tendenzen mit eigenständig architektonischer Haltung auf – als wolle man sich gegenüber dem kulturellen Schwergewicht der Metropole behaupten. Doch während die Vorarlberger Baukünstler und die Grazer Schule international bekannt wurden, ist der Burgenländische Brutalismus bislang kaum auf fachliches Interesse gestoßen. Dabei entstand er in einem besonderen Spannungsfeld zwischen Gesellschaft, Politik und kultureller „Entwicklungshilfe“. Eine differenzierte Neubewertung der österreichischen Architekturlandschaft nach 1945 steht also noch aus. Ihre leise Wiederentdeckung wird derweil vom massiven Verlust spätmoderner Bauten begleitet, was ihr freilich einen makabren Beigeschmack verleiht. Anders verhält es sich (zum Glück) mit der Sauerbrunner Sparkasse in Mattersburg.

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Straßenansicht, Einreichplan von Herwig Udo Graf, 1970 (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung, Vorlass Herwig Udo Graf)

„Auf der Überholspur“

Beim Burgenland, dem „Land an der Grenze“, sind es nach 1945 vor allem die beiden Architekten Matthias Szauer und Herwig Udo Graf, die das Baugeschehen über Jahrzehnte prägen. Im Werk des Letzteren sticht die Mattersburger Sparkasse besonders hervor. Seine sonst oft ausgreifend-plastische Gestik wird hier sensibel eingebunden. Unweit des ersten burgenländischen Hochhauses gelegen, Teil des neuformulierten Ortszentrums, schreibt sich die Sparkasse ein in die Geschichte der modernen Neudeutung einer kleinstädtischen Urbanität.

Im Burgenland der 1950er Jahre wirkt der Verlust seiner ehemaligen urbanen Zentren lange negativ nach. Sie verbleiben 1921 bei Ungarn, als man das schmal-lange Bundesland endgültig zu Österreich schlägt. An der östlichen Staatsgrenze verläuft nun der Eiserne Vorhang. Der Lebensstandard des agrarisch geprägten Landstrichs liegt weit unterhalb des österreichischen Durchschnitts. Erst durch die langsame Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und einen gravierenden politischen Wechsel (1964 stellt die SPÖ erstmals den Landeshauptmann) macht sich eine Aufbruchsstimmung bemerkbar. Mit einem ehrgeizigen öffentlichen Investitionsprogramm soll der Rückstand schnell aufgeholt werden. Man befindet sich „auf der Überholspur“, um die Worte des charismatischen Landeshauptmanns Theodor Kery zu bemühen. Die politisch gewollte Modernität soll sich im Bau von Straßen und längst nötigen öffentlichen Infrastrukturen ausdrücken – eine neue gesellschaftliche Identität wird errichtet.

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Bauarbeiten, 1971 (Bild: © Archiv Dominik Plank)

Burgenland-Brutalismus

Auf Bauschaffende wirkt dieses Klima naturgemäß stimulierend. Man sucht nach dem Studium wieder Fuß im Land zu fassen – so auch der 1940 geborene, bei Karl Schwanzer an der Technischen Hochschule diplomierte Mattersburger Herwig Udo Graf. Gerade beginnt er, sich vorzüglich an der Schweizer Sichtbetonarchitektur seiner Zeit zu orientieren. Ein Stil, der das Burgenland künftig flächendeckend verwandeln wird: Schulen, Altenheime, Gemeindeämter, Hallenbäder, ein Krankenhaus, aber auch Leichenhallen und nicht zuletzt die in Österreich einzigartigen Kulturzentren (KUZ) verleihen dem ländlichen Raum eine Neudeutung. Diese Brutalismus-Variante entspricht weder dem anonymen Bauen, noch dem Häuslbauer-Stil oder der funktionalistischen Moderne. Man hatte eine neue Symbolform gefunden.

Neben der öffentlichen Hand sind es indes auch lokale Bankinstitute, meist kommunale Sparkassen und Raiffeisenverbänden, die sich mehr Platz und Repräsentation leisten können (und müssen). In Mattersburg entschließt sich 1970 auch die Sauerbrunner Sparkasse dazu, ihre Bankfilliale entsprechend aufzuwerten. Ein Neubau soll auf einem Nachbargrundstück des Bestandsbaus aus den 1950er Jahren errichtet werden. Die Wahl fällt auf den Architekten Herwig Udo Graf.

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Straßenseite, 1978 (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung, Vorlass Herwig Udo Graf)

Scharnier zur Geschichte

Der Stadterneuerung fällt zunächst ein biedermeierliches Wohnhaus zum Opfer. Am benachbarten modernistischen Bezirksgericht von Egon Presoly muss zeitgleich ein Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert weichen. Damit entsteht in der Gustav-Degen-Gasse eine schwierige Situation: Die im Westen anschließende Bebauung springt um sieben Meter aus der Flucht. So wird die neue Sparkasse zum Bindeglied, wie der Architekt in seiner Baubeschreibung festhält: „Dieser Umstand wurde durch eine gelenkartige Ausbildung des Stiegenhauses Rechnung getragen.“ Auf einem rechteckigen Grundriss erhebt sich nun ein zweigeschossiger Trakt, der im Obergeschoss über die alte Bauflucht auskragt. Der Betonzylinder, einem Wehrturm nicht unähnlich, dient als Scharnier zum südwestlich gelegenen Bezirksgerichtsvorgarten. Damit wird zugleich der horizontale Hauptbau konterkariert sowie der Eingang zu Windfang, Kassenhalle, Direktionsbüro und Nebenräumen mit vertikalen „Schießscharten“ markiert.

Dieser quasi öffentliche, nach innen luftige Zylinder erschließt ein extern genutztes Büro im Obergeschoss. Mit dem angegliederten zweigeschossigen Betonkubus kann sich Graf in den Bestand einfügen und diesen neu definieren. Dass der Altbau der 1950er Jahre daneben tatsächlich alt wirkt, überrascht nicht. Schon ein Jahr vor Planungsbeginn schreibt Graf 1969 in einer seiner wenigen theoretischen Stellungnahmen: „Die künstliche Wiederbelebung bereits musealer architektonischer Formprinzipien kann nicht das Ziel sein“. Vielleicht verweist der Sparkassen-Turm aber doch auch auf den abgebrochenen Erker des Bezirksgerichts?

Mattersburg, Bank Austria, Filiale Mattersburg, um 2020 (Bild: Johann Gallis)

Die Umgebung im Blick

Der Brutalismus behandelt die Geschichte ja bekanntlich nicht immer „brutal“, seine Kritik gilt vor allem der „weißen Moderne“. Wird die gesamte Straßenfassade der Mattersburger Sparkasse auch in schalreinem Beton ausgeführt, kann das Obergeschoss doch als Neudeutung eines Renaissance-Erkers gelten – die Fenster- und Portalkonstruktionen aus Mahagoni, das auskragende Obergeschoss mit Fensterband, vorgelagertem Blumentrog und einer betonten Attika-Zone.

Bei der Freiraumgestaltung arbeitet Graf immer wieder nach einem ähnlichen Prinzip. Ein kleiner, der Bauflucht folgender Ziergarten wird vorgelagert und durch eine niedrige gestaffelte Betonmauer begrenzt. In Mattersburg dient dort eine Betonplastik mit stilisiertem Sparkassenlogo zugleich als Einwurfschacht in den unterirdischen Tresorraum. Der Eingangsbereich aus Waschbetonplatten wird von einem Becken mit Wasserspeier flankiert, das den Regenabfluss des Vordaches aufnimmt. Graf zeigt sich damit sensibel für sein Umfeld, sogar inmitten einer Stadt, wie er es im bereits erwähnten Text formuliert: „Die Substanz, mit der sich der Architekt befassen muss, ist in erster Linie die Natur, die Landschaft“, denn „jegliches Bauen beraube ein Stück der Erdoberfläche seiner Natürlichkeit.“

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Kassenhalle, 1972 (Bild: © Archiv Dominik Plank)

Großzügig und großstädtisch

Im Inneren der Sparkasse fühlte man sich ganz am Puls der Zeit, wie historische Aufnahmen belegen. Auch die Büro- und Bankmöblierung übertraf die Vorgängerfiliale an Großzügigkeit und großstädtischen Flair. Gediegene Interieurs, dunkel furnierte Holzpaneele, Kunststeinböden, eine Lichtdecke oder Spannteppiche, bis zum Boden reichende Stoffvorhänge und nicht zuletzt die Teil-Bespannung der Wandelemente mit Jutetapete schufen den für Graf typischen Kontrast: außen Brutalismus, innen gehobene Wohnarchitektur. Dies verwundert nicht, sorgte Graf doch vor allem in seinem Frühwerk für die Einrichtungen zahlreicher Privathäuser – ein Metier, für das er sich schon als Praktikant in Skandinavien interessiert hatte.

Als die Mattersburger Bank fusionierte, wurde Graf in den 1990er Jahren mit Umbaumaßnahmen betraut. Er öffnete den Kassenraum, gliederte ihn in mehrere Kundenzonen und fand neuerlich zu einer zeitgemäßen Sprache in „harter Schale“. Die repräsentative Straßenfassade wurde nach heutigen denkmalpflegerischen Standards restauriert, der Sichtbeton an Schadstellen saniert, sonst nur gereinigt und an den hochwertigen Holzteilen fachmännisch überholt. Auch in dieser Hinsicht bildet die Sparkasse bis heute einen seltenen Glücksfall im burgenländischen Baugeschehen.

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Wendeltreppe, 1978 (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung, Vorlass Herwig Udo Graf)

Baudaten

Ort: Mattersburg, Gustav-Degen-Gasse 15

Architekt: Arch. DI Herwig Udo Graf, Mattersburg

Mitarbeit: DI Helmut Herschel

Planung: 1970

Realisierung: 1970–72

Ausführung: Baumeister Rudolf Strodl, Mattersburg

Statik: DI Roman Fedorcio, Mattersburg

Künstlerische Gestaltung: Emaille-Wandtafeln, Hannelore Knittler-Gesellmann, Wien/Mattersburg

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Grundriss, Einreichplan von Herwig Udo Graf, 1970 (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung, Vorlass Herwig Udo Graf)

Literatur

Graf, Herwig Udo, Planen, Bauen, Wohnen, in: Peisonia, parteiunabhängige Zeitschrift für Burgenland 1969, 1, S. 4.

50 Jahre Gemeindesparkasse in Sauerbrunn, hg. von der Gemeindesparkasse in Sauerbrunn, Broschüre, 1977, Eigenverlag.

Graf, Herwig Udo, 10 Jahre freischaffende Tätigkeit, 1968-1978, Broschüre, 1978, Eigenverlag.

Gallis, Johann, Bauen für das moderne Burgenland, das Frühwerk der Architekten Matthias Szauer und Herwig Udo Graf, Masterarbeit, Institut für Kunstgeschichte Universität Wien, 2020.

Gallis, Johann/Kirchengast, Albert/Tenhalter, Stefan, Die Nachkriegsmoderne im Burgenland. Bericht einer Bestandsaufnahme, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 2020, 3/4 (erscheint im Dezember 2020).

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Kassenraum im Altbau, 1970 (Bild: © Archiv Dominik Plank)

Titelmotiv: Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Weltspartag in der Sparkasse, 1980er Jahre (Bild: © Archiv Sonja Sieber)

Herbst 2020: Schöner sparen

LEITARTIKEL: Mit leichtem Schaudern

LEITARTIKEL: Mit leichtem Schaudern

Kirsten Angermann über spätmoderne „Sparkassenarchitektur“ – mit Fotografien der mR-Leser.

FACHBEITRAG: Rotierende Röhren

FACHBEITRAG: Rotierende Röhren

Klaus Jan Philipp über den dramatischen Auftritt der Kreissparkasse Ludwigsburg.

FOTOESSAY: Monetäre Interieurs

FOTOESSAY: Monetäre Interieurs

Raffael Dörig über die Bank-Innenaufnahmen des Fotografen Beat Jost.

FACHBEITRAG: Strifflers Banken

FACHBEITRAG: Strifflers Banken

Eva Seemann über bislang übersehene Bauten des Architekten Helmut Striffler.

FOTOESSAY: Bodenständige Extravaganz

FOTOESSAY: Bodenständige Extravaganz

Jiří Hönes porträtiert Sparkassen im Raum Stuttgart.

FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

Eva Dietrich über ein besonderes Relief in Dortmund-Sölde.

FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

Johann Gallis und Albert Kirchengast über die brutalistische Sparkasse von Mattersburg.

FACHBEITRAG: Subtiler Wechsel

FACHBEITRAG: Subtiler Wechsel

Christoph Klanten über seine Kindheitserinnerungen an die Sparkasse Bottrop.

SPOILER: Best of 1990s

SPOILER: Best of 1990s

moderneREGIONAL startet 2021 ein Online-Projekt zur Architektur der 1990er Jahre.

FACHBEITRAG: Megastruktur im Park

von Oliver Sukrow (20/3)

„Radikal modern“ lautete 2015 der Titel einer Ausstellung zur Baukunst der 1960er Jahre in West- und Ostberlin. Den Besuchern zeigte sich ein beeindruckendes Panorama von Wunschvorstellungen, mit denen die gebaute Umwelt der geteilten ‚Frontstadt des Kalten Krieges‘ umfassend verändert werden sollte. Architekten und Planer dachten ihre komplexe Umwelt neu und überstiegen (ganz im Sinne der revolutionären Stimmung) die Grenzen einer Metropole, die ab 1961 durch Mauer und Todesstreifen konkret physisch aufgeteilt wurde.

Dieter Urbach: Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, Fotocollage (Bild: © Berlinische Galerie)

Dieter Urbach: Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, Fotocollage, 1971 (Bild: © Michael Kaiser, Dieter Urbach, Berlinische Galerie, 2015 Teil der dortigen Ausstellung „Radikal modern“)

„Jetset im Sozialismus“

Dass gerade die 1960er Jahre unserer Gegenwart nahe scheinen, liegt nicht nur daran, dass so viele Dinge aus diesem Jahrzehnt wieder auf der politischen, sozialen oder künstlerischen Agenda stehen: vom Technologieoptimismus bis zu den Bürgerrechts- und Emanzipationsbewegungen. Dieses Jahrzehnt wurde zudem geprägt durch eine gewisse Coolness und Leichtigkeit, mit der Gesellschaften damals in die Zukunft schauten. Heute sind uns die 1960er Jahre vertraut und gleichzeitig historisch-distanziert. Mit dieser geschichtlichen Dialektik spielte auch die oben genannte Ausstellung in der Berlinischen Galerie: Im ‚Blick zurück nach vorn‘ wurde nicht nur das Bauen und Planen in Ost und West vermessen, sondern ebenso ein Wunsch an die Gegenwart herangetragen – mal wieder „radikal modern“ zu sein.

2015 setzte die überregionale PR-Arbeit der besagten Ausstellung auf ‚ikonische‘ Bilder aus den 1960er Jahren. Deren Spannung bestand ja gerade darin, eben nicht ‚typische‘ Ansichten zu zeigen, sondern den Vorschein einer neuen Epoche: das Berlin einer vergangenen Zukunft, von Engelbert Kremsers organischem Europa-Center über Manfred Jäkels und Lothar Kwasnitzas Entwurf einer Wohnbebauung am Leninplatz und den Rollenden Gehsteigen am Kurfürstendamm von Georg Kohlmaier und Barna von Sartory (der Londoner Fun Palace lässt grüßen!) bis zu Dieter Urbachs visuellen Manifestationen der modernen sozialistischen Hauptstadt der DDR. Der Architekt (und heute würde man sagen Renderer) Urbach kreierte spektakuläre Ost-Berliner Zukunftsvisionen, die als Fotomontagen besonders ‚realistisch‘ wirken: Alexanderplatz, Außenministerium am Lustgarten, Marx-Engels-Forum – und mehrere Ansichten eines Komplexes aus Großhügelhäusern, entworfen von Josef Kaiser, zwischen denen sich Grünflächen mit Schwimmbecken ausdehnen. Manch einer sprach dabei sogar von „Jetset im Sozialismus“.

Dieter Urbach: Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, Fotocollage, 1971 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

Dieter Urbach: Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, Fotocollage, 1971 (Bild: © Dieter Urbach, Berlinische Galerie, 2015 Teil der dortigen Ausstellung „Radikal modern“)

Fotomontagen

Eine 1971 entstandene Urbach-Collage mit Kaisers Entwurf soll den Ausgangspunkt für einen Streifzug durch eine der interessantesten Wohnutopien der 1960er Jahre im deutsch-deutschen Kontext bilden – in deren Zentrum auch die Frage stand, wie ein „draußen Wohnen“ im Sozialismus der 1960er Jahre aussehen könnte. Sieben Frauen haben sich unter einem stahlblauen Sommerhimmel am Pool zum Sonnenbad versammelt. Unter farbigen Schirmen wird entspannt. Besonders markant ist die Frau im Bildvordergrund, die sich dynamisch-diagonal von rechts unten nach links oben ins Blickfeld schiebt. Sie dient als Bildeintritt und macht sogleich klar, um was es bei der Darstellung geht: um eine sonnenbeschienene sozialistische Wohnzukunft, die sich draußen abspielt, im Grünen, unter Sonnenschirmen und Bäumen.

Farblich und kompositorisch harmoniert die Frau im Vordergrund mit den monumentalen, abgeschrägten Seitenfassaden zweier Großwohneinheiten, die sich links und rechts des Parks aufspannen und in den Tiefenraum führen. Im Unterschied zu den Fotografien der Frauen am Pool, die aus den Lifestyle-Magazinen der Zeit entsprungen sein dürften, bringt Urbach die Fassaden der Megastrukturen nur abstrahierend. Bei den dunklen Feldern handelt es sich um die jeder Wohnung vorgeschalteten, tief in die Fassade eingeschnittenen Loggien, die ein „draußen Wohnen“ garantieren sollten. Urbach ging es dabei nicht so sehr um die akkurate Wiedergabe der architektonischen Lösung, sondern vielmehr um die ‚Aufenthaltsqualitäten‘: Die Megastruktur im Park meinte eine neue Stufe des sozialistischen Wohnens, in und mit der die Trennung von Wohnen, Arbeit und Freizeit aufgehoben würde. Durch diese räumliche Konzentration wollte Kaiser den Städtern sinnvoll nutzbare Zeit schenken, ohne auf die Annehmlichkeiten einer zentrumsnahen Lage und eines vielseitigen Umlands verzichten zu müssen.

Josef Kaiser, Entwurfsskizze für eine Großwohneinheit in Pyramidenform, 17.6.1966 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

Josef Kaiser: Entwurfsskizze für eine Großwohneinheit in Pyramidenform, 17. Juni 1966 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

Wie wohnt man in der Zukunft?

Die ersten Kaiser-Skizzen zur Großwohneinheit, die sich im Nachlass des Architekten finden, sind auf den Sommer 1966 datierbar. Hier erkennt man bereits die charakteristische Bauform: ein riesiger Block, dessen Seiten pyramidenartig abgeschrägt sind und dessen Querschnitt ein Dreieck mit abgeschnittener Spitze zeigt. Kaiser dachte von Anfang an auch städtebaulich und positionierte mehrere Einheiten um ein multifunktionales Zentrum. Einige wenige Megastrukturen sollten die ausufernden Neubaugebiete in Plattenbauweise ersetzen – für Leben, Arbeiten und Freizeit.

An den Außenseiten eines jeden Blocks (je mit einer Länge von 1.000 Metern, einer Höhe von 100 Metern und einer Breite von 150 Metern) wollte Kaiser Wohnung für 20.000 bis 24.000 Menschen unterbringen. Mindestens drei Blöcke würden zusammen eine Siedlung bilden, die mit ca. 60.000 Einwohnern die Größe einer kleineren DDR-Bezirkshauptstadt erreichte. Im Inneren sollten Produktions-, Arbeits- und Verkehrsflächen auf mehreren Ebenen die – ansonsten über die Stadt verteilten – Funktionen bündeln. Der dadurch entstehende Freiraum würde genutzt für Gärten, Spielplätze, Obst- und Gemüseplantagen, Festwiesen und sogar einen Stadtwald.

Josef Kaiser: Ideenskizze „Sozialistische Stadt“, Maßstab 1:20.000, 1968 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

Josef Kaiser: Ideenskizze „Sozialistische Stadt“, Maßstab 1:20.000, 1968 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

Ein „zusätzliches grünes Zimmer“

Durch die maximale funktionale Konzentration wollte Kaiser zugleich die Umgebung mit Freizeit- und Erholungseinrichtungen aufwerten – so wie es Urbach auf seinen Collagen dann auch zeigte. Während sich rund um die Megastrukturen eine durchgrünte, vielseitig benutzbare Stadtlandschaft ausbreitete, wurden die Großwohneinheiten effizient horizontal geschichtet: Unterirdisch waren Gleisstränge für Güter- und Personenverkehr vorgesehen. Ebenerdig wurde die Anlage für PKW und Fußgänger erschlossen. An den Außenseiten des Erdgeschosses sollten Wohneinheit und Randbebauung bzw. Grünfläche durch Fußgängerzonen miteinander verbunden werden.

Andere, zeitlich und typologisch vergleichbare Großwohneinheiten wie z. B. Harry Glücks Wohnpark Alt-Erlaa in Wien (1973–85) wurden erschlossen durch Aufzüge aus der Tiefgarage hinauf in die Etagen mit Korridorsystem. In Kaisers Entwurf hingegen sollten die Wohnungen direkt „vom Aufzugspaar her“ betreten werden. Durch den offenen Grundriss und die großzügige Loggia – von Kaiser als „zusätzliches grünes Zimmer“ bezeichnet – entsprachen die Wohneinheiten dem damaligen internationalen Geschmack. Auch diese, zumindest für die DDR, besondere Qualität erhielt durch Urbachs Visualisierungen narrative Qualität. Sie demonstriert eine neue Einstellung zum „draußen Wohnen“, das sich in den 1960er Jahren bei Kaiser sowohl im Innen- als auch im Außenraum niederschlug.

Josef Kaiser: Querschnitt durch ein Großhügelhaus, 1967 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

Ein Papiertiger

Urbachs Architekturcollage von 1971 stand am Ende einer Entwicklung, die für Kaiser Mitte der 1960er Jahre mit einem Auftrag des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) begann. Seit 1955 war er Abteilungsleiter bei VEB Berlin-Projekt, einer dem Ostberliner Magistrat unterstellten Behörde. In dieser Funktion wirkte er an einigen wesentlichen Bauvorhaben mit: am zweiten Abschnitt der Karl-Marx-Allee mit den Filmtheatern Kosmos (1959–62) und International (1960–64), am Hotel Berolina (1961–63), am Café Moskau (1960–64), am DDR-Außenministerium am Lustgarten (1964–68) oder am Centrum Warenhaus am Alexanderplatz (1967–70). Ab 1969 lehrte Kaiser an der Hochschule für Architektur und Bauwesen (HAAB) Weimar, wo er sich ebenfalls für seine Utopie einer sozialistischen Megastruktur stark machte. Ende der 1960er Jahre wurde er als Mitarbeiter in die Forschungsabteilung von VEB Berlin-Projekt delegiert, was wohl auch sein Interesse an einem solch theoretischen Vorschlag begründete.

1967 wurde Kaisers Gedankenspiel für eine sozialistische Großwohneinheit konkret: mit dem Auftrag des FDGB, im Rahmen des Forschungsschwerpunktes zu den „perspektivischen wohnungspolitischen Aufgaben 1971–1980“ an einer Studie über die „Herausbildung sozialistischer Wohnverhältnisse“ teilzunehmen. So entstanden im Sommer und Herbst 1967 zahlreiche Entwürfe, die 1968 in der Zeitschrift „Deutsche Architektur“ erschienen unter dem Titel „Sozialistische Stadt als Modellfall – Ein Vorschlag zur Erneuerung des Städtebaus“. Doch weder dieser Artikel noch die zahlreichen Vorträge als Professor an der HAAB Weimar konnten die SED-Entscheidungsträger von Kaisers Konzept überzeugen. Es blieb ein Papiertiger.

Dieter Urbach: Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, um 1970 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

Dieter Urbach: Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, um 1970 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

„Wunschräume und Wunschzeiten“

Neben Kaisers ambitioniertem „Vorschlag zur Erneuerung des Städtebaus“ – so im Projektexposé von 1967 – erhoffte er nicht weniger, als die „Monotonie“ im sozialistischen Wohnungsbau zu überwinden. Weder war er damit in der DDR allein, noch war er der Erste mit solchen Gedankengängen, hatten sich doch u. a. auch Bruno Flierl oder Silvio Macetti mit Großwohneinheiten auseinandergesetzt. Was Kaisers Utopie jedoch auszeichnet, ist (neben Urbachs Bildern) der theoretische Rahmen. Gerade städtebauliche Projekte wie eine imaginierte Großwohneinheit bildeten damals für Architekten und Planer politische, soziale, technologische und baukünstlerische Projektionsflächen. Kaisers Frage „Wie Wohnen?“ geriet wahrscheinlich schon in den 1930er Jahren in sein praktisches wie theoretisches Blickfeld. Und nach dem Ende des Kalten Kriegs hat sich sein Entwurf (und Urbachs Visualisierung) nicht in Luft aufgelöst, im Gegenteil: In unseren epidemischen Zeiten mit ihrem Ruf nach einem hygienischen Städtebau lohnt ein (und sei es nur ästhetischer) Blick zurück nach vorn auf die Megastruktur im lichtdurchfluteten Park.

Dieter Urbach, Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, um 1970 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)

Dieter Urbach: Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, um 1970 (Bild: © mit freundlicher Genehmigung des Josef-Kaiser-Archivs Dresden)


Literatur

Banham, Reyner, Megastructure. Urban Futures of the Recent Past, London 1976.

Doren, Alfred, Wunschräume und Wunschzeiten, in: Fritz Saxl (Hg.), Vorträge der Bibliothek Warburg 1924–1925, Leipzig 1927, S. 158–205.

Düesberg, Christoph, Megastrukturen. Architekturutopien zwischen 1955 und 1975, Berlin 2013.

Köhler, Thomas, Müller, Ursula (Hg.), Radikal modern. Planen und Bauen im Berlin der 1960er-Jahre, Ausstellungskatalog, 29. Mai 2015 bis 26. Oktober 2015, Berlinische Galerie, Berlin-Tübingen 2015.

Macetti, Silvio, Großwohneinheiten, Berlin 1968.

Sukrow, Oliver, Arbeit. Wohnen. Computer. Zur Utopie in der bildenden Kunst und Architektur der DDR in den 1960er Jahren, Heidelberg 2018.

Titelmotiv: Visualisierung von Josef Kaisers Großhügelhaus, Fotocollage, 1971 (Bild: © Dieter Urbach, Berlinische Galerie, 2015 Teil der dortigen Ausstellung „Radikal modern“)

Sommer 2020: Draußen wohnen

LEITARTIKEL: Die Befreiung des Wohnens

LEITARTIKEL: Die Befreiung des Wohnens

Alexandra Apfelbaum über die Öffnung der Architektur zur Natur.

FACHBEITRAG: "Wie wohnen?" 1901–27

FACHBEITRAG: „Wie wohnen?“ 1901–27

Alexandra Vinzenz über die großen Wohnbau-Ausstellungen der 1920er Jahre.

FACHBEITRAG: Paradiese aus Glas?

FACHBEITRAG: Paradiese aus Glas?

Laura Rehme über Bilder des Wohnens im dokumentarischen Film.

FACHBEITRAG: Waldparksiedlung Boxberg

FACHBEITRAG: Waldparksiedlung Boxberg

Maximilian Kraemer über Heidelbergs eigentliche Sehenswürdigkeit.

FACHBEITRAG: Megastruktur im Park

FACHBEITRAG: Megastruktur im Park

Oliver Sukrow über die visionären Großwohneinheiten von Josef Kaiser.

PORTRÄT: Dachgärten für alle

PORTRÄT: Dachgärten für alle

Alexander Kleinschrodt über das Hügelhaus in Erftstadt-Liblar.

INTERVIEW: "Fotogen sind diese Gebäude definitiv"

INTERVIEW: „Fotogen sind diese Gebäude definitiv“

Karin Derichs-Kunstmann im Gespräch mit Daniel Bartetzko über die Wohnhügel von Marl.

FOTOSTRECKE: Balkone in Heidelberg

FOTOSTRECKE: Balkone in Heidelberg

Steffen Fuchs porträtiert die luftige Seite Heidelbergs.