Bad Neuenahr, Kuranlage (Bild: Axel Hausberg)

Bad Neuenahr: Kurbauten vor dem Aus

Bad Neuenahr kann als Kurort überregionale Bekanntheit für sich beanspruchen. Und auch baulich hat das Städtchen in Rheinland-Pfalz Einiges zu bieten. Seit der Entdeckung einer Heilquelle in den 1850er Jahren entwickelte sich eine einzigartige Kuranlage, die stetig erweitert wurde. Die Grundlage schuf eine Planung des renommierten preußischen Garten- und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné. Auch das 20. Jahrhundert drückte der Anlage architektonisch ihren Stempel auf. Als die Formen der Moderne andernorts bereits als „Kulturbolschwewismus“ gebrandmarkt wurden, entstanden hier in den 1930er Jahren nach Plänen des Architekten Hermann Weiser die sog. Große Trinkhalle mit drehbarer Musikmuschel und die Wandelhallen in ebendieser Formensprache. Abgesehen von der Musikmuschel genießen sie jedoch keinen Denkmalschutz und sind derzeit akut vom Abriss bedroht. Bereits im letzten und im April diesen Jahres hatten sich der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz mit weiteren Verbündeten gegen den druhenden Kulturverlust stark gemacht.

Nun erneuert der Rheinische Verein sein Anliegen in einem offenen Brief an alle Stadtratsmitglieder. Der Hintergrund: „Am Montag, 23. September, werden Sie nun über den Antrag auf Abriss der dringend sanierungsbedürftigen Kuranlagengebäude, darunter vor allem auch die Konzerthalle, abstimmen.“ Als Ausweg schlägt Prof. Dr. Matthias, stellvertretender Vorsitzender des Rheinischen Vereins vor, die Entscheidung zu vertagen: „Dann könnte man noch im laufenden Bauhaus-Jubiläumsjahr zusammen mit nationalen und internationalen Fachleuten, die bereits Erfahrung im Umgang mit schwer beschädigten Altbauten aus Beton besitzen, ein Sanierungsgutachten erstellen und auf dieser Basis in Ruhe über das weitere Schicksal der geschädigten Bauten entscheiden.“ Noch ist Zeit und Gelegenheit für ein kluges Votum zugunsten der eigen Kurtradition mit ihren erhaltenswerten Bauten. (db/kb, 20.9.19)

Den vollen Wortlaut des offenen Briefs können Sie hier einsehen.

Bad Neuenahr, Kuranlage (Bild: Axel Hausberg)