Bauten für die Wartegemeinschaft

Soviet Bus Stops (Bild: C. Herbig)
Christopher Herbig fotografierte sowjetische Alltagsarchitektur (Bild: C. Herbig)

„Nur wartende Menschen/und nirgendwo ein Bus“, so besangen einst die Toten Hosen die festgefahrene Gesellschaft im Kuba Fidel Castros. Im „Bruderstaat“ UdSSR konnten sich die Wartenden zumindest an ungewöhnlicher Architektur freuen: die sowjetischen Bushaltestellen präsentierten sich nicht standardisiert, sondern bestachen durch Lokalkolorit und teilweise expressive Bauformen. Man könnte fast glauben, hier wollte jemand der spöttisch beschworenen „sozialistischen Wartegemeinschaft“ ein Denkmal setzen.

Der Fotograf Christopher Herwig hat diesem bislang kaum beachteten Stück Architekturgeschichte nun einen eigenen Bildband gewidmet. Für das Projekt legte er eine Strecke von über 30 000 km zurück und bereiste 13 Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: die porträtierten Bushaltestellen präsentieren sich mal als Miniaturmoschee in der kasachischen Steppe, mal als konstruktivistische Betonskulptur. Andernorts trifft man aufs überladene Schmuckkästchen voll sozialistisch-realistischem Kitsch oder auch einen überdimensionierten Mongolenhelm. Wer noch ein Exemplar ergattern möchte, sollte sich beeilen: der durch crowdfunding finanzierte Bildband wurde in einer streng limitierten Auflage von 1500 Exemplaren gedruckt, Restexemplare gibt es nur noch auf Nachfrage! (jr, 19.10.14)

Herwig, Christopher, Soviet Bus Stops. Limited edition photo book by Christopher Herwig, 2014, 128 Seiten, 28,5 x 21,5 cm.