Berlin, St. Hedwig, 2005 (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

Berlin: Neue Hoffnung für St. Hedwig?

Seit 1927 Basilica minor, seit 1930 Bischofskirche – St. Hedwig ist DIE katholische Kirche der alten/neuen Hauptstadt. In Berlin wurde sie 1773 als erster katholischer Kirchenneubau nach der Reformation eingeweiht. Und im 20. Jahrhundert bemühten sich gleich mehrere Architektengrößen um St. Hedwig: bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann. Prägend blieb der Wiederaufbau durch Schwippert, der außen alles beim Alten beließ. Fast, denn über der Betonschalenkuppel verzichtete er auf die klassizistische Laterne. Der Innenraum wurde radikal neu gedacht: ein Kapellenkranz und ein programmatisch offener Zugang zur Unterkirche.

2013 wurde ein Wettbewerb zur „Modernisierung“ der Bischofskirche ausgelobt und 2014 das Büro Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer ausgewählt. Nach ihrem Entwurf bliebe die eigenständige Deutung der Nachkriegszeit, Schwipperts Idee einer „Doppelkirche“, nicht erhalten. Bundesweit regten sich Proteste, die vor allem kultur- und liturgiegeschichtlich für die Nachkriegsgestaltung eintraten. Neues Futter erhielt die Kontroverse nun durch eine Veranstaltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die sich damit zugleich deutlich gegen den angedachten Umbau aussprach. Wie Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung am 4. Juli berichtete, rangen u. a. Landeskonservator Jörg Haspel und die Trierer Kunsthistorikerin Sabine Schulte unter der Moderation von Christian Freigang (FU Berlin) um Argumente für den Wert der Nachkriegsgestaltung. Zuletzt habe der Bistums-Pressesprecher Stefan Förner ein kleines Fenster für eine neue Diskussion aufgestoßen: Der Umbau sei funktional erforderlich, nicht aber kirchenrechtlich zwingend. Damit komme der Denkmalpflege, so Nikolaus Bernau, „nun eine ganz neue, viel stärkere Stellung in der Debatte“ zu. Wir dürfen gespannt sein. (kb, 6.7.17)

Berlin, St. Hedwig (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)