Berlin, Mauer, 2.10.90 (Bild: Ralf Roletschek, GFDL 1.2)

Biennale überwindet Mauern

28 Jahre, 2 Monate und 26 Tage stand die Berliner Mauer. Seit dem 5. Februar 2018 ist sie länger verschwunden als sie Bestand hatte; der Blick auf sie ist längst historischer Natur. Ein Rest des „Antifaschistischen Schutzwalls“, der Anfang 2018 nahe des S-Bahnhofs Schönholz entdeckt wurde, war dem Land Berlin gar eine Pressemeldung wert, er kommt nun auf die Denkmalliste. Diese düsteren 28 Mauerjahre sind auch die Inspiration für den deutschen Beitrag zur 16. Architektur-Biennale in Venedig, die am 26. Mai öffnet. Unter dem Motto „Unbuilding Walls“ werden 28 städtebauliche Projekte aus 28 Jahren seit Überwindung der Trennung Deutschlands präsentiert.

Das dreiköpfige Architekturbüro Graft hat den Pavillon für die 16. Biennale konzipiert – mit Marianne Birthler, der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Gemeinsam wählten sie architektonische Beispiele, die sich mit der deutschen Trennung in Ost und West und deren Nachwirkungen auseinandersetzen. Ein Beispiel sind die Überbleibsel grenznaher Dörfer, die mittlerweile von der Natur verschluckt wurden: Mehr als 11 000 Bewohner dieser Orte siedelte die SED zwangsweise um. Die große Mehrheit der vorgestellten Projekte stammt indes aus Berlin: Das Investoren-Wirrwarr rund um den einstigen Checkpoint Charlie (seit 1990 in wechselnden Dramaturgien) ist ebenso präsent wie die Kapelle der Versöhnung (2009) an der Bernauer Straße. Aber erwarten Sie keine Vollständigkeit! (db, 27.2.18)

Berlin, Mauer um 1990 (Bild: Ralf Roletschek, GFDL 1.2)