Blauer Bock: Notschlachtung 2016

2005 gratulierte der Blaue Bock Magdeburg noch zum Stadtjubiläum (Bild: Projekt bluebox, Fotograf: Wolf Brüning)
2005 gratulierte der Blaue Bock Magdeburg noch zum Stadtjubiläum (Bild: Projekt bluebox, Fotograf: Wolf Brüning)

Nein, es geht nicht um Apfelwein! Die Magdeburger Innenstadt verliert ein weiteres Zeugnis der DDR-Architektur der 1970er. Nachdem im letzten Jahr das Haus des Lehrers zum „Katharinenturm“ transferiert wurde, erwischt es nun den „Blauen Bock“. Die siebenstöckige Hochhausscheibe diente in DDR-Zeiten vorwiegend als Wohnheim für Krankenschwestern, seit 1992 steht sie leer. Alle Umnutzungs- oder Abrisspläne scheiterten seither, obwohl der marode Bau vielen Magdeburgern als Schandfleck gilt. Nun geht es ihm aber wohl an den Kragen. 2016 soll der Blaue Bock abgerissen und durch einen Neubau des Weimarer Büros Junk und Reich ersetzt werden.

Der schlichte Plattenbau wurde Anfang der 1970er Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft zu den sozialistisch-klassizistischen Bauten errichtet, die Magdeburgs ersten Wiederaufbau prägten. Er demonstriert damit anschaulich den historischen Umschwung der architektonischen Leitbilder der DDR. Sein erster Namensbestandteil leitet sich vermutlich aus den charakteristischen blauen Fliesen ab, zur Herkunft des „Bocks“ gibt es verschiedene Theorien. Mitte der 2000ern absolvierte das Bauwerk seinen letzten großen Auftritt: eine Lichtinstallation verwandelte die Fassade in den größten Adventskalender der Stadt und gratulierte Magdeburg zum 1200. Geburtstag. (jr, 19.10.15)

Am 20. Mai 2016 hat der Abriss des Blauen Bocks begonnen. (kb, 21.5.16)