Finnentrop-Heggen, Jugendherberge, Kapelle (Bild: Uwe S., 2012, via foursquare.com)

Bleibt die Kapelle übrig?

Im nordrhein-westfälischen Finnentrop ist der Stab über der ehemaligen Jugendherberge in Heggen bereits gebrochen. Die Kommune hatte das Areal vor einigen Jahren erworben. Nach einer Zwischennutzung als Flüchtlingsnotunterkunft überprüfte man verschiedene Varianten. Der Plan, hier eine Kindertagesstätte einzurichten, scheiterte ebenso wie der Umbau für Wohnzwecke – Letzteres sei wirtschaftlich nicht darstellbar. Die Geschichte der Anlage reicht zurück bis ins frühe 20. Jahrhundert. Zwischen 1910 und 1911 wurde für die Schwestern des Hl. Vinzenz von Paul ein Pflegehaus mit Kapelle (Feldberg und Stockert) im neugotischen Stil errichtet. Von Anfang an war die Anlage auf eine Vergrößerung hin angelegt, was bereits im darauffolgenden Jahr mit einem Kindergarten Umsetzung fand. Das Haus wurde ab den 1920er Jahren als Krankenhaus betrieben und umfangreich für diesen Zweck erweitert. In den kommenden Jahrzehnten wurde das Hospital St. Antonius noch mehrfach aus- und und umgebaut, wodurch neugotische, expressionistische und nachkriegsmoderne Formen vermischten.

Doch 1970 wurden die letzten Schwestern in ihr Mutterhaus abgezogen, ab 1979 nutzte man die Anlage, unter erneuten massiven Umbauten, als Jugendherberge. Als 2016/17 der Vertrag mit dem Deutschen Jugendherbergswerk des Landesverbandes Westfalen-Lippe auslief und sich damit das Ende dieser Funktion abzeichnete, übernahm die Kommune. Nun scheint der Abriss des Ensembles unabwendbar, um dort Neubauten zu Wohnzwecken zu errichten, die Rede ist von Bauplätzen für Mehrfamilienhäuser. Das Schicksal der Kapelle ist jedoch noch offen, wie die Presse berichtet. Damit könnte die Andachtsstätte erhalten bleiben und als letzter Rest der Anlage die ursprüngliche Krankenhausfunktion bezeugen. (kb, 8.11.21)

Finnentrop-Heggen, Jugendherberge, Kapelle (Bild: Uwe S., 2012, via foursquare.com)