Das Tomba-Brion (1969–1978), der Pavillon von Venedig (1954–1956) in den Giardini, das Castelvecchio Museum in Verona (1956–1975) oder das Ottolenghi-Haus in Bardolino (1974–1978) gehören zweifellos zu den bekanntesten Werken des italienischen Architekten Carlo Scarpa (1906–1978). Wie alle Architekt:innen steht aber auch er nicht alleine für seine Bauten: Ein langjähriger, enger Mitarbeiter und Meister-Ingenieur an Scarpas Seite war Carlo Maschietto (* 1946). Mit seiner technischen Präzision und seinem Verständnis von Strukturen setzte er Scarpas hochkomplexe statisch und praktisch in die Realität um. Das Team aus Carlo Scarpa und Carlo Maschietto steht für einen außergewöhnlichen Dialog zwischen visionärer Architektur und konstruktiver Intuition.
Diesem Duo haben sich die US-amerikanischen Wissenschaftlerinnen Anne-Catrin Schultz und Christina McCoy, ebenfalls eine Architektin und eine Ingenieurin, nun in einem Buch gewidmet, das gerade bei Birkhäuser erschien. Anhand der oben genannten Schlüsselwerke Scarpas und Maschiettos untersucht das Buch in fünf Kapiteln verschiedene Ansätze des konstruktiven Entwerfens und dessen formalen Ausdrucks. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie Tragwerke, weit gespannte Auskragungen, verborgene konstruktive Komplexität sowie der expressive Ausdruck von Wänden und Säulen, der für Scarpa – bzw. das Team – so typisch ist. Neben der Analyse der Bauten finden sich auch neue, eigens für das Buch erstellte Fotos und Zeichnungen sowie eine Übersicht zu Scarpas Werk in dem Buch. (pk, 24.9.26)

Altivole, Treviso, Tomba Brion, Architekt Carlo Scarpa, Ingenieur Carlo Maschietto, 1969–1978 (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2022)

